Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-07-26 · Heft 30 (26.7.1907) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 30 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228744-3228775--63701-3297620
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

71. Jahrgang. Nr. ZO. Berlin, 26. Juli 1907. Der Gemeindeüote. Veilase zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". lkorrtlponLkNHM und Sschrichten. Deutschland. 8. Berlin, 22. Juli. In dieser Woche liefen durch die Tagesblätter zwei Notizen über die jüdische Gemeinde, welche der Richtigstellung dringend bedürfen In der ersten hieß es, daß die Bemühungen einer Berliner Großbank, die fünf Millionen-Anleihe der jüdischen Gemeinde unterzubringen, wegen der schlechten Zeilen mißglückt seien. Diese Notiz ist unrichtig. Tatsache ist nur, daß mit Rücksicht auf die augenblicklich herrschende, ungewöhnlich schwierige Lage des Geldmarktes die Banken für die Uebernahme der Anleihe Bedingungen gestellt haben, die es der Gemeindeverwaltung ratsam erscheinen ließen, mit der Begebung der Anleihe zurzeit noch zu warten. — Auch die zweite Notiz, wonach das der jüdischen Gemeinde gehörende Haus Oranienburgerstraße 28 noch im Laufe dieses Sommers abgebrochen und auf diesem Terrain die Gemeindebibliothek ein eigenes, im Spätherbst nächsten Jahres zu eröffnendes Heim erhalten soll, entspricht in dieser Form nicht den Tatsachen. Die Mietsverträge in dem genannten Grundstück laufen noch bis zum 1. April 1908, und erst dann ist ein Abbruch des Hauses und die Entscheidung der Gemeindeverwaltung möglich, was mit dem Terrain geschehen soll. Sicher ist, daß die Gemeindeverwaltung es nur für eigene Zwecke verwenden wird, und sehr wahrscheinlich ist auch, daß die Gemeindebibliothek, deren baldige Verlegung infolge der umfangreichen Albert Wolfschen Schenkung ein dringendes Bedürfnis wird, in dem Neubau eine ihrer Bedeutung würdige Unterkunst finden dürfte. Ob die Eröffnung der neuen Räume der Bibliothek bereits im Spätherbst nächsten Jahres erfolgen kann, dürfte unter den gegebenen Verhältnissen recht zweifelhaft fein. Berlin, 22. Juli. Die Erben des Kommerzienrats Hermann N. Israel haben eine größere Anzahl mildtätiger Stiftungen, denen der Verstorbene im Leben nahegestanden, mit Legaten bedacht. So ist der Jacob Israel-Stiftung, Pensionskasse für die Angestellten der Firnia N. Israel, eine Schenkung von 85 000 Mark zuteil geworden. Ferner sind die Baruch Auerbachh'chen Waisenanstalten, der Berlin- Brandenburgische Heilstättenverein für Lungenkranke, das Krankenhaus der Berliner jüdischen Gemeinde, das Jüdische Kurhospital zu Kolberg und die Berliner Lehranstalt für die Wissenschaften des Judentums unter zahlreichen anderen bedacht worden. 8. Berlin, 22. Juli. Es ist schon oft darauf hiugewiesen worden, daß in Schöneberg, wo mehr als 8000 Juden wohnen, nicht die geringste Gelegenheit geboten wird, sich an einem jüdischen Gottesdienste zu beteiligen. Allerdings erklärt sich dies zum Teil aus der Nähe Berlins. Auch ist schon mehrmals der Versuch gemacht worden, ein Gotteshaus zu errichten, aber jedesmal scheiterte die Verwirklichung der guten Absicht an dem Geldpunkt, und zwar wohl besonders deshalb, weil der Wunsch bestand, gleich eine große Synagoge zu erbauen, ohne daß aber die Mittel hierzu zur Verfügung gestellt worden wären. Vor einigen Wochen hat nun der Vorstand des Schöneberger Religionsvereins, der sich seit mehreren Jahren die Aufgabe gestellt hat, eine Synagoge zu errichten, ein durch ungefähr 250 Unterschriften Schöneberger Juden unterstütztes Gesuch an den Vorstand der jüdischen Gemeinde um Bewilligung einer Subvention zur Begründung einer Synagoge in Schöneberg gesandt. Ein Bescheid ist noch nicht erteilt worden, aber es ist wohl sicher, daß derselbe ein zustimmender sein wird. Es ist für die Schöneberger Juden sehr schwer, einem Gottesdienst beizuwohnen. Tie weiten Wege hindern sie meist an dem Besuch Berliner Synagogen. An den hohen Feiertagen hatte der Vorstand des Schöneberger Religions- Vereins für seine Mitglieder und Angehörigen bisher alljährlich in einem besonders für diesen Zweck eingerichteten Saale einen Gottesdienst veranstaltet, der gut besucht war. In diesem Jahre soll der Vereiusvorstand, wie bestimmt verlautet, für seine Mitglieder selbst zu den hohen Feiertagen nicht sorgen wollen, so verlautet wenigstens, obwohl es nach 8 4 der Satzungen heißt: „Jedes Mitglied hat das Recht, in der Vereins-Synagoge zwei Plätze für die Hälfte des festgesetzten Preises zu beanspruchen." Das; der Vorstand seinen Mitgliedern zu deu hohen Festen Gelegenheit zur Teilnahme an einem Saal-Gottesdienst bot, bildete bisher den Kitt des Vereins. Bleibt es diesmal bei der völligen Gleichgültigkeit, so läßt sich befürchten, daß der Verein die Mehrzahl seiner Mitglieder verlieren werde. Wir geben aber die Hoffnung nicht auf, daß doch noch die nötigen Einrichtungen getroffen werden, um den Schöneberger Glaubensgenossen an Ort und Stelle die Befriedigung ihrer gottesdienstlichen Bedürfnisse zu ermöglichen. 8. Berlin, 21. Juli. Der gefährliche Hochtonristensport hat bereits sein erstes Opfer gefordert. Von der Grohmannspitze in Tirol ist, lvie eine Nachricht aus St. Ulrich meldet, der praktische Arzt Dr. Ernst Schneider aus Berlin abgestürzt und seinen schweren Verletzungen erlegen. Ueber die näheren Umstünde, die zu dem Unglück geführt haben, sind bisher keine Nachrichten hierher gelangt. Dr. Schneider wohnte in der Uorkstraße 46 und hatte eine ausgedehnte Praxis. Er stand im 47. Lebensjahre und war etwa zehn Jahre verheiratet. Es ist merkwürdig, wie viele Opfer dieser Sport allsommerlich gerade aus jüdischen Kreisen fordert. Und da haben antisemitische Blätter den traurigen Mut, über den „jüdischen Alpenverein" in Berlin zu spotten, weil demselben verhältnismäßig viele Juden angehören. ff Posen, im Juli. Die Israelitische Waisen-Erziehungsanstalt für Mädchen veröffentlicht ihren Verwaltungsbericht für das Jahr 1906. In der Anstalt sind 17 Zöglinge (im Jahre 1906 16), und zwar 13 Schülerinnen und vier Mädchen in beruflicher Ausbildung. Neu ausgenommen wurden seit dem letzten Berichtsjahre vier, entlassen zwei Mädchen. Ueber die Verlegung der Anstalt heißt es im Bericht: „Das bisher benutzte, nach Norden liegende Gebäude hat für unsere Zöglinge den Nachteil, daß kein Sonnenstrahl die Räume erwärmt. So waren wir gezwungen, an die Errichtung eines neuen, günstiger gelegenen Gebäudes zu denkeu, wodurch auch gleichzeitig die Aufnahme von Waisen in größerer Anzahl als bisher ermöglicht werden soll. Unser Haus Mühlenstraße 3 haben wir nunmehr für 82 000 Mark verkauft und mit Genehmigung des Gemeindevorstandes ein am Goethepark gelegenes Terrain von zirka 1000 Quadratmeter von der Königlichen Stadterweiterungskommission erstanden. Mit den Bauentwürfen find wir beschäftigt und hoffen alsbald mit dem Bau beginnen zu können. Unter Beobachtung äußerster Sparsamkeit gedenken wir, das Haus einschließlich der sonst notwendigen Aufwendungen für den Betrag von zirka 65 000 Mark Herstellen zu können. Wir werden dann die Aufnahme von 22 Zöglingen ermöglichen, während wir bisher nur Platz für höchstens 17 Waisen halten und leider häufig gezwungen waren, neue Aufnahmegesuche abzuweisen. Einschließlich des Terrains werden wir in Summa zirka 105 000 Mark verausgaben müssen, so daß uns abzüglich der für unser altes Grundstück eingehenden 82 000 Mark noch ein Betrag von zirka 23 000 Mark fehlen würde" — Dem Vorstand der Anstalt gehören an die Herren: Geh. Sanitätsrat Dr. Hirschberg, Sally Jaffö, Kommerzienrat Kantorowicz, Dr. Leschnitzer und Manasse Werner; ferner Frau Justizrat Anna Ajch, Frau Else Ephraim, Frau Lina Goldenring, Frau Kommerzienrat Jenny Kantorowicz, Frau Stadtrat Jda Schleyer. Ehren- Mitglieder sind: Frau Sophie Gradenwitz, Frau Agnes Lehmann, Frau Julie Lißner, Herr Gustav Kronthal, sämtlich in Berlin. ff. Aus der Provinz Posen, im Juli. Herr Jakob Warschauer, Inspektor der S. B. Latzschen Krankenanstalt, ist nach kurzer Krankheit unerwartet im besten Mannesalter gestorben. Seit nahezu 20 Jahren überwachte er die der Anstalt anvertrauten Pfleglinge mit seltener Treue und Gewissenhaftigkeit, und war denselben stets ein väterlicher Berater. Das Institut verliert in ihm einen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.