Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1907)
- Date
- 1907-09-06
- Page
- Seite 425 (sequence 5)
- Language
- German
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1907. muncuv rngenen zufügen . KvM' lm sich ak Pisa;ndun§ vorderi on als; Arz' ekretär Juden idem ei r nötic he den n diese rken. IKulah enosser t 1907 andern;en de inandein seh ht j«n: »nellzu;en, bi es not Neben!lb, vor «arim' in de cen Ge?ee vo n Stur, Herbst : Fahr eg uaci >esuche seine Zälderi. nun i > egende i che un r rer un' er nid f auf ba egen,31 vas bu’ )ie bi" Alpei gut fi. on bei 1 armer 425 So lassen wir uns denn in unserer guten Laune nicht beirren, wenn wir hören, wie Lueger stolz verkündete, ihm and seiner Partei, die sich mit den dunkelsten Oesterreichs eng verbündete, hätte das ganze Parlament in dieser Sommer- Session „gehuldigt". Ein stolzes Wort, das zu denken gibt, beonders deshalb, weil es leider wahr ist. Lueger sprach, und ein Generaladjutant Weiskirchner wurde Präsident des Abzeordnetenhauses, während der Führer der Klerikalen und ihr Kandidat für den Präsidentschaftsposten, Ebenhoch, aus diesen ugunsten der Christlich-Sozialen schmählich verzichten mußte, lud doch mußte er Luegern huldigen und bezeichnete ihn bei lem friedlichen Brudermahle, das die Luegerpartei mit den klerikalen vereinte, als den „König Artus" der Partei. Wo- ,er er diesen Vergleich wohl genommen haben mag? Jedenalls sind dann Luegers Parteifreunde, die berühmten .Barrierestöcke", die Ritter der Gralsrunde, und diese, mit?önig Artus an der Spitze, können sich für diesen Vergleich >edanken. Doch wir sehen, unwillkürlich sind wir auf das Gebiet der leidigen Politik gelangt und wollten doch ein wenig on unserem Alpenkurorte plaudern, der so schön eingebettet iegt zwischen Bergen und Wäldern, ein herrlicher Ort ür einen Sommeraufenthalt. Aber auch für des Leibes ltzung ist hier gut gesorgt. Natürlich denken wir an ie „koschere" Küche, an die, wie man sie nennt, „rituelle tost". Das Haus, in dem wir dem Körper geben, was ihm zebührt, enthält ein Gast-, Extra- und Speisezimmer. Für diejenigen, die österreichische Verhältnisse nicht kennen, sei hier ine Erklärung dieser dreifachen Bezeichnung abgegeben. Das Gastzimmer, auch Schwemme genannt, ist jenes Lokal, in dem nan am billigsten speist, es geht dann stufenweise höher bis um Speisesaal oder auch zum Garten; dieser ist der Ort des Dpeisens, wenn schönes Wetter ist, und dies ist hier leider elten. Meist rauchen die Berge und von den Wolken träufelt mendliches Naß, bezeichnend „Schnürlregen" genannt. Um nun wieder auf die „rituelle Kost" zurückzukommen, 0 muß sie als vortreffliche bezeichnet werden. Freilich, selbst m Gastzimmer sind die Preise nicht ganz demokratische. Und wch wird dieser Kurort nicht allein von Neichen ausgesucht, 'ielmchr kommt hier mehr die bürgerliche jüdische Bevölkerung zusammen. Da meinen wir nun, es wäre ein Leichtes, durch wahrhaft bürgerliche Preise diese Stätte, welche die Natur mit allen ihren Reizen zierte, einem noch größeren Kreise;u erschließen. Um nun nach des Leibes Nahrung von der des Geistes and des Gemütes zu sprechen, drängt sich jedem Glaubensgenossen die Frage auf, ob man denn in Ischl auch seinen gottesdienstlichen Verpflichtungen, besonders an Sabbaten, nachommen könne. Wir sprachen darüber mit einer kompetenten Persönlichkeit, die uns auf ein sogenanntes Minjan verwies, >as am Sabbate in dem obengenannten Hotel zusammenommt, um dem Herrn zu geben, was des Herrn ist. Freilich meinte er, die Einrichtung dieses Minjan sei eine sehr primitive, doch, so fügte er sehr philosophisch hinzu, man kommt doch nicht nach Ischl, um zu beten. Darüber kann man sehr geteilter Meinung sein. Freilich kommen die meisten her, um Ui sehen und gesehen zu werden; die Damen tragen die neuesten Toiletten und glänzendsten Brillanten zur Schau. Manche wollen den Bergen einen Besuch abstatten, sehr viele m den grünen Wäldern nach des Tages Mühen sich erholen. Dies alles sei zugestanden. Es ist aber doch höchst eigentümlich, daß für die Tausende von Juden, die alljährlich Ischl besuchen, nicht ein ständiges Bethaus eingerichtet ist. Wir befinden uns hier an einem Orte, dessen Bevölkerung der Gesinnung nach eine kirchliche oder, wenn man will, klerikale genannt werden muß. Wir Juden wollen nicht als klerikal bezeichnet werden, aber Hunderte von Juden, die diesen Kurort im Sommer aussuchen, werden wohl das Bedürfnis haben, wenigstens einmal, am Sabbat, ihren Gott aufzusuchen und sein Wort zu hören. Und dasür ist hier nicht am besten gesorgt. Vielleicht werden die kompetenten Rabbinate dies einsehen und sich an ihren katholischen Amtsbrüdern — ein Beispiel nehmen. Man wird mir darauf erwidern, man könne auch im Waldesrauschen seine Andacht verrichten, inmitten hochragender Tannen, im Anblicke der erhabensten Natur. Das sind die alten Redensarten, die man allerdings hier sehr oft von den Leuten hören kann, welche mehr oder weniger nicht nur mit dem Judentum, sondern auch mit jeder Religion abgeschlossen haben. Und derer ist hier die erhebliche Mehrheit. Andere wieder meinen, die ganze Saison dauere hier kaum sechs Wochen und für diese kurze Spanne Zeit sei cs nicht nötig, ein größeres Bethaus einzurichten. Während wir dies niederschreiben, bekommen wir aber einen Brief, in dem es heißt, es wäre die Absicht vorhanden, im nächsten Jahre aus Anlaß des 60jährigen Negierungsjubiläums des Kaisers hier einen Tempel zu errichten und für einen Friedhof Sorge zu tragen. Wie man also sieht, sind die von uns ansgedrückten Anschauungen auch die anderer. Es wird an diesem Orte soviel Geld für Vergnügungen aller Art ausgegeben, daß man wohl auch die Summe wird aufbringen können, die nötig ist. um für die religiösen Bedürfnisse manches Glaubensgenossen zu sorgen, der es wünscht, wenigstens in der Gebetstunde nach alter Art sich mit anderen Juden zu vereinen. Vielleicht werden sie sich dann auch etwas mehr nahe treten, und die Geselligkeit, die viel zu wünschen übrig läßt, wird hier eine größere werden. Wie bereits gesagt, an Unterhaltungen, Theatern, Akademien, Konzerten und ähnlichen Vergnügungen der Wintersaison fehlt es hier nicht; doch vermißten wir den gewissen familiären Verkehr, wie wir ihn unter unseren Glaubensgenossen von Nord und Süd, besonders in den Kurorten des Sudetengebietes, fanden. Die Leute schließen sich hier etwas zu vornehm voneinander ab. Man sagte mir, dies sei die Art der Wiener Juden, und es wäre traurig, wenn dies ihre Charaktereigenschaft genannt werden müßte. Sicher ist, daß viele Juden sehr ungern an ihr Judentum erinnert werden. Ein nicht sehr erfreuliches Zeichen dasür, wie diese Gesellschaft, Junge und Alte, ihre Erziehung fürs Judentum erhalten. . . . Doch für all dies entschädigt uns die wahrhafte Pracht, welche die Natur hier entwickelt. Diese Größe predigt mehr, als alle sogenannten Verkünder des Gotteswortes den in der Niederung wandelnden Menschen: Erhebet euch zu jenen reinen Höhen, in denen die Wolken des Vorurteils schwinden und Klarheit und Wahrheit herrscht. Iwri. flus drr Geburtsltadt Lärmen Syloss, der Mmsin von Lmnsmen. Von Dr. Adolph Ko Hut. I. nf meinen vielen Wanderungen und Wandlungen durch alle Gaue Deutschlands, namentlich den Rhein entlang, hielt ich mich besonders gern in der reizenden Kreisstadt im preußischen Regierungsbezirke Koblenz und Hauptstadt der mediatisierten Grafschaft Wied, in Neuwied, auf. Ganz abgesehen von der herrlichen Lage Neuwieds und dem Pracht-