Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1907)
- Date
- 1907-07-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Berlin, 12. Juli 1907. ä ä Der Ommindebote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK IudlntumK". korrklponvenrm und Sachrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 8. Juli. Die vierte ordentliche Generalversammlung des „Verbundes für Statistik der Juden" fand im Lokal des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" statt. Aus dem vom Vorsitzenden des Verbandes Tr. Alsred Nossig erstatteten Berichte über die Tätigkeit des Kuratoriums, des Vorstandes und des Bureaus für Statistik der Juden ergab sich, daß der statistische Verband seit vorigem Jahre wieder einen bedeutenden Aufschwung genommen hat. Das Bureau stellte im Berichtsjahre eine Reihe statistischer Arbeiten her: Im Aufträge der Großloge des U. O. B. B. für Deutschland wurde eine im wesentlichen auf Originalerhebungm beruhende Untersuchung über „die sozialen Verhältnisse der Juden im Großherzogtum Hessen" vollendet. Die von Dr. Ruppin, dem Leiter des Bureaus, verfaßte Arbeit wird voraussichtlich noch im Lause des Jahres 1907 im Druck erscheinen. Mit Unterstützung der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschast des Judentums" wurde eine vom Mitglieds des Bureaus Dr. Jakob Thon verfaßte Schrift: „Die jüdischen Gemeinden und Vereine in Deutschland" mit einem wertvollen Beitrag von Paul Drey in München veröffentlicht. „Tie Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Oesterreich" wird sich ein drittes statistisches Werk betiteln, dessen Druck bereits begonnen und das ebenfalls Dr. Thon zum Verfasser hat. Demnächst erscheinen auch „Tie sozialen Verhältnisse der Juden in Rumänien" und „Tabellarische Uebersichten über die Verhältnisse der Juden in Deutschland". Reben diesen Publikationen ließ das Bureau, wie im Vorjahre, die „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" erscheinen, die eine Reihe neuer Mitarbeiter aufweist und im „Statistischen Archiv" wertvolles Material für eine künftige Gesamtstatistik der Juden aufstapelt. Das Kuratorium, dessen Vorsitzende Sanitätsrat Dr. Maretzki und Geh. Sanitätsrat Dr. Blumenthal waren, setzte einen Arbeitsausschuß ein, dem neben dem ersten Vorsitzenden der Schatzmeister Herr Beuno Braun und Dr. Nossig angehötten. Auf Grund der neuen Satzungen des Kuratoriums, die den subventionierenden Körperschaften die Entsendung eines Vertreters anheimstellen, traten zwei hervorragende jüdische Organisationen dem Verbände mit namhaften Subventionen bei: die deutsche Konferenzgemeinschaft der A. I. Tt., die im Kuratorium durch Geh. Kommerzienrat M. L. Goldberger, und der Hilfsverein der deutschen Juden, der durch Herrn Oskar Berlin vertreten wird. Der Vorstalld des Verbandes teilte sich in eine wissenschaftliche Kommission (Vorsitzender Dr. I. Rothholz) und eine Propagandakommission (Vorsitzender Herr Richard Cassel). Die wissenschaftliche Kommission beriet das Arbeitsprogramm für das Bureau und bemühte sich um Gewinnung und Heranbildung neuer Mitarbeiter. Als erfreuliche Erscheinung ist der Ausbau der statistischen Organisationen im Auslande zu verzeichnen. Zu den bereits bestehenden Vereinen ist jüngst eine „Vereenigung voor Statistik en Demographie der Joden in Nederland" hinzugetreten, r die sich dem gemeinsamen Verband für Statistik der Juden angeschlossen hat. Die finanziellen Grundlagen des Verbandes haben sich bedeutend gebessert. Im Vorjahre subventionierten ihn nur nachstehende Organisationen und Gemeinden: Der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", die „Großloge des U. O. B. B.", der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" und die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums", die Gemeinden Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln, Mainz, Posen, Stettin und Wiesbaden' Im Laufe des Berichtsjahres traten hinzu: Die deutsche Konferenz- Gemeinschaft der Ä. I. IT,, der Hilfsverein der deutschen Juden, die Baronin Eohn-Oppenheim-Stiftung, die Gemeinde Adass Jisroel in Berlin, die Synagogengerneinden Danzig, Kassel, Hannover, Beuthen, Elberfeld,' Kattowitz, Straßbürg, Gleiwitz, Hohensalza, Erfurt, Königsberg, Hildesheim, Konstanz, Dresden, Tilsit, Thorn. Von den auswärtigen Gemeinden: Wien, Prag, Lemberg, Warschau. Im ganzer: subventionieren den Verband 31 Gemeinden und acht Organisationen mit Beiträgen bis 1000 Mark. Dank der regen Beteiligung der jüdischen Körperschaften ist das Bureau gegenwärtig in der Lage, ein umfassenderes Arbeitsprogramm dnrchzuführeu und insbesondere das Material zu einer Weltstatistik der Juden systematisch zu bearbeiten. Es wird dies teils in Form der bisherigen „Veröffentlichungen", teils in der von kürzeren tabellarischen Zusammenstellungen erfolgen. Aus dem Berichte des Schatzmeisters Herrn Benno Braun geht hervor, daß der Etat im Jahre 1906/07 9381,23 Mark betrug (im Jahre 1905/06 9685,75 Mark). Auf Antrag der Nevisionskommission (Herr Richard Cassel und Ingenieur S. Eliasberg) wurde für die Finanzgebarung Decharge erteilt. Bei den darauffolgenden Wahlen entsandte die Generalversammlung statutengemäß fünf Mitglieder in das Kuratorium, und zwar: Sauitätsrat Dr. Maretzki. Geheimrat Prof. Btumenthal, Pros. Philippsou, Justizrat Dr. E. Fuchs, Benno Braun (in Firma Joelsohn & Brünn). In den Vorstand des Verbandes wurden gewählt: Dr. Bruno Blau, Beuuo Braun, Dr. Beruh. Kahn, Dr. H. G. Heymann, Dr. Walter Munk, Dr. Alfred Nossig, Dr. Julius Rothholz. Dr. Theodor Zlvcisti. Zu Revisoren wurden die Herren Richard Kassel und Leopold Domnaner bestellt. In einer am 27. Mai stattgefundenen Hauptversammlung wurden die von Justizrat Dr. Max Horwitz neu redigierten Satzungen nach eingehender Diskussion einstimmig angenommen. Diese Satzungen gelten nur für den deutschen „Verein sür Statistik der Juden", der zugleich die Zentralstelle des „Verbandes für Statistik der Juden" bildet. Die Satzungen des Verbandes sollen im Einverständnis mit den dem Verbände angehörenden auswärtigen Vereinen neu entworfen werden. Mit einem Dank an Herrn: Justizrat Dr. Horwitz schloß die Versammlung. s. Berlin, 8. Juli. In der Hauptversammlung der Deutschen Orient-Gesellschaft, die unter dem Vorsitze des Herrn James Simon im Bleichröderschen Bankgebäude stattfand, wurden interessante Mitteilungen über die von der Gesellschaft oder mit deren Unterstützung in Mesopotamien, Kleinasien, Aegypten und Palästina vorgenommenen Ausgrabungen und Untersuchungen gemacht. Aus dem durch mündliche Mitteilungen ergänzten Jahresbericht geht hervor: In Asur in Mesopotamien war das Hauptergebnis der von Herrn Andrae geleiteten Ausgrabungen die Freilegung des Neujahrsfesthaujes des Gottes Asur, das wohl auf König Saaherib, den Zerstörer Babylons, zurückzuführen ist. In Babylon selbst machen die . Ausgrabungen gute Fortschritte. In Boghazkoi in Kleinasien hat nach mündlichem Bericht Professor Pachsteins Dr. Winkler, der dort mrt einer Expedition der Archäologischen Gesellschaft zusammen arbeitet, zwei Tontafeln-Archive entdeckt und in einem von ihnen einen Vertrag'des Königs Ramses II. von Aegypten mit dem Könige Chattnsil. Die Archive geben wichtige Ausschlüsse für die Geschichte der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends vor Christus. Es ist dringend zu wünschen, daß die Ausgrabungen im nächsten Sommer fortgesetzt werden. Untersuchungen in Telhan in Palästina förderten, wie Dr. Güterbock berichtete, den Grundriß der dortigen.Synagoge zutage, in der Christus als Knabe gepredigt haben soll. Diese Synagogen, etwas abgeändert durch die Römer, sind das Vorbild der christlichen Basiliken. Die Untersuchungen sollen fortgesetzt Werder^ In Aegypten hat die Fortführung der Ausgrabungen auf den: Pyramidenfelde von Abnsir-er-Ricah bei Kairo über Erwarten gute Resultate ergeben, und eine Anzahl großer, sehr feiner Reliefs werden eine Zierde unserer Museen bilden. Die Ausgrabungen bei Tel-el-Amarna in den Ruinen der Stadt des Königs Amenophis IV. haben, wie Professor Ermann berichtete, außergewöhnlich interessante Funde gezeitigt, so die Berichte der Statthalter von Palästina und Syrien, babylonische Keilschriften usw., die eine Umwälzung in der geschichtlichen Anschauung herbeigeführt haben. Die Ausgrabungen