Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1907)
- Date
- 1907-06-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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H. Posen, 21. Juni. Die zehnte ordentliche Generalversammlung des Verbandes der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Posen fand im Repräsentantensitzungssaale der Synagogengemeinde hier statt. Vertreten waren folgende Gemeinden: 1. Buk durch Herrn Lippmann, 2. Grätz durch Herrn Rabbiner Dr. Friedmann, 3. Jarotschin durch Herrn Lehrer Lauffer, 4. Koschmin durch Herrn Rabbiner Dr. Heppner, 5. Lissa durch I. Goldschmidt-Lissa, 6. Posen durch die Herren Gemeinderabbiner Dr. Feilchenseld, M. Werner, Israel Friedländer, Ignatz Goldschmidt, M. Herzog, 5. Silberberg, 7. Schwersenz durch Herrn Lehrer Grünfeld, 8. Wreschen durch Rabbiner Dr. Lewin. Der Verbandsvorsteher, Herr Ignatz Goldschmidt, begrüßte die Erschienenen und erstattete folgenden Bericht: Im Berichtsjahre haben sich dem Verbände sieben Gemeinden neu angeschlossen und eine Gemeinde ist ausgeschieden. Zurzeit gehören dem Verbände folgende 35 Gemeinden an: Birnbaum, Jaratschewo, Jarotschin, Bojanowo, Bomst, Buk, Dobrzyca, Grätz, Jutroschin, Kobylin, Koschmin, Kosten. Kostschin, Krotoschin, Lissa, Moschin, Neustadt b. P., Ostrowo, Pinne, Pleschen, Posen, Rakwitz, Rawitsch, Samter, Santomischel, Schmiegel, Schrimm: Schroda, Schwerin a. W., Schwersenz, Tirschtiegel, Wollstein, Wreschen, Wronke, Zduny. Im Jahre 1906 wurden vereinnahmt: a) Beiträge von Synagogengemeinden 1070 Mark, b) Beiträge von persönlichen Mitgliedern 333 Mark, c) Beihilfe des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes zu den Kosten der Bezirksrabbinate pro 1906 300 Mark, d) Beitrag einer Gemeinde zu den Kosten ihres Anschlusses an ein Bezirksrabbinat 112,50 Mark, e) Zinsen 30,25 Mark; in Summa 1845,75 Mark. Hierzu der Bestand pro 1. Januar 1906 955,32 Mark; zusammen 2801,07 Mark. Verausgabt wurden: a) zur Ausbildung von Kultusbeamten 1000 Mark, b) zu Beihilfen und Reisen zur Förderung des Religionsunterrichts 239,30 Mark, e) zu den Kosten der Bezirksrabbinate 650 Mark, d) Beihilfen zur Teilnahme att einen Ferienkursus in Breslau 40 Mark, e) für Drucksachen, Porto usw. 173,69 Mark, k) Beitrag an den Deutsch- Israelitischen Gemeindebund pro 1906 50 Mark; zusammen 2152,99 Mark. Einnahmen 2801,07 Mark. Ausgaben 2152,99 Mark. Bestand pro 1. Januar 1907 648,08 Mark. Am 18. November v. I. hat der Verbandsausschuß eine Sitzung abgehalten, zu der erschienen waren: die Herren Ignatz ,Goldschmidt, Verbandsvorsteher Justizrat Breslauer-Rawitsch, Friedlünder-Posen, Goldschmidt-Lissa, Markus-Pinne, Rabbiner Dr. Lewin-Wreschen, Justizrat Salz-Posen. Außerdem Herr Rabbiner Dr. Bloch und Justizrat Manheimer. Verhandelt wurde über die Subventionierung der Religionsschulen der dem Verbände angehörenden kleineren Gemeinden. Dann betreffend den Rosinschen Gesetzentwurf. Mit Rücksicht darauf, daß die vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde und vom Verbände der deutschen Juden zur Vorberatung eines Gesetzentwurfs betreffend die Organisation der jüdischen Gemeinden Preußens gebildete Kommission beschlossen hat, nicht den Rosinschen, sondern einen anderen Entwurf ihren Beratungen zugrunde zu legen, wird von einem Eingehen ans den Rosinschen Entwurf abgesehen. Rabbiner Dr. Bloch ersucht im Namen des Kuratoriums des jüdischen Gesamtarchivs in Berlin, der Verband möge dahin wirken, daß die im Bezirke vorhandenen Archivalien oder deren Abschriften oder wenigstens Verzeichnisse derselben dem Gesamtarchiv übersandt und die zur Auffindung von Archivalien deputierten Herren in entgegenkommender Weise von den Gemeindevorständen bei ihrer Tätigkeit unterstützt werden. Dem Ersuchen soll, soweit als angängig, entsprochen werden. Durch die Einrichtung der Bezirksrabbinate wird sowohl eine Ueberwachung und Verbesserung des Religionsunterrichts und der sonstigen religiösen Einrichtungen herbeigeführt, als auch das Gemeindeleben, insbesondere das religiöse, nach jeder Richtung hin gefördert. Infolge der ungünstigen pekuniären Verhältnisse der kleinen Gemeinden sind fast überall Zuschüsse seitens des Verbandes erforderlich, welche bisher auch durch die opferwilligen Beiträge der größeren Gemeinden und den vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund pro 1906 bewilligten Zuschuß von 300 Mark geleistet werden konnten. Den freundlichen Gebern, insbesondere dem Deutsch- Israelitischen Gemeindebund, sowie den Herren Rabbinern, tvelche sich der großen Mühe, welche die Ausübung der Seelsorge in den Filialgemeinden verursacht, so bereitwillig unterzogen haben, wurde der Dank ausgesprochen. Die Verbandsleitung wird auch ferner bestrebt sein, die Einrichtung der Bezirksrabbinate weiter auszubauen, und rechnet dabei auf ihre fernere Mithilfe. Die Ausbildung vo: Kultusbeamten ist pro 1906 wiederum mit 1000 Mark subventionier worden. An der Ausbildung haben im Berichtsjahre fünf Kandidaten teilgenommen, von denen vier mit dem Reifezeugnis entlasse! wurden und bereits im Amte sind. Zur Zeit nehmen drei Kan didaten an der Ausbildung teil. Wahl der Kommission zur Prüsunc der Jahresrechnung pro 1906.' Es werden gewählt die Herre: Herzog-Posen. - Lippmann-Buk, Goldschmidt-Lissa. Nachdem di Jahresrechuung Pro 1906 geprüft und richtig befunden wurde, wird die Entlastung ausgesprochen. Die Herren Justizrat Salz-Posen Geheimrat Herz-Posen, M. Werner-Posen, Leopold Lippmann-But Rechtsanwalt Goldschmidt-Ostrowo und I. Goldschmidt-Lissa werde: als Ausschußmitglieder wiedergewühlt. Die anwesenden Herre: Werner, Lippmann und Goldschmidt-Lissa nahmen die Wahl an Bei der Neuwahl der Fachkommission zur Förderung des Neligions Unterrichts usw. werden gewühlt die Herren: Gemeinderabbine: Dr. Feilchenfeld-Posen, Rabbiner Dr. Bloch-Posen, S. Silberberg Posen, Rabbiner Dr. Lewin-Wreschen, Alfred Markus-Pinne emer. Lehrer Grünfeld-Schwersenz. Der von Rabbiner Dr. Lewin Wreschen ausgearbeitete Lehrplan wird der Fachkommission zur Vor beratung überwiesen. In Betracht, daß die Einrichtung von Bezirks rabbinaten, wie die vorgetragenen Berichte ergeben, durchaus ge eignet ist, das religiöse Leben in den rabbinerlosen Gemeinden z: heben und zu fördern, aber auch vermehrte Beihilfen aus Verbands Mitteln erforderlich machen, wird beschlossen: a) den Deutsch Israelitischen Gemeindebund zu ersuchen, die bisher gewährte Beihilß zu erhöhen, b) eine kräftige Agitation zur Anwerbung von Gemeinde: und Privatpersonen als Mitglieder in die Wege zu leiten. Di' Generalversammlung pro 1907 soll aus Anlaß der zehnjährige: Wirksamkeit möglichst zeitig abgehalten werden. p. Breslau, 24. Juni. Der Breslauer Ferienkursus ir Religionswissens chaften für jüdische Lehrer wird am Freitag de: 5. Juli seinenAnfang nehmen und bis Donnerstag den 19. Juli dauern Der festgesetzte Studienplan hat dahin noch eine Bereicherung erfahren daß Herr Dr. med. Sandler in liebenswürdiger Weise sich berei erklärte, auf Grund eigener Anschauung einen Zyklus von die: bis sechs Vorträgen über die „Geographie von Palästina" zu halten Am Vorabende, Donnerstag den 4. Juli, findet im Hotel Union Reuschestraße 52, eine Vorbesprechung statt, zu der die Teilnehme: eingeladen sind. Kollege Karlsberg-Reichenbach wird dabei du Begrüßungsrede halten. Zur Empfangnahme von Meldungen ist Lehrer Mops, Breslau, Sadowastraße 69, noch weiter gern bereit. g. Berrrstadt i. Schl., 2l. Juni. Ein ehrenwerter Bürger unserer Stadt, ein angesehenes Mitglied unserer Gemeinde, Herr Isidor Vertun, hat am 16. d. M. das Zeitliche gesegnet. Auf der Reise von Bad Landeck hierher ereilte ihn der Tod. Der Entschlafene gehörte dem Repräsentanten- und dem Vorstandskollegium Jahrzehnte lang an, widmete der Chewroh als Vorstandsmitglied Jahre hindurch seine Kräfte und bekleidete außerdem viele Ehrenämter. Die Trauerfeier, die in der Synagoge vor sich ging, legte beredtes Zeugnis ab von der Wertschätzung des Heimgegangenen. Aus allen Schichten der Bevölkerung, von nah und fern hatten sich Hunderte im Gotteshause versammelt, uni dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. In tiefempfundener Rede widmete der Seelsorger der Gemeinde, Herr Prediger Wolfgang, dem Verewigten Worte der Liebe und Verehrung. Auf dem Friedhofe rief namens der Lessing-Loge Breslau Herr Dr. Staub dem entschlafenen Bruder- Worte des Abschieds nach. id. Stuttgart, 14. Juni. Am 8. und 9. d. M. fand hier die diesjährige Württembergische Rabbi nerkonferenz statt, bei der fast sämtliche Rabbiner des Landes vertreten waren. Zunächst wurde der neue, von der israelitischen Oberkirchenbehörde herausgegebene Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht besprochen und als ein Fortschritt begrüßt, der darin bestände, daß dem Lehrer innerhalb der gezogenen Grenzen ein genügend weiter Spielraum für die Verteilung des Lehrstoffes überlassen sei, so daß eine jede Schule den ihren Verhältnissen entsprechenden, nur von der Oberkirchenbehörde zu genehmigenden, eigenen Schulplan besitzen könne. Dann referierte Dr. Sänger-Mergentheim über die Neugestaltung der bisherigen