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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-07-19 · Heft 29 (19.7.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 29 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 19. Juli 1907. 71. Jahrgang. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums. lkorrelpondenHM und Aachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 15.Juli. DasHandbuch der jüdischen Gemeinde- Verwaltungen (Statistisches Jahrbuch) des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes wird fortan im Selbstverlag erscheinen. Hoffentlich erhält es auch wieder die alte Form und Anordnung, durch die es allen, die sich mit jüdischen Angelegenheiten befassen, ein treuer Führer und ein unentbehrliches Nachschlagebuch geworden ist. Es stellt zugleich das einzige Adreßbuch mit den Namen der Vorsteher sämtlicher jüdischen Gemeinden, Vereine, Stiftungen, Anstalten usw., sowie der jüdischen Beamten und Lehrer dar. Im vergangenen Jahre hatte der Verein für jüdische Statistik die Herausgabe besorgt. •s. Berlin, 14. Juli. Der „Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin" hat die drei Vorträge von Justizrat Cassel, Justizrat Breslauer, Geh. Medizmalrat Prof. Senator im stenographischen Wortlaut veröffentlicht. Das Bureall des Vereins (Spandauerstr. 8) gibt bei schriftlicher Meldung die Broschüre an Interessenten frei ab. Wir begrüßM diese' Publikation mit besonderer Genugtuung; wird sie doch vor allem dazu beitragen, über die leidige Affäre Aufklärung zu geben und jeder Verdunkelung des Tatbestandes vorzubengen. — Wir schließen hier gleich die Anzeige von dem Erscheinen der Nr. 3 der-' Mitteilungen des Liberalen Vereins der Synagogengemeinde Breslau an. Die Nummer ist besonders interessant. Sie enthält Berichte über die zehnte Generalversammlung des Vereins, über die Stadtverordnetensitzung zu Breslau, in der über die Anstellung jüdischer Lehrkräfte an den städtischen Schulen debattiert würde, über den Verein für jüdische Geschichte und Literatur daselbst und — least not least — einen sehr wertvollen Vortrag von Rabbiner Tr. Guttmann über den Philosophen Salvmon Maimon. 8. Berlin, 14 Juli. Zur Herausgabe des von jüdischen und christlichen Gelehrten gleich sehr anempfohlenen neu-hebräischen Wörterbuchs von B. Ben Jehuda in Jerusalem haben mehrere Vereine, wie die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des j Judentums", der „Hilfsverein der deutschen Juden" und das j „Zionistische Aktions-Komitee", regelmäßige Beiträge bewilligt. Aus > den Vertretern dieser Gesellschaften: Dr. Paul Nathan, Professor! Dr. O. Marburg, Professor Dr. M. Philippson und Privatdozent! Dr. Mittwoch hat sich ein Hilfskomitee für. die Herausgabe des verdienstlichen Werkes gebildet mit der Befugnis der Kooptation. Das Komitee fordert Glaubensgenossen und jüdische Vereine, die sich für das hochwichtige wissenschaftliche Unternehmen interessieren, das eine so schmerzlich empfundene Lücke in. unserem.Schrifttume auszusüllen bestimmt ist, hiermit auf, Beiträge cm den Obmann des gedachten Komitees, Herrn Professor Dr. M. Philippfon, Berlin W. 15, Kurfürstendamm 21 l, gefälligst einzufenden. S- Berlin, 15. Juli. Unter den zahlreichen Glückwünschen und Telegrammen, die Herrn Dr. Carl Peters nach Beendigung des Münchener Prozesses zukamen, war auch ein besonders herzliches vom „Verein deutscher Studenten" in Berlin. Darüber haben viele sich verwundert. Wir können das Rätsel auflösen: Herr Dr. Earl Peters gehörte zu den Begründern des antisemitischen „Vereins deutscher Studenten". Im übrigen sind die Antisemiten noch nicht einig darüber, welche Stellung sie zu Herrn Peters einnehmen sollen. So haben sich nach der Ansicht -der Stettiner „Deutschen Hochwacht" „Juden und Judengenossen zusammengefunden, um einen um das deutsche Volk hochverdienten Mann zu stürzen". Umgekehrt spricht das Münchener „Deutsche Volksblatt" von „Petersleben" und von seinen „judenliberalen Freunden", der Peters-Clique, den deutschen „Dreyfnsards". Das ergötzlichste Urteil aber fällt die „Staatsbürgerzeitung", indem sie über Peters schreibt: „Er vertritt einseitigste Rassenpolitik und treibt Rassenschande: wäre doch ein Mischlingsvolk, wie es sein Vorbild erzielen würde, künftig ein schweres Hindernis der Kolonisation." Und welche Politik haben denn die Antisemiten bisher vertreten? 8. Berlin, 10. Juli. Leonhard Emil Bach, der in London im Alter von 53 Jahren verstorbene berühmte Klaviervirtuose, der einst hier in Berlin seine Ausbildung erhielt und jahrelang als Lehrer an der trefflichen Kullakschen Neuen Akademie der Tonkunst tätig war, dürfte noch bei allen älteren Musikfreunden im besten Angedenken stehen. Von hier als Professor an die erste musikalische Lehranstalt Londons, die Guildhall Academy of Music, berufen, wirkte er dort zwanzig Jahre lang bis zu seinem am 15. Februar 1902 erfolgten Tod in so hervorragender Weise, daß ihm jetzt in der Akademie eine prächtige Ehrentafel gestiftet wurde, deren Inschrift allen Kommenden den Ruhm des deutschen Meisters kündet, der sich mit seinen Opern „Jrmengarda", „The Lady auf Langfort" und „Des Königs Garde", die viel gegeben wurden, auch als Komponist bewährte. Nun werden die irdischen Ueberreste des Künstlers hier in Berlin ruhen, da dessen Bruder, der Kaufmann Wilhelm Bach, jüngst bei seiner Anwesenheit in London die Leiche exhumieren und verbrennen ließ, die Asche aber in einer kostbaren Urne nach Berlin überführte, wo sie in einem neu zu errichtenden Erbbegräbnis auf dem Weißenseer Friedhof, unter einer Totenfeier, au der sich die musikalischen Kreise Berlins zahlreich beteiligen werden, beigesetzt werden soll. r. Preußisch Stargard, 14.Juli. Unser Rabbiner Dr. Rosenthal folgt zum 1. September einer ehrenvollen Berufung als Rabbiner und Schuldirigent der Gemeinde „Berlin-Oranienbnrger Vorstadt". Das Scheiden Dr. Rosenthals wird nicht nur die hiesige jüdische Gemeinde schinerzhast empfinden, sondern auch in weiteren Kreisen unserer Stadt wird man seinen Weggang lebhaft bedauern. Gelegentlich des im vergangenen Monat gefeierten Jubiläums und seiner Silberhochzeit traten die Beweise der Hochachtung und Wertschätzung, die der Scheidende in unserer Stadt genießt, offen zutage und seine Verdienste fanden die verdiente Würdigung. Wenn der Weggang des verdienten Rabbiners demnach auch Bedauern hervorrufen muß, so wird doch gewiß jeder ihm für seine Zukunft das Beste wünschen! ff. Posen, im Juli. Auf eine gräßliche Weise ist der Kaufmann Abraham Leszczynski in Kouin ums Leben gekommen. Derselbe weilte aus dem Felde, als plötzlich ein Schuß krachte und ihn zu Boden stürzte. Die Frau, die zugegen war, eilte in voller Bestürzung zur Stadt und meldete den betrübenden Vorfall. Ter Täter konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. Der so schnell Dahingeraffte war 50 Jahre alt und eine gern gelittene Persönlichkeit. Frau und Kinder beklagen nun den Verlust ihres Ernährers. — Ein braver und biederer Mann ist in Berlin zu Grabe getragen worden. Herr Herrmann Badt, früher in Wreschen wohnhaft, stand in großem Ansehen und bekleidete viele Ehrenämter. Bis zu seiner Uebersiedlung ist er Mitglied des Gemeindevorstandes gewesen. — Bekanntlich ist Herr Hauptlehrer Herbst in Li ssa (Posen) nach 48 jähriger Tätigkeit in den Ruhestand getreten. Da die Schülerzahl der dortigen jüdischen Schule von' Jahr zu Jahr zurückgeht und gegenwärtig unter 60 beträgt, wird die Hauptlehrerstelle nicht mehr besetzt. Die Leitung der Schule ist dem Lehrer Cohn übertragen worden. Die jüdische Schule in Lissa hat überhaupt eine interessante Geschichte. Vor dem Jahre 1840 wurden nur die jüdischen Knaben in dieser Schule unterrichtet; die Mädchen mußten, wenn ihnen die Eltern eine Bildung angedeihen lassen wollten, Privatschulen besuchen, die ja auf Grund dessen in reicher Zahl dort vorhanden waren. Von 1844 ab erhielten auch die Mädchen Volksschulbildung. Nun betrug die Schülerzahl nahe an 450, und es wurden die Kinder von sechs jüdischen Lehrern unterrichtet. Als später die Freizügigkeit der Juden gesetzlich festgelögt worden war, wanderten sehr viele Juden nach den Großstädten und fremden Erdteilen. Die Schülerzahl sank darum von Jahr zu Jahr.

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