Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1907)
- Date
- 1907-07-26
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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höchst zuverlässigen Beamten, der in allen Angelegenheiten der Anstalt mit seinen Erfahrungen treu zur Seite stand unb seine Kräfte voll und ganz den Interessen derselben widmete. Am Leichenbegängnis beteiligte sich ein großer Teil der Gemeinde. Am Grabe sprach Herr Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld. Seine tief empfundenen Worte rührten alle zu Tränen. Grosz ist der Verlust für die Hinterbliebenen, die ihr Familienoberhaupt verloren. — Der kürzlich zu Görlitz verstorbene Rentier Georg Schocken hat der jüdischen Gemeinde zu Nogasen 30000 Mark vermacht. Die Zinsen sollen zur Unterstützung von jüdischen Armen, Kranken und Bräuten dieser Gemeinde Verwendung finden. — Die Ami ei tia-Loge sorgt auch für die armen Kinder, denen es nicht vergönnt ist, in den Ferien zu spielen und sich zu vergnügen. Täglich spazieren die Kleinen nach dem nicht weit entfernten Schilling, wo sie dort unter Aufsicht von Ehrendamen die Zeit gut verbringen und auch Anleitung zu gemeinsamen Spielen erhalten. An den nötigen Spielsachen fehlt es nicht. Auch wird die Kinderschar mit Speis und Trank versehen. Tie anderen Kinder, welche der Heilung mehr bedürfen, sind an die Ostsee geschickt worden. Dort haben sie im jüdischen Knrhospital zu Kolberg liebevolle Aufnahme gefunden. L. Breslau, im Juli. Am 10. d. Mts. wurde Frau Sophie Levy, geb. Meyerstein, an der Seite ihres vor 35 Jahren verstorbenen Gatten Prof. Tr. M. A. Levh zur ewigen Ruhe bestattet. Ihr im Alter von 80 Jahren erfolgtes Ableben erweckt die Erinnerung an den in unserer Stadt und Gemeinde und im Reiche seiner Wissenschaft unvergeßlichen Mann, der seinem Namen durch die berufliche wie persönliche Wirksamkeit als Lehrer und Gelehrter einen guten, weithin tönenden Klang verliehen hat. Die Verstorbene, bis in ihre letzte Lebenszeit ihren Jahren zum Trotz körperlich frisch, geistig angeregt und anregend, genoß bei allen, die in ihren Kreis getreten, größte Hochschätzung und ungeteilte Liebe. Ihr Talent für Gesang und Ktavierspiel hat gar viele erfreut, ihr Haus durch die Vereinigung von Künstlern und musikalischen Darbietungen zu einer Stätte wohltuender Geselligkeit gestaltet; auch hat sie ihre Sangeskunst mehrfach in den Dienst wohltätiger Bestrebungen gestellt. Starken, freien Geistes, voll poetischen Empfindens, von nimmer rastendem Wissenstriebe beseelt, den sie durch persönliche Beziehungen mit bedeutenden Männern, u. a. Abraham Geiger, Dr. Joel, Professor Derenbourg, Th. Nöldeke, E. Renan, zu nähren verstanden, bot sie bis in ihre letzten Tage das Bild einer wahrhaft sympathischen Frau. Zu diesen Vorzügen gesellte sich eine höchst anmutige, würdevolle äußere Erscheinung, die in nichts den Eindruck einer Greisin hinterlassen konnte. Ihre mit Blumen und Kränzen bedeckte Bahre umgab ihre zahlreiche Kinder- und Enkelschar, welche von nah und fern herbeigeeilt waren. Ihr Schwiegersohn, der Rabbiner Professor Dr. Klein aus Stockholm, hielt die Trauerrede. Anknüpsend an das Wort: „Nur wir Menschen wissen, daß wir sterben müssen", führte er in beredten Worten ans, daß die wahre Erkenntnis dieses Satzes den Glauben an das Ewige, Unvergängliche des Geistes uns erschließt. Er endete mit Dankesworten an die Geschwister, welche der teuren Mutter den Lebensabend durch treusorgende Liebe verschönt haben, j Die sichtbar großen Eindruck hervorrufende Feier wurde mit Gesang eingeleitet und beschlossen. X Breslau, 22. Juli. Der Ausschuß des Verbandes der Sy nagvgengemeinden der Regierungsbezirke Breslau- Liegnitz schickt seinem soeben ausgegebenen Verwaltungsbericht pro 1905/06 einen Rückblick über das abgelaufene erste Jahrzehnt des Bestehens der Organisation voraus und betont mit Recht, daß das Ziel, welches bei der Begründung vorschwebte, der Zusammenschluß der in ihrer Vereinzelung machtlosen Gemeinden zu einem leistungsfähigen Ganzen, im wesentlichen erreicht wurde. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, hat der Verband von Jahr zu Jahr sein Tätigkeitsgebiet erweitert und ist nunmehr zu einer Einrichtung ausgestaltet, durch deren Existenz der Bestand und das Knltusleben der meisten Verbandsgemeinden überhaupt erst ermöglicht wird. Seiner vornehmlichsten Aufgabe, der Unterstützung der leistungsschwachen Gemeinden zur Erhaltung ihrer Institutionen und der Förderung des Religionsunterrichts, ist der Verband im Berichtsjahre durch Gewährung von Subventionen im Gesamtbeträge von 1510 Mark an elf Gemeinden gerecht geworden. Prediger zu den hohen Feier- | tagen wurden in acht Gemeinden entsandt; Bewilligungen von je 50 Mark zur Berufung voll Vorbetern. Beihilfen in gleicher Höhe zur Versicherung ihrer Beamten sind an zehn Gemeinden gewährt worden. In 17 Religionsschulen mit 60 Knaben und 57 Mädchen ist eine Inspizierung des Unterrichts erfolgt. Eine nachahmenswerte Neueinrichtung ist die Schaffung einer Wanderbibliothek; sür dieselbe wurden zunächst 122 Werke erworben und daraus je fünf Serien von 22 beziehungsweise 21 Büchern gebildet, die zu vierteljähriger Benutzung unter den Gemeinden zirkulieren. Dem Verbände gehören die folgenden 30 Gemeinden mit Jahresbeiträgen von insgesamt 2392 Mark an: Bernstadt, Breslau, Brieg, Vunzlau, Festenberg, Freiburg, Glatz, Glogau, Görlitz, Grünberg, Guhrau, Herrnstadt, Hirschberg, Jauer, Landeshut, Liegnitz, Loewen, Löwenberg, Militsch, Münsterberg, Namslau, Nenmarkt, Neu salz, Oels, Ohlau, Prausnitz, Reichenbach, Reichthal, Sagan, Schweidnitz, Städtel, Steinau, Strehlen, Striegau, Trachenberg, Trebnitz, Waldenburg, Wartenberg, Winzig. Die Zahl der Einzelmitglieder ist aus 303 gestiegen, welche 2516 Mark an jährlichen Beiträgen leisten. Den Ausschuß des Verbandes bilden die Herren Stadtrat Pringsheim-Breslau, Vorsitzender, Landgerichtsrat Wollstein-Breslau, Stellvertreter, Rabbiner Dr. Guttmann-Breslan, Dr. med. Neich-Breslau, H. Cohn-Liegnitz, Rabbiner Dr. Freund-Görlitz, Justizrat Friedmann-Glogau, Justizrat Ledermann-Hirschberg und H. Naphthali-Schweidnitz. g. Trachenberg i. Schl., 16. Juli. Der langjährige erste Vorsteher unserer Synagogen-Gemeinde, Herr Moritz Le Win ge r, feierte am vergangenen Sonnabend in vollster Frische und Rüstigkeit im Kreise seiner Kinder, Enkel und Verwandten den 70. Geburtstag. Mit regem Eiser hat er immer die Interessen seiner Gemeinde vertreten und zu fördern gesucht. Den Armen und Bedrängten ist er stets ein Helfer in der Not. Welcher Beliebtheit sich Herr Lewinger überall erfreut, das bewiesen die zahlreichen Telegramme und Glückwunschschreiben, die den ganzen Tag hindurch aus nah und fern eiuliefen. Am frühen Morgen schon wurde er durch ein Ständchen überrascht, anr Vormittag brachten Vorstand und Repräsentanten ihre Glückwünsche dar. — Möge dem würdigen Jubilar noch ein recht langer, ungetrübter Lebensabend beschieden sein. N. Hamburg, 18. Juli. Herr Senator Kahler, der anr 1. Juli d. I. aus dem Senat ausgeschieden ist, war während seiner Amtsdauer auch Vorsitzender der Senats-Kommission für den israelitischen Kultus. Aus Anlaß seines Ausscheidens ans dem Senat erschien in der Wohnung des Herrn Senators eine Deputation des „Vereins für Förderung jüdischer Interessen in Hamburg", um eine Dankadresse zu überreichen. Der Vereinsvorsitzende Herr Joseph Bachrach jr. gedachte in warmen Worten der segensreichen Tätigkeit des Herrn Senators und verlas alsdann die folgende Adresse: „Hochgeehrter Herr Senator! Mit lebhaftem Bedauern hat die gesamte Hamburger Bevölkerung von Ihrem Rücktritt aus dem hohen Senate Kenntnis, genommen. Die Israeliten des Hamburger Staates erfüllte diese Tatsache mit besonderer Wehmut, um so mehr, als Sie, hochgeehrter Herr Senator, in zwanzigjähriger segensreicher Tätigkeit der Kultusinteressen des jüdischen Gemeinwesens sich auss wärmste angenommen haben. Der Verein zur Förderung jüdischer Interessen in Hamburg gestattet sich, seiner Verehrung und Dankbarkeit sür Sie, hochgeehrter Herr Senator, hiermit Ansdruck zu geben und wünscht, daß es Ihnen beschieden sei, sich noch viele Jahre der Früchte Ihres gesegneten Wirkens erfreuen zu können. Hamburg, Juli 1907. Mit vorzüglicher Hochachtung. Der Verein zur Förderung jüdischer Interessen in Hamburg." Sichtlich angenehm berührt, dankte Herr Senator Kahler der Deputation in warmen Worten und gedachte seines langjährigen Zusammenwirkens mit jüdischen Mitbürgern, die besonders an der Bekämpfung der Not im Cholerajahr 1892 hervorragenden Anteil genommen hätten. Er unterhielt sich noch längere Zeit mit den einzelnen Herren über die Ziele des Vereins und sprach den Wunsch aus, daß der Verein auch ferner segensvoll innerhalb der jüdischen Gemeinde wirten möge. Die auf Pergament in alter Kirchenschrist mit reicher Goldverzierung geschriebene Adresse, die außer dem Hamburger Wappen noch mehrere jüdische Embleme in kunstvoller Verzierung aufweist, ist von dem hiesigen Buchhändler und Kalligraphen Herrn Salomo Goldschmidt, Kohlhöfen, entworfen und in knnstvollendeter Weise ansgesührt worden. Die Adresse ruht