Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1907)
- Date
- 1907-06-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228744-3228770--63616-3297524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
71. Jahrgang. Nr. 25. Berlin, 21. Juni 1907. Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung drK Judentums". korrrlpondknrm und Nachrichten. Deutschland. 8 Berlin, 16. Juni. Die Tagesordnung der heutigen kurzen Repräsentantenversammlung setzte sich säst ausschließlich au Bewilligungen von Subventionen zusammen. Mit der Annahme der Zuwendung der unverehelichten Maria Beer im Betrage von 1500 Mark zu Grabeserhaltungszwecken erklärt sich die Versammlung einverstanden, ebenso mit den Legaten des Herrn Julius Bleichroeder im Betrage von 10 000 Mark für Zwecke der Armenverwaltung und von 10 000 Mark zur Unterstützung tüchtiger und hilfsbedürftiger Mädchen, welche sich für den jüdischen Religionsunterricht ausbilden wollen. — Der von Dr. I. Cohn und Prof. Blajchke Unterzeichnete Antrag, im 8 1 der Satzungen für die Waisenkommission anstelle der Worte „oder verlassene" die Worte zu setzen „von verlassenen und, soweit möglich, auch anderen hilfsbedürftigen Kindern" ist nunmehr vom. Ausschuß dem Genieindevorstand zur Erwägung und Aeußerung überwiesen worden. Die Versanunlung bewilligt debattelos diesen Beschluß.^ — Der Rechnungsabschluß der Armenkommission über die Speisung hiesiger jüdischer Gefangener während des Pessachfestes ergibt einen Minderverbrauch von 95,80 Mark. 139 Personen wurden verpflegt. — Es wurden dann < debattelos u. a. bewilligt: 697 Mark zur Reparatur der Orgel in j der Synagoge Lützowstraße, 298,30 Mark für die Kosten der Einweihung der neuerbauten Flügel der Hl. Alterversorgungsanstalt, 90 000 Mark zur Vornahme von Reparaturen an Gemeindegrundstücken. Die von Herrn Julius Bodenstein als dringend erforderlich bezeichnete Verbesserung der elektrischen Beleuchtung in der Synagoge Lindenstraße soll, wie der Kommissar Herr Netter aukündigt. in einer besonderen Vorlage der Versammlung unterbreitet werden. — Für die Etatsperiode 1907/10 werden alsdann folgende Subventionen genehmigt; 2500 Mark für den Luisenstädtischen B rüder verein und 1000 Mark als einmaliger Beitrag, 500 Mark für den Verein Agu d as ach im in Pankow, 20000 Mark für die jüdische Refo rm gemeinde, 11 500 Mark für den Religionsverein Charlotten bürg, 3000 Mark für den Verein Ahabas Scholaum, 1500 Mark für den Religionsverein Osten, 5000 Mark für den Religionsverein Vereinigte Schochare Hatow und B'ne B'rith-Gemeinde, 2500 Mark für den Religionsverein Gesundbrunnen und als einmaliger Beitrag 500 Mark. 2400 Mark für die israelitische Vereinigung Friedrichsberg, 9700 Mark für den Religionsverein Westen, 300 Mark für den Verein Jüdische Lesehalle und 200 Mark als einmalige Beihilfe, 300 Mark für den Fortbildungsverein Montefiore, 800 Mark für den Verein für jüdische Geschichte und Literatur, 100 Mark für die israelitische Kinderheilstätte in Bad Kissingen, 200 Mark für den deutsch-israelitischen Kinderhort in Limburg, der jetzt in Aenderung seines Programms erwerbsfähige, erholungsbedürftige junge Mädchen verpflegt, 800 Mark für das jüdische Kurhospital in Kolb erg. 400 Mark für das jüdische Krankenhaus in Memel, 300 Mark für das israelitische Lehrerinnenheim, 1500 Mark für den Verein Jüdische Arbeiter-Kolonie und Asyl in Weißensee. Dem Kurhospital in Salzbrunn 'wird als einmaliger Beitrag 300 Mark gewährt. — Der seit etwa zwei Jahren hier bestehende „Jüdische Volksverein" ist um eine jährliche Subvention von 5000 Mark vorstellig geworden. Der gute Zweck dieses Vereins und seine segensreiche Wirksamkeit im Interesse der armen Auswanderer ist hinlänglich bekannt. Derselbe zählt 117 tätige Mitarbeiter und ist im verflossenen Jahre von etwa 21000 Emigranten in Anspruch genommen worden. Die Subventionskommission hat für das Jahr 1907/08 die Bewilligung eines Beitrages von 800 Mark empfohlen. Der Gemeindevorstand erachtet zwar die Tätigkeit des Vereins für verdienstlich, hält aber den Beitrag von 600 Mark sür ausreichend, weil der Verein keine Barmittel gewährt und demzufolge verhältnismäßig geringer Geldmittel bedarf. Im heutigen Plenum wurde von Rechtsanwalt Dr. I. Cohn der Antrag auf 800 Mark wiederum gestellt, aber trotz seiner warmen Fürsprache, bei der er auch von Prof. Blaschke unterstützt wurde, fiel doch der Antrag mit 6 gegen 7 Stimmen. Mit großer Mehrheit wurde alsdann der Antrag des Gemeindevorstandes angenommen. Zum Schlüsse der öffentlichen Sitzung wurde dem Verein für Arbeitsnachweis für das Jahr 1907/08 eine Subvention von 2500 Mark, außerdem zu den Einrichtungskosten des Bureaus ein Beitrag von 500 Mark bewilligt. Unter Berücksichtigung der besonderen Ausgaben, welche dem Verein durch den Lokalwechsel erwachsen sind, ist der Gemeindevorstand über den Vorschlag der Subventionskommission hinausgegangen, welche nur die Erhöhung des Gemeindebeitrags auf 2500 Mark beantragt hatte. §2 Berlin, 16. Juni. Der vom Rabbinat der jüdischen Gemeinde in der vorigen Nummer veröffentlichten Erklär« ng hat sich in einem Schreiben aus. Neuenahr vom 11. Juni auch Herr Rabbiner Dr. M. Warschauer angeschlossen. 8. Berlin, 16. Juni. Der Bericht des Vereins „Jüdisches Genesungsheim Berlin" für das Jahr 1906 bringt die erfreuliche Mitteilung, daß in diesem Jahr zum erstenmal das Genesungsheim in Lehnitz während des ganzen Jahres offen geblieben ist. Es wurden im ganzen 397 Pfleglinge ausgenommen. Der Andrang derselben ist besonders in den Monaten Juli bis September ein sehr starker, so daß in dieser Zeit nur Personen berücksichtigt werden können, die im Beruf stehen oder selbst einen größeren Haushalt besorgen und in dieser Zeit ausspnnnen können. 228 Pfleglinge wurden auf Rechnung des Vereins, 84 aus Rechnung der Armenkommission der jüdischen Gemeinde, 18 auf Rechnung des Fonds für verschämte Arme und 67 aus Rechnung des jüdischen Krankenhauses ausgenommen; 116 Gesuche mußten abgelehnt werden. Die Einnahmen betrugen 39836,37 Mark, die Ausgaben 32573,37 Mark, das Vermögen 100900 Mark. Der Vorstand besteht aus den Herren Dr. Wilhelm Feilchenfeld, Emil Pinkus, Siegfried Brünn, Dr. L. Feilchenseld, Frau Dr. Frankl, Frau Justizrat Gerson, Frau Franziska Ginsberg, Hugo Heilmann, Professor Lazarus, Sanitätsrat Maretzki, Frau Rosa Meyer, Frau Sanitätsrat Mühsam, Louis Sachs, Frau Louis Sachs, Oskar Wassermann, Frau Sanitätsrat Wiesenthal, H. Witkowski. Die öffentliche Mitgliederversammlung fand am 4. d. M. in Lehnitz statt. Der Vorsitzende Dr. Feilchenseld berichtete über die segensreiche Wirksamkeit, welche der Verein auch im verflossenen Jahre entfaltet hat, indem er wiederum 397 Pfleglingen Aufnahme in dem Heim gewährte. Auch in dem abgelaufeuen Geschäftsjahr haben viele Wohltäter durch hochherzige Zuwendungen ihr lebhaftes Interesse für das Institut bekundet. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles fand eine Besichtigung des Heinis statt, an welche sich ein gemütliches Beisammensein der Mitglieder und der zahlreichen Gäste, die in freundlicher Weise bewirtet wurden, anschloß. Möge das Heini, dessen Geschäftsstelle sich Rosenstraße 2/4 befindet, sich weiter in dieser erfreulichen Weise entwickeln, zum Segen der erholungsbedürftigen und wiedergenesenden Frauen und Mädchen und so in hervorragender Weise zur Erfüllung einer der wichtigsten sozialen Aufgaben beitragen. I. Bad Schönftietz lNeumark), 14. Juni. Ein hübsches Kleinstadtidyll, doppelt wohltuend in unserer Zeit, kann ich ihnen heute vorsühren. Die hiesige „Neumärkische Post" berichtet: „Dem Hierselbst wohnhaften jüdischen Kantor Herrn Gnttmann, welcher sich allgemeiner Beliebtheit erfreut, ist eine schöne Pfingstfreude zuteil geworden. Herr Gnttmann, welcher bisher türkischer Untertan war, ist zu Jerusalem geboren und hat es sich schon seit einem Jahrzehnt zum Ziele gesteckt, naturalisiert, d. h. deutscher Untertan zu werden. Dank der Bemühungen des Herrn Bürgermeisters Schneider, welcher Herrn Gnttmann Mittel und Wege hierzu eröffnete, ist es demselben