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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-07-26 · Heft 30 (26.7.1907) · p. Seite 360

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 30 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
Seite 360 (sequence 12)
Language
German
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wie ex gesprochen, also geschaht; Sie luden Gesellschaft, man trank und ab. Ward munter — da sprach zum Weibe der Mann: „O Frau, die ich nur loben kann, Laß Dir von mir aus allen Dingen Das Beste zu Deinem Vater bringen, Ein Zeugnis, daß Du in untadliger Weise Gewaltet in unsrem häuslichen Kreise." Sie dankt und kredenzt Glas um Glas, Und er, dem Verdruß in der Seele saß, Trank — bis der Schmerz im Wein ertrank, Und der Trinker in tiefen Schlaf versank. Da bestellt die Herrin, daß wie er da lag Man ihn zu ihrem Vater trag; Dort ward er entkleidet, zu Bette gebracht, Und als des Morgens er aufgewacht, Rieb er sich die Augen und ruft aus: „Wo bin ich? Warum nicht in meinem Haus?" Er fragt es und sinnet; es macht ihm fast Sorgen — Da ko nun t sein Weib, und „Guten Morgen!" Rust sie und bricht in Lachen aus, „Wie schliefst Du in meines Vaters Haus?" „Bei Deinem Vater? Wer hat das gewagt?" „Mein lieber Herr! Du hast ja gesagt, Laß Dir von mir aus allen Dingen Das Beste zu Deinem Vater bringen — Und Tu bist mein Bestes — Dein Witte geschah!" — Wie freute der wackere Mann sich da Und rief: „Du bist das Beste in meinem Haus; Komm mit mir und ziehe nicht wieder aus!" — Wie fröhlich eilen zur Heimat die Beiden, Und nimmer war die Rede vom Scheiden. Und als den Gebeten der frommen Gatten Sich jene des Rabbi verbunden hatten, Da ließ sich der gnädige Himmel erflehen; Bald sah man im Hause die Wiege stehen, Trans schaute ein frischer Knabe heraus, Und die Eltern riefen in Wonne aus: „Das Schönste ist doch auf der schönen Welt, Wenn sich zu den Zweien das Dritte gesellt." Literarische Mitteilungen. Wie immer in der Reisezeit, ist auch in diesem Jahre Dr. M. Poppelauers Berliner Volkskalender für Israeliten auf das Jahr 5668 (1907 08) pünktlich erschienen. Dem mit bewährter Sorgfalt hergestellteu Kalendarium sind im Anhänge mannigfache literarische Notizen und ein Verzeichnis der religiösen und Wohltätigkeitsinstitutionen der Berliner jüdischen Gemeinde beigegeben. fr In seiner soeben erschienenen vortrefflichen und lesenswerten Studie über Paul Heysey behandelt Viktor Klemperer auch die Stellung des Dichters zum Judentum. Sie ist doppelt charakteristisch für das Wesen und die Kunst des Mannes. Klemperer schreibt darüber im ersten Kapitel seiner Studien, nachdem er die Abstammung des Dichters von einer jüdischen Mutter, der Tochter des preußischen „Hofjuden" ulid Juweliers Salomon, berichtet: „Paul Heyse bekennt sich offen und nicht ohne Stolz zu dieser seiner „westöstlichen" Abstammung. Immer wieder spricht er von dem alttestamentarischen Blut, deru orientalischen Temperament seiner geliebten Mutter. Indem er sein innerliches Erbteil abwägt, urteilt er fast wie Goethe, vom Vater „des Lebens ernstes Führen", von der Mutter aber die eigentlichen Musengaben empfangen zu haben. Wie sich denn überhaupt in dem Abschnitt „Mein Elternhaus" die Bestrebung geltend macht, in Frau Julie eine andere Frau Aja zu zeichnen. Und in den 0 „Moderne Geister", Heft 4, 100 Seiten. Panverlag, Berlin. Werken des Dichters finden sich oftmals Stellen und Charaktere, die wie eine shmpathische Umgebung für den Stamm der Mutter aussehen. Man denke nur an den Musikus David Marcussohn in der „Franzosenbraut", der sich als einer der ersten in die Liste der Freiwilligen Jäger aufnehmen läßt, an die edle Judith Stern, die Heldin der gleichnamigen Novelle, und vor allem an Lea Koenig in den „Kinder der Welt", die wie ihr Dichter das Kind eines Protestantischen Vaters und einer Jüdin ist. Freilich hat Paul Heyse kein soziales Thema des aufstrebenden und bekämpften Judentums in seinen Dichtungen behandelt. Aber solche Themen sind für seine Kundgebung eben durchaus ungeeignet." Wie gesagt, das ist doppelt charakteristisch für den Dichter. Einmal zeigen sich in diesem liebevollen Eintreten für die Mütter und deren Stamm Heyses beste Eigenschaften, sein reiner und freier Edelsinn, der keine Furcht vor irgend welchen gesellschaftlichen oder schlimmeren Nachteilen kennt, seine nie verleugnete lautere Humanität. Zum andern wird auch in Heyses jüdischen Gestalten die Begrenzung seiner Kunst offenbar: allzu vielem, was das heutige Leben bewegt, ist er säst völlig abgewandt, Liebe und Schönheit sind im großen und ganzen seine einzige Themen. Sie sind es wenigstens ausschließlich in seinen Novellen, die Klemperer in eingehender Untersuchung sehrhoch einschätzt. An den Romanen und Dramen des Dichters, in denen Heyse auch anderes (Philosophisches und Kulturelles) berührt, findet der Verfasser mancherlei Anfechtbares. In der überaus graziösen Lyrik sieht er mehr Genrebildartiges als.eigentlich Lyrisches. Dagegen rühmt er Paul Heyses Uebertragungen aus dem Italienischen in fast enthusiastischer Weise. (Klemperer ist romanischer Philologe.) -»♦<- Syrrchsasl. Sehr geehrter Herr Redakteur! n der Nummer 28 Ihres geschätzten Blattes wird in dem Leitartikel eine fehlerhafte Angabe in unserer „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" konstatiert. Nun aber haben wir diese Angabe auch nach dem Statistischen Jahrbuch der Stadt Berlin geprüft und ersehen, daß der Irrtum nicht auf unserer Seite vorliegt. Es beträgt nämlich die Zahl der Mischehen nur mit jüdischem Mann 171, dagegen vernachlässigen Sie die Mischehen, in denen die Frau jüdisch war, deren es 106 im Jahre 1905 in Berlin gab. Im allgemeinen stimmen unsere Angaben aus Nummer 5 des Jahrganges 1907 unserer Zeitschrift, Seite 80, die wir den Veröffentlichungen des Kaiserlich Statistischen Amtes entnommen haben, vollständig mit denen des Berliner Statistischen Jahrbuches überein, bis auf die Zahl der Mischehen zwischen jüdischem Manu und evangelischer Frau, die wir nach dem Kaiserlich Statistischen Amt mit 14-8 angegeben haben, das Statistische Jahrbuch der Stadt Berlin zählt dagegen nur 146. Wahrscheinlich beruht diese Differenz auf einer Korrektur, die das Statistische Amt der Stadt Berlin nachträglich vorgenommen hat. Dies ändert aber natürlich das gesamte Bild der Mischehen nur höchst unwesentlich. Wir bitten dieses Ihr Versehen in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes zu berichtigen. Berlin-Halen see, den 15. Juli 1907. Hochachtungsvoll Bureau für Statistik der Juden Norbert Veldler i. V. * v Sehr geehrter Herr Redakteur! ^ch bitte Sie, die Mitteilung Ihres geschätzten Blattes vom 12. Juli l. I., wonach ich in Ostrowo in die engere Wahl gekommen sei, dahin ergänzen zu dürfen, daß ich unter gleichem Datum von meiner Bewerbung um die dortige Rabbinerstelle zurückgetreten bin. Schwedt a. O., 15. Juli 1907. Hochachtungsvoll Rabbiner Dr. Holzer. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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