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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-09-13 · Heft 37 (13.9.1907) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 37 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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folgenden Zahlen. Ueber dre Erziehung der Kinder liegen Angaben von 30 Mischehen mit jüdischem Vater und 15 mit jüdischer Mutter vor. In letzteren 15 folgten die Kinder (22 Knaben und 22 Mädchensämtlich der Religion des christlichen Vaters und in 28 Ehen mit jüdischem Vater wurden die Kinder (28 Knaben und 35 Mädchen) in der Religion der christlichen Mutter, nur in 5 Ehen (mit 18 Knaben und 8 Mädchen) jüdisch nach dem Vater, in 3 Ehen (mit 4 Knaben und 3 Mädchen) in keines der beiden Eltern Bekenntnis, also immerhin nichtjüdisch erzogen. Somit erfolgte nur in 5 Mischehen unter 51 (= 9,8 Prozent) eine jüdische Erziehung der Nachkommenschaft und von 130 Kindern aus Mischehen verblieben nur 10 (— 12,3 Prozent) dem Judentum. t. Bremen, 4. September. Am 1. d. M. feierte der allgemein bekannte und beliebte Lehrer und Kantor der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr I. Mehrgut, sein 25 jähriges Dienstjubiläum. Wegen des ersten Selichoth-Tages sah die Gemeinde von einer osfiziellen Feier ab und ließ es — besonders auch auf Wunsch des Jubilars — bei einer schlichten Feier bewenden. Die Gemeinde, in welcher der Jubilar zwar erst zehn Jahre wirkt, und auch die Gemeinde Münstereifel, in der er die übrigen fünfzehn Jahre tätig war, fowie auch Verwandte, Freunde und Kollegen aus nah und fern, ließen es sich nicht nehmen, diesen Tag zu einem wahren Festtage für den Jubilar und seine Familie zu gestalten. Am Vormittag veranstaltete Rabbiner Dr. Rosenack in dem festlich geschmückten Schullokal eine Schulfeier, bestehend aus einer herzlichen Ansprache an den Jubilar und an die Schüler und einigen eigens dazu verfaßten Deklamationen seitens der Schüler. — Am Schlüsse überreichte Herr Dr. Rofenack dem Jubilar die Berechtigungsurkunde zur Führung des Chaber- Titels. Dann erschien in der Wohnung des Jubilars eine Abordnung der Repräsentanten unter Führung des I. und II. Vorstandes, der Herren Nathan und Eduard Abraham. Unter Ueberreichung eines prachtvollen eichenen Schreibtisches hielt der I. Vorstand in warmen und kernigen Worten eine Ansprache an den Jubilar. Dieser dankte gerührt, mit der Versicherung, auch fernerhin wie bisher seine Kräfte in den Dienst der Gemeinde stellen zu wollen. — Auch die Gemeinde Münstereifel gedachte in hervorragender Weise ihres hochverehrten früheren Lehrers. Sie übersandle ihm zum Zeichen ihrer Dankbarkeit eine silberne Schale mit entsprechender Widmung. Eine Vereinigung früherer Schüler aus Münstereifel bewies durch herzliche Wünsche und kostbare Geschenke dem Jubilar ihre Anhänglichkeit. Im Laufe des Tages erschienen fast sämtliche Gemeindemitglieder und übermittelten unter Ueberweisung von Geschenken ihre Glückwünsche. Nachmittags erschienen sämtliche Mitglieder der israelitischen Lehrerfortbildungsvereinigung Bremen, die an diesem Tage hier ihre Versammlung abhielt, um auch den Jubilar zu feiern. Herr Lehrer Rothschild-Achim hielt im Aufträge des Vereins eine herzliche Ansprache. Der Vorstand des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover, Lehrer Katz-Nienburg, der insolge Unwohlseins noch im letzten Augenblicke verhindert wurde, persönlich zu erscheinen, übermittelte in einem herzlich gehaltenen Telegramm die Wünsche des Vereins. Lehrer Rhein-Rahden feierte bei Tisch die Gattin des Jubilars in einem humorvoll gewürzten, recht ansprechenden Toaste. In Anbetracht der vielen Ehrungen, die dem Jubilar seitens der Gemeinde zuteil geworden sind, fühlte sich Herr Lehrer Rothschild- Achim veranlaßt, der Gemeinde, deren Vorstand und dem Herrn Rabbiner Dr. Rosenack seine Hochachtung und Anerkennung in einem Toaste zum Ausdruck zu bringen, weil die Gemeinde durch ihre Ehrenbezeugungen dem Jubilar gegenüber gewissermaßen dem ganzen jüdischen Lehrerstande gehuldigt hat. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, in voller Rüstigkeit und ungetrübter Gesundheit zum Segen seiner Gemeinde seines Amtes zu walten. Frankfurt a. M., 8. September. Am 7., 8. und 9. Oktober findet hier die zweit e Del egiert enversammlung des jüdischen Frauenbundes statt. Die Tagung wird voraussichtlich von sehranregender und belehrender Wirkung sein. Es ist daher wünschenswert, daß sie von den angeschlossenen Vereinen möglichst zahlreich beschickt werde. Die Versammlungen siud sämtlich öffentliche und Gäste herzlich erwünscht. Auf der Tagesordnung stehen u. a. nachfolgende interessante Themata: „Zur Sittlichkeitssrage", Fräulein Bertha Pappenheim, Frankfurt a. M. „Stellenvermittlung", Frau B. Leiser und Frau Glas, Breslau; „Jüdische Vereinsorganisationen", Frau H. May, Berlin; „Mädchenhandel", Fräulein Sidonie Werner, Hamburg; „Erziehung der Töchter", Frau Henriette Fürth. Frankfurt a. M. Nach jedem der Vorträge, die abwechselnd vormittags beziehungsweise abends stattfinden, finden Diskussionen statt. Es sind außerdem noch Besichtigungen und zwar folgender Anstalten in Aussicht genommen: Heim des jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg, Milchküche (Referent Herr Dr. Deutsch), Siechenheim, Kinderheim, Witwenheim, Allersheim, Waisenhaus usw. Sämtliche Besichtigungen finden unter fachkundiger Führung statt. Mit Freuden ist es zu begrüßen, daß die jüdischen Frauen anfangen, sich mit Ernst und Hingabe nicht nur für Wohltätigkeit im althergebrachten Sinne zu interessieren, denn darin haben sie ja stets Hervorragendes geleistet, sondern auch für sozialethische und für sonstige brennende Tagessragen aus dem jüdischen Frauenleben. Unzweifelhaft ist dieser Zusammenschluß der jüdischen Frauenvereine eine Notwendigkeit gewesen, und der Segen dieses Zusammenschlusses wird gewiß nicht ausbleiben. Möge diese Tagung, der wir ein ersprießliches Gedeihen wünschen, dazu beitragen, die bereits angeschlossenen Vereine in ihren Bestrebungen zu fördern und die noch nicht angeschlossenen zum baldigen Anschluß zu führen. d. Worms, 6. September. Die Feier des 40 jährigen Amtsjubiläums unseres verehrten Rabbiners Dr. Stein, welche am 1. d. M. stattfand, nahm einen glänzenden Verlauf. Der Jubilar hatte in seiner Bescheidenheit jede offizielle Feier nbgelehnt; deshalb vollzog sich dieselbe im engsten Rahmen. Um 101/^ Uhr erschien der Vorstand der Gemeinde mit den Beamten. Der Vorsitzende. Herr Salomon Honig, wies in seiner herzlichen Ansprache auf die vielen Verdienste des Rabbiners hin und sprach den Wunsch aus, das; Herr Dr. Stein noch lange seines Amtes walten möge. Herr Leo Bayerthal überreichte im .Austrage eines Komitees wertvolle Geschenke, die von den Vorstehern der israelitischen Gemeinde und den Vorstandsmitgliedern der jüdischen Vereine gespendet waren. Die Beamten überreichten einen Becher. Nachdem der Jubilar dem Vorstande, dem Komitee und den Beamten in längerer herzlicher Ansprache gedankt hatte, erschienen Deputationen sämtlicher jüdischer Vereine zur Beglückwünschung. Ihnen schlossen sich die drei Direktoren der höheren Lehranstalten an, an welch letzteren der Jubilar seit 40 Jahren den Religionsunterricht erteilt. Der „Hilfsverein" und die „Alliance Israelite Universelle'4 hatten Glückwunschschreiben gesandt. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Salselb-Mainz im Namen der hessischen Rabbiner und Lehrer Rotschild im Namen des hessischen jüdischen Lehrervereins (der greise Kollege Marx-Alsheim konnte wegen Unwohlseins nicht anwesend sein) gratuliert hatten, erschien noch der zweite Bürgermeister der Stadt Worms zur Gratulation. Daß dem Jubilar von hier und auswärts zahllose Depeschen, Glückwunschschreiben, Blumenspenden und sinnige Geschenke zugegangen, ist bei dessen Beliebtheit selbstverständlich. Der Große Kreisrat und der Oberbürgermeister haben schriftlich gratuliert, die evangelische Geistlichkeit teils schriftlich, teils persönlich; der Reichstagsabgeorduete Freiherr v. Hehl sandte außer einer prächtigen Blumenspende ein herzliches Telegramm. Recht herzliche Worte sprach noch der katholische Geistliche Wiedemann. Den Schluß seiner Rede „ad multos annos‘‘ wollen auch wir als Schluß unseres kurzen Referats nehmen! — Straubing, 4. September. Der heutige Tag bedeutet für die hiesige israelitische Kultusgemeinde, der ersten in Niederbayern, welche vor zehn Jahren mit zwölf Familien errichtet wurde und deren nunmehr 24 zählt, einen Fest- und Ehrentag, da nach wenig mehr als fünfmonatlicher Bauzeit die neue Synagoge durch den Distriktsrabbiner Dr. Meyer-Regensburg heute feierlich ein geweiht wurde. Hofrat v. Leistner, welcher zugleich als Vertreter der königlichen Regierung von Niederbayern erschiene!; war, übermittelte der israelitischen Gemeinde zunächst die wärmsten Glückwünsche der Regierung, worauf er auch die Glückwünsche der Stadtverwaltung sowie der gesamten Bürger- und Einwohnerschaft überbrachte. Er hob hervor, welch ehrendes und rühmendes Zeugnis von der Opferwilligkeit glaubenstreuer Bürger der schöne Tempel gebe. Mit dem Wunsche, daß von dem neuen Gotteshaus aus auch für und für der Geist der Eintracht und Versöhnlichkeit gepredigt und in die Herzen der Erwachsenen wie der

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