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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-09-13 · Heft 37 (13.9.1907) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 37 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Zugend die Liebe zum Landesfürsten und dem königlichen Hause, die Liebe zur Vaterstadt und die Liebe zum engeren und weiteren Vaterlande gepflanzt werde, übergab der Bürgermeister dem Distriklsrabbiner Tr. Meyer den Schlüssel zur Oeffnung des Tempeltors. Hierauf begab sich die ganze Festversammlung, in welcher die Vertreter der katholischen und protestantischen Geistlichkeit, der militärischen Stellen und Kommandos, der staatlichen Behörden und städtischen Kollegien, die Baumeister, Handwerksmeister und Lieferanten sowie die Mitglieder der Kultusgemeinde zu erblicken waren, in die neue Synagoge, wo Rabbiner Tr. Meyer die Festrede hielt. Abends fand Festessen mit Konzert statt. Gesterreich-Nngarn. A Wien, 8. September. Bei uns in Oesterreich ist nichts unmöglich. . Und so wird es Sie nicht weiter wundern, daß der durch seine Exzentrizitäten zu einem gewissen Ansehen gelangte Abgeordnete Graf Adalbert Sternberg kürzlich in Marienbad in einer jüdischen Versammlung als Redner aufgetreten ist. Wie manche behaupten, sogar auf Einladung der dortigen Kultusgemeinde. Das scheint uns aber doch gar zu unwahrscheinlich. Graf Sternberg, von dessen Sympathien für die Juden bisher niemand etwas wußte — eher das Gegenteil — empfiehlt seinen Hörern Assimilation um jeden Preis, das heißt wohl in seinem Sinn — die Taufe. Wie gesagt, bei uns in Oesterreich ist nichts unmöglich! — Am 1. d. M. ist einer der populärsten Wiener Aerzte, Dr. Karl Kohn, im 71. Lebensjahre gestorben. Er war städtischer Bezirksarzt, Herausgeber der „Oesterreichischen Aerzte-Vereinszeitung", die er 30 Jahre lang redigiert hat. Sein Verdienst ist die Organisation des Aerztestandes in Oesterreich und die Begründung von Aerztekammern. — Was ein einzelner Mann durch Beharrlichkeit und Energie zu leisten vermag, das zeigt uns der Rabbiner Dr. Nt. Jung in Ungarisch-Brod in Mähren. Er hat dort ein eigenes Privatgymnasium für jüdische Knaben errichtet. Was das heißen will, braucht wohl den Lesern nicht erst gesagt zu werden. Zahlreiche Schüler aus Galizien und Ungarn werden sogar gratis unterrichtet. Das Unternehmen verdient die tatkräftigste Unterstützung aller großen jüdischen Hilfsorganisationen, und wird dieselbe auch sicher finden! — In Jägerndorf wurde Dr. D. Rudolfer, bisher in Kojatem in Mähren, zum Rabbiner gewählt. — In Budapest ärgert man sich darüber, daß bei dem Hofdiner, das der Ministerpräsident in der vorigen Woche am Geburtstag des Königs gegeben, und dem die Spitzen der Behörden und die Vertreter der einzelnen Konfessionen beiwohnten, diesmal der Oberrabbiner Dr. Kohn und der Präsident der orthodoxen Landeskanzlei nicht, wie sonst üblich, Einladungen erhalten haben. Man schreibt dies dem Umstand zu, daß an der Spitze des Ministeriums a latere derzeit der Führer der katholischen Volkspartei stehe. Wir fürchten sehr, daß unsere ungarischen Glaubensgenossen in nächster Zeit Veranlassung haben werden, sich über viel wichtigere Dinge mit Recht zu ärgern. Von Kah und Lern. ---- Dem Kommerzienrat Julius Goldschmidt hier wurde der Rote Adlerorden IV. Klasse, dem Fabrikbesitzer Georg Lieb er mann das Ritterkreuz des sächsischen Albrechtsordens I. Klasse verliehen. — Herr Paul Herz, Mitinhaber der hiesigen Oelfirma S. Herz, wurde zum Kommerzienrat ernannt. — Dem Hoflieferanten und Fabrikbesitzer Heinrich Sachs in Friedenau ist der Charakter als Kommissionsrat verliehen worden. — Die verstorbene Frau C äcilie Langner, geb. Mendelssohn, hat der Stadtgemeinde Berlin 15 000 Mark vermacht. Der Magistrat hat beschlossen, das Vermächtnis anzunehmen. Von den Zinsen soll die eine Hälfte ein Studierender der hiesigen Universität als Stipendium erhalten. Die andere Hälfte der Zinsen soll eine Braut jüdischer Konsession als Mitgift zu ihrer Verheiratung erhalten. — An die jüdische Gemeinde zu Berlin hat Professor Dr. Jutrosinski zur Unterstützung früherer Zöglinge des Reichenheimschen Waisenhauses 33 261,23 Mark gestiftet. — Wie wir berichteten, ist ein Gesuch des Herrn A. Ascher in Halberstadl um Verlegung eines auf Jom-Kippur anberaumten Termins, zu welchem er als Zeuge geladen war, vom Amtsgericht mit der Begründung abgelehnt worden, daß dies gesetzlich unzulässig sei. Auf eine Besch werde hat der Präsident des Landgerichts verfügt, daß der Termin zu verlegen ist. — Der Kaiser hat anläßlich der diesjährigen Kaiserparade in Münster dem langjährigen Vorsitzenden des Krieger¬ und Landwehrvereins zu Huckarde, Herrn Sam. Neu garten, das allgemeine Ehrenzeichen am Bande verliehen. — Auf ein Gesuch des Rabbiners Dr. Frank in Köln hat das Kommando geantwortet, daß die Behörden und Truppenteile angewiesen werden, nach Möglichkeit eine Befreiung der jüdischen Mannschaften vom Dienste, zur Teilnahme am Gottesdienste an den jüdischen Feiertagen, eintreten zu lassen. — Herr Josef Wisloch in Frankfurt a. M. hat wegen seiner Verdienste um den Taunus den Kronenorden IV. Klasse erhalten. — Der Geheime Baurat Professor Theodor Landsberg in Darmstadt, der seit fast 30 Jahren dem Lehrkörper der dortigen technischen Hochschule angehört, hat um seine Pensionierung nachgesucht. — Der neuernannte Rabbiner von Nürnberg, Herr Dr. Freudenthal, ist am 5. d. M. vom Bürgermeister Geheimen Hosrat v. Jäger als Vertreter der Regierung in Anwesenheit der Vorstandschaft der Kultusgemeinde feierlich verpflichtet worden. — In Hagenau feierte am 29. v. M. unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung der Geheime Medizinalrat Dr. Levy, Kreis- und Anstaltsarzt daselbst, sein 50jähriges Doktorjubiläum. Er ist der zweite Sohn von Louis Levy, dem neuhebräischen Dichter, dessen Gedichte und Uebersetzungen wohlverdienten Ruhm fanden. Der ältere Bruder des Jubilars war der Justizrat M. Levy, der berühmte Kommentator der Zivilprozeßordnung. — Am 25. v. M. fand in Basel eine von etwa 100 Personen besuchte Versammlung statt, in der die Gründung eines Vereins zur Förderung des gesetzestrenen Judentums in der Schweiz beschlossen wurde. — Auf der Durchreise ist in Lyon S. I. Pariente, der frühere Direktor der Alliance - Schulen, später Inspektor aller Alliance-Schulen in der Türkei, plötzlich gestorben. Er hat die Schulen in Schumla, Rustschuk, Smyrna, Tunis begründet und geleitet. Seit einem Jahre lebte er in Oran, um dort ein Erziehnngsinstitut zu begründen. Ehre seinem Andenken! — Oberrabbiner Dr. Margu lies inFloren z hat in einer Denkschrift die Aufmerksamkeit der italienischen Regierung auf die Schädigung gelenkt, in welche „die jüdischen Gewerbetreibenden geraten, die in Besolgnng der Satzungen ihrer Religion den Sabbat als Ruhetag beobachten und durch das neue Gesetz, welches die Sonntagsruhe vorschreibt, gezwungen sein würden, in jeder Woche zwei Ruhetage zu halten". Wie es heißt, hat ein hervorragender Staatsmann dem Petenten zugesagt, daß erden Minister für Handel und Industrie ersuchen werde, dem Verlangen, das im Prinzip ein vollkommen berechtigtes sei, Rechnung zu tragen. — Der jüngst verstorbene norwegische Komponist Eduard Grieg hat 1899 aus Empörung über den Fall Dreyfus eine Einladung zu Konzerten in Frankreich entschieden abgelehnt und ist deshalb von den Antisemiten heftig angegriffen worden. — Auf dem Esperanto-Kongreß in London wurde der Beschluß gefaßt, eine Uebersetzung der Bibel ins Esperanto herauszugeben. Der Begründer der Weltsprache ist ein jüdischer Augenarzt in Warschau, Dr. Zamew Hof. Er wird in der nächsten Zeit die Sprüche und das Hohelied und danach die Psalmen in die Esperanto-Sprache übertragen. — Eine erfreuliche Kunde kommt endlich einmal auch aus Warschau. Es wird daselbst ein jüdisches Lehrerseminar begründet, für das Herr Jacob Herz in Lodz 100 000 Rubel bereits gespendet hat. — Rabbiner Dr. David Neumark in Berlin ist zum Professor der Religionsphilosophie und Exegese am Hebrew Union College in Cincinnati gewählt worden. — Bei der Deutschen Militärdienst- und Lebensversicherungs-Anstalt a. G. in Hannover waren im Monat August 1967 in den beiden von der Anstab betriebenen Geschäftszweigen, der Militärdien st der sicherung und Lebensversicherung (auch Töchter Versorgung), zu erledigen: 870 Anträge über Mar! 1 891 170,— Versicherungs-Kapital. Von Errichtung der Anstalt (1878) bis Ende August 1907 gingen ein 413 725 Anträge über Mark 594 783 940,— Versicherungs-Kapital; iw Jahre 1906 allein 22 V2 Millionen Mark! Die Auszahlungen an Versicherungssumme, Prämienrückgewähr re. im Laufe des Jahres 1906 betrugen rund Mark 10000000,—, die Gesamtauszahlungen seit Bestehen der Anstalt rund Mark 80000000,— Vermögensbestand 130 Millionen Mark.

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