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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-07-26 · Heft 30 (26.7.1907) · p. Seite 359

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 30 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
Seite 359 (sequence 11)
Language
German
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Händen, aber welche besonders nur zu den Zeile« eines gelinden Terrorismus sichtbar ist. Wer nicht die Kraft hatte, unpopulär zu werden, der „Piepmeyerte". Piepmeyer wareben der Gegensatz zum wahrhaft selbstlosen, zum wahrhaft freien Manne, zu demjenigen, der sich in seinem Votum nicht durch Lob und nicht durch Tadel, nicht durch Lohn und nicht durch Strafe beirren läßt. Gewiß war es also ein Vorteil, daß die Satire so rechtzeitig eine Figur und einen Namen fand für solche Schwächen. Wo der ausführliche Beweis nicht fruchtete, da fruchtete bald der leicht hingeworfene Name: „Piepmeher! Auch du, Piepmeher!" Die Besseren unterzogen sich dann wohl noch lieber den Ausbrüchen des Hasses und Hohnes von seiten der Linken und der Galerie, als dem mitleidigen Lächeln ihrer Umgebung und dem abscheulichen, wenn auch noch so leise geflüstertem Wort: „Piepmeyer." Versöhnung. Von M. Herzberg. sc daß XI. üben war bestürzt ob dieser Weigerung Ernestines, Reinhold sie trauen sollte. „Was hast Du gegen ihn?" fragte er. „Ich nröchte ihn jedem anderen Prediger vorziehen! Du nicht auch, Julius?" Der gab keine Antwort; er schaute nur immer aus das Mädchen, ein seltsames Licht in seinen Augen. „Ich nicht," sagte sie, erglühend aufblickend, während ein fast schelmisches Lächeln über ihr Gesicht glitt. „Ich habe ihn zwar sehr gern und er bleibt uns auch ein lieber Freund, aber — trauen soll er uns nicht — denn — denn ich lasse mich nicht in einer Kirche — ich lasse mich in der Synagoge trauen." „Was sprichst Tu, Kind? Du weißt doch, in der Synagoge traut man nur „Juden, ja, das weiß ich. Darum traut man auch uns. Mein Julius ist es ja und ich — ich bin es auch — ich bin Jüdin. Ich bin es geworden freudigen Herzens! Der Rabbiner Dr. Aaron hat mich vor einigen Tagen in die jüdische Gemeinde ausgenommen." Rüben starrte sie an, sprachlos, fassungslos. „Hören Sie mich an, Herr Vater! Dieser Entschluß kam mir nicht plötzlich; allmählich, mit Bedacht ist er in mir gereift. Nach der Trennung von meinem Julius habe ich Muße gehabt, nachzudeuken über das, was Sie mir damals hier gesagt. Ich habe es getan, ernst und lauge und bin zu dein Schlüsse gekommen, daß Sie recht gehabt, sehr recht mit Ihren Gründen, daß ein Mann, daß Julius nicht seinen Glauben opfern darf aus anderer Ursache als der tiefinnersten, wahrsten Ueberzeugung, daß er es nicht darf, ohne Einbuße zu erleiden an seinem Charakter, an feinem Gewissen. Er darf es nicht, er soll es nicht, selbst nicht um der Liebe willen zu mir. Mein Geliebter soll bleiben wie . er gewesen, treu seiner Ueberzeugung, seiner Religion! So liebte ich ihn, so will ich ihn behalten. Was aber dein Manne nicht gestattet ist, das darf die Frau. Der Liebe, der mächtigsten Triebfeder ihres Lebens, in der sic atmet, ist und lebt, ihr darf sie opfern alles, alles, was nicht gegen Gesetz und Recht verstößt; ihr verzeiht Gott aus Liebe, um der Liebe willen. Sie darf annehmen mit des Mannes Namen seinen Glauben. Untergeordnet ihm in allen Stücken, ein Teil seines Seins, verschmelzen sich in dem Herzen der Gattin die Religionen auch zu einer, der des Führers, des Mannes. — So habe ich getan, wie meine Liebe mir gebot. Frei und ohne Hindernis habe ich ihr folgen können! Ich habe Eltern, habe einen Vater nicht mehr, den mein Uebertritt betrübt hätte, wie Sie der Julius. Wohl mir, daß ich auch das verhindern durfte. Und nun glauben Sie nur nicht, daß ich ein Opfer bringe, nein, nein, im Gegenteil! Einen Vater gewinne ich und einen geliebten Gatten und gebe doch nichts auf dabei, nichts! Mein Gott, Er bleibt mir ja; Er wohnt doch überall. Sein Odem weht gleich heilig in den Synagogen wie auch in den Kirchen, und wenn ich ihn aus innig gläubigem Herzen rufe, so wird Er mich auch als Jüdin hören!" Rüben war tief ergriffen. WaS er vergeblich angestrebt, gesucht, nach heißen, fruchtlosen Kämpfen, was er gepredigt, gefühlt und nicht selbst ausführen konnte, was er endlich noch in später, zwingender Not sich abgerungen — dieses Kind hatte es vollbracht. „Meine Tochter," sagte er endlich, ihr die Hand aufs Haupt legend, „an Dir bewahrheitet sich des Dichters Wort: Was kein Verstand der Verständigen sah, Du übtest es in der reinen Einfalt Deines Herzens! Ich danke dem Christentum, daß es Dich mir gegeben! Wohl ihm, wenn es viele solcher edlen Früchte zeitigt wie Dich, wie den jungen Prediger!" „Und wohl dem Judentum," erwiderte sie, unter Tränen lächelnd. „Es gab mir Sie, mein Vater, und vor allem den Einziggeliebten!" Sie wandte sich zu ihm. „Nichts, nichts kann uns mehr trennen, teurer Julius! Ruth nannten sie mich mit meinem neuen Namen und Ruths Worte, ihre Gesinnung, ihre Treue soll auch die meine sein. Wo Du hingehst, da will ich auch hingehen, wo Du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk und Dein Gott ist mein Gott! Wo Du stirbst, da sterbe ich auch, da null auch ich begraben sein; der Tod muß mich und Dich scheiden!" Sie kniete vor ihm nieder und sie hielten sich beide lange umfangen. Das Helte im haute. (Nach dem Midrasch Ialkut Gen. Kap. 16.) Aus dem Nachlaß von Leopold Stein. Sidon lebte ein frommes Paar, Das gerade zehn Jahr verheiratet mar; Doch ein Gedanke blieb ihnen stets schmerzlich Darob sie gebetet so oft und geklagt. Daß ihnen der Himmel Kinder versagt; Und schmerzt es besonders den Mann, daß kein Erbe Den Namen ihn rette, wann einst er sterbe. Und so nach der Sitte damaliger Zeiten, Entschlossen sie sich voneinander zu scheiden Und gingen zum Nabbi ben Jochai Ankündigend ihre Trennung frei. Doch der edle Nabbi bot schwer nur die Hand Zu lösen solch treues Herzensband. Und er sprach: Erst feiert den Abschiedsschmaus, Ich komme heut abend in Euer Haus! Und wie fröhlich wir waren, als Ihr Euch verbunden, So scheidet nun auch nach frohen Stunden; Da wird es die ganze Stadt erkennen, Daß Feindschaft und Zwietracht euch nicht trennen; Dann kehre die Gattin zum Vaterhaus, Und wir stellen gesetzlich den Scheidebrief ans.

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