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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-08-02 · Heft 31 (2.8.1907) · p. Seite 364

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 31 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
Seite 364 (sequence 4)
Language
German
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besuches der Juden, mit Ausnahme des Charkowschen Technologischen Institutes, an. Tolstoi erklärte danach diese Rechtsbeschränkung der Juden aus dem Grunde für ungesetzliche Willkür, weil sie auf administrativem Wege erfolgte. Dieser liberale Vorschlag Tolstois sani) im Kabinett Anklang; nur der damalige Minister des Innern Durnowo, der Justizminister Akimow und der Marinemiuister Birilew waren ganz strikt dagegen. Infolge dieser Meinungsverschiedenheit im Kabinett entschied der Zar damals, daß die Frage der Duma vorzulegen sei. Aber schon dieser Umstand brachte in der Praxis große Erleichterungen; denn das Ministerium der Volksaufklärung gewährte alle Gesuche der Juden um Aufnahme. Das Resultat dieses Vorgehens war eine bedeutende Zunahme der israelitischen Studenten auf den Hochschulen. Jetzt treten aber die Anhänger der neuen Richtung der Politik für eine besonders strenge Maßnahme ein; sie wünschen die Aufnahme von Juden in die Hochschulen so lange unterbrochen zu sehen, bis die früher angesetzte Norm wieder hergestellt würde. Dies würde einem Verbot der Aufnahme von Juden in die Hochschulen für mehrere Jahre gleichkommen und viele» Juden jede Möglichkeit, sich einein Studium zu widmen, nehmen. * Die „Jewish Gazette", ein angesehenes jüdisches Organ Amerikas, welches dem Plane der „I. T. O." — die Emigration über Galveston zu leiten — etwas skeptisch gegenüberstand, veranstaltete in bezug auf die Frage, ob Texas für jüdische Niederlassungen geeignet ist, unter seinen Lesern in diesem Staate eine Enquete, betitelt: „Wird der wandernde Jude seine Habe nach Texas führen?" In der Nummer vom 21. Juni erscheint nun das Erstlingsergebnis dieser Umfrage in der Form von drei Briefen von Korrespondenten aus verschiedenen Städten Texas. Der erste derselben besagt, daß der Plan, die jüdischen Emigranten nach Texas zu schicken, ein sehr guter ist. Denn hier sind Handwerker gesucht. Texas ist durchaus kein wildes Land, wie viele glauben. Es leben dortselbst bereits viele Handwerker, denen es allen sehr gut geht. Auch Schreiber dieses Briefes begann als Handwerker und sei heute Besitzer eines prosperierenden Geschäftes. Der zweite Korrespondent, der sich als ein Wohltäter vorstellt, sagt, daß alle jene, die nach Texas kommen, glücklich sind. Das Leben ist dort viel ruhiger und demokratischer, als in den östlichen Städten. Wenn die Emigranten zu farmern wünschen, kann es keinen besseren Flecken geben. Derselbe Korrespondent führt ein Beispiel eines japanischen Ehepaares an, welches im vergangenen Jahre einwanderte und Land zu drei Dollar per Acre angekauft hat, dasselbe mit Reis bebaute und das heute einen Wert von 25 Dollar per Acre repräsentiert. Der dritte Korrespondent sagt, wenn die Emigranten irgend ein Handwerk in der Hand haben, dann bietet ihnen der Staat ausgezeichnete Gelegenheiten, ohne daß Sie gezwungen wären, Hausierer zu werden. Schreiber lebe in Texas seit 1898 und durchquerte den ganzen Staat. Nach seiner Meinung sei Texas der Staat für jüdische Einwanderung. Ueber beti ersten Transport der Emigranten, die durch die „Jto" und den „Hilssverein der deutschen Juden" von Bremen nach Galveston gesandt wurden, erhält der „Hilfsverein der deutschen Juden" folgende Nachricht: Galveston, den 3. Juli 1907. Die ersten 54 Emigranten sind eingetroffen. Die Ausschiffung vollzog sich dank der vortrefflichen Vorbereitungen des amerikanischen Komitees ohne Schwierigkeiten. Der Einwanderungsinspektor Holman war außerordentlich entgegenkommend. Das Schiff kam Montag Morgen, den I. Juli, an, also an dem Tage, an dem das neue Einwanderungsgesetz in Kraft trat; es wurde niemand zurückgewiesen. Bereits am Mittag waren sämtliche unserer Emigranten in unseren, Hause. Nachdem jeder von ihnen ein Bad genommen, wurde ihnen ein Mittagessen gereicht und nachher erhielten sie, ihrer heimischen Gewohnheit in Rußland entsprechend, Tee und Zigaretten. Die Auswahl der Auswanderer war gut. Ihre Ankunst erhielt dadurch eine besondere Feierlichkeit, daß der Mayor der Stadt Galveston die Gruppe begrüßte und eine kurze treffende Ansprache hielt, die durch Rabbi Cohen den Ankömmlingen übersetzt wurde. Der oberste Beamte der Stadt drückte darauf jedem einzelnen der Einwanderer die Hand. Aus dem Bericht geht ferner hervor, daß reichlich Arbeitsgelegenheit in den Städten der einzelnen Südstaaten Vorhände, ist. so daß den Einwanderern recht bald lohnende Beschäftig»», wird nachgewiesen werden können. Seit dem ersten Transport sind etwa 100 weitere Emigranten durch die Jto und den Hilfsverein nach Galveston befördert worden, die nach den Erfahrungen der ersten Grupp, auf einen guten Empfang und gute Unterkunft rechne, können. Aus der Berliner Gemeinde. Von Sanitätsrat Dr. S. Steinthal. on Rechts wegen soll man den Brunnen zudecken, bevor ein Kind hineingefallen ist. Wenn aber ein Unglüc geschehen ist, so soll man nicht säumen und Vorsichtsmas; regeln treffen, damit es bei dem einen Unfall bleibt. In einem zur Berliner jüdischen Gemeinde gehörige, Vorort starb kürzlich der Religionslehrer, welcher an allen höheren Schulen den Religionsunterricht erteilte. Da trat a, den Stadtschulrat dieses Vorortes die Aufgabe heran, eine, Nachfolger für den Verstorbenen zu suchen. Keine gering, Verlegenheit für den Stadtschulrat, da es keine Behörde gibt an die er sich wenden kann, um sich geeignete Lehrkräfte vor schlagen zu lassen. Der Vorstand der jüdischen Gemeindexistiert doch, wird sogleich mancher entgegnen. Der Vorstand der Gemeinde ist eine Verwaltungsbehörde, wenigstens in der Augen der Nichtjuden — weiter nichts. Wir möchten abe auch die Glaubensbrüder endlich diesen Standpunkt als de, allein richtigen ebenfalls einnehmen sehen. Der Vorstani hat die Einnahmen und Ausgaben gut zu verwalten, hat mi seinen Beamten und Lieferanten (Baumeistern usw.) Verträg, abzuschließen, kann aber nicht beurteilen, wer ein geeignete, Religionslehrer ist. Der Vorstand der jüdischen Gemeind, setzt sich aus Mitgliedern zusammen, welche wichtige Jnstitu tionen entweder für notwendig oder für überflüssig halten Bei der Wahl zum Amte eines Vorstehers wird niemand diesen und ähnlichen Fragen gegenüber Stellung nehme, müssen. Soll man auch bei der Anstellung von Religionslehrer, darauf verzichten, die Stellung der in Frage kommende, Persönlichkeiten zu den gedachten Einrichtungen unsere Religion zu ergründen? Wer diese Frage bejaht, erkennt an daß ihm der jüdische Religionsunterricht nicht wichtiger ij. als irgend eine Etat-Position, eine Friedhofsmauer oder ein Bettstiftung im Krankenhause. Wer aber die gestellte Frag verneint — und wir sind überzeugt, die große Majorität u» serer Gemeinde tut dies — der muß mit uns das dringend Verlangen nach einer Behörde haben, welche fähig ist. Religionslehrer den staatlichen oder kommunalen Be Hörden vorzuschlagen. Eine solche Behörde kann nur da Rabbinat sein.

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