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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-08-23 · Heft 34 (23.8.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 34 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Hier hatten sich die Hitflliebet des Gemeindevorstandes, der Repräsentanz, des Schulnd Talmud-Thora-Vorstandes und die Delegationen der Synagogenorstünde in großer Zahl eingefunden. Nach den kurzen und sehr erzlich gehaltenen Ansprachen durch den Vorsitzenden des Gemeindeorstandes Herrn Julius Jacoby und Rabbiner Professor r. May bäum wurde Dr. Hochselb von den bienstältesten iabbinatskollegen Professor Dr. Maybaum und Rabbiner Dr. Stier, men sich in langer Reihe die übrigen Rabbiner und die Ehreneamteu der Gemeinde anschlossen, unter Chorgesang und Orgelklang n die reichgeschmückte und festlich erleuchtete Synagoge geleitet. Nach er üblichen Liturgie, die von Professor Dr. Maybaum ausgeführt nirde, bestieg Rabbiner Dr. Hochfeld zu seiner Antrittspredigt die ranzel. Er sprach zunächst seinen herzlichsten Dank aus für die Kundgebungen wohlwollender Gesinnung, die ihm bei der Ueberiahme seines Amtes zuteil geworden. Die obersten Grundsätze, die hn in seinem verantwortungsvollen Amte leiten sollen, und den willkommenen Lohn, den er zu erwarten habe, sieht er in dem Satze es Wochenabschnittes: „Der Gerechtigkeit jage nach, damit du lebest nd erbest das Land, welches der Ewige, dein Gott dir gibt." Seine Gerechtigkeit werde ausgehen von der Wahrheit und in den Frieden m'mben, und mit dem Streben nach Wahrheit werde die Wahr- -astigkeit der Verkündigung Hand in Hand gehen. Nur was er olber im Leben vertreten könne, werde er auch anderen als beerzigenswert empfehlen; seine Gerechtigkeit werde auch die Achtung >or der fremden Persönlichkeit, die Rücksicht auf die anders geartete leberzeugung lehren. In einer so großen Gemeinde wie der unsrigen ei es erforderlich, daß alle Richtungen zum Worte kommen, daß eine der anderen das Leben verbittere durch hochmütiges Absprechen der fanatisches Verketzern. Der Sinn der Verheißung: „Damit du lebest!" iegtsür ihn vor allen Dingen darin, die Jugend mit den Idealen unserer teligion zu erfüllen und dadurch dem Judentum neues Leben zuzuühren, und als Erbschaft erhofft er den Anteil an den religiösen nd moralischen Besitztümern, die andere erworben haben und deren Segnungen Gottes Gnade nun auch zu ihm gelangen läßt. Ja, er ekennt frei und offen, daß gerade die Aussicht auf diese Erbschaft n ihm den Entschluß gereist und gefestigt habe, die bisherige angesehene Stellung in Düsseldorf aufzugeben und dem Rufe nach hier u folgen, wo das Studium der Lehre heimisch ist, nach unserer alten Gemeinde mit ihren etzrfurchtgebietenden Ueberlieferuugen, nach der Btätte, von der aus das belebende Wort vieler erleuchteter Männer rklüngen ist. Als eine besondere Gunst der Vorsehung erachtet er s, an der Seite des Mannes zu wirken, der vor Jahren zu seinem Mfsen und Können selber den Grund gelegt und ihm nun zu gemeinsamer Tätigkeit die Hand reicht. Nachdem Tr. Hoch selb den Segen Gottes für sein Wirken im neuen Amt herabgefleht, ans das -eine Taten nicht hinter seinen Worten Zurückbleiben. sprach er den üblichen dreifachen Segen der Schrift über die Gemeinde aus. Nochmaliger Chorgesang beendete die eindrucksvolle Feier, zu der sich die Gemeindemitglieder in sehr großer Zahl eingefunden hatten. s. Berlin,20.August. Am letzten Sonntag fand hierunter reger Teilnahme die Einweihung der mit allen modernen Einrichtungen versehenen neuen Synagoge des jetzt 19 Jahre bestehenden Vereins „Mazmiach-I eschua" in der Dragonerstraße statt. Rabbiner Dr. M. Hildesheimer hielt die Festrede. Der Tempel war festlich geschmückt und machte einen erhebenden Eindruck. 8. Berlin, 16. August. Im Fürsorgeheim für hilflose jüdische Kinder erteilt der leitende Arzt der Anstalt für junge Mädchen und Mütter einen theoretischen und praktischen Kursus über Pflege und Ernährung des gesunden und kranken Kindes, mit besondererBerücksichtigung des Säuglingsalters. Meldungen und nähere Auskunft im Fürsorgeheim. Artilleriestraße 36 b, nachmittags 3 bis 4Nhr. 8. Berlin, 16. August. Josef Joachim, der große, unersetzliche Fürst im Reiche der Kunst, ist tot. Unsere Trauer ist an diesem Sarge eine doppelte, denn wir haben ihn zweimal verloren. Das erstemal, als er in jungen Jahren seinen Glauben verleugnete. Der König von Hannover war es, der damals den blutjungen Kantorssohn aus dem streng orthodoxen Kittsee in Ungarn zur Taufe förmlich drängte. Aber auch in jener Zeit ist Joachim mannhaft für einen jüdischen Kollegen eingetreten, den Hofmusikus Grün, das seine Tätigkeit als Konzertmeister am Hoftheater in Hannover anfangs 1865 zum plötzlichen Abschluß bringen sollte.' Joachim hatte bei seinem Vorgesetzten, dem Grasen Platen, der seit 1853 an der Spitze des Hannoverschen Theaters stand, beantragt, daß Grün wegen seiner hervorragenden Leistungen zunr Kammermusikus ernannt werde. Graf Ptathen machte nun gegen den Antrag Joachims, übrigens fälschlich, geltend, daß es den bestehenden Gesetzen widerspreche, einen Israeliten fest anzustellen. Joachim war empört über diese zum mindesten unkünstlerische Motivierung und wies auf seine eigene jüdische Abstammung hin, aus der er wie seine Angehörigen niemals einen Hehl gemacht haben. Joachim schrieb nunmehr einen Brief an den Grasen Platen (23. August 1864), in dem es heißt: „Könnte nun Herr Grün, ungeachtet seiner von allen Vorgesetzten anerkannten trefflichen Leistungen und Pflichttreue im Dienst, nach mehreren Jahren geduldigen Wartens, auf meine erinnernde Bitte nicht befördert werden, weil er ein Israelit ist und gingen somit dadurch die von mir in höherem Aufträge gegebenen Versprechungen nicht in Erfüllung, daun bliebe mir, nach meiner Auffassung'von Ehre und Pflicht, nichts anderes zu meiner Rechtfertigung übrig, als eventuell mit Herrn Grün gleichzeitig von meinem Posten zurückzurreten. Ohnehin würde ich, beim Beharren in meiner jetzigen Stellung, nach Zurückweisung des Herrn Grün, die rein persönliche Empfindung zeitlebens nicht überwinden, durch meinen früher hier erfolgten Uebertritt zur Kirche in der Königlichen Hannoverschen Kapelle weltliche Vorteile zu genießen, während meine Stammesgenossen in derselben eine demütigende Stellung einnehmen." Der König von Hannover suchte aus diesem Dilemma einen Ausweg dadurch zu finden, daß er Grün zum Kammervirtuosen ernannte, womit sich Joachim aber nicht zufrieden gab und sein Amt kurzerhand niederlegte. Der Humor von der Sache war nun, daß Grün, um den sich der Streit drehte, von der Affäre überhaupt keine Notiz nahm und seine Stellung beibehielt. In den letzten Jahren seines Lebens hatten die lang zurückgedrängten Erinnerungen der Jugend und ' damit auch die Gefühle dev Pietät für den angestammten Glauben wieder große Macht über den Meister seiner Kunst gewonnen. Er nahm lebhaften Anteil an der Streitfrage über die Originalität der jüdischen Melodien, er unterstützte mit eifriger Fürsorge jüdische Kunsteleven, und seine Teilnahme an dem Feste für Lewandowski zu Ende der achtziger Jahre bleibt unvergessen. Bei diesem Feste war es, wo er dem Redakteur dieses Blattes, der die Festrede gehalten hatte, wörtlich sagte: „Die heiligsten Erinnerungen aus meinen Jugendtagen sind heute wieder erwacht. Ich befinde mich in der Stimmung des Kolnidre-Abends." Nun ist er dahingegangen, der Meister der Töne — wir vergessen nach erhabenem Gebote, daß er uns je imjugendlichen Sturm und Drang verlassen und gedenken vielmehr mit aufrichtiger Genugtuung der Tatsache, daß dev von einer ganzen Welt heute innig betrauerte Meister seiner Kunst unserem Stamme entsprossen ist. — Berlin, 16. August. Eine Answ eisun gsst atistik wird nun auch veröffentlicht. Wie sehr Deutschland hierin „an der Spitze

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