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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-09-06 · Heft 36 (6.9.1907) · p. Seite 428

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 36 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
Seite 428 (sequence 8)
Language
German
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wohltätige, humanitäre nsw. Stiftungen legen ein rühmliches Zeugnis ab von den rastlosen und uneigennützigen Bestrebungen dieser Philanthropen. Ich nenne hier nur die folgenden Stiftungen: Israelitischer Männerverein 6em>1ulk chessed, Israelitischer Wohltätigkeits-Frauenverein, S. Jacobsche Stiftung zur Ausstattung armer Bräute, S. Jacobsche Stiftung für das städtische Krankenhaus, Israel Saloinonsche Eheleute- Stistung, Salomon Saloinonsche Stiftung, Emil Meyersche Stiftung zur Unterstützung von Armen, E. Mannheimersche Stiftung zur Unterstützung Armer nnd armer Bräute, E. Mannheimersche Stiftung für Bedürfnisse armer Schulkinder, Löb. Beuj. Dahlsche Stiftung für arme Schulkinder, Gebrüder Meßbachersche Stiftung zur Unterhaltung der Grabstätten ihrer Eltern, S. Gideonsche Stiftung für Armenzwecke u. a. m. «Schluß folgt.) Lrinnrrungen sn Leopold %m% Von Albert Katz. s sind nicht immer mtt Originalwerke, die das Interesse weiter Kreise verdienen und auf deren Erscheinen die Kritik so gern hinweist. Unsere Zeit ist leider arm an solchen Werken, sie lehnt sich mit Vorliebe an Erzeugnisse verflossener Epochen an, hüllt sie in modern wissenschaftliches Gewand uub verfährt im übrigen wie so mancher vorsichtige reiche Erbe, der sich hütet, das ihm zugefallene Vermögen seiner Eltern, die es durch Mühe und Fleiß erworben, spekulativ anzulegen, sondern der sich damit begnügt, wenn er es nur sicher weiß, und mit einem geringen Zinsertrag genügsam und zufrieden ist, auf diese Weise ein ruhiges, von jeglicher Aufregung freies Leben führen zu können. Ueberhanpt scheint das Jahrhundert der Elektrizität ganz besonders auf dem Gebiete der Literatur sich einer Art Röntgenstrahlen zu bedienen, mit deren Hilfe es die geheimsten geistigen Schatzkammern alter Meister durchleuchtet und Verblaßtes wie längst Verschollengeglaubtes ans Tageslicht fördert. Indessen soll das Voransgeschickte kein Tadel für das gegenwärtige Geschlecht sein. Schon der alte Kohelet meinte, das alles seine Zeit hätte: Das Pflanzen und Aufbauen sowohl, wie das Einsammeln und Konservieren. Die Hauptsache nur ist, daß letzteres der darauf verwendeten Mühe auch wert ist. Trifft dies zu, dann ist die Herausgabe von Lebenserinnerungell, Denkwürdigkeiten und Aufzeichnungen berühnlter Männer llicht bloß kein überflüssiges Produkt, sondern ein unschätzbarer Gewinn für die Literatur rmd ein seelischer Genuß für den Leser. Eine Publikation, die diese Voraussetzungen in hohem Maße in sich birgt, bietet uns der greise und doch unermüdlich tätige Professor Dr. A. Berliner in dem soeben herausgegebenen Briefwechsel zwischen Heimann Michael und Leopold Zun z aus deren literarischem Nachlasse?) Schon in des Herausgebers Vorwort zu dem 1891 unter dem Titel „Or hachajim“ erschienenen biographischen und literarischen Wörterbuche voll Heimann Michael finden wir einen Hinweis auf den fleißigen brieflichen Verkehr, der zwischen diesen beiden Männern stattgefunden hat. Mit dem Manuskript für die Drucklegung des genannten Werkes händigten die Söhne des Verfassers Herrn Professor- Berliner eine Anzahl von Briefen ein, die ihr Vater im Laufe der Jahre 1882 bis 1846 an Zunz gerichtet hatte. Diese l) Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1907. Separat- - druck aus dem Jahrbuch der jüdisch-literarischen Gesellschaft für 1907. waren aber nur Entwürfe zu den eigentlichen Briefen und mit so vielen Korrekturen durchzogen, daß eine für ihre Drucklegung genügende Abschrift nicht hergestellt werden konnte. Berliner bemühte sich daher, die Originale, die sich im literarischen Nachlasse von Zunz befanden, zu erhalten. Auf ein diesbezügliches Gesuch an das Kuratorium der Zunzstiftung erhielt er ein Heft mit 34 Briefen von Michael an Zunz, zugleich aber auch 23 Briefe von Zunz an Michael, die dieser wahrscheinlich nach dem Tode Michaels reklamiert nnd zurück erhalten hatte. „Somit" — bemerkt Berliner in seinem Geleitwort — „konnte ich jetzt diese wie jene Briefe geordnet nach ihrer chronologischen Folge, mit hebräischen Buchstaben, wie sie auch im Original mit jüdischer Kurrentschrift geschrieben sind, mit Ausnahme eines einzigen Briefes von Zunz (Nr. 9), der deutsch geschrieben ist, zum Abdruck bringen." „Was aus diesen Briefen für eine Zunz - Biographie, die wir noch entbehren, zu gewinnen sein wird, will ich nicht einmal andeutungsweise hervorheben, ebensowenig auch den Gewinn für die literargeschichtlichen Einzelheiten, wie sie hier in Hülle und Fülle sich darbieten." Wir können den: gelehrten Herausgeber nur zustimmen. Der von ihm „aus dem Dunkel des Archivs an das Tageslicht der Betrachtung" gezogene Briefwechsel zwischen Zunz nnd Michael bietet uns viel des Interessanten und Lehrreichen, gewährt uns einen Einblick sowohl in die geistige Werkstatt als auch in das Seelenleben dieser Männer, entrückt uns für eine Weile der mit mannigfachen wissenschaftlichen Norarbeiten gesegneten Gegenwart und geleitet uns in jene Zeit, in der emsiges Streben mxb eifriges Wollen das Fundament zu dem Gebäude legten, das wir nunmehr als glückliche Erben „Wissenschaft des Judentums" nennen. — Die Briefe sind in der Schreibweise ihrer Verfasser, ohne Korrektur, wiedergegeben. Zunz' Stil ist bekannt und noch heute bewundernswert. Michael dagegen war kein besonders gewandter Stilist; seine Briefe sind sogar nicht immer von grammatikalischen Fehlern frei; aber man muß, wie der Herausgeber richtig bemerkt, darüber hinwegsehen. Der Wert dieser Briefe liegt in ihrem Inhalt, in den literarischen Mitteilungen, die Zunz' Arbeiten, wie er selbst an verschiedenen Stellen seiner Briefe an Michael mit Dank anerkennt, nicht unwesentlich gefördert haben. Leider gestattet der uns zur Verfügung stehende Raum nicht mehr als einen der Zunzschen Briefe vollständig und höchstens einige Auszüge aus den folgenden wiederzugeben: Zuuz an Michael. Berlin, 18. November 1832. Von der Erlaubnis, Ihnen, hochgeschätzter Herr, zu schreiben, mache ich nunmehr Gebrauch und eröffne meinen Brief mit der Wiederholung meines Dankes für das viele Gute, das Sie mir während meines Aufenthaltes in Hamburg gewährt haben. Mit der freundlichsten Bereitwilligkeit haben Sie mir die Schätze Ihrer Bibliothek zu Gebote gestellt, Ihre wertvollen Belehrungen hürzugetan und selbst Ihre Muße und Unterhaltung, sogar oft mit Hintenansetzung Ihrer Geschäfte, mir zugute kommen lassen. Ich weiß nicht, wodurch ich so vieler Güte, die man selten antrifsb mich wert gemacht, auch bin ich außerstande, sie zu vergelten; indes glaube ich, daß die dankbare Gesinnung, mit welcher ich sie anerkenne, und das Bestreben, Ihnen auf irgend ähnliche Weise Dienste zu erzeige::, Ihnen einen Beweis dauernder Anhänglichkeit geben werde. Der angenehmen Pflicht, Ihnen schriftlich zu danken, würde ich mich auch schon früher entledigt haben; allein wir waren kaum sechs Tage in Berlin, als meine Frau krank wurde und fast drei Wochen das Zimmer, häufig sogar das Bett hüten mußte. Während der Zeit hatte ich zu Studien und Briefen weder Zeit noch Kopf. Heute habe ich meine Frau wieder spazieren geführt nnd heute schreibe ich Ihnen.

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