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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-09-20 · Heft 38 (20.9.1907) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 38 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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— Der „Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen U. O. B. B. (eingetragener Verein) Monbijouplatz 10, Fernsprecher Amt III Nr. 2589. hat durch seine Vermittlung im Monat August 234 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch 24 Personen vorübergehend Beschäftigung nachgewiesen. Am 15. d. M. feierte der Sekretär dieses Vereins für Arbeitsnachweis, Herr Siegmund Berger sein zehnjähriges Amtsjubiläum. Der Jubilar hat durch Fleiß, Fürsorge und gewissenhafte Pflichterfüllung dem Verein, der seit 10^ Jahren besteht, zu seiner heutigen Größe verholfen. — Dr. I. Bleichröder, der Assistent am städtischen Krankenhause in der Gitschinerstraße, unter Professor Litten, ist als dessen Nachfolger zum interimistischen Direktor ernannt worden. — Der bisherige Religionslehrer der Shnagogengemeinde Grünberg i. Schl., Herr Ad. Heymann, ist zum Leiter der „Industrieschule sür israelitische Mädchen" zu Breslau gewählt worden. — Der Rabbiner der Kreissynagogengemeinde Tilsit, Dr. A. Ehrlich, beging unter lebhaftester Anteilnahme des Vorstandes, des Nepräseutantenkollegiums, der jüdischen Lehrerschaft und der ganzen Shnagogengemeinde seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar war Gegenstand zahlreicher, wohlverdienter Ovationen. — Vor einigen Wochen ist in Schlochau der Ratmann Moritz Weile zum Beigeordneten gewühlt worden. Der Regierungspräsident hat Herrn Weile mit der Führung der Amtsgeschäste für den beurlaubten Bürgermeister Klatt beauftragt. — Aus Anlaß der Einweihung der neuen Synagoge in Posen ist dem Vorsitzenden des Vorstandes der Synagogengemeinde Samuel Schönlank und dem Vorsitzenden der Baukommission Julius Scheffel der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen worden. — Jn Züllichau wurde die neu renovierte Synagoge feierlich eingeweiht. — Die israelitische Gemeinde in Zeitz beging die Weihe eines Betsaales, der in der Judenstraße liegt. Prediger Ludwig führte u. a. in seiner Festrede aus, daß bereits vor 600 Jahren ein israelitisches Bethaus auf dem Grund und Boden des jetzigen gestanden habe. — Der Vermehrung des jüdischen Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten in Köln wurde die Genehmigung von der Stadtverordnetenversammlung erteilt und die erforderlichen Kosten bewilligt. — In Mannheim wurde, gemäß dem Vorbilde anderer Städte, eine „Unentgeltliche Arbeitsnachweisstelle für Israeliten" ins Leben gerufen und bezüglich des Lokals mit der Passantenkasse vereinigt. — Der zum Kommerzienrat ernannte Bankier Georg Spiegelberg in Hannover gehört seit etwa zwanzig Jahren dem Judentum nicht mehr an. — In Wien ist am 17. t>. M. nach schwerem Leiden der bekannte Komponist Ignatz Brüll gestorben. — Der Bankier B. E. Eitje in Amsterdam ist in Anerkennung seiner Verdienste als Mitglied des Zentralausschusses der holländisch-jüdischen Gemeinden und als Kurator des holländisch-jüdischen Rabbiner- und Lehrerseminars von Ihrer Majestät der Königin zum Ritter des Niederländischen Löwenordens ernannt worden. — Der städtische Rentmeister Zuikerberg in Winschoten, langjähriger Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, feierte kürzlich sein 50 jähriges Jubiläum als Beamter der Stadt. Die Königin ernannte ihn zum Ritter des Orange Nassau-Ordens. Die Stadt widmete ihm eine Saloneinrichtung nebst großer goldener Medaille. Die Bürgerschaft brachte ihm einen Fackelzug. — In Paris ist am 10. d. M. die Witwe des sel. Grand Rabbin deFrance, Zadoc K ahn, gestorben. — Die Wahlen zum französischen Zentralkonsistorium werden am 10. November d. I. stattfinden. Die die näheren Anweisungen enthaltenden Zirkulare wurden den Gemeindevorständen bereits zugeschickt. Die Gemeinden sind so zusammengestellt, daß auf je 200 Wähler ein Vertreter kommen wird. — In Petersburg hat sich ein neuer „Rettungsbund" konstituiert, welcher den Zweck verfolgt, im Fall eines Attentats auf den Zaren oder Stolypin sämtliche Juden Rußlands zu töten. — Die Zeitung „Rjetsch" in Petersburg ist wegen eines von ihr veröffentlichten Artikels über die Unruhen in Odessa mit einer Polizeistrafe von 500 Rubel belegt worden. — In Moskau wurde die im Jahre 1892 erbaute Synagoge, deren Eröffnung bisher verboten war, nach der infolge Einführung der Glaubensfreiheit erfolgten Freigabe eingeweiht. — Dem Semstwokongreß in Moskau ist vom Grafen Uwarow ein Bericht über die Zulassung der Juden zur Selbstverwaltung eingereicht worden. Darin betont Uwarow, daß er als Vertreter des Gouvernements Saratow kein Hindernis erblickt, die Juden zur Semstwoverwaltung zuzulassen, obgleich der ministerielle Entwurf die Teilnahme der Juden an der Semstwo' Vertretung untersagt. Der erste Semstwokongreß habe einen großen Fehler begangen, indem er die Judenfrage mit Stillschweigen überging. So heiße Debatten die Frage auch Hervorrufen möge, es müsse Klarheit geschaffen werden. — Nach einer Meldung aus Lodz hat dort ein Pogrom begonnen. Elf Personen, darunter vier Frauen, wurden erschossen, vier Personen, darunter zwei Frauen, verletzt. — In Lodz ist am 13. d. M. der Fabrikant Mieey sla w Silberstein von einem Arbeiter ermordet worden, weil er sich, dem strengen Befehl der Regierung gemäß, geweigert hat, den Arbeitern ihren Lohn auch für die Zeit des Ausstandes zu bewilligen. — Die Nachrichten über ein Pogrom in Kisch inew erweisen sich, wie jetzt auch dem Hilfsverein der deutschen Juden von dort gemeldet wird erfreulicherweise als falsch. Die unwahre Meldung ist offenbar dadurch veranlaßt worden, daß vor dem dortigen Bezirksgericht gegenwärtig der Prozeß über das im Jahre 1905 im Flecken Kalarasch stattgefundene Pogrom verhandelt wird. — In Bialystok wurden zwei Bahnbeamte, die während des Pogromprozesses gegen die Urheber des Pogroms Zeugnis ablegten, aus dem Dienst entlassen. Der Stationsvorstand Tschapow, der sich unter dem Vorwände einer Krankheit der Zeügnispflicht entzog, wurde versetzt. — Der einzige legalisierte zionistische Verein Rußlands, der 430 Mitglieder zählende Klub „Kadirnah* in Odessa, ist in Ausführung des Senatsbeschlusses, der zionistische Vereine verbietet, von der Behörde geschloffen worden. — In Odessa kam es am 16. d. Mts. trotz der Proklamation des neuen Gouverneurs wieder zu wüsten Ausschreitungen gegen die Juden. Die Lage ist dort entsetzlich. — Der S ultan scheint die Verhandlungen des achten Zionistenkongreffes im Haag mit regem Interesse verfolgt zu haben. Wenigstens hat er seinen ersten Delegierten zur Friedenskonferenz, Turkhan Pascha, beauftragt, ihm täglich alle Berichte einzusenden, deren er habhaft darüber werden könnte. — Fürst Ferdinand von Bulgarien hat anläßlich seines Jubiläums den Großrabbiner Dr. Ehrenpreis empfangen und auf dessen Ansprache folgendes erwidert: „Ich danke Ihnen herzlichst, Herr Großrabbiner, für Ihre rührenden Worte, mit denen Sie mir die Glückwünsche der jüdischen Bevölkerung des Fürstentums anläßlich des heutigen Festes unterbreiten, welche Wünsche mich tief bewegen. Ich beaustrage Sie, Herr Großrabbiner, der Dolmetsch meiner Gefühle bei der jüdischen Bevölkerung Bulgariens zu sein und den bulgarischen Juden den Ausdruck meiner Sympathien und meines besonderen Wohlwollens für sie zu überbringen, sowie meine aufrichtige Erkenntlichkeit für ihre Anteilnahme an dem heutigen Feste und für ihre treuen Gefühle mir gegenüber und meine heißen Wünsche für eine gedeihliche und fortschreitende Entwicklung des bulgarischen Judentums." — In Casablanca treffen täglich Juden ein, die von den Mauren weggeschleppt worden waren. Drei Frauen und vier Männer erzählten gräßliche Geschichten über ihre Leiden in der Gefangenschaft. Die „Alliance Israelite“ hat 60 Juden aus der Gefangenschaft ausgelöst. Sie bezahlte für jeden vier Pesetas und einen Zuckerhut. Die Frauen waren vollständig nackt und mußten vor der Stadt warten, bis man Kleidung sür sie beschafft hatte. — Der bisherige wissenschaftliche Sachverständige bei dem Generalkonsulat in Kairo, Professor Dr. Ludwig Borchardt, ist zum Direktor des neubegründeten deutschen Instituts für ägyptische Altertumskunde daselbst ernannt worden. Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern der Harnvnrg-Amerika-Linie finden statt: Nach New Uork: 21./9. Postdampfer „Pretoria", W./9. „Blücher", 2S./9. „Patricia", 3./10. „Amerika". Nach Boston: 21./9. Postdampfer „Bosnia". Nach Baltimore: 21./9. Postdampfer „Bosnia". Nach Philadelphia: 27./9. Postdampfer „Pisa". Nach West-Indien: 24./9. Postdampfer „Mecklenburg", 25./9. „Niederwald". Nach Mexiko: 28./9. Postdampfer „Albingia". Nach Ostasten; 30./9. Postdampfer „Christiania". Atravisch-Perstscher Dienst: 21./9. Postdampfer „Savoia". *

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