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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-08-30 · Heft 35 (30.8.1907) · p. Seite 414

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
Seite 414 (sequence 6)
Language
German
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meinem Altäre, denn mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker." (Jes. 56,7). 5. Der Glaube an die einstige Wiederbelebung der Toten ist in der Bibel begründet und ,in der Tradition als wichtiger und bedeutsamer Grundsatz der jüdischen Religion ohne Widerspruch aufgestellt worden; die Abänderung und Weglassung der hierauf bezüglichen Gebetstücke kommt einer Verwerfung dieses Glaubensartikels gleich. Die Unterzeichneten badischen Rabbiner beehren sich, von vorstehender Erklärung, die auch der künftigen Synode zur Kenntnisnahme, sowie den in Berlin erscheinenden Zeitschriften „Jüdische Presse" und „Allgemeine Zeitung des Judentums" demnächst zur Veröffentlichung zugesandt werden soll, dem Großherzoglichen Oberrat ergebenst Mitteilung zu machen. Wir sehen uns zu diesem Schritte veranlaßt, einerseits, weil wir die gute Absicht des Großherzoglichen Oberrats, durch sein Gebetbuch die Religiosität zu fördern, anerkennen, und es um so mehr für unsere Pflicht halten, der Ueberzeugung von der entgegengesetzten Wirkung dieses Mittels Ausdruck zu geben; andererseits, weil unser Schweigen in einer Angelegenheit, welche weite Kreise des badischen Judentums aufs tiefste bewegt, mißdeutet werden könnte. 18. Juli 1907. Eines Großherzoglichen Oberrats ergebenste Rabb. Hofsmann, Randegg; Rabb. Löwenstein, Mosbach; Rabb. Schlessinger, Breiten; Rabb. Spitz, Gailingen; Rabb. Unna, Mannheim. Niemand dürfte auch nur im geringsten daran gezweifelt haben, daß die genannten orthodoxen Rabbiner Badens dem von dem Oberrate herausgegebenen, ausdrücklich für die nichtorthodoxe Mehrheit der badischen Israeliten bestimmten Gebetbuche durchaus ablehnend gegenüberstehen. Wenn sie diese ihre Gesinnung urbi et orbi zu verkünden für nötig hielten, so konnten sie sich mit ihrer Erklärung unmittelbar an die Presse wenden. Dagegen wäre gewiß nichts einzuwenden gewesen. Es darf in dieser Beziehung an den Ausspruch des Vertreters des Oberrats auf der letzten Synode erinnert werden, daß der Oberrat jede Beeinträchtigung der freien wissenschaftlichen und religiösen Meinungsäußerung vermeiden werde. Dagegen können wir unsere Verwunderung darüber nicht unterdrücken, daß die orthodoxen badischen Rabbiner, wenn sie vorzogen, statt unmittelbar an die Presse, mit einer amtlichen Vorstellung an ihre Oberbehörde sich zu wenden, dieses amtliche Aktenstück, ohne dessen Erledigung im geordneten behördlichen Verfahren abzuwarten, ja sogar gleichzeitig mit der amtlichen Einreichung, der Oeffentlichkeit übergaben und gerade unserem Blatte zuschickten, das der Hauptunterzeichner in seiner „Geschichte der Juden" geradezu als ein Unglück für das moderne deutsche Judentum zu stigmatisieren die Güte hatte. Was den Inhalt der „Erklärung" betrifft, können wir uns nach den ausführlichen Artikeln, die wir über den Gegenstand in jüngster Zeit gebracht haben, auf wenige Bemerkungen beschränken, indem wir alle, die sich eingehender orientieren wollen, auf die ausgezeichnete Denkschrift des Oberrats verweisen, die unserer Anregung entsprechend zu ganz billigem Preise abgegeben wird. Die Unterzeichner der „Erklärung" gehen davon aus, daß das Gebetbuch ein unabänderliches Heiligtum sei; in der Denkschrift ist jedoch nachgewiesen, daß es sehr allmählich entstanden und zu allen Zeiten abgeändert worden ist. Namentlich im Laufe des vorigen Jahrhunderts sind in den hervorragendsten Gemeinden ganz prinzipielle Aenderungen vorgenommen worden, die zu Recht bestehen, mögen die orthodoxen Rabbiner innerhalb und außerhalb Badens dies zugeben oder nicht. Wenn diese eine Scheidewand gegen die nichtorthodoxe Majorität der deutschen Judenheit aufrichten wollen, inögen sie es tun; das neue badische Gebetbuch bedeutet eine solche ebensowenig als die anderen neueren Gebetbücher, die zur Befriedigung des religiösen Bedürfnisses der fortschrittlichen Gemeinden geschaffen worden sind. Den Gefallen, Zwistigkeiten über die Einführung des neuen Gebetbuchs entstehen zu lassen, wird der Oberral seinen Gegnern sicherlich nicht tun. Hat er doch schon im Jahre 1904 verlautbart, er werde „selbst Mehrheitsbeschlüssen auf Aenderung des altherkömmlichen Gottesdienstes in einzelnen Gemeinden um so eher die Berücksichtigung versagen können, wenn es den modern Gesinnten ermöglicht ist, durch Benutzung des neuen Gebetbuchs ihr religiöses Bedürfnis auch im alten Gottesdienste zu befriedigen". So wenig wie über die allgemeinen Gesichtspunkte ist über die Einzelheiten mit den Unterzeichnern der „Erklärung" und ihren Gesinnungsgenossen eine Verständigung möglich Wir beschränken uns hier auf den Hinweis, daß das badische Gebetbuch neben dem Glauben an die Unsterblichkeit der Seele auch dem an eine Wiederbelebung beii breitesten Spielraum gewährt, daß der Oberrat den Glauben an den persönlichen Messias nicht zu beseitigen versucht, die diesem Glauben An hangenden nicht als schlechtere deutsche Patrioten erklärt, den Opferdienst für seine Zeit nicht als minderwertig bezeichne! hat. Letzterer war vielmehr nach der an Maimonides sich an schließenden Auffassung des Oberrats zur Ueberwindung des Götzendienstes notwendig, weshalb selbstverständlich auch bk Propheten nicht seine Abschaffung gewünscht haben können Heute jedoch, wo nahezu sämtliche Kulturnationen über bet Götzendienst, sämtliche aber über den Tieropferkultus längs hinausgewachsen sind, diesen für daS Judentum wieder herbei zuwünschen, ist ein Anachronismus unserer Orthodoxie, der wir unmöglich mittnachen können und vor dent wir auck unsere Kinder in Synagoge und Schule bewahrt wissen möchten. Die Red. Das Ulte Testament im christlichen Lelisionsunterricht. Von S. Rothschild, Worms. nd es wallet und siedet und brauset und zischt. Mi! diesen Worten könnte man die Bewegung charakterisieren, die seit längerer Zeit schon in bezug auf den Religionsunterricht die christlich-theologische und pädagogische Presse erfaßt hat und zurzeit noch beherrscht. Da ist vor allem der Katechismus, der entfernt oder mindestens erst in den oberen Klassen den Geistlichen überwiesen werden soll; auch der dogmatische Unterricht soll erst im Konfirmandenunterrich! seinen Anfang nehmen. Selbstverständlich soll bei dieser Reformarbeit anch der biblische Geschichtsunterricht eine Um gestaltung erfahren. Diese interne Angelegenheit würde für uns nicht das geringste Jntereffe haben, wenn in diesen Streite der Meinungen nicht auch die biblischen Geschichten des Alten Testaments auf den Kampfplatz gezerrt würden, um hier nach Feindesart verletzt und verwundet zu werden. Solange der Kampf sich auf einem Gebiete bewegt, das scharvon dem unsrigen abgegrenzt ist, haben wir keine Ursache und kein Recht, uns einzumischen, anders ist es, wenn der Kamp! auf unser Gebiet herüberspielt und hier in der Hitze des Gefechts das beschmutzt und besudelt wird, was uns heilig ist. Wollen diese Kreise das Alte Testament aus ihrem Religionsunterrichte ausgeschaltet wissen, uns kann's recht sein, aber

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