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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-08-02 · Heft 31 (2.8.1907) · p. Seite 363

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 31 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
Seite 363 (sequence 3)
Language
German
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363 österreichischen Untertanin, die in einem Konfektionsgeschäft mgestellt war, durch das Eingreifen des Konsuls abgewandt; öoch wurde ihr der dauernde Aufenthalt in Breslau tbezw. Preußen) nur unter der Bedingung gestattet, daß sie sich nicht elbständig mache. Darüber, was unter „dauerndem Aufiithalt" zu verstehen sei, blieb die Behörde die Antwort schuldigen österreichischen Parlament ist eine Interpellation über all üese Ausweisungen eingebracht worden. Indes ist damit venig getan. Denn das einzige, wozu sich die reaktionäre 'sterreichische Politik jetzt verstehen dürfte, wären entsprechende Repressalien. Wichtiger wäre es, wenn die freisinnigen Ab-;eordneten in der nächsten Session des preußischen Landtags >ie Sache zur Sprache bringen wollten. Es ist ja schon rwähnt worden, daß der jetzige Minister des Innern als )berpräsidcnt einer Grenzprovinz trotzdem die mildere Handinbnng jenes Erlasses veranlaßt hat. * In den deutschen Kleinstaaten ist auch noch mancher Zopf bzuschneiden. So wird dem „Berliner Tageblatt" aus?rannschweig geschrieben: Zu den Maßnahmen, die iui Herzogtum Braunschweig von dem in greifen seines neuen Regenten erwartet werden, gehört auch die Beseitigung eines allen konfessionellen Unrechtes in bezug auf die wischen Staatsangehörigen. Es ist dies die prinzipielle Ueberehung der jüdischen Rechtsanwälte bei Besetzung der iotariatsstellen. Die Erteilung des Notariats geschieht in Naunschweig rein nach dem Dienstalter der Rechtsanwälte, so daß ie Uebergehung eines einzelnen nur bei besonderen persönlichen Gründen erfolgt. Solche Gründe scheint die Negierung aber bis jetzt;t der Zugehörigkeit znm Judentum erblickt zu haben. Denn in en letzten zwanzig Jahren sind die jüdischen Rechtsanwälte, trotzem bei jeder neuen Vakanz Meldungen derselben zum Notariat vorigen, grundsätzlich bei der Besetzung übergangen worden. Zurzeit nd einige ältere jüdische Rechtsanwälte in der Stadt vorhanden, ie ihrem Dienstalter nach längst Notare sein müßten. Daß bei ieser Uebergehung nur die Konfession maßgebend gewesen ist, geht araus hervor, daß diese Anwälte allgemein große Achtung genießen -nd zum Teil sogar dem Vorstande der Anwaltskammer angehören. Dem Hilfsverein der deutschen Juden sind von anesehener christlicher Seite ans Rumänien, von einem ssarrer, zwei Briefe zur Verfügung gestellt worden, die in ohem Grade beachtenswert zur Beurteilung der dortigen age sind. Erklärlicherweise kann weder der Briefschreiber noch der rt in Rumänien, aus dem die Briefe datiert sind, miteteilt werden. Der erste Brief stammt aus den Tagen während der Hten rumänischen Juden-Pogrome. Dabei ist zu bemerken, daß cx betreffende Briefschreiber sich in aufopferndster Weise da- >.r - eingesetzt hatte, die Juden an dem Ort, all dem er sich lbst aufhält, vor Vergewaltigungen zu schützen. Die beiden Briefe lauten: 13. April 1907. „ . . . . Die Stadt hat heute zirka 18 bis 20 000 Seelen. Die atholiken, oder, wie sie hier heißen, die Ungarn, sind Vorstädter und Ihlen in runder Summe 700 Männer. Juden sind hier zirka 000 Seelen. Die Kaufläden sind alle in den Händen der Juden. Da war etwas zu holen. Meine erste Sorge war es, meine Bauern u beruhigen, ihnen klar zu machen, daß ich eine Teilnahme an der Revolution absolut mißbillige. Am 11. Mürz sagte ich ihnen in der urche: „Jetzt ist die Zeit gekommen, daß Ihr beweisen sollt, daß Ihr oahre Katholiken seit. Beweist auch, daß lneine Predigten, die ich lruch neun Jahre lang gehalten habe, nicht umsonst gewesen sind, mvige Schande über meine Pfarrgemeinde, wenn ein einziger sich unterstehen sollte, zu revoltieren." Sie gehorchten. Zirka acht bi§ zehn Dörfer in der Umgegend waren in Hellem Aufruhr, von meinen Katholiken hat nicht ein einziger teilgenommen .... Wären die Katholiken losgegangen, die Stadt wäre heute eine Ruine. Die katholischen Bauern sind sehr kräftige, wild anssehende Kerle, vor denen sich die ganze Stadt fürchtete. Die anderen schismatischen Dörfer warteten nur darauf, daß die Katholiken ansangen, um dann gemeinschaftlich über die Stadt und besonders über die Juden herzufallen.Als ich am 12. März durch die Stadt fuhr, hatten alle Christenhäuser Kreuze und Bilder an die Fenster geklebt, damit sie kenntlich seien. Doch Gott sei Dank, alles ging gut vorüber. . . . " 22. Juli 1907. „ . Wenn ich tu den schweren Tagen der letzten rumänischen Bauernrevolution nteine eigene katholische Gemeinde vor Raub und Mord bewahren konnte, so geschah dieses einerseits auf Grund des freundschaftlichen Verhältnisses, in dem ich zu den angesehensten Mitgliedern der hiesigen israelitischen Kulttrsgemeinde stehe, andererseits aber auf Grund eines bewunderungswürdigen Gehorsams, mit dem meine katholischen Bauern sich mir sügtett. Es waren aber Tage des Schreckens, die ich nie vergessen werde. Katholiken und Juden leiden beide unter der Ungerechtigkeit der rtirnünischen Wirtschaft. Rumänien steht tatsächlich auf einem Vulkan, der eines Tages Schrecken verbreiten wird. ..." Diesem katholischen Pfarrer, der sich in so würdiger Weise der Juden angenommen hat, gebührt aufrichtiger Dank für seine edle Haltung. & In russisch en Regierungskreisen wird wieder etwlrs gegen die Juden geplant. Das berichten alle gut orientiertet! Blätter. Während der zweiten Duma wurde der Judenfrage nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, weil beschlossen war, erst die Stimmttng der Duma in dieser Frage kennen zu lernen. Jetzt liegt der Fall umgekehrt. An Entwürfen wird gar nicht gearbeitet, da der dritten Duma dieselbetr Vorlagen wie der zweiten gemacht werden sollen. Dagegen steht eine eingehende Bearbeitung der Jndenfrage vor. Dabei läßt sich beobachten, daß alle liberalen Ansichten in dieser Hinsicht längst begraben sind. Aus den Archiven wurden alte Argumente hervor geholt,um die fortschrittliche Entscheidung dieser Frage anfzuhalten. Vor allem wird „die Abneigung des russischen Volkes gegen die Juden" geltend gemacht. Aus diesem Grunde wird der Status quo empfohlen. Inzwischen Hetzen die „Schwarzen Hundert" ungeniert weiter. Der Patriarch von Jerusalem hat dem Zaren ein Bild der „Auferstehung Christi" verehrt; Grund genug, um den Verband des russischen Volkes zu einer „patriotischen" Kundgebung zu veranlassen. Bei dieser ging es vor allem gegen die Juden. Der Prior Arsenij, der das Heiligenbild auf seiner Fahrt von Jerusalem nach Petersburg begleitet hat, zeterte gegen diese. Nach ihm ergriff der Verbandsvorsitzende Dr. D. Dubrowin das Wort. Er erklärte mit weithin schallender Stitnute, die wahren Russen müßten jetzt vor allem dafür sorgett, daß kein beschnittener oder ltnbeschnittener Jude in die Dunta komme. Als charakteristisches Zeichen der Zeit in der Frage der Richtung der Regierungspolitik kann die Nachricht einzelner Blätter gelten, daß die Regierungskreise wiederum die prozentuale Einschränkung des Besuches der Mittel- und Hochschulen durch Juden einführen wollen. Zn Beginn des Jahres 1906 regte im Kabinett der dantalige Minister der Volksanfklärung Tolstoi die Frage über das völlige Aufhören der prozentualen Einschränkung des Schul-

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