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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-09-13 · Heft 37 (13.9.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 37 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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bei seiner Amtsverabschiedung für erwiesene Bernfstreue und Erziehung zur Vaterlandsliebe mit dem Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern bedacht worden. Ehre seinem Andenken! n. Breslau, im September. Der hier in den Tagen vom 5.—18.Juli v. M. zum dritten Male abgehaltene Ferienkursus in Religionswissenschaften sür jüdische Lehrer hatte sich wieder eines regen Zuspruchs zu erfreuen. Insgesamt beteiligten sich an den Vorlesungen 34 angemeldete Hörer, darunter fünf Damen. Dazu kamen noch Damen und Herren, ältere und jüngere, denen auf ihr Ersuchen gern die Erlaubnis gewährt wurde, einzelne sie interessierende Vorlesungen, vorzugsweise die über jüdische Geschichte, Apologetik und über Palästina zu belegen. Die Hörer rekrutieren sich aus allen Teilen unseres Vaterlandes, vom äußersten Osten bis zum Süden. Auch aus unserem Nachbarreiche Oesterreich-Ungarn waren Kollegen erschienen. Von allgemeinem Interesse dürste es sein, hier hervorzuheben, daß die Kultusgemeinde Wien den Obmann des dortigen jüdischen Lehrervereins, Herrn Breuer, designiert hatte, die Einrichtung zu studieren. Wie wir hören, gedenke man mit der Schaffung von Ferienkursen auch dort schon in allernächster Zeit vorzugehen, doch soll die Einrichtung nicht wie bei uns von einem Vereine ausgehen, sondern die Gemeinde Wien will selbst die Sache in die Hand nehmen. Auch in Prag geht man, nach hier ein gegangenen Anfragen zu urteilen, neuerdings mit einem ähnlichen Plane vor. Aus alledem ist ersichtlich, welche große Bedeutung die maßgebendsten Instanzen der Schaffung und Durchbildung eines jüdischen Lehrerstandes beilegen. Bedauerlicherweise zeigten Kollegen unserer Nachbarprovinz Posen wie auch die Oberschlesiens, denen Breslau doch besonders bequem liegt, nur geringes Interesse für die allgemein als segensreich empfundene Einrichtung, da aus beiden Teilen nur je ein Vertreter sich an dem Kursus beteiligte. Durchschnittlich waren die Vorlesungen noch besser besucht wie in den vorangegangenen Jahren. Innerhalb unserer Gemeinde begegnete die Veranstaltung des Ferienkursus wiederum dem lebhaftesten Interesse. Von vielen Seiten wurde dabei der Wunsch laut, daß solche Kurse sür einzelne Disziplinen wie über jüdische Geschichte, Apologetik, Religionsphilosophie außerhalb der Ferienzeit auch für Nichtlehrer eingerichtet werden mögen. Ein enges Band echt kollegialischer Gesinnung verband die aus den verschiedensten Orten stammenden Teilnehmer miteinander, die, so oft die freie Zeit es gestattete, zu gemeinsamem Gedankenaustausch zusammentraten und miteinander freundschaftlich verkehrten. Die allgemeine Befriedigung über den guten Verlauf des Kursus kam auch in der Zusammenkunft zum Ausdruck, welche die Kollegen vor dem Schlußtage allesamt vereinigte. Kollege Manheim- Graudenz referierte über die Eindrücke, welche er von dem Kursus gewonnen und gedachte mit Dankbarkeit in warmherzigen Worten der selbstlosen Tätigkeit des Dozenten-Kollegiums. Mit Dank wurde auch das Wirken der Ferienkursus-Kommission, namentlich ihres Vorsitzenden Professor Dr. Badt, gedacht. Zn der Diskussion kam der Wunsch zur Geltung, die Kurse als ständige Einrichtung erhalten zu sehen. Ueber die verflossenen drei Kurse soll ein Bericht herausgegeben werden, um verschiedene Kreise für oie Förderung des Unternehmens zu interessieren. So segensreich aber die Einrichtung der Kurse allgemein empfunden werden dürfte, so dringend wünschenswert wäre es, wenn das Unternehmen auf eine Basis gestellt werden könnte, die für eine materielle Sicherheit und Unabhängigkeit Gewähr biete. Nicht schließen wollen wir unseren Bericht, ohne mit Dank der warmherzigen Unterstützung zu gedenken, welche uns zuteil wurde von seiten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, der hiesigen Gemeindebehörden, welche wie immer unserm Werke reiche Forderung angedeihen ließen, ferner der hiesigen Lessing-Loge, wie anderer Institutionen und der Herren Simon Scheye und Karl Leipziger, die uns in der Erfüllung unserer Aufgabe gern und willig Hilfe angedeihen ließen. 11. Lorarr O.-S., 8. September. Am 1. d. M. wurde hier das bekannte Herrenhausmitglied Baron Freiherr v. Durant auf Baranowitz zu Grabe getragen. Der Verstorbene, welcher fast sämtlichen Sitzungen des Herrenhauses beizuwohnen pflegte und über viele Positionen das Referat erstattete, hatte vor Jahren durch seine aufsehenerregende „8ellu1ebau-3.rue!i-Rede" die Aufmerksamkeit weiter Kreise aus sich gelenkt. Er hatte damals die Uebersehung des Zetiulellan-urueb von „Staatswegen" beantragt, natürlich mit neg ativem Erfolge. Auch bei der letzten Beratung des Schulunterhaltungsgesetzes eiferte er gegen die Anstellung von jüdischen Lehrkräften an nichtjüdischen Schulen. Baron v. Durant stand auf strengkirchlichem Standpunkt und seine Auffassung vom christlichen Staat war so grundtief, daß er auch für die geringste hiervon abweichende Konzession prinzipiell nicht zu haben war. Wer ihn indessen genauer kannte, wird ihn schwerlich als Antisemiten verurteilen. In der Praxis war er sogar ein sehr toleranter und liebenswürdiger Mensch, der mit Juden geschäftlich viel verkehrte und niemals antisemitische Neigungen bekundete. — Magdeburg, 6. September. Unser Rabbiner Dr. Wilde erhielt auf sein Gesuch um Befreiung der jüdischen Soldaten vom Militärdienst in den Feiertagen den nachstehenden Bescheid: Magdeburg, den 23. August 1907. Generalkommando IV. Armeekorps. Aus Ihr unter dem 19. d. M. an mich gerichtetes Schreiben betreffend Dienstbefreiungen von Soldaten mosaischen Glaubensbekenntnisses während des diesjährigen Manövers erwidere id) Ihnen, daß ich in Berücksichtigung des dienstlichen Interesses zu meinem Bedauern nicht in der Lage bin, Ihrem Wunsche nachzukommen und in dieser wichtigsten Dienstperiode Beurlaubungen von Mannschaften eintreten zu lassen. Ohne mehrtägige Beurlaubung aus dem Manöver heraus würde aber die Teilnahme der fraglichen Mannschaften an einem Gottesdienste ihrer Konfession nicht möglich sein. Die in der Garnison zurückbleibenden jüdischen Mannschaften werden an den fraglichen Feiertagen vom Dienst befreit werden. Der kommandierende General, von Hindenburg. — Dresden, im September. Die Zahl der Juden im Königreich Sachsen betrug am 1. Dezember 1905, wie die „Zeitschrift sür Demographie und Statistik des Judentums" schreibt, 14 697 unter einer Gesamtbevölkerung von 4 508 601 Personen; der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung stieg von 0,29 Prozent im Jahre 1900 auf 0,33 Prozent im Jahre 1905, ihre absolute Zahl um 2281 gegen die frühere Volkszählung. Die Verteilung der Bevölkerung aus die einzelnen Kreishauptmannschaften war folgende: Kreishauptmannschaft Einwohner Juden Bautzen 426 420 272 Chenlnitz 851 130 1561 Dresden 1 284 397 3 931 Leipzig 1 146 423 8 093 Zwickau 800231 840 13 246 Juden, d. i. 90,2 Prozent sämtlicher Juden des Königreichs, wohnten in Städten, von diesen wiederum 12 470 (--- 84,9 Prozent aller sächsischen Juden) allein in den drei Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz, in welchen nur 27,9 Prozent der nichtjüdischen Bevölkerung (1 253 125) lebten. Es zählten Chemnitz 244 927 Einwohner, darunter 1 280 Juden, Dresden 516 996 „ „ 3 514 „ Leipzig 503 672 .. „ 7 676 „ Von den übrigen neun sächsischen Städten hatte Plauen 400, Zwickau 124, alle anderen weniger als 100 jüdische Einwohner. — Leipzig, 4. September. Nach den vom Statistischen Amt der Stadt Leipzig herausgegebenen Ergebnissen der Volkszählung (Leipzig 1907) gab es am 1. Dezember 1905 unter 88387 Ehepaaren, deren beide Ehegatten anwesend waren, ferner 5486 Ehepaare mit abwesendem (oder getrennt lebendem) Mann und 4451 mit abwesender Frau, 1133 rein jüdische Ehepaare, 66 Mischehen mit jüdischem Mann, 21 Mischehen mit jüdischer Frau, ferner 175 Fälle, in denen auf den Volkszählungslisten nur ein jüdischer Ehegatte ohne Frau und 148 Fälle, in denen nur eine jüdische Ehegattin als anwesend oder getrennt lebend verzeichnet war. In den Mischehen war die Frau 56 mal evangelisch-lutherisch, 2 mal evangelisch-reformiert 7 mal römisch-katholisch und 1 mal einem anderen christlichen Bekenntnis angehörig; der christliche Mann war 18 mal evangelischlutherisch und 2 mal evangelisch-reformiert (1 mal unbekannt). Die Verluste des Judentums infolge der Mischehen ergeben sich aus

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