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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-09-20 · Heft 38 (20.9.1907) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 38 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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s v. d. Goltz, feierlich überreicht wurde. Es waren dazu erschienen der Bürgermeister a. D. Kümmert, der Beigeordnete Proschwitz, der Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Benz und die Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Freiherr v. d. Goltz erklärte, daß die Anregung zu dieser Auszeichnung von Herrn James Simon ausgegangen, und daß sie vom Bürgermeister Kümmert warm befürwortet worden sei. Er wies darauf hin, daß Gegensätze in der Welt beständen, Unterschiede hervorgerufen durch Erziehung, Vermögen usw. und auch Gegensätze der Religion. Das sei unvermeidlich und müsse auch so sein, wenn eine Entwicklung stattfinden solle. Aber man dürfe diese Gegensätze nicht verschärfen, und er sei kein Freund der Gegensätze, sondern ihrer Versöhnung. Das geschähe in der Nächstenliebe und in . der Treue zum Herrscherhause und Vaterland. Und diese beiden Eigenschaften hätte Herr Dr. Goldfchmidt in besonderer Weise bekundet. Die ganze Anstalt, wie sie heute besteht, sei sein Werk. Wenn auch andere geholfen hätten, so wäre doch sein besonderes Bemühen und Bestreben hervorgetreten. Der mit dieser Auszeichnung Bedachte habe auch die Treue zu König und Vaterland bewiesen. In diesem Sinne ist ihm die Ordensauszeichnung zuteil geworden. Der Redner schloß mit einem Hock auf den König. Dr. Goldschmidt erwiderte in bewegten Worten. Es berühre ihn außerordentlich angenehm, daß der Landrat diese beiden Gesichtspunkte besonders hervorgehoben habe. Diese Aufgaben habe er während der ganzen Zeit seiner Tätigkeit besonders betont, wie ihm auch seine Gemeindemitglieder, die er alle treu unterrichtet habe, wohl bezeugen werden. Er werde diese Gesichtspunkte auch weiter betätigen, bis ihn seine Kräfte verlassen. Der Bürgermeister Kümmert gab noch in einigen warmen Worten seiner besonderen Freude Ausdruck über die Auszeichnung und wünschte dem damit Bedachten, daß er noch viele Jahre dieselbe tragen möge. M. Hamburg, 11. September. Auf ein entsprechendes Gesuch des Unterstützungsvereins für Obdachlose, zu gestalten, daß diejenigen jüdischen Auswanderer, die Billetts zur Ueberfahrt auf den Schiffen hatten, die gerade am Roschhaschonoh und Jom Kippur die Ausreise von Hamburg fahrplanmäßig antreten, ein später, nach den. hohen Feiertagen, abgehendes Schiff benutzen, ist das folgende Antwortschreiben zu Händen des Herrn L. Mendelson hier eingegangen: „Hamburg, September 1907. Wir teilen Ihnen hierdurch mit, daß wir nichts dagegen haben, wenn jüdische Passagiere, die zur Abfahrt mit der „Batavia" am 10. September und mit der „Kaiserin Auguste Viktoria" am 19. September gebucht sind, von der Fahrt mit diesen beiden Schiffen zurücktreten und dafür später reisen. Hochachtungsvoll (gez.) Hamburg-Amerika-Linie." X. Elberfeld, 12. September. In Anwesenheit des Oberbürgermeisters, des Beigeordneten Schulrat Dr. Schirlitz sowie einiger Mitglieder des Stadtverordneten-Kollegiums fand am vergangenen Freitag die feierliche Einführung des neugewählten Gemeinderabbiners Dr. I. Norden statt. Das Gotteshaus war festlich geschmückt, und die Gemeindemitglieder hatten es sich nicht nehmen lassen, ganz außerordentlich zahlreich beim Festakt zu erscheinen. Unter den brausenden Klängen der neuen Orgel wurde der Rabbiner von der gesamten Gemeindevertretung ins Gotteshaus auf seinen Platz geleitet, worauf der Chor den Text sang: „Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn." Sodann ergriff der Vorsitzende der Gemeinde, Stadtverordneter M. Simon, das Wort, um dem bisherigen Rabbiner Dr. Auerbach für seine 41jährige treue Pflichterfüllung den Dank der Gemeinde auszusprechen und Rabbiner Dr. Norden in sein Amt einzuführen. Darauf nahm Dr. Auerbach in bewegten Worten Abschied von der Gemeinde und begrüßte seinen Amtsnachfolger, dem auch vom Lehrer und Kantor Wetzstein der Gruß der Beamten überbracht wurde. Den Höhepunkt erreichte die Feier in der Antrittspredigt des Rabbiners Dr. Norden, der unter Zugrundelegung von 5. Buch Mos. Kap. 17, 15: „Setze über dich einen König, welchen der Ewige, dein Gott, erwählen wird; aus der Mitte deiner Brüder sollst du über dich einen König setzen; nicht kannst du über dich einen fremden Mann setzen, der nicht dein Bruder ist," eine hohe Auffassung vom Nabbinerberuf an den Tag legte. Die Predigt war eine oratorische Musterleistung und rechtfertigte den hervorragenden Ruf, der Dr. Norden als Kanzelredner vorausgeht. Die liturgischen Funktionen des Freitagabendgottesdienstes verrichtete Kantor Zivi in außerordentlich feierlicher Weise; seine mächtige Baritonstimme kam dabei zu wirkungsvollster Geltung. Am Dirigentenpulte fungierte Herr Bernthal Mit gewohnter Sicherheit und verstand es, die Chorleistungen in das beste Licht zu stellen. Die neue Orgel, aus der Fabrik des Herrn Faust in Barmen, wurde von Musikdirektor Kampmann meisterhaft gespielt. Die zweistündige Feier war in all ihren Teilen außerordentlich erhebend. r. Trier, 15. September. Am 13. d. M. feierte der allverehrte Oberrabbiner unserer Gemeinde, Dr. I. Baßfreund, sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Vor seiner hiesigen Tätigkeit hat er neun Jahre lang seine Arbeit der Gemeinde Tarnowitz O.-S. gewidmet. In beiden Orten, wie überhaupt überall, wo er längere Zeit lebte, hat er sich durch sein liebevolles Wesen und seinen lauteren Charakter zahlreiche Freunde und Verehrer erworben. Seiner Gemeinde ist er ein aufopferungsfreudiger Rabbiner und Leiter, seinen Schülern ein liebevoller Lehrer und Berater, seinen Kollegen ein treuer Freund. Der jüdischen Wissenschaft hat er durch eine große Anzahl wertvoller Arbeiten gedient. Wir wünschen dem Jubilar eine lange Wirksamkeit, zum Segen seiner Gemeinde und der Wissenschaft. * Gesterreich-Nngarn« A Wien, 16. September. Die Jahresberichte der Rabbinerseminare zu Wien und Budapest sind erschienen. Wie gewöhnlich bringen sie an der Spitze zwei grundgelehrte Abhandlungen. Die eine von Hofrat Professor D. H. Müller über „Komposition und Strophenbau", die andere von Professor W. Bacher über „Zwei jüdisch-persische Dichter". Im Wiener Seminar haben vier Hörer, im Budapester nur einer die Rabbinerprüfung gemacht. Wien hat 33, Budapest 100 Schüler. Allerdings hat es auch eine Gymnasialabteilung, die hier fehlt. Und von den 100 Schülern dieser gelangen wohl kaum ein drittel in die obere Abteilung. Bemerkenswert sind in dem Wiener Programm die einleitenden Worte des Rektors Dr. Schwarz über die Bedeutung eines Proseminars und über das demnächst in Prag zu eröffnende Proseminar. — Neue Synagogen wurden in der vergangenen Festwoche eingeweiht in dem Villen- Vorort Döbling und in der deutschböhmischen Stadt Bodenbach. — Die Entführung jüdischer Mädchen wider Wissen und Willen ihrer Eltern ins Krakauer Kloster der Felizianerinnen wiederholt sich in erschreckender Weise; ohne daß die Behörde den schwer gekränkten Eltern zu Hilfe käme. Der jüngste Fall betrifft Herrn Faß aus Dembi ca, dessen 15jährige Tochter Gela nachgewiesenermaßen durch Intervention des Prälaten Wolski aus Dembica von einer Nonne in das erwähnte Kloster entführt wurde. Alle Bemühungen des Herrn Faß, seine Tochter wieder in Freiheit zu setzen, waren erfolglos; der Abgeordnete des Städtebezirks Dembica, Prälat Pastor, für den nicht nur die Bezirkshauptleute, sondern auch die Rabbiner seines Wahlbezirkes agitiert haben, erklärte sich außerstande, zu intervenieren, und die gleiche Erklärung gab auch der Krakauer Bürgermeister Dr. Leo ab. Der Abgeordnete Dr. Gabel hat diesen Fall zum Gegenstand einer Interpellation im Reichsrate gemacht. — In Ischl ist der als Philanthrop bekannte Präsident des Knabenwaisenhauses der Pester Gemeinde, Jakob Deutsch, im Alter von 72 Jahren gestorben. Deutsch kannte seit vielen Jahrzehnten keinen anderen Lebenszweck, als die Linderung fremden Leides. Den Schwerpunkt seines Wirkens verlegte er nach dem Knabenwaisenhause der Religionsgemeinde. Seiner Fürsorge ist die Prosperität der segensreich wirkenden Anstalt in vorderster Reihe zu verdanken, und dieses Institut dürfte, bis ein Ersah sich einstellt, seinen eifrigsten Förderer sehr schwer missen. In Budapest erfreute sich Herr Jakob Deutsch ungewöhnlichen Ansehens. Vor Jahren hatte ihn der König durch Verleihung des Franz Josefordens ausgezeichnet. * Von Sah und jfern. Dem Kommerzienrat Wilhelm Kopetzky ist der Charakter als Geheimer Kommerzienrat verliehen worden. — Von je hundert derjenigen Kandidaten des höheren Lehramts, die in Preußen die Prüfung im Jahre 1906 bestanden haben, waren 1,06 jüdisch. Im Jahre 1905 war die Prozentual^ ffer nur 0,31, im Jahre 1904 0,74.

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