Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-07-19 · Heft 29 (19.7.1907) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 29 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228744-3228774--63685-3297603
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

n. Breslau, 11. Juli. Unsere Gemeinde, ja das ganze Judentum hat einen unersetzlichen Verlust erlitten: Am 7. d. Mts. ist hier der allgemein und rühmlichst bekannte Herr Theodor Oschinsky im 63. Lebensjahre verschieden. Der Verstorbene nahm im israelitischen Gemeindeleben unserer Stadt, in welchem er zahlreiche Ehrenämter bekleidete, eine hochangesehene Stellung ein. Von echter Religiosität erfüllt, von edelster Menschenliebe beseelt, galt er seit Jahrzehnten als der berufenste und erfolgreichste Vorkämpfer der humanitären Bestrebungen unserer Glaubensgemeinfchast, der in zahlreichen Vereinen, amtlich und außeramtlich, mit unermüdlicher Aufopferung im Dienste der Nächstenliebe gewirkt und bewundernswerte Werke der Barmherzigkeit geschaffen hat. Wie er sich hierdurch allseitige Anerkennung und Hochschätzung erwarb, so hat er sich insbesondere ein unvergängliches Denkmal der Liebe in den Herzen der Armen errichtet, denen er mit nie versagender Güte und Freundlichkeit allzeit ein offenes Herz entgegenbrachte und ein stets bereiter Helfer in der Not war. Mit gleicher Hingebung hat er in den mannigfachsten Zweigender Verwaltung, als Mitglied der Repräsentantenversammlung, der Armenkommission, der Kultuskommission und der Kommission der Alten Synagoge seine beste Kraft eingesetzt, um das Wohl und das Gedeihen unserer Gemeinde zu fördern, und uns vielfach durch Rat und Tat wertvolle Dienste geleistet. Nun hat der Tod seiner reichgesegneten Tätigkeit ein allzufrühes Ende bereitet, und trauernd empfinden Tausende in dankbarer Würdigung dessen, was er uns gewesen und was er für uns geleistet, sein Hinscheiden als einen unersetzlichen Verlust. Dies zeigte sich auch schon bei dem Leichenbegängnis am 9. d. Mts. Dem Leichenwagen voran schritten die Pfleglinge des Verbandes zur Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder, dessen Mitbegründer und eifrigster Mitarbeiter der Verstorbene gewesen, und dem schlichten, einfachen Sarge, den nach dem ausdrücklichen Willen des Verblichenen kein einziger Kranz schmücken durfte, folgten, in corpore oder durch Abordnungen vertreten, die zahlreichen öffentlichen und privaten Korporationen und Vereine, denen Theodor Oschinski angehört und die er zum großen Teile mit, geleitet hatte. Rabbiner Dr. Rosenthal hielt eine ergreifende Trauerrede, in welcher er in großen Zügen ein Bild von dem Wirken des Entschlafenen entrollte. Er hob rühmend seine opferfreudige Tätigkeit im Vorstand der deutschen Konferenzgemeinschast der Alliance Israelite Universelle und in dem Komitee zur Unterstützung der aus ihrer Heimat vertriebenen russischen und rumänischen Juden hervor- und schilderte dann eingehend seine rastlose Arbeit an der Entwicklung der Synagogengemeinde Breslau und ihrer Wohltätigkeitsinstitute, von denen ihm die Anstalten für Kranken-, Armen- und Waisenpflege besonders am Herzen gelegen. Was er auf diesen Gebieten Bedeutendes geleistet, gehöre der Geschichte der Gemeinde an. Nachdem dann noch Rabbiner Dr. Berger-Krotoschin im Namen der Hinterbliebenen dem verstorbenen Schwiegervater warmherzige Worte des Nachrufs gewidmet, wurde der Sarg unter dem üblichen Zeremoniell zu Grabe getragen. Das Andenken des ausgezeichneten Mannes aber wird in Ehren sortleben. i. Koburg, 11. Juli. In unserer Stadtverordneten- Versammlung entspann sich vor kurzem, wie bereits gemeldet, eine lebhafte Debatte über das Verbot des jüdischen Schlichtens, das ursprünglich in der neuen Schlachthaus-Verordnung vorgesehen war. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde hatte eine Eingabe an das herzogliche Staatsministerium gerichtet, in welcher sie „alle Bestrebungen zur Beseitigung der jüdischen Schlachtmethode als einen Ausfluß bedauerlichen Religions- und Klassenhasses" bezeichnet. Ein Schüchtverbot käme einem Eingriff in die den Juden durch Gesetz und Verfassung gewährleistete Freiheit der Religionsübung gleich. Das Koburger Ministerium stellte sich dann auf den Standpunkt, daß zu einem selbständigen Vorgehen auf einem so viel umstrittenen Gebiet wie dem des ritualen Schächtens in der Stadt Kobnrg ein Anlaß nicht vorhanden und besser eine reichsgesetzliche Regelung abzuwarten sei. Ferner glaubte das Ministerium, daß abgesehen von der für die Regierung gebotenen Rücksichtnahme und den Bedenken staatsrechtlicher Art das Schächten, wie es in dem Koburger Schlachthause geübt wird, als Tierquälerei nicht qualifiziert werden könne und ein polizeiliches Schächtungsverbot deshalb der wesentlichen Rechtsgrundlage ermangeln würde. In der jetzigen Debatte wurde schließlich von der Mehrheit dem Magistrat der Wunsch ausgedrückt, den § 10 der Verordnung dahin zu fassen: „Das betäubungslose Schlachten nach jüdischem Ritus ist nicht gestaltet." Sollte nun das Schüchtverbot in Kraft treten, so beabsichtigt die hiesige israelitische Gemeinde entweder in der Nachbarschaft ein eigenes Schlachthaus zu errichten oder das gesamte Fleisch aus Lichtenfels zu beziehen. i. Emden, im Juli. Ein Ehrentag war für den an der hiesigen jüdischen Schule wirkenden Lehrer Apt die Feier seines 25jährigen Dienstjubiläums. Schule und Gemeinde wetteiferten darin, ihm Beweise der Anerkennung und des Dankes zu erbringen. Fast sämtliche Familien der hiesigen jüdischen Gemeinde erfreuten den Jubilar durch Geschenke, Blumen und Glückwünsche. Von des Morgens bis zum Abend kamen und gingen die Glückwünschenden, und eine große Menge von schriftlichen Glückwünschen und Telegrammen lief von nah und fern ein. Eine Abordnung des Schul- und Gemeindevorstandes mit dem Landrabbiner Dr. Lob an der Spitze überbrachte ihm die Glückwünsche der Schule und Gemeinde. Dr. Lob beglückwünschte ihn in seiner Eigenschaft als Kreisschulinspektor und wies in seiner gehaltvollen Ansprache auf seine Pflichttreue in der Schule und Glaubenstreue in der Lebensführung hin. Als Beweis seiner persönlichen Zuneigung überreichte er ihm ein Gebetbuch in kostbarem Einbande. Der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Jacob S. Pels, beglückwünschte den Jubilar namens des Schul- und Gemeindevorstandes und wies in beredten Worten auf die Schwierigkeiten hin, die Herr Apt als Lehrer der ganz Kleinen zu überwinden hat. Als Anerkennung übergab er dem Jubilar einen seitens der Gemeinde geschenkten Polstersessel. Dr. med. Sternberg beglückwünschte den Jubilar namens des Repräsentanten-Kollegiums, Herr Ph. Meyer überbrachte den Dank und die Glückwünsche des Schulvereins „Talmud- Thora", und Hauptlehrer Selig beglückwünschte ihn als Kollegen und Freund, mit dem er bereits I8V2 Jahr treu zusammen arbeite. Mit tief bewegtem Herzen erwiderte der Jubilar auf diese Ansprachen und wies in seiner bescheidenen Art jedes ihm gespendete Lob zurück. Am Nachmittage erschien eine Abordnung des hiesigen Kranken- und Beerdigungsvereins Brüderschaft, dessen Vorsitzender' der Jubilar ist, um ihm die Glückwünsche des Vereins zu überbringen. Mit begeisterten Worten der Anerkennung überreichte ihm der zweite Vorsitzende des Vereins, Herr Isaak de Beer jr., eine herrliche Palme. Um 8V2 Uhr fand im Schullokale eine erhebende Feier statt, bei welcher unter Vortragen sinniger Gedichte auch die Schulkinder ihren Lehrer beglückwünschten und ihm ein Geschenk überreichten. Aus der innigen Anteilnahme an diesem seinem Ehrentage konnte der Jubilar so recht erkennen, wie zugetan ihm alt und jung innerhalb der Gemeinde ist. Möge es ihm vergönnt sein, noch Jahrzehnte in Rüstigkeit zu wirken! 4- Elberfeld, 12. Juli. Der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes teilt seinen Mitgliedern mit, daß die Satzungen vom Amtsgericht Hamburg — Abteilung für Vereins- und Güterrechtsregister — unterm 31. Mai 1907 genehmigt worden sind; gemäß § 1 derselben ist auch die Eintragung in das Vereinsregister erfolgt, so daß der Verband von nun an die Bezeickp nung „eingetragener Verein" zu führen hat. Die nächste Aufgabe wird der Ausschuß nun darin erblicken, die Schaffung eines Verbandsorgans in die Wege zu leiten, um für die Folge in der Lage zu sein, alle Fragen, die den Kantorenstand bewegen, vor dem Forum der sich dafür interessierenden Oeffentlichkeit besprechen zu können. Auch die Anlage einer Pensions- und Reliktenkaffe ist bereits innerhalb des Ausschusses zum Gegenstand der Tagesordnung gemacht worden, und es steht zu erwarten, daß die Verhandlungen darüber zu einem gedeihlichen Resultat führen werden. Die Mitgliederzahl des Verbandes beträgt augenblicklich 220, und auch die denselben subventionierenden Gemeinden haben sich in dem soeben abgelaufenen Rechnungsjahre in solch erfreulicher Weise gemehrt, daß auch nach dieser Richtung hin eine sich andauernd steigernde Lebenskraft des Verbandes in Aussicht steht. — Düsseldorf, 5. Juli. Aus dem Bericht des Vereins zur Forderung des Handwerks und technischen Berufsarten unter den Juden für 1906 entnehmen wir, daß in diesem Jahre unter Fürsorge des Vereins 34 Lehrlinge und Fachschüler standen, davon wurden 9 Lehrlinge im Laufe des Jahres ausgenommen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.