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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-09-06 · Heft 36 (6.9.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 die ihm bereiteten Ehrungen.. Mit welcher großen Liebe die Schüler und Schülerinnen an Herrn Dr. Freudenthal hingen und in welch schönem Verhältnis er zu seinen Mitarbeitern stand, das zeigte sich bei der gestrigen Abschiedsfeier, die ihm seine dankbaren Schüler bereiteten, und an der alle jüdischen Schüler und Schülerinnen Danzigs, von den untersten Klassen bis zu den höchsten hinauf, teilnahmen. Herr Rabbiner Dr. Freudenthal war von allen Beweisen treuer Liebe und Anhänglichkeit tief ergriffen, er dankte seinen Mitarbeitern und Schülern mit bewegten Worten und versicherte, daß ihm diese weihevolle Stunde unvergeßlich bleiben werde. e. Stettin, 2. September. Herr Rabbiner Dr. Vogelstein hat auf sein an das Generalkommando des II. Armeekorps gerichtetes Ersuchen, zu veranlassen, daß den im Manöverfelde befindlichen jüdischen Soldaten die Möglichkeit gewährt werde, am Neujahr und Versöhnungstage — auch an den Vorabenden ~ an einem Gottesdienste teilzunehmen, folgenden Bescheid erhalten: „Stettin, den 30. August 1907. An das Nabbinat Stettin. Auf das gefällige Schreiben vom 20. d. M. beehrt sich das Generalkommando ergebenst zu erwidern, daß die unterstellten Truppenteile angewiesen sind, dem religiösen Bedürfnis der Mannschaften jüdischer Konfession an den bezeichneten Feiertagen nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Von seiten des Generalkommandos: Der Chef des Generalstabes v. Kranvel, Oberstleutnant." Vielleicht läßt sich auch in anderen Armeekorps etwas Aehnliches erreichen. Eine allgemeine Verfügung von seiten des Kriegsministeriums ist vor einigen Jahren abgelehnt worden; man sieht aber, daß die Generalkommandos sich doch nicht völlig ablehnend verhalten, wenn die Sache nur gehörig motiviert dargelegt wird. Kl). Ostrowo, 1. September. Eine der markantesten Erscheinungen der Stadt Ostrowo, der Kaufmann Moritz Rothstein, ist in der Nacht zum 28. August d. I. plötzlich im Alter von 73 Jahren gestorben, nachdem in den letzten Monaten sich schwere Anzeichen für den heranschleichenden Tod bemerkbar gemacht hatten. Der Verstorbene stand eine lauge Reihe von Jahren im Mittelpunkte des Verwaltungslebens in Stadt und Gemeinde. Jahrzehnte hindurch hatte er das Amt eines Stadtverordneten inne, und versah er in dieser Eigenschaft als Mitglied mehrerer Kommissionen deren umfangreiche Geschäfte, wobei er besonders auf dem Gebiete der Finauzwirtschaft vorteilhaft hervortrat. Innerhalb der Synagogengemeinde bekleidete Herr Nothstein seit langer Zeit das Amt des ersten Vorstehers. Im Verein für Krankenpflege und Leichenbestattung versah er 30 Jahre die Rendantenstelle, was ihm vor kurzem die Ehrenmitgliedschaft des Vereins eintrug. Alle diese Aemter übte er mit weiser Umsicht und in uneigennützigster Weise aus, so bedeutet sein Hinscheiden eine empfindliche Lücke im hiesigen Gemeindewesen. Zu der heutigen Beisetzung des Entschlafenen war auf Grund einer Berufung der Gemeindeverwaltung Herr Rabbiner Dr. Freimann aus Holleschau erschienen, der in markigen Zügen den Lebenslauf und die Wirksamkeit des Verstorbenen in ergreifenden Worten schilderte. Mit Recht kann hervorgehoben werden, daß Moritz Rothstein, ein ehemaliger Zögling des Breslauer Rabbinerseminars und Schüler des bekannten Dyhrenfurter Rabbiners Caro, eine der letzten Säulen unserer Gemeinde war, die durch talmudische Kenntnisse, vereint mit modernem Wissen, den Geist des Judentums mit seinen höheren Zielen hochgehalten haben. Sein Andenken wird stets in Ehren bleiben! Kp. Ans der Provinz Posen, im September. Dem langjährigen Stadtverordneten der Stadt Samo t sch in, Rentier Hermann Seligsohn, ist von der Stadtvertretung daselbst anläßlich seines 75jährigen Geburtstages ein Ehrendiplom überreicht worden. — In Schocken sind kürzlich mehrere Grabsteine auf dem jüdischen Friedhofe zertrümmert worden. Die Uebeltäter wurden ermittelt und angezeigt. — Der langjährige Inhaber der ehemaligen Buchdruckerei von L. Monasch u. Komp, in Krotoschin, Kreisblattverleger H. Goldschmidt, ist im Alter von 69 Jahren gestorben. — Der in Guatemala lebende reiche Kaufmann Stahl hat anläßlich seines Besuches in seiner Vaterstadt Kemp en nicht nur für Vereine der jüdischen Gemeinde, sondern auch für die gemeinnützigen Anstalten der Stadt und deren Arme ca. 4000 Mark gespendet. — Kaufmann Deutsch krön in Me se ritz ist zum Magistratsmitglied daselbst neugewählt worden. — Kürzlich ist in Neutomischel der langjährige Vorsteher der „Chewra Kadischahdaselbst, Rentier Heimann Witkowski, im Alter von 69 Jahren gestorben. — Kaufmann Littwitz aus New Jork hat bei seinem Aufenthalt in Ostrowo seiner dortigen heimatlichen Shnagogengemeinde kürzlich 100 Mark zu wohltätigen Zwecken überwiesen. — Ein gegen die letzten Repräsentantenwahlen in Ostrowo eingelegter Protest ist von dem Regierungspräsidenten zu Posen als unbegründet zurückgewiesen worden. — Dem ehemaligen Schuhmachermeister, jetzigen Partikulier Alexander Koerpel in Gollantsch ist am 18. August von einem Vertreter der Handwerkskammer in Bromberg in feierlicher Weise ein Ehrendiplom überreicht worden. An diesem Tage waren es fünfzig Jahre, als Herr Koerpel, der sich um die Hebung des Handwerkerstandes wesentliche Verdienste erworben hat, von der Innung zu Gollantsch den Meistertitel erhalten hatte. Auch in patriotischer Beziehung hat der Jubilar manches Verdienst aufzuweisen. — Eine Entscheidung von prinzipieller Bedeutung hat kürzlich die hiesige Königliche Regierung getroffen. Danach ist der Beginn einer Wahlperiode der neubeziehungsweise wiedergewählten Repräsentanten nicht, wie bisher angenommen wurde, vom Tage der Einführung in ihr Amt, sondern vom Wahltage ab zu rechnen. 8 Myslowitz, 2. September. Zur Abschiedsfeier für Herrn Rabbiner Dr. Norden, der am 1. September unsere Gemeinde derließ, um einer Berufung als Rabbiner nach Elberfeld Folge zu leisten, waren am Sonnabend Abend sämtliche Mitglieder im Grunwaldschen Lokale erschienen. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Dr. Blumenfeld, eröffnete die Feier mit einer kurzen Ansprache. Hierauf ergriff Herr Justizrat Richter das Wort und dankte in längerer Rede im Namen der Gemeindeverwaltung dem Scheidenden für seine ersprießliche Tätigkeit während seiner hiesigen Amtszeit. Im Namen des Krankenpflege- und Beerdigungsvereius dankte Herr Plonsker dem Herrn Dr. Norden. Herr Professor Aronstein gedachte in seiner Rede des hervorragenden Lehrtalentes des Herrn Dr. Norden und seiner Lehrtätigkeit am hiesigen Gymnasium. Im Namen einiger Studenten, früherer Schüler des Scheidenden, gab Herr stud. jur. Markiewi in warm empfundener Rede den Dank der anwesenden Studenten Ausdruck. Ein von den Studenten Hurtig und Winzer für diesen Abend verfaßtes Tafellied wurde von Herrn Oberkantor Spandau in meisterhafter Weise vorgetragen und mit großem Beifall ausgenommen. Bewegten Herzens dankte Herr Rabbiner Dr. Norden in längerer Rede für die vielen Beweise des Dankes und der Freundschaft. Hieran schloß sich ein fideler Kommers. — München, 30. August. Der antisemitischen „Deutschen Volkswacht" in München wird zu unfern Mitteilungen über den Gendarmerieoberbrigadier Steinhart geschrieben: „Als alter christlich-sozialer Leser Ihres werten Blattes erlaube ich mir, Ihnen eine berichtigende Mitteilung zu machen. Sie brachten in letzter Nummer eine Notiz über einen jüdischen Gen darmerieoberbrigadier Steinhart und bezweifeln, daß es einen solchen gegeben hat. Derselbe hat nun in der Tat gelebt und war bis zu seinem Tode mein Vorgesetzter. Es war der Königlich Bayrische Gendarmerieoberbrigadier erster Klasse (heutigen ersten Oberwachtmeister) Salomon Steinhart in München, welcher im Jahre 1893 starb und im Beisein säst aller damaligen Gendarmerie-Mannschasten auf dem Münchener jüdischen Friedhofe begraben wurde. Es gab noch einen zweiten jüdischen Oberbrigadier. Es ist dies der heute noch in München lebende Königlich Bayrische pensionierte Gendarmerieoberbrigadier erster Klasse und Oberwachtmeister Abraham Hänlein in München, der bis zur Formierung der Schutzmannschaft vor einigen Jahren noch Dienst tat. Die beiden jüdischen Oberbrigadiers waren bei der gesamten damaligen Mannschaft sehr beliebt, und es waren auch wirklich ein paar prächtige Männer, wie man sie unter den Juden nicht allzu oft trifft. Auch in der heutigen Schutzmannschaft befinden sich zwei jüdische Schutzleute, die ich selbst kenne. Der eine ist ein zum Judentum übergetretener Katholik. Ich glaube, daß die vorstehenden Mitteilungen Sie und

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