Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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71. Jahrgang. Nr. 33. ^Berlin, 16. August 1907. Veilase zur „AUsemetnen Leitung deK Judentums". lkarrelponden?m und Kgchrichten. Deutschland. s. Berlin, 12. August. Die Verhandlungen und Beschlüsse der Generalversammlung des Rabbiner-Verbandes in Deutschland, die am 2. und 3. Januar d. I. hier stattgefunden. sind soeben erst im Druck erschienen. Wir haben seinerzeit über die Versammlung ausführlich berichtet. Nunmehr wird sich auch die Gelegenheit bieten, auf die einzelnen Referate und Vorträge des Protokolls näher einzugehen. Von besonderem Interesse dürften in dem stattlichen Bande sein der vielumstrittene Bortrag von Dr. Jacob überden „Anteil der Wissenschaft des Judentums an der Emanzipation der Juden" und die Referate der Herren DDr. Samuel, Kopfstein und Freudenthal. Der letztere ist wohl der wichtigste, da er die Reliktenkasse des Rabbinerverbandes betrifft. Das Kuratorium dieser Kasse besteht aus den Herren Rabb. Dr. Mahbaum, Guttmaun, Grünfeld, Cohn und den Herren Benno Braun, Aron Hirsch, Manuel Schwarz, Jacob Weinberg und Ernst W. Meyer in Berlin. Bei dieser Gelegenheit aber wollen wir doch eine Mitteilung der gedruckten Protokolle erwähnen, die angesichts der unerhörten Angriffe, die in letzter Zeit gegen die Verwaltung der jüdischen Gemeinde zu Berlin wegen ihrer angeblichen Haltung geg^n die Rabbiner gerichtet wurden, von allgemeinem Interesse sein dürste. Die Anwesenheit von 86 Rabbinern aus ganz Deutschland zu jener Versammlung war in erster Reihe der Munifizenz der jüdischen Gemeinde zu Berlin zu verdanken, die einen so ansehnlichen Beitrag zu den Kosten bewilligte, daß jedem Teilnehmer, der darauf Anspruch machte, die Reiseauslagen ersetzt, die Kosten der Versammlung gedeckt und der Druck der Protokolle bestritten werden konnte! s. Berlin, 12. August. In der letzten Gesamtsitzung der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften berichtete Prof. Dr. Sachau über drei aramäische Papyrusurkunden des Königlichen Museums in Berlin und legte dieselben in hebräischer Umschrift, Uebersetzung und Kommentar vor. Die Haupturkunde, die in zwei Exemplaren vorhanden, ist ein Schreiben der Vertreter der jüdischen Gemeinde in Elephantine an den Statthalter von Judäa, datiert vom Jahre 407 v. Ehr. Geb. Die Schreiber ersuchen den Adressaten um seine Hilfe zur Erlangung der Erlaubnis für den Wiederaufbau ihres 410 zerstörten Gotteshauses. Die dritte Urkunde berichtet von dem Erfolg der Petition. Im einzelnen werden die sprachlichen und sachlichen Berührungen dieser Urkunden mit den jüngsten Geschichtsbüchern des Alten Testaments, den Büchern Esra und Nehemia, nachgewiesen. Wir werden über diese hochinteressante Entdeckung selbstverständlich demnächst einen ausführlichen Bericht bringen. 8. Berlin, 11. August. In einer der letzten Nächte hörten Bewohner des Hauses Oranienburger Straße 42—43, daß in dem dort befindlichen Bureau der Alliance Israeiite ein Einbruch verübt wurde. Sie holten einen Schutzmann, der einen jungen Mann in dem Geschäftszimmer beim Erbrechen der Behältnisse festnahm; ein bisher unbekannt gebliebener Komplize war kurz bevor der Beamte erschienen war entkommen. Der Verhaftete wies sich als der russische Schachtelmacher Chaim Miara aus und erklärte, er habe gefürchtet, daß man ihm eine Unterstützung verweigern würde, deshalb habe er sie sich selbst holen wollen. Seinen Komplizen will er nicht kennen. 8. Berlin, 5. August. Als das Invaliden Versicherungsgesetz vom 13. Juli 1899 eingeführt wurde, sind die einzelnen jüdischen Gemeinden darauf ausmerksam gemacht worden, daß der Vors änger, Schochet undReligions diener versicherungspflichtig ist, wenn das Einkommen nicht über 2000 Mark beträgt, das heißt es müssen die bekannten Versicherungsmarken geklebt werden. Ab und zu scheint man dieses vergessen zu haben, denn in letzter Zeit sind wiederholt Gemeindevorsteher dieserhalb in Strafen genommen worden — bis zu 50 Mark — weil sie, der Vorschrift zuwider, das Markenkleben unterlassen hatten. Alle Beschwerden und Gesuche um gnadenweisen Erlaß der Strafen halfen nichts. Die Behörden stellen sich auf den Standpunkt, daß Gesetzesunkenntnis vor Strafe nicht schützt und es von den Arbeitgebern verlangt werden muß, daß sie sich mit den einschlägigen Gesetzesbestimmungen bekannt machen. Es wird also Sache der Gemeindevorsteher — aber auch der Angestellten — sein, sich über die Versicherungspflicht zu informieren, wenn dieser Pflicht nicht schon nachgekommen wird. Beide Teile könnten sonst Schaden dadurch erleiden. s. Berlin, 11. August. Ahlwardts letztes Wochenblättchen, das sich stolz „Die Freiheit" nannte und das sich weniger den Kampf gegen die Juden, als vielmehr den gegen die Jesuiten zum Ziele gesetzt hatte, ist den Weg aller antisemitischen periodischen Literatur gegangen. Ein Dutzend Nummern erschienen nur unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Dann stellte Herr Ahlwardt den Betrieb ein, nachdem er noch in der letzten Nummer die „mächtigen Feinde" an den Pranger gestellt hatte, die den Vertrieb des Ahlwardtschen Blättchens durch allerlei Kniffe gelähmt haben sollen, weil sie in ihm eine unbequeme Konkurrenz für—ihre eigenen Wochenblättchen sahen. 8. Berlin, 9. August. Eine interessante Statistik der Juden - mission bringen konservative Blätter. England steht in der Judenmission weit voran. Es hat nicht weniger als 666 Missionsarbeiler und verwendet jährlich über zwei Millionen Mark für das Werk. Deutschland steht weit zurück, obwohl es die dreifache Zahl der Juden hat, denn die deutschen Judenmissionsgesellschaften haben nur 21 Arbeiter und einen Jahreshaushalt von 90 000 Mark. Auf die Schweiz 'kommen zwei Gesellschaften mit vier Arbeitern und 40 000 Mark, auf Frankreich vier Arbeiter und 8000 Mark, auf die Niederlande drei Gesellschaften mit fünf Arbeitern und 15 000 Mark, auf Dänemark eine Gesellschaft mit drei Arbeitern und 4000 Mark, auf Schweden und Norwegen drei Gesellschaften mit 20 Arbeitern und 72 000 Mark, auf Rußland drei Vereine mit drei Arbeitern und 14 000 Mark. In Nordamerika gibt es dagegen 50 Juden» missionsgesellschasten mit 150 Arbeitern und einer Jahreseinnahme von 180 000 Mark. Die evangelische Judemnission weis! also etwa 880 Arbeiter auf und verfügt jährlich über mehr als ll/-2 Millionen Mark. . ££ä Berlin, 12. August. Das 23. Heft des Zentralblattes für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen macht über die Konfession der Zöglinge der preußischen höheren Lehranstalten statistische Mitteilungen aus dein Schuljahr 1905 06. Danach waren im Sommersemester 1905 in Preußen an den Real- Pro- Realpro- Ober- Real¬ Gym¬ 01)111gymgymrealschulen nasien nasien nasien nasien schulen cvgl. Schi'il. 61 574 2258 23 275 2683 19 073 31 552 kath. „ 83 793 2222 4 196 897 3 728 4 966 dissid. „ 133 3 85 12 129 192 isr. 6 662 198 2 222 113 1 267 2 262 Die Vorschüler sind hierbei nicht berücksichtigt. Von der Gesamtzahl der Schüler sind 140 415 (68,99 Proz.) evangelisch, 49 822 (24,48 Proz.) katholisch, 554 (0,24 Proz.) dissidentisch, 12 725 (6,45 Proz.) israelitisch. Teilt man die Schüler in solche der humanistischen und realistischen Anstalten, so ergeben sich folgende Ziffern: Humanistische Schulen Realistische Schulen Evangelische 59,74 Proz. 79,22 Proz. Katholiken 33,71 „ 14,29 „ Dissidenten 0,13 „ 0,42 „ Juden 6,42 „ 6,06 „ ff. Posen, int August. Der Israelitische? Arinen - Hilss verein publiziert seinen Jahresbericht pro 1906. Diesem entnehmen wir folgendes: „Die an uns gestellten Anforderungen verursachen von