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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-06-21 · Heft 25 (21.6.1907) · p. Seite 294

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 25 (21.6.1907)
Date
1907-06-21
Page
Seite 294 (sequence 6)
Language
German
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Bukarest, 7. Juni. Am gestrigen Tage haben die vereinigten Senate des Kassationshofes in Bukarest aus einem Einzelanlaß durch Urteil sestgestellt, daß die im Lande geborenen Fremden oder die Söhne von Elter», die im Lande geboren sind, aus Rumänien ausgewiesen werden können, selbst wenn sie dem Militärdienst genügt haben. — Dieses Urteil hebt die gesamte frühere Judikatur auf, die sich aus ein Verdikt des zweiten Senats des Kassationshofes gestützt hatte. In Zukunft kann in Rumänien jeder Jude des Landes verwiesen werden, ohne daß ihm das Recht der Beschwerde zustande. * In Rußland herrscht wieder einmal arge Verwirrung. Die Duma ist am 15. d. M. aufgelöst worden und ein Manifest des Zaren verkündete: „Die Duma, die berufen ist, den russischen Staat zu festigen, muß russisch sein auch ihrem Geiste nach. Die anderen Nationalitäten, die unserm Reiche angehören, sollen in der Reichsduma ebenfalls Vertreter ihrer Bedürfnisse haben, aber sie dürfen und werden nicht in einer Zahl in Erscheinung treten, die ihnen die Möglichkeit gibt, in rein russischen Fragen zu entscheiden." In der Tat enthält auch das oktroyierte Wahlrecht erhebliche Beschränkungen für Polen, den Kaukasus. Seltsamerweise werden die Juden gar nicht erwähnt, obwohl es schon vorher überallhin verbreitet wurde, daß das neue Wahlgesetz auch Beschränkungen für sie enthalten werde. Aber eine überschlaue Wahlgeometrie schließt sie fast vollständig von den Wahlen aus. Ist doch, wie es heißt, die Duma nur deshalb am Sonnabend aufgelöst worden, weil eine Interpellation über die Judenhetze von Siedlec auf die nächste Tagesordnung hätte gesetzt werden müssen. Gleichviel, die russischen Juden werden auch ob dieser neuen Prüfung nicht verzagen, sondern den Kampf für ihr gutes Recht mutig und unverzagt weiterführen. Der endliche Sieg des Fortschritts kann auch in diesem unglücklichen Lande nicht zweifelhaft sein. * Der Verband der wahrhaft russischen Leute geht jetzt ersichtlich darauf aus, einen neuen Pogrom hervorzurufen. Und zwar scheint ihnen hierzu der vulkanische Boden der Hafenstadt Odessa am geeignetsten. Man berichtet darüber folgende Einzelheiten: „Das aus Odessa gcnieldete zweifelhafte Martyrium eines jungen Mitgliedes des Verbandes des russischen Volks, Melnikow, der angeblich von Juden in ein unterirdisches Versteck verschleppt und dort niißhandelt wurde, hat der Polizei und den schwarzen Banden willkommenen Anlaß zu Verfolgungen und Vergewaltigungen gegeben. Es werden Massendurchsuchungen veranstaltet, sogar die zoologische Station der Universität wurde durchsucht, weil es dort zwei Stollen zum Abfluß des Grundwassers gibt; ein Laborant, zwei Studenten und ein Diener wurden verhaftet. Den Diener und dessen Frau versuchte die Polizei sogar durch Schläge zum Geständnis zu zwingen. Am anderen Tage wurden alle auf Verlangen des Staatsanwalts sreigelassen. Die schwarzen Banden lauern sriedlicheu Bürgern aus der Straße auf und verprügeln sie. Recht bezeichnend für die Verwaltungszustände in Odessa ist die Tatsache, daß die amtliche Darstellung der abenteuerlichen Geschichte Melnikows seiner eigenen amtlich protokollierten Aussage nicht entspricht. Daß seine Peiniger Juden gewesen, hat er nicht behauptet, vielmehr hat er ausdrücklich angegebeu, der Ansührer der Bande sei ein junger blonder Russe gewesen. Juden haben erst der Generalgouvernenr von Odessa Glagolew im Bericht und der Chef des Militärbezirks Kaulbars hinzugedichtet. Die mikroskopische Untersuchung der angeblich aus. gerissenen Haare Melnikows ergab, daß sie einfach abgeschnitten sind Am fraglichen Abend ging außerdem in Odessa ein Platzregen nieder was Melnikow vergessen zu haben scheint. Seine Verletzungen sind nach ärztlichem Zeugnis keine schweren. Charakteristisch ist auch, daß der Bericht des Generalgouverneurs nach Petersburg bereits all' Teilnehmer an dem angeblichen Racheakt als Juden bezeichnet. Wir haben schon in der vorigen Nummer mitgeteilt, das der Schwester eines amerikanischen Senators der Eintrit in ein Hotel verwehrt wurde, weil sie Jüdin ist. Jetzt wir! im Anschluß hieran aus New Dork mitgeteilt, daß Senato Saxe am 22. Mai eine Bill eingereicht habe, welche es zun Vergehen stempelt, wenn Hoteliers Gäste ihres Glauben? wegen zurückweisen. Die Bill besagt, daß kein Hotelier, Wirt Barbier oder Restaurateur einen Gast seines Glaubens, seine' Rasse oder Hautfarbe wegen zurückweisen darf. Es Wirt ferner zum Vergehen gestempelt, Anzeigen zu drucken, in dener gesagt wird, daß in dem betreffenden Hotel nur Christen Auf nähme finden. Verletzungen des Gesetzes sollen mit 500 Doll Geldstrafe und 30 Tagen Haft geahndet werden. So Wirt im freien Amerika konfessionelle Unduldsamkeit angesehen und beurteilt. In manchen europäischen Staaten ist das anders. * In Marokko dauern die Reibereien zwischen Moham medanern und Juden fort, besonders in. Casablanca. Die geringsten Anläsie reichen hin, einen Volksauflauf herbeizu führen, und die schnell zusammengerottete Menge ist sogleick zu groben Ausschreitungen bereit. Dieses schlechte Verhältni der Rassen wird besonders durch die Schutzgenossen un! Mochalaten fremder Kaufleute verschlinunert, die sich dreist Herausforderungen der Araber zuschulden kommen lassei und sie dadurch schwer reizen. So kommt es, daß sich dp Araber in ihrem Haffe gegen die Jllden vergessen und Gewalt taten verüben. Ende vorigen Monats wurde ein jüdischer Kaufmann Akoba, der in seinem Laden mit Briefschreibei beschäftigt war, wie es heißt, auf Anstiften eines gewissen Uld Haffar von einem Araber mit einem Steine erschlagen. Sowohl der Täter wie auch der angebliche Anstifter wurden bald darauf festgenomnien. Mohammed Uld Haffar Slavi ist jedock jetzt von dem Gouverneur wieder freigelassen worden, weil bit gegen ihn erhobene Beschuldigung nicht bewiesen Werder konnte. Die dort erscheinende französische Zeitung „Le Courier de Maroc" irrt aber, wenn sie in der Nummer vom 5. Ma' meint, der deutsche Konsul in Casablanca habe die Freilassung herbeigeführt, weil Uld Haffar sein „emplo^s" gewesen sei. Dieser ist vielmehr Mochalat eines jüdischen Kaufmanns Salomon Benabbu, der aber ist naturalisierter Spanier, vertritt eine französische und portugiesische Firma und erhält von nicht weniger als drei Gesandtschaften Schutzgenoffen und Mochalaten bewilligt. Kultur und Judentum in japanischer Selruchtuns. Von S. Wiener. Motto: Si non e vero, e ben trovato Märchen, noch so wunderbar, Dichterkünste machen es wahr. Prinz Satzuma ist der Sprößling eines jener japanischen Edlen, die ihren Hoheitsrechten und Feudalansprüchen zugunsten einer starken und geeinigten Monarchie entsagten, denen also das neue Japan sein Werden und seine Größe

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