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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-07-12 · Heft 28 (12.7.1907) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 28 (12.7.1907)
Date
1907-07-12
Page
Seite 332 (sequence 8)
Language
German
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WWMWWWWWWWWWVW —— 332 -- dort weihen sie als Mädchenhändler unschuldige Menschenblüten der Unzucht und dem Verderben; ist doch der Talmud und der Schulchan Aruch voll von grausamer Unsittlichkeit; gebietet doch ihr eigenes Religionsgesetz das tierquälerische Schächten und das Töten von Menschen zu rituellen Zwecken; die schweren Berufe, wie Ackerbau und Handwerb meideir sie, um sich dem Handel zu widmen, der ihnen mühelos Reichtümer zuführt; für den Militärstand sind sie weder körperlich noch moralisch brauchbar, denn sie sind Anstrengungen nicht gewachsen und haben Angst vor dem hauenden Säbel und der schießenden Flinte. Solchen menschlichen Ungeheuern gegenüber gibt es nur eines: völlige Ausstoßung. Der religiöse Antisemitismus der konservativen und christlich-sozialen Partei stellt den Grundsatz auf: Deutschland ist ein christlicher Staat, in einem solchen kanir es nur christliche Obrigkeit, christliches Recht und christliche Schule geben, daher Ausschluß der Juden von der Beamten-, Richter- und Lehrerlaufbahn; der Rassenantisemilismus der deutsch-sozialen Reformpartei verlangt Aufhebung der Gleichberechtigung und Stellung der Juden unter Fremdenrecht, ja einige unter seinen Führern erklären, die großen jüdischen Vermögen sollen voiu Staate eingezogen werden, den Juden soll jede Mitwirkung an einer Zeitung oder an einem Theater untersagt sein, ein System von Unterdrückungen soll sie zur Auswanderung zwingen. — So denken, so reden Kulturmenschen der Gegenwart, unter einem Berge von Lügen und Fälschungen gröbster Art eine Fülle abgefeimtester Bosheit. Also das soll das Volk sein, dessen Propheten der Welt überhaupt erst gezeigt haben, was wahre Sittlichkeit ist, das Volk, in welchem die roheste, grausamste Behandlung die Blüte des Menschentums nicht zu ersticken vermochte, so behandelt ein moderner Mensch seinen Menschenbruder, so Männer, die sich zu den wahrheitsliebenden, edlen, gutherzigen Germanen zählen! Fürwahr, angesichts eines solchen Verhaltens ist es fraglich, ob Staunen oder Empörung, Scham oder Traurigkeit in unserem Herzen vorwalten sollen, und wenn es selbst der Wissenschaft nicht gelänge, die Rassenlehre zu vernichten, so würden wir doch noch rufen: An ihren Früchten mögt ihr sie erkennen! Es ist gelungen, jene das Judentum erniedrigenden Behauptungen durchweg als Lug und Trug zu erweisen; eine Reihe gerechter, charaktervoller Christen hat es sich nicht nehmen lassen, den Antisemitismus,„die Schmach unseres Jahrhunderts", öffentlich mit aller Kraft zu bekämpfen, jedoch wir selbst müssen die Ersten und Eifrigsten bei diesen! Werke sein. Der „Antisemitenspiegel", der die Ausführungen des „Antisemitenkatechismus" aufs bündigste widerlegt, 11111(3, noch erweitert und durch die Ergebnisse der neuen jüdischen Statistik berichtigt, in aller Hände sein, damit ein jeder weiß, was er dem Gegner zu antworten hat, wenn ihm im Gespräch oder Streit mit ihm ein Vorwurf dieser Art entgegenkliugt. Doch nicht genug damit. Es muß alles zusammengetragen werden, was je von Juden an positiven Kulturwerten geschaffen worden ist, alles, was die Sonnen und Sterne unseres Glaubensbundes in Wissenschaft und Leben, in Vergangenheit und Gegenwart an Großem und Gutem geleistet haben, muß in streng wissenschaftlicher Wahrheit aufgenommeu und in übersichtlicher Form geordnet vor uns erscheinen. Das wäre freilich ein Werk, welches die Kraft vieler Gelehrter der verschiedensten Berufe eine ganze Reihe von Jahren in Anspruch nehmen konnte, dasür aber ein Dokument von weltgeschichtlicher Bedeutung, von unermeßlicher Kostbarkeit, von einzig-gewaltiger Schlagkraft, ein Dokument, das jeden Juden mit berechtigtem Stolze erfüllen, den Widersacher zum Schweigen bringen, den Zweifler ganz überzeugen und den Unparteiischen zu dem Rufe der M» Bewunderung drängen müßte: „Wahrlich, ein weises und einsichtiges Volk ist diese große Gemeinschaft" (5. Mose 4, 6). Doch während der schöpferische Genius Israels dieses Riesenwerk vorbereitet, gibt es noch genug zu leisten, was eine sofortige Lösung erheischt. Die Giftsaat der Judenfeinde ist prächtig aufgegangen, weil sich mit ihr der Neid über die wirtschaftlichen Erfolge vieler Israeliten, der Haß über ihre Konkurrenz und der sittlich schwache Charakter der Gegenwart verbündet hatten; beinahe die ganze christliche Gesellschaft, der Adel wie das Bürgertum, hat die Juden aus ihrer Mitte ausgeschlossen, teils in offener Feindschaft, teils in geheimem Widerwillen, teils in kühler Ablehnung; die Juden bilden in der Tat ein Ganzes iin ganzen, aber nicht, weil sie es wollen, sondern weil man sie nicht will. Darum erwächst hier dem edlen Menschenfreunde die heilige Aufgabe, die kalten, abgewandten Herzen den Verstoßenen wieder zu öffnen. Die Menschen müssen daran gewöhnt werden, den jüdischen Mitbürger nicht nach niedrigen Instinkten und eingesogenen Vorurteilen zu behandeln, 'sondern allein nach der göttlichen Stimme der reinen Vernunft und Gerechtigkeit, mit den Tüchtigen und Guten sich gern zu verbinden, auch wenn sie treue Juden sind, von den Trägen und Schlechten sich fernzuhalten, weil sie trag Und schlecht, nicht weil sie Juden sind. Solch ein Versöhnungswerk vermag aber allein eine eifrige, unermüdliche Aufklärung zustande zu bringen, eine Aufklärung, die nicht von Juden, sondern von angesehenen Christen ausgehen müßte und sich durch Reden in öffentlichen Versammlungen, durch kleine Schriften, am besten aber im täglichen Verkehr entwickelt. Es muß denjenigen, die sich blindlings von gewissenlose» Hetzern in einen Irrweg haben ziehen lassen, auf das ernsteste klar gemacht werden, in welchen Zustand eine ungerechte und völlig unbegründete Abneigung sie hineingetrieben hat, und diese Arbeit kann nur solchen Männern gelingen, deren Wort schon vorher in Ehren gehalten wird, und die von Wahrheitsliebe und Menschenfreundlichkeit aus das innigste durchdrungen sind. Der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" bildet für sie eine geeignete Sammelstätte, das Andenken eines Rickert und Gneist ein herrliches Vorbild für diese Kulturträger, uns Juden aber liegt es ob, solche Persönlichkeiten zu einem solchen anzuregen; das wäre eine wahrhaft sittliche Tat, eine der besten Abwehrmaßregeln. 5. Wir haben jedoch der Wühlarbeit unserer Widersacher noch auf einem anderen Gebiete entgegenzutreteu, das besondere Beachtung findet. Wir hörten bereits, daß der religiöse und der Rassenantisemitismus sich vereinigen, den Inden der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung zu berauben, und wir wissen, daß dieses ihnen in der Tat zum größten Teile gelungen ist, daß man unter deu höchsten Beamten überhaupt nicht und unter den höheren nur selten einem Bekenner des mosaischen Glaubens begegnet. Jedoch noch besteht der Artikel unserer Verfassung, daß aus dem religiösen Bekenntnisse keinerlei Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte fließen dürfen. Jede Verletzung dieser Bestimmung muß von den Gerichten und Behörden beseitigt werden. Daher ist es unsere ernste Pflicht, darüber zu wachen und darauf zu dringen, daß dem Juden auf keinem Gebiete des öffentlichen Lebens sein Recht geschmälert werde, daß eine Unterlassung wieder gut gemacht und eine Beleidigung gerichtlich geahndet werde. Dieser Aufgabe hat sich vor allem der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" unterzogen. Geleitet von rechtskundigen Männern, die dem Judentum mit ganzem Herzen ergeben sind, führt er den Kampf mit solchem Ernst und Nachdruck, in so eifriger und vornehmer Weise, baß wir uns ihm nicht bloß getrost anvertrauen dürfen, sondern

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