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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-06-28 · Heft 26 (28.6.1907) · p. Seite 305

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 26 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
Seite 305 (sequence 5)
Language
German
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falls diese nicht, wie im vorigen Jahre, infolge Zusammentreffens verschiedener Zufälligkeiten ausfällt — erstattete Jahresbericht den besten Ueberblick. Da sich an diesen Bericht stets Debatten anschließen, in denen, ganz wie bei den Etatsberatungen in den Parlamenten, über alles Mögliche und noch verschiedenes Andere gesprochen wird, so ist immer dasür gesorgt, daß trotz der auf den ersten Blick mageren Tagesordnung, die in diesem Jahre außer den stets wiederkehrcnden Punkten Jahres- und Kassenbericht und Wahlen nur den bereits erwähnten Vortrag ankündigte, die Sitzung sich doch regelmäßig zu einer interessanten gestaltet und die zur Verfügung stehende Zeit voll und ganz in Anspruch genommen wird. Aus dem Jahresbericht wäre hervorzuheben, daß es den Bemühungen des Ausschusses gelungen ist, die Frage der Gehaltsaufbesserung der Rabbiner in Fluß zu bringen. Es wird beschlossen, die Bestrebungen auf diesem Gebiete vorläufig einzustellen und sich ausschließlich idealen Ausgaben, Hebung des Unterrichtswesens, Pflege der Wissenschaft usw. zuzuwenden. So wurde auch beschlossen, wie bisher dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und dem Verein für Statistik mit dem nötigen Material an die Hand zu gehen. Wie notwendig dies ist, zeigt wieder Heft 3 der Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Inden: „Die jüdischen Gemeinden und Vereine in Deutschland." Daß man in kleinen Landgemeinden nicht immer Verständnis und Interesse für Fragebogen hat, ist bekannt und keineswegs befremdend. Aber auch in Großgemeinden ist die Berichterstattung mitunter mangelhaft. So vermissen wir recht schinerzlich in dem erwähnten Heft das Straßburger Krankenhaus, das Altersheim und das Müdchenwaisenhaus. (Das Knabenwaisenhaus in Hagenau ist erst nach dem Erscheine» des zugrunde gelegten Jahrbuchs 1905 eröffnet worden. Schreiber dieser Zeilen hat in Straßburg an zuständiger Stelle darauf aufmerksam gemacht, worauf man ungläubig das Haupt schüttelte und meinte, die Herren Statistiker hätten ja nur ein Adreßbuch aufzuschlagen brauchen.) Größere Schwierigkeiten noch als die Statistiker hat ein Verein zu überwinden, der zu Anfang dieses Jahres den ersten Bericht über seine Tätigkeit veröffentlicht hat: die „Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsaß-Lothringen". Diese am 1.Januar 1905 gegründete Gesellschaft, die ihren Sitz in Mülhausen hat, hat sich in erster Linie die Ausgabe gestellt, alle Urkunden und Denkmäler aus der Vergangenheit der elsässischen Juden zu sammeln. Dazu ist es aber auch die höchste Zeit! Es wird ohnedies nie mehr möglich sein, wieder gut zu machen, was auf diesem Gebiet gesündigt worden ist. Aeltere Gemeindebücher z. B. blieben, wenn sie nicht gerade benötigt wurden, vielfach auch bei einem Vorstandswechsel im Besitz dessen, der sie gerade in Händen hatte und wurden gar häufig als wertlos beiseite gelegt. Wie oft mögen wichtige Papiere aus ähnlichen Gründen als Makulatur behandelt worden sein! Ist mir doch ein Fall bekannt, daß eine Urkunde, die in einem 1887 erschienenen Buch von Scheid: „Histoire des 4uiks d’Alsace" unter genauer Angabe des Besitzers abgedruckt ist, deren historischer Wert also vor 20 Jahren wohlbekannt war und die heute zu einem Prozeß notwendig gebraucht würde, vorläufig spurlos verschwunden ist. Nach dem Bericht der Gesellschaft sind ihr nun in den zwei Jahren ihres Bestehens von 18 Gemeinden Urkunden zur Verfügung gestellt worden. In der gleichen Zeit sind auch vier Schriften von ihr herausgegeben worden, von denen drei den Schriftführer der Gesellschaft, den an der Erforschung der Geschichte des elsässischen Judentums rastlos arbeitenden Rabbiner in Sulz (Oberelsaß), Herrn Dr. Ginsburger, zum Verfasser haben. Es sind dies: „Der israelitische Friedhof in Jungholz", ein Buch, das zwar schon 1904 erschien, aber von der Gesellschaft übernoinmen und den Mitgliedern zugestellt wurde, ferner eine Broschüre über: „Cers Berr und seine Zeit" und „Die Inden in Rufach", einem oberelsässischen Städtchen, mis dem unsere Glaubensgenossen 1338 vertrieben wurden und indem noch 1848 einem Juden, der daselbst seinen Wohnsttz aufgeschlagen hatte, gleich in der ersten Nacht säintliche Ziegel vom Dache entfernt wurden, so das; er schleunigst dein ungastlichen Ort den Rücken kehren mußte. Dieser letzteren Schrift ist eine Abhandlung mit Zeichnungen von dem Kaiserlichen Baurat a. D. und Konservator der historischen Denkmäler C. Winkler: „Die Judengasse und die Synagoge in Rufach in Wort und Bild" beigefügt. Einen Beitrag zur Geschichte der elsässischen Inden vor der Friedhofanlegung in Jungholz liefert endlich die vierte Publikation: „Ueber den Judenfriedhof in Zwingen und Judenniederlassungen im Fürstbistum Basel" von Dr. med. Achilles Nordmann in Basel. Alle diese Arbeiten, deren Material mühsam znsammengetragen werden mußte, sind von nicht zu unterschätzendem Wert für die Erschließung der äußeren Geschichte der Juden jm Elsaß. Wenn in diesem Sinne weiter gearbeitet wird, woran nicht zu zweifeln ist, wird die Gesellschaft sich bedeutende Verdienste um die Wissenschaft erwerben. Sonst ist nicht gerade viel von unseren Vereinigungen zu berichten. Der Zionismus macht, trotzdem die zionistische Vereinigung in Straßburg an verschiedenen Plätzen Wanderredner auftreten ließ, aus dem Lande so gut wie keine Fortschritte. Die Literaturvereine find jeder für sich tätig und fleißig. Der von Herrn Dr. Dannenberg-Metz ergangene Aufruf zur Gründung eines Verbandes der elsaß-lothringischen Literaturvereine hatte jedoch bisher leider noch keinen Erfolg. Ebensowenig hatte der Aufruf des unterelsässischen Konsistoriums zur Gründung einer Unterstütznngskasse für Unterrichtszwecke, von denen ich Ihnen seinerzeit berichtete, einen nennenswerten Erfolg, doch wird bereits eine anderweitige Lösung dieser schtvierigen, aber nicht zu umgehenden Aufgabe in Erwägung gezogen, so daß ein Stillstand in dieser Beziehung nicht zu befürchten ist. . Alsatieus. Mdilchr Apologetik. Von Dr. Ludwig Venetianer-Neupest.') as heißersehnte Buch ist mm erschienen. Der Autor ist kein Geringerer, als eben der seit dreißig Jahren, seit dem Erscheinen seiner „Religionsgeschichtlichen Studien", wie für diese Aufgabe prädestiniert gehalten wurde: Oberrabbiner Dr. M. Güdemann. Einen glücklichen Gedanken hatte die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums gefaßt, als sie ihr Augenmerk zu allererst auf die Herausgabe einer Apologie des Judentums gerichtet hat. Alle sonstigen Fragen, deren Lösung ins Arbeitsprogranun der Gesellschaft aufgenoinmen wurden, sind nicht so dringend wie eben die objektiv wissenschaftliche Behandlung der jüdischen Religion, die unsere Festungsmarrer i) Nachdem wir von den Herren Dr. Ziegler und Eckstein eine znstimmende Besprechung des Güdemannschen Buches gebracht, halten wir es nach dem von uns stets befolgten Erundfah: Audiatur et altera pars! für billig, auch eine abweichende Meinung zu Worte kommen zu lassen. Die Red

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