Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1907)
- Date
- 1907-08-09
- Page
- Seite 377 (sequence 5)
- Language
- German
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377 WMWWW^WUW l, 2Bei an, bii : Führe mb an : Judei eits erben MI Stab!, n jedem m, auch >nn da l bester f) biefeii einleiti — ver ftamnii I" soziale glieder ten bi - Fra« )ert ih, solche;, ir au> , beibe > >as sm> Wort. l Rebe i sonder: möchi e lubenc Berichk en brn ich nick?! öse G> - cklicher zu be i Anders ls- Uli ' ilkerun i Mitte!';rg un - , inrine er abe erhalte i ormier ch fas e Urtei en un ) : gegei - eigene i :btietei bereb - tanbat i Fallt ( ir einc i Zionisten in bie Versammlung wählen, gerade als ob von ber Stadtverordnetenversammlung in C. bie Frage einer „öffentlich rechtlichen Heimstätte ber Juden" gelöst werden müsse. Die gemäßigten Israeliten sind für einen liberalen, ber deutschen lultur nicht ganz abholden Glaubensgenossen, den Herrn Rechtsanwalt, ober den Herrn Doktor, oder den Großkaufnann; endlich diejenigen, bie ganz ohne Hände sprechen, ver- ,alten sich neutral ober geben ihre Stimme dem christlichen Gegenkandidaten, weil sie mit ihm geschäftlich viel zu tun ,aben oder auch, weil sie mit ihm an demselben Stammtisch itzen ober gar allabendlich einen Skat dreschen. Und das Resultat dieser berühmten jüdischen Solidarität? Es wird kein lüde, sondern ein Christ gewählt! — Wer da glaubt, daß ich vier nur ein Schulbeispiel erzähle, um meine „Lustige Blätter- Lheorie" zu-erhärten, der tut mir bitter Unrecht. Man frage ne Posener Glaubensgenossen, und man wird erfahren, wo svergleichen Fälle in letzter Zeit vorgekommen sind. In den Tageszeitungen der Provinz wird nun über solche ,?älle berichtet; aus den Provinzialzeitungen gehen diese Nachrichten in die jüdischen Zeitschriften und aus diesen in die > roßen parteipolitischen Zeitungen über. Wie werden diese chälle aber von den Berichterstattern, die zum größten Teil Mts jüdischen Kreisen stammen, bargestellt? Der konservative . ude, ber seine Rebe und — schriftstellerische Leistung s ramatisch belebt, wie es oben dargestellt ist, sieht in dem iurchfall des jüdischen Kandidaten wieder eine Aeußerung k es noch immer nicht zur Ruhe gekommenen Antisemitismus; er gemäßigte Israelit schildert den Fall als einen Sieg der; ltrakonservativen Bureaukratie über die Blockpolitik, der ^berate Israelit, ohne jede dramatische Belebung endlich, > erichtet sachlich ohne Nennung der Konfession beziehungsweise der politischen Parteistellung des Durchfallskandidaten. Ich will zugeben, daß bisweilen der erste, beziehungsweise zweite Berichterstatter die Gründe für die Ablehnung des s idischen Kandidaten richtig dargestellt hat. Das kann aber > nr in vereinzelten Fällen zutreffen, wo eben nur ein ,; (bischerKandidat mit sämtlichen Stimmen seiner Glaubens-; 1 .'»offen und einigen wenigen Stimmen Andersgläubiger auf- > : stellt ist, nicht aber dann, wenn sich jüdische Kandidaten ntereinander — freilich nicht in der breitesten Oeffentlichkeit, ndern im engeren jüdischen Kreise — befehden. Zu dieser bergroßen Empfindlichkeit, welche sachlichen Gründen durchaus; cht zugänglich ist, sondern überall „den schwarzen Mann" s ittert, tragen in den meisten Fällen, das müssen wir l i er offen bekennen, die Kultusbeamten der Gemeinden bei; rtb zwar ganz besonders diejenigen, die sich mit Vorliebe Prediger und Lehrer" nennen, ohne jemals ein Seminar 'sucht oder ein staatliches Examen gemacht zu haben, die clmehr aus dem Handwerkerbezw. Kaufmannsstande hervrgegangen sind, wo sie in den meisten Fällen Schiffbruch Ritten haben, ehe sie ihr Prediger- und Lehrtalent entdeckten, hne Talar und Predigerbäffchen, ohne einen prachtvollen i uren seidenen Tallis mit dunkelblauen Streifen und goldenen .ressen würden diese Herren nicht einmal ein Chewro-Szude sütmachen, eine Leiche würden sie nie durch daS Städtchen egleiten, wenn sie nicht ihren vollen Ornat tragen dürfen nd für den Rückweg eine Equipage zu ihrer Verfügung eht. Ist es da ein Wunder, daß „ganz anders wie in «deren Menschenköpfen sich in diesem Menschenkopf die Welt ralt"? Daß jede Kritik, welche diese Herren „Prediger und ehrer" bei näherer Bekanntschaft von Andersgläubigen errhren, von ihnen als eine Beleidigung des Judentums dariestellt wird? Daß sie ihren Gemeindegenoffen in beweglichen Aorten die Auffassung suggerieren: „Hier ist der jüdische „Geistliche" (sie)! und bannt auch die jüdische Religion beschimpft worden?" Was sind die Folgen einer so schiefen Auffassung? Der konservative, dramatisch belebte Redner zieht sich ganz von den Andersgläubigen zurück, der gemäßigte Israelit beschränkt seinen Umgang mit Andersgläubigen nur auf das Allernotwendigste, und der liberale Israelit wendet sich mehr und mehr von seinen Glaubensgenossen ab; er wird reif für den völligen Abfall vom Judentum, er schließt Mischehen und führt seine Kinder zur Taufe. — So wird die Kluft zwischen den verschiedenen Konfessionen in der Ostmark immer größer, das Leben unter und mit den Glaubensgenoffen, mehr aber noch mit den Andersgläubigen, immer unerträglicher, die Auswanderung unserer Glaubensgenossen aus der Ostmark nimmt zu, von den wenigen zurückbleibenden besieren Elementen will niemand ein Amt in der Gemeinde übernehmen, die Gemeindeinstitutionen gehen dem Verfall entgegen, denn fast jedes in Frage kommende Gemeindemitglied muß ein Amt in der Gemeindeverwaltung übernehmen, neben seinem Amte in den verschiedenen jüdischen Vereinen innerhalb der Gemeinde. Doch diese Fülle der Aemter, die ein einzelner auf sich nimmt, gibt ihm ein gewisses Machthewußtsein, einen gewissen Grad von absolutem Regiment, das früher oder später zu Zwistigkeiten und Parteiungen aller Art innerhalb der jüdischen Gemeinde führen muß. Manche Ihrer Leser, geehrter Herr Redakteur, werden mich im Hinblick auf meine Darstellung unseres Verhältnisses zu den Andersgläubigen der Schönfärberei beschuldigen. Diesen Unentwegten möchte ich — selbst auf die Gefahr hin, von meinen Glaubensgenossen mit dramatisch belebter Rede darob in den Cherem getan zu werden — das Wort eines Reichstagsabgeordneten, des bekannten ehemaligen Pfarrers Naumann zurusen. Er sagte: „Die öffentliche Temperatur in Deutschland fängt an wärmer zu werden, das heißt liberaler. Dabei kann man schelten, daß es immer noch sehr kalt ist, aber die schlechteste Zeit ist doch im Verschwinden. Dieses auszusprechen, werde ich mich nicht abhalten lassen, auch wenn ich dadurch zeitweilig in den Verdacht geraten sollte, die Anzeichen der Besserung zu überschätzen, denn was den Liberalen not tut, ist, daß sie überhaupt erst wieder Zukunft vor sich sehen. Unser größter Feind ist der Pessimismus derer, die immer sagen: es kann nichts besser werden. Demgegenüber zu sagen: „es wird besser", ist zwar „Theorie der Bescheidenheit", aber hilft wenigstens vorwärts, denn jetzt wie stets gilt der Satz, daß ohne Optimismus auch die Möglichkeiten der Verbesserung aus der Hand gleiten." — Ueber diese Möglichkeiten der Verbesserung, soweit sie die Stellung unserer Glaubensgenossen in der Ostmark betrifft, will ich, mit Ihrer Erlaubnis, sehr geehrter Herr Redakteur, in meinem nächsten Posener Brief einiges sagen. Z’wi. Brief aus London. Von Reverend Dr. Chotzner. Beit Wochen schon beschäftigt sich die hiesige Presse mit dem beabsichtigten Abschluß eines sogenannten entente cordiale zwischen England und Rußland. Wie im letzteren Land, so sind auch hier die Meinungen geteilt hinsichtlich des zu erwartenden Erfolges dieser „herzlichen Vereinigung". Die meisten Liberalen in beiden dieser Staaten glauben nämlich, daß eine solche entente die augenblicklich bestehende russische Autokratie zu noch größerer und anhaltender Tätigkeit