Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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71. Jahrgang. Nr. 27. Berlin, 5. Juli 1907. Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK IudentumK". korrklpondrn?m und Kachrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 2. Juli. Bekanntlich hat das Provinzial-Schulkollegium neben anderen Forderungen von der Stadtgemeinde Berlin u. a. auch die Verringerung der jüdischen Lehrkräfte und die alleinige Entscheidung auf Anträge wegen der Uebernahme bezahlter Nebenämter verlangt. Da hierüber die Gemeindebehörden bisher allein entschieden haben, und da ferner die Schuldeputation in allen Schulangelegenheiten zu einer überflüssigen Behörde herabsinken würde, wenn dasProvinzialkollegium in diesen Dingen allein zu verfügen hat, und um den Nechtsstandpunkt zu wahren, wurde von der Schnldeputation beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, gegen diese Verfügungen an den zuständigen Stellen Einspruch zn erheben. * 8. Berlin, 30. Juni. Wie in der vorigen Sitzung, so reihte sich auch in der heutigen letzten Repräsentanten-Versammlung vor den Ferien unter den Vorlagen der Tagesordnung fast ausschließlich Bewilligung an Bewilligung. Zu Beginn der Sitzung wurden einige Zuwendungen angenommen: die Zuwendung des Kommerzienrats Phi lipp Wolfs Meyer in Höhe von 50 000 Mark zu Wohltätigkeitszwecken, des Herrn Max Cohn im Betrage von 12 000 Mark an die Altersversorgungsanstalt in der Exerzierstraße, des Privatiers Albert Wolfs in Dresden in Form seiner bekannten Sammlung an die jüdische Gemeindebibliothek, des Kommerzienrats Hermann N. Israel im Betrage von 8000 Mark zur Errichtung einer Kommerzienrat Hermann N. Israel-Stiftung in der gynäkologischen Abteilung des neu zu erbauenden Krankenhauses. Die Zuwendungen für die soeben genannte Abteilung des neuen jüdischen Krankenhauses haben, wie die Abrechnung ergibt, bisher den Betrag von 490 027,08 Mark ergeben. — Die Armenkommission ist genötigt, eine Verstärkung ihres Kollegiums vorzunehmen. In dieselbe wurden heute debattelos die Herren Georg Mamlock, Hugo Horwitz, Adolf Rothstein und Dr. Alfred Deutsch entsandt. — Zur Teilnahme an der am 13. Oktober er. in Frankfurt a. M. stattfindenden zweiten Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden wurden in Stimmzettelwahl die Herren Louis Sachs, Manheimer, Professor Geiger, Geheimrat Blumenthal, Dr. Ignatz Cohn, W. Löwenthal, Justizrat Veit Simon, Aron Hirsch und Prof. Kalischer gewählt. — Zn einer kleinen Debatte kam es bei der Bewilligung einer Ausgabe zur Anlegung einer Mauer und eines Drahtzaunes zwischen dem Schulgarten der Knabenschule und den: alten Friedhofe. Herr Manheimer gab der Befürchtung Ausdruck, daß durch die Erweiterung des Schulgartens Gräber beschädigt werden könnten und befürwortete deshalb die Resolution des Ausschusses, zunächst eine Lokalbesichtigung unter Zuziehung der Friedhofskommission vornehmen zu lassen. Gemeindekommissar Netter wies mit Nachdruck auf das pietätvolle Bestreben der Friedhofsverwaltung hin, die alten Friedhöfe in dem Zustande zu erhalten, in dem sie sich befinden; er äußerte kein Bedenken gegen die Lokalbesichtigung, versprach sich aber, da ein eingehendes Gutachten bereits vorliegt, keinen praktischen Erfolg davon. Auch die Reminiszenz, die Geheimrat Blumenthal vorbrachte, daß vor langen Jahren einmal die Vergrößerung des Schulhofes verweigert worden sei, rettete die Resolution nicht vor der Ablehnung, und die Ausgabe wurde bewilligt. Genehmigt wurden ferner noch eine Reihe kleinerer Ausgaben zu verschiedenen Zwecken. An Su bvent ionen wurden bewilligt4000 Mark für den Religionsverein Oranienburger Vorstadt, 1500 Mark an den religiösen Verein jüdischer Glaubensgenossen in Steglitz, 3500Mark an den Synagogenverein Beth-Zion mit der Maßgabe, 900 Mark jährlich zur Ausbesserung der Lehrergehälter zu verwenden; 300 Mark für das jüdische Kurhospital in Warmbrunn in der Erwartung, daß zwei Stellen alljährlich von der Armenkommission besetzt werden können. Die Versammlung erklärte sich ferner einverstanden mit der Mietung des Festsaales des Schiller-Theaterrestaurants zur Abhaltung von Jugendgottesdienst und schließlich mit der Anstrengung einer Räumungsklage gegen den Pächter eines bisher unbenutzten Teiles des Friedhofes in Weißensee. Weniger gut ging es den noch vor Ferienschluß als dringlich eingereichten Vorlagen. Der Rechnungsabschluß der Friedhofskommission wurde als nicht dringlich von der Tagesordnung abgesetzt, und die Bewilligung einer Ausgabe von 1600 Mark zur Feier des 25 jährigen Bestehens des II. Waisenhauses fand auch nicht die Zustimmung der Versammlung. Die Klagen der Herren Benas Levy und Manheimer über das schlechte Aussehen des Gebäudes führten die Mehrheit der Versammlung dazu, von einer Feier des Jubiläums Abstand zu nehmen. — Mit der Vergebung des Abbruches des Gebäudes, auf dessen Terrain dereinst die Synagoge Fasanenstraße erstehen soll, endete die letzte öffentliche Sitzung vor den Ferien. 8. Berlin, 26. Juni. In den Räumen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes tagte heute hier der Ausschuß der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums". Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken ihrer verstorbenen Mitglieder, der Herren Direktor Dr. Baerwald und Rabbiner Dr. Ziemlich, sowie des Heimgegangenen Professors Dr. Freudenthal durch Erheben von den Sitzen. Der Geschäftsbericht konstatierte ein stetiges Anwachsen der Mitgliederzahl, die zurzeit über 950 beträgt, und stellte das Erscheinen mehrerer Werke der Gesellschaft für die allernächste Zeit in Aussicht. Es sind dies: 1. Schapiro, die haggadischen Elemente im erzählenden Teil des Koran; M. Philippson, Neuere Geschichte der Juden, Band 1; das Maimonides-Gedenkbuch Band 1, und der erste Band der von M. Brann gesammelten Aufsätze von D. Kaufmann. Von den wissenschaftlichen Unternehmungen der Gesellschaft sind außer dem Maimoniveswerk die Arbeiten für die Germania-Judaiea soweit gediehen, daß der größere Teil des Arbeitsstoffes unter die Mitarbeiter verteilt ist und mit der Ausarbeitung demnächst begonnen werden kann. Vom Corpus Tanaiticum wird der erste Band, des Sifra von M. Friedmann-Wien, demnächst dem Druck übergeben werden können. Der Ausschuß beschloß die weitere Ausgestaltung der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, welche durch Heranziehung einer größeren Reihe von Mitarbeitern in den Stand gesetzt werden soll, von Zeit zn Zeit Berichte über den Stand der Wissenschaft des Judentums und der ihr verwandten Gebiete zu geben. Es wurde ferner in Aussicht genommen, die Generalversammlungen der Gesellschaft zuweilen auch außerhalb Berlins in anderen Großgemeinden abzuhalten, um dort das Interesse für die Gesellschaft und ihre Ziele zu wecken. Der Ausschuß kooptierte endlich anstelle seiner verstorbenen Mitglieder die Herren Professor Dr. Cohn-Breslau und Dozent Dr. I. Elbogen- Berlin, bewilligte eine Reihe von Subventionen und beschloß zuletzt die Ernennung des Herrn Generalkonsuls Franz Philippson in Brüssel, der sich um die Gesellschaft durch wiederholte größere Zuwendungen in hohem Maße verdient gemacht hat, zürn Ehrenmitglied der Gesellschaft. . ----- Berlin, 24. Juni. In der letzten Sitzung der wissenschaftlichen Bereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin widmete zunächst der Vorsitzende dem leider so früh aus unserem Kreise abberufenen Kollegen Bernhardt einen warmen Nachruf, während sich die Versammlung von ihren Plätzen erhob. Sodann hielt Kollege Dr. Kellermann einen Vortrag Uber „Religion und Sittlichkeit", der sich fast ausschließlich mit der gleichlautenden Arbeit von Prof. Cohen beschäftigte. Eine Inhaltsangabe an dieser Stelle erübrigt sich, da der Vortrag demnächst im Druck erscheinen wird. Im Mai sprach Kollege Dr. Gold mann über die „staatsrechtliche Stellung des altisraelitischen Königs". Der Vortragende legte dar, daß das israelitische Königtum ans einer Uebertragung des sicher vorhanden gewesenen Stammeskönigtums