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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-08-30 · Heft 35 (30.8.1907) · p. Seite 413

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 35 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
Seite 413 (sequence 5)
Language
German
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V ■'■■■■■■■■ —— 413 Formierung wird abgesehen, die äußerste Behaglichkeit, fern von jedem Luxus, soll herrschen. Ein Arzt ist in der Nähe, ein Jsolierzimmer da. Was die Oberleitung anbetrifft, können wir mit vollem gertrauen in die Zukunft sehen; Fräulein Pappenheim wird litt Rat und Tat zur Stelle sein. Sie hat es bewiesen, daß ie imstande ist, ihre Schutzbefohlenen so zu erziehen, daß sie rls selbständige Menschen ihren Platz im Leben ausfüllen. Ihr gir Seite steht ein vorläufig provisorisches Komitee, das sich vei der Oktobertagung unseres Bundes erweitern und organi-- ieren wird. Wir müssen noch dankend edler Menschenfreunde erwähnen, ne es uns ermöglichen, mit dem Betrieb des Hauses baldigst inzusetzen. Es überwiesen uns gütigst: öerr Charles Hallgarten, Frankfurt a. M. . . 5000 Mark 5rau Adolf Stern, Frankfurt a. M. 1000 „ „ Max Goldschmidt v. Rothschild, Frankfurt. 2000 „ „ Baronin Edmund v. Rothschild, Paris . . 4000 „ Baronin Willy Rothschild, Frankfurt a. M. 2000 „ Rudolf Goldschmidt v. Rothschild, Frankfurt 500 „ Wir hoffen zuversichtlich, da wir mit diesen Zeilen zum rstenmal an die Oeffentlichkeit treten, und da das Heim eine Stätte der Erziehung und Aufrichtung für gefährdete jüdische Mädchen in ganz Deutschland werden soll, daß sich noch mehr zute Menschen finden werden in allen Teilen Deutschlands ind über die Grenzen unseres Vaterlands hinaus, um das segensreiche Werk fördern zu helfen. Wir stehen im Monat Elul, im Monat der Selbstprüfung, >er Einkehr in uns, der Selbstläuterung. Jeder, der sich >einem Gott in dieser Zeit nahe fühlt, jeder Irrende, der an dem kommenden großen Tage Versöhnung sucht, möge er der Aigendlich Jrregeführten besonders gedenken und nach seinem Können durch eine Gabe auch dazu beitragen, daß auch für die Armen eine Zeit der Einkehr, der Selbstläuterung, der Umkehr komme. Sind die jetzt Gefährdeten erst dem Laster verfallen, dann strecken wir vergeblich die rettende Hand aus; .ein Bäumchen biegt sich, doch ein Baum nicht mehr". Gedenket Eurer wohlbehüteten Töchter, Eurer überwachten Schwestern, Eurer geschützten Frauen und erbarmet Euch derer, Ke da wandeln im Dunkeln ohne Vorbild, ohne Schutz, ohne Liebe. Die Not unserer Heranwachsenden jüdischen Jugend ist zroß, das Laster macht sich unter ihr breit, die Unsittlichkeit nmmt zu in demselben Verhältnis wie der Zaun von den Lesetzen abgeschüttelt wird, in demselben Verhältnis wie eine Amalgamierung stattfindet, in demselben Verhältnis, wie die Ansprüche an das Leben wachsen, wie der Kampf ums Dasein schwerer geworden ist. Dieses Fürsorgeheim des jüdischen Frauenbundes wird bestehende traurige Verhältnisse von Grund auf kaum ändern, solchen Illusionen geben wir uns nicht hin; aber um wie weniger Gerechten willen wollte Gott von der Zerstörung Sodoms und Gomorras absehen? Sollten wir nicht alle unsere Kräfte einsetzen, unser Können aufbieten, um eine Stätte zu errichten, in der die in der Irre Wandelnden auf den rechten Pfad geleitet werden sollen? llnd wenn es auch nur wenige sein dürsten, der Bußfertige, so heißt es in unserem heiligen Schrifttum, ist Gott angenehmer als der, der stets in seinen Wegen gewandelt, und wer nur eine Seele in Israel rettet, der hat das Gesetz in seinem ganzen Umfange erfüllt. Aus dem sse!d?uge der VrthodoLie gegen dss neue bsdilche Gebetbuch. err Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein in Mosbach ersucht uns mit Schreiben vom 6. August d. I., unter Berufung auf unsere Objektivität, um Abdruck des nachstehenden Schriftstücks. An den Großherzoglichen Oberrat der Israeliten, Karlsruhe. Die in den Vorbemerkungen zu dem Gebetbuchentwurf des Großherzoglichen Oberrats und in der Denkschrift zur Begründung des Entwurfs ausgesprochenen Grundsätze und Anschauungen veranlassen uns zu folgender Erklärung: 1. Das durch ein nahezu tausendjähriges Alter ehrwürdige Gebetbuch, das überall sich eingebürgert hat, wo Juden in einem Gotteshause sich zusammenfinden und wo jüdische Kinder für jüdisches Leben erzogen und unterrichtet werden, gilt uns als ein Heiligtum, das nicht nach der jeweiligen Zeitströmung umgestaltet und verändert werden darf. Wenn in der Denkschrift auf die zahlreichen Verschiedenheiten in den Riten der Gemeinden hingewiesen wird, so ist dem entgegenzuhalten, daß es sich bei den betreffenden Veränderungen niemals um prinzipielle Umgestaltungen handelte, und daß man niemals ein Gebet aus dem Grunde wegließ oder um geformt hat. weil man einen darin zum Ausdruck gebrachten Glaubensartikel des Judentums nicht mehr anerkannte oder umdeutete. 2. Die in unserem Gebetbuche enthaltenen Gebete haben unseren Ahnen und uns bis ans den heutigen Tag zur Lobpreisung Gottes und zum Ausdruck der innigsten Gefühle gedient; wir müssen es bestreiten, daß sie den Empfindungen moderner Menschen nicht entsprechen und daß durch ihre Beibehaltung der Grundsatz der Wahrhaftigkeit vor Gott verletzt werde. Sie bilden ein Band der Gemeinsamkeit für die Bekenner des einzigen Gottes in allen Weltteilen; ihre Umgestaltung würde zwischen den Juden Badens und den übrigen Glaubensgenossen eine Scheidewand aufrichten. Sie würde aber auch in unserem Vaterlande selbst endlose Zwistigkeiten in den Gemeinden zur Folge haben; denn die Anhänger des alten Gebetbuches würden da, wo durch Majoritätsbeschluß das neue eingeführt würde, aus dem Gotteshause gedrängt und von der Teilnahme an dem Gottesdienste ausgeschlossen werden. 3. Ter Glaube an einen persönlichen Messias, der die Zurückführung der Zerstreuten Israels und hiermit verbunden die Erlösung der gesamten Menschheit und den Eintritt des Weltfriedens, d. h. das sogenannte messianische Zeitalter verkünden soll, ist eine der 13 Grundwahrheiten, die von Maimonides anfgeftellt wurden und als wesentliche Bestandteile der jüdischen Glaubenslehre zu allen Zeiten gegolten haben. Dieser Glaube steht mit der Liebe zum deutschen Vaterlande, in welcher die Anhänger des überlieferten Judentums niemandem nachstehen, durchaus nicht in Widerspruch. 4. Der zu allen Zeiten mit Gebet verbundene Opferdienst und die ihn betreffenden Vorschriften umfassen einen großen Teil der uns von Gott offenbarten Thora. Es wäre deshalb eine Herabsetzung dieses göttlichen Gesetzes, wenn man den Opferdienst und die Gedanken, welche er in den Gemütern unserer Ahnen wecken sollte, als einen minderwertigen Gottesdienst bezeichnen wollte. Die Propheten haben sich auch niemals gegen den Opferdienst an sich, sondern nur gegen seine Veräußerlichung gewendet, wie sie überhaupt gegen jede äußerliche Gottesverehrung, die nicht mit sittlicher Lebensführung verbunden ist, eiferten. Indem wir in unseren Gebeten die Opfer erwähnen, halten wir den Zusammenhang mit der großen Vergangenheit unseres Volkes und dem erhabenen Gottesdienste im hehren Tempel zu Jerusalem aufrecht, und wenn wir um die Wiederkehr jener Zeiten bitten, befinden wir uns in Uebereiustimmung mit den Worten des großen Propheten: „Ich werde sie bringen zu meinem heiligen Berge und sie erfreuen in meinem Bethanse; ihre Ganzopser und ihre Schlachtopfer werden zum Wohlgefallen sein auf tk

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