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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-08-16 · Heft 33 (16.8.1907) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 33 (16.8.1907)
Date
1907-08-16
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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— LorinnMd, 6. August. Aus der letzten Sitzung der hiesigen Handelskammer wird gemeldet: Der Ausschuß des Verbandes deutscher Juden hat an den Bundesrat eine Eingabe gerichtet, in der er gegenüber der geplanten vollständigen Sonntagsruhe in kaufmännischen Kontoren dafür eintritt, daß den jüdischen Geschäftsinhabern, die eine völlige Sabbatruhe einhalten, überall gestattet werden möge, die jüdischen Gehilfen an Sonntagen wenigstens zwei Stunden zu beschäftigen. Die Handelskammer unterstützte diese Eingabe um so mehr, als sie einen weiteren Beitrag für die Schwierigkeiten der Durchführung einer vollständigen Sonntagsruhe in kaufmännischen Kontoren bietet. x Levern i. Wests., 4. August. Unsere kleine Gemeinde hat am 19. Juli durch den Tod ihres langjährigen Vorstehers einen großen Verlust erlitten. Herr Bernhard Löwen st ein war ein Mann von selten frommer Gesinnung und von einer Wohltätigkeit, die seinen sonstigen hervorragenden Charaktereigenschaften würdig die Krone aufsetzte. Von seinen reichen Mitteln hat er der Synagoge vielfach namhafte Zuwendungen gemacht, und es gehörte zu den Seltenheiten, wenn er beim Gottesdienst nicht der erste und der letzte war. Zuweilen sah man ihn auch am Almemor, um selbst vorzubeten, und noch in seiner Todesstunde beschäftigte er sich mit der Haftara für den folgenden Sabbat. In gleichem Maße lag ihm aber auch die Sorge für eine echt jüdische Erziehung der Jugend am Herzen; er legte großes Gewicht auf einen guten Lehrer, um die Jugend, als das Heiligste, was eine Gemeinde besitzt, frühzeitig und eindringlich mit dem Gotteswort bekannt zu machen. So wirkte er mit Fleiß und Bescheidenheit sein ganzes Leben hindurch, und von c>en 92 Jahren, die ihm beschieden waren, entfallen mehr als 60 auf seine segensreiche Tätigkeit als Gemeindevorsteher. Ehre seinem Andenken! r. Mülheim (Ruhr), 2. August. Der heutige Tag ist ein Freuden- und Jubeltag in der israelitischen Gemeinde. Das auf der Höhe des Viktoriaplatzes errichtete herrliche Gotteshaus wurde heute seiner Bestimmung übergeben. Ein Festgottesdienst versammelte die Gemeinde und den Kreis der geladenen Gäste im neuen Gotteshause, und Rabbiner Dr. Rosenthal aus Köln, der als Kanzelredner ünen bedeutenden Ruf genießt, hielt die Weiherede. Ein gemischter Chor, der sich aus den Mitgliedern der Gemeinde rekrutiert, trug unter der Leitung seines Dirigenten, des Musikdirektors Clasen, durch die üblichen Sabbatgesüuge zur Verherrlichung des Gottesdienstes bei, und unter der Assistenz des Kantors G. Plachsckinski, der seit 15 Jahren iu der Gemeinde tätig ist, nahm die Festesfeier in der prächtig beleuchteten Synagoge einen stimmungsvollen Verlaus. Die weltliche Feier, die das Festprogramm vorgesehen hatte, fand am Sonntag nachmittag durch Konzert und Ball ihren Abschluß. Aber nicht nur die israelitische Gemeinde, sondern die ganze Bevölkerung aller Kreise der Gesellschaft nahm an der Festesfreude großen Anteil. Hat doch die jüdische Gemeinde durch die Errichtung des Gotteshauses ihrer Opfersreudigkeit ein glänzendes Zeugnis ausgestellt und Mülheim um einen Monumentalbau bereichert, der unserer Stadt zur Zierde gereicht. Es fiel unter diesen Umständen der israelitischen Gemeinde nicht allzuschwer, von der alten, baufälligen Synagoge im Notweg Abschied zu nehmen, die ihr 111 Jahre lang als Andachtsstätte gedient hat, obgleich es wehmütige Empfindungen sind, die sich beim Abschiednehmeu von diesen: ehrwürdigen Bau einstellen. Lehrer Kaiser, der seit den: Wegzuge des in den Ruhestand versetzten Herrn Oppenheimer als Prediger der Gemeinde fungiert, hat am vergangenen Samstag beim Gottesdienste in einer Abschieds- Predigt diesen wehmütigen Empfindungen beredten Ausdruck gegeben. Heute umfaßt die israelitische Gemeinde etwa 200 Fanlilien. Ten Vorsitz führt Herr Seligmann Cohn, der durch seinen ausgeprägten Wohltätigkeitssinn sich die allgemeine Achtung und Wertschätzung erworben hat. In der Leitung der Vorstandsgeschäfte wird er wacker von Herrn Meier"Kann unterstützt, der in geradezu idealer Weise der Erfüllung seiner Vorstandspftichten obliegt. Mit einer seltenen Pflichttreue führt er die Vorstandsgeschäfte. Als dritter im Bunde ist in der Erledigung der Vorstandsgeschäfte auch Herr Hirsch Elias mit anerkennenswerter Treue und Hingabe tätig. Den Vorsitz im Repräsentantenkollegium führt Herr Gustav Kaufmann, der auch als Stadtverordneter am Gemeinwohle unserer Stadt den lebhaftesten Anteil nimmt. Seinen rastlosen Bemühungen für den Vau einer neuen Synagoge ist im Grunde die Errichtung des herrlichen Gotteshauses zu verdanken. P. Zweibrücken, 2. August. Vorgestern wurde vor der Strafkammer dahier als Berufungsinstanz in der bekannten Privatklage des Bezirksrabbiners Dr. Mayer hier gegen den Neligionslehrer Bachenheimer das Urteil gefällt, nachdem vor acht Tagen die Verhandlung stattgefunden hatte. Den Gegenstand der Privatklage bildet ein seinerzeit in den verschiedenen pfälzischen Zeitungeu erschienener Artikel, in welchem behauptet war, daß seitens der Behörde dem Bezirksrabbiner die Ausübung seiner Funktionen in der hiesigen Synagoge bis auf weiteres untersagt sei. Mayer erblickte hierin eine Beleidigung und erhob gegen den Verfasser dieses Artikels — Bachenheimer — Privatklage, welche jedoch vor dem Schöffengerichte dahier abgewiesen wurde mit der Begründung, daß dem Angeklagten die Wahrung berechtigter Interessen zuzubittigen sei und daß er weder in der Form noch im Inhalt dieses Artikels zu weit gegangen sei. Das Berufungsgericht pflichtete der Ansicht des Schöffengerichts bei und erkannte unter Verwerfung der Berufung auf Freisprechung. 8. Dieuze, 3. August. Eine Festlichkeit, wie man sie selten sieht, feierte am 26. v. M. die hiesige israelitische Gemeinde. Die neue Synagoge an der Bahnhofstraße wurde eingeweiht, und eine Menge Einheimischer und Fremder beteiligte sich an dem Einweihungsakte. Vormittags wurde noch ein Gottesdienst in dem alten Gotteshause abgehalteu. Nachmittags trafen der Vezirkspräsident Graf Zeppelin, der Kreisdirektor von Chateau-Salins, das Mitglied des Landesausschusses Herr Patö aus La Netz und andere ein, am Bahnhof feierlichst vom Oberrabbiner Dr. Netter, dem Bürgermeister Humbert und dem Präsidenten der israelitischen Gemeinde Metzger empfangen. Inzwischen hatte sich bei der alten Synagoge ein langer Zug gebildet, um die Gesetzesrolleu von dort nach der neuen Synagoge zu verbringen. Im Hofe der neuen Synagoge überreichte mit einer Anrede eine junge Dame dem Bezirkspräsidenteu den Schlüssel des Gotteshauses. Graf Zeppelin dankte in warmen Worten, lobte die Eintracht unter den verschiedenen Konfessionen in Dieuze und erklärte, daß bei der Regierung und der Verwaltung alle Religionen benfetben Schutz und dieselben Rechte genießen, was auch hier durch Zuschüsse des Staates und der Stadt Dieuze bewiesen worden sei. Der Präsident des israelitischen Konsistoriums aus Metz dankte dem Bezirkspräsidenten für seine warmen Worte, lobte die Opferfreudigkeit der israelitischen Gemeindemitglieder von Dieuze und hob hierbei die hohen Verdienste des Kantors der Gemeinde Mantoux besonders hervor, welcher seit 35 Jahren in Dieuze amtiere und von jedermann geliebt und geehrt werde. Das Konsistorium habe aber seine Verdienste schon lange anerkannt und ihm das Vermächtnis Weil aus Straßburg verliehen. Nunmehr öffnete der Bezirkspräsident den neuen Tempel, der sich sofort bis auf den letzten Platz füllte. Rabbiner Dr. Netter-Metz hielt die Festrede zuerst in deutscher und nach Gesang und Musikspiel in französischer Sprache. Wir brauchen das Talent dieses begabten Redners, der sich sehr gewandt in beiden Sprachen ausdrücken kann, nicht weiter hervorzuheben, es ist genügend bekannt. Nach Schluß der Feier offerierte die israelitische Gemeindeverwaltung den Ehrenwein im Cafo Blum. Oesterreich-Ungarn. U Wien, 12. August. Nun soll die Hil suer - Affäre doch noch zum Gegenstand der Besprechung in: Neichsrat gemacht werden. Der freisinnige Abgeordnete Baron Hock will sich der Sache annehmen — und dann ist sie in den besten Händen und wird nicht zur Ruhe kommen, bis die Wahrheit siegreich an den Tag konunt. — Hier ist ein Jnfor matio nsbureau für Auswanderer begründet worden. Der Verein „Machsike liadalh" veröffentlicht nachstehenden Ausruf: ,,Am 21. d. Nt. hat die offizielle Eröffnung eines Emigrationsbureaus unter dem Namen „Hilfskomitee für jüdische Auswanderer, Jnformationsbureau des Vereins „Machsike liadath*', stattgefnuden. Die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Gründung eines solchen Bureaus ist evident. In Wien allein war bisher keine solche Institution vorhanden, wiewohl der größte Teil der jüdischen Auswanderer infolge der in Deutschland jetzt

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