Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1907)
- Date
- 1907-07-19
- Page
- Seite 341 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3228744-3228774--63676-3297594- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
341 e eutet neues d nicht ig von berunc Stron Sonn« d glor Rabbi: leben lf diesht mit 5 altei richten icht divoi H mit); seine hinein cgleich sei be -stören rreißei d dam lst, ers Herzei utertei n ode x un' s, weil Zeweb - er ai l it vo Lempe m deren zr itwort. h selbs ix wa' «r eit jen bei >entun iinderi . Uni mpten :r Ein :, da! „Gott reinig ewagt g de als inempor seinen vie bc . Wi agik e n NN 1 rde di- Zerstörung von Jerusalem, weil es kein Ereignis gibt, das t> sehr beigetragen hätte zur Erhaltung und Verbreitung des Judentums als gerade die Zerstörung von Jerusalem. In alter Zeit ist das Judentum eine Staatsreligion gewesen. Las das Schicksal von Staatsreligionen ist, das beweist am esten gerade unsere Zeit. Das Bestreben aller sreigesinnten md weitblickenden Geister, auch solcher, welche der Religion eineswegs feindlich gegenüberstehen, ist in unserer Zeit darauf jerichtet, die Religion frei zu machen von den Armen des Staates, um sie als Tempel des Geistes anzuvertrauen der teberzeugung der einzelnen Menschenseele. In dem großen tülturstaate jenseits des Ozeans ist diese Freiheit schon immer i orhanden gewesen, ohne daß die Religion dabei wie eine fflanze, der das Licht entzogen wurde, verkümmert und zurunde gegangen wäre. In Frankreich und einem Teil der Schweiz ist erst unlängst die Entkirchlichung des Staates und die mtstaatlichung der Religion fast schmerzlos unter Zustimmung >es Volkes beschlossen worden, und es kann nicht mehr zweifel- >aft sein, was in der Beziehung die Zukunft in allen Staaten >on Europa früher oder später bringen wird. In bezug auf -as Judentum ist dieser Beschluß bereits vor 1900 Jahren - urch die höchste Instanz ausgeführt worden. Durch eine Katastrophe mußte die Befreiung des Judentums von der lmklainmerung des Staates herbeigeführt werden, um es fähig u machen, als reine Idee seine Fittige zu entfalten und seinen ldlerstug zu unternehmen durch Zeiten und Räume. Der nationale Staat und der nationale Tempel mußten in -rüinmer sinken, um an deren Stelle ein Jerusalem der Zukunft und einen Teinpel des Geistes in die Herzen und in ie Seelen hineinzubauen. Ist es nun gewagt, zu behaupten, - aß auf den rauchenden Trümmern des Nationalheiligtums oeitblickende Geister Psalmen angestimmt hätten, jenen Psalm on Asaph, der zwar die ergreifendste Klage ist, die auf den fall des Tempels angestimmt wurde, der aber dennoch austönt n ein Wort des Triumphes, in den Triumph der Ueber- -ngung: „Und dennoch bleiben wir Dein Volk und die )erde Deiner Weide, ewig werden wir Dir huldigen, für ind für Deinen Ruhm künden?" Seit 1900 Jahren gehört der Judenstaat der Geschichte m und, wenn wir es auch im Interesse heimatloser Glaubensenossen für wünschenswert hielten, es besieht einstweilen keine roße Aussicht, daß in absehbarer Zeit die Träume der edlen Phantasten des Judentums sich verwandeln würden in greifare Wirklichkeit. Wir halten es vielmehr für den Gründertum, zu meinen, es könne die Zukunft je eine Wiederholung er Vergangenheit sein und die Linie der Entwicklung wieder -ach rückwärts sich wenden. Wir halten es vielmehr für die lufgabe und Bestimmung des Judentums, bei allen Völkern md in allen Zonen ein neues und herrlicheres Jerusalem zu auen, einen Weltentempel zu gründen zur Verherrlichung des nnigeinzigen vom Aufgang der SoiMe bis zu ihrem Unterang. Seit 1900 Jahren bauen die besten Männer unseres Stammes an diesem Tempel des Geistes, seit 1900 Jahren ist acht verstummt auf unserer Lippe der Psalm von Asaph: Wir sind geblieben Dein Volk und die Herde Deiner Weide, wig wollen wir Dir huldigen, für und für verkündigen deinen. Ruhm." Aber von Zeit zu Zeit haben wir innezualtea und zu überlegen, wie weit wir denn eigentlich dem siele unserer Bestimmung näher gekommen und von demselben wch entfernt sind; von Zeit zu Zeit hat jeder sich zu fragen: gehören wir zu den Erbauern oder gehören wir zu den Zerstörern von Jerusalem? Daß nicht die bewaffnete Hand des Römers die Bresche gerissen hat ins Judentum, die wir beklagen, sondern vielmehr die Spaltung der Parteien innerhalb des eigenen Lagers die Bresche gewesen ist, durch welche der Feind Zerstörung und Vernichtung ins Judentum getragen, darüber sind sich die Gelehrten einig. Die Verschiedenheit der Meinungen und Richtungen betrachten wir auch auf religiösem Gebiet als heilsame und segenbringende Notwendigkeit, weil durch Reibung der Geister die sprühenden Funken der Wahrheit erzeugt werden, aber die geistige Einheit des Judentums muß gewahrt bleiben und die unvermeidlichen Risse des Heiligtums dürfen nicht zu Spaltungen gewaltsam erweitert werden. Das ist es ja, was an den Schülern von Samai und Hillel getadelt wird, obgleich ein Kampf der Ansichten zwischen ihnen nur in bezug auf die Auslegung des Religionsgesetzes, nicht in bezug auf die Grundwahrheiten, geherrscht und in gesellschaftlicher Beziehung zwischen ihnen Freundschaft gewesen, daß durch ihren ewigen Streit die eine Thora gespalten ivurde gewiffermaßen in zwei Thoroth. Ein ähnlicher Riß geht auch durch das zeitgenössische Judentum. Man sollte es nicht für möglich halten, wenn es nicht eine Tatsache wäre, daß seit Jahr und Tag der äußerste Flügel der deutschen Orthodoxie es in die Welt hinausruft, es gäbe innerhalb des Judentums zwei verschiedene Konfessionen, die voneinander so weit entfernt sind, wie die beiden Konfessionen in der herrschenden Religion unseres Landes, und daß es den Anhängern der gesetzestreuen Richtung nicht zu empfehlen sei, mit den Anhängern der neuern Richtung zusammenzuarbeiten in den Logenverbänden oder Literaturvereinen, geschweige denn in solchen Vereinen, welche der Pflege der Geselligkeit dienen - Kann es eine größere Kurzsichtigkeit und Verblendung geben? Muß man solche frommseinwollende Leute nicht fragen: Gehört ihr zu den Erbauern oder gehört ihr zu den Zerstörern von Jerusalem? Ein anderes Bild zeigt uns die Versammlung von 240 Staatsmännern, welche auf Anregung des bedauernswerten Fürsten, in dessen weitem Lande die Kriegsfackel des entbrannten Bürgerzwistes nicht verlöschen will, sich aus allen Enden der Erde zusammengefunden haben, um mit vereinten Kräften einen neuen Tempel des Völkerfriedens zu bauen und eins von den prophetischen Idealen der Verwirklichung entgegenzusördern. Von manchem dieser Friedensboten mag das Wort zutreffen: „Mit seinem Munde redet er vom Frieden mit seinem Nächsten, aber in seinem Innern lauert ein Hinterhalt." Ehemals prägte man den Satz: „Wenn du den Frieden willst, so mußt du den Krieg vorbereiten", jetzt soll umgekehrt zu den Grundsätzen der Staatsweisheit die Formel gehören: „Wenn du den Krieg willst, so mußt du den Frieden vorbereiten." Pinchas, der fromme Eiferer, hat den Krieg angefagt um des Friedens willen, darum gehörte er trotz seines zerstörenden Eifers zu den Erbauern eines Tempels des Friedens. Mögen die aus allen Enden der Erde im Haag versammelten Staatsmänner den Frieden wollen um des Friedens willen. Dann werden sie mitbauen am hohen Tempel der Menschheit! Die Milche Verteidigung. Von Dr. S. Grzhmisch. III. Einprägung. *14 eine Wahrheit ist so wahr, daß sie in uns wirken könnte, ohne daß die Seele sie gehörig ergriffen hätte; soll also die Idee der jüdischen Verteidigung wirklich segensreich walten, dann ist es durchaus notwendig, daß ihr Reichtum und ihre