Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1907)
- Date
- 1907-06-14
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Sonntag faub die Einweihung des in Pankow, Alte Schönholzerstraße 10, belegenen neuen Betraumes statt, um dessen Errichtung sich die Vorstandsmitglieder des Vereins „Axullath Achim“, die Herreh Fabrikant Heimann, Glasermeister Selbiger, Katz und Wilinski große Verdienste erworben haben. Der freundlich ausgestattete Raum enthält etwa hundert Herren- und Damenplätze und war dicht besetzt. Sämtliche Funktionen beim Kultus werden ehrenamtlich ausgeübt. Die durch reichen Gedankeninhalt ausgezeichnete Weiherede des Herrn Albert Katz behandelte den Text „Xi lo.bechajil yvlo bekoach ki im beruchi“. Es komme auch bei einem Gotteshause, wie es sich der jetzt aus kleinen Anfängen emporblühende Religionsverein errungen habe, nicht auf den äußeren Eindruck, sondern aus die aus dern Goltesgeist strömende innere Begeisterung an. Doch sei alles geschehen, was in uilseren Kräften, um diese Stätte zu einer würdigen anszugestalten. — Pankow erfreut sich jetzt seit 18 Jahren eines geregelten Gottesdienstes. Um die innere Ansschmückung der neuen Andachtsstätte haben sich die Damen Selbiger, Wilinski, Heimann und Schwarz verdient gemacht. G. Königsberg (N.-M), 3. Zuni. Am 14. v. M. wurde unsere neuerbaute Synagoge unter der Teilnahme des Landrats, der städtischen Körperschaften und einer Anzahl Ehrengäste eingeweiht. Wie unser erster Vorsteher Herr Sanitälsrat Dr. Pepa in seiner Ansprache mit Recht betonte, stellt die Erbauung eines Gotteshauses in einer so kleinen Gemeinde ein ungeheures Opfer dar und sie ist nur ermöglicht worden durch eine größere Spende des Sohnes unseres letzten Rabbiners Karo seligen Andenkens. „Bis hierher hat Gott geholfen, und er wird auch weiter helfen," so schloß der Vorsitzende seine zu Herzen gehende Rede, mit der er das Gotteshaus seiner Bestinimung übergab. Die „Ewige Lampe" zündete Herr Rabbiner Dr. Holzer-Schwedt a. O. an und die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin über 4. Buch Mose Kap. 2, Vers 2. Sie wird in den Herzen der Anwesenden noch lange nachwirken. Die Gesänge wurden vorn Stettiner Synagogenchor unter Leitung des Herrn Oberkantors Sarasohn in vortrefflichster Weise ausgeführt. Der erhebenden Feier folgte ein Festessen. e. Züllichait, 8. Juni. Die Synagoge der hiesigen jüdischen Gemeinde ist schon seit Jahren in einem baufälligen Zustande. Eine hochherzige Spende von Frau Sigismund Born und einigen ehemaligen Züllichauern aus Berlin setzt nun die hiesige Synagogengemeinde in die Lage, die sehr reparaturbedürftige Synagoge einer gründlichen Renovierung zu unterziehen. Auch sollen die in dem Gotteshause sich befundenen Kronen und Wandarme, welche aus dem 17. Jahrhundert stammen, für einen ziemlich hohen Preis au einen Altertumshündler verkauft sein. 8. Breslau, 10. Juni. Am Mittwoch fand in der Wohnung des plötzlich Hingeschiedenen Geh. Regierungsrats Prof. Dr. Freudenthal die Trauerfeier für den Heimgegangenen statt. Die überaus große Teilnahme bewies, welche Liebe und Achtung der Verstorbene sich bei seinen Kollegen und Schülern erworben hat. Hunderte von seinen Schülern und Freunden, darunter der gesamte Lehrkörper der Universität, waren erschienen. Auch ein Vertreter des Oberprüsidenten und Universitätskurators war anwesend. Rabbiner Dr. Guttmann sprach aus tiefbewegtem Herzen von dem reichen Leben Frendenthals, von seinem Lebensgauge aus der Dorfschule zu dem gefeiertsten Lehrer der Universität. Er sprach von dem schönen harmonischen Familienleben und von der Persönlichkeit des Verstorbenen. Er war ein Mann voll von Entgegenkommen und Bescheidenheit, ein Lehrer, der durch seinen Charakter einen tiefen Einfluß aus feine Schüler geltend machte. Prof. Dr. Baumgartner sprach im Namen der Universität, besonders im Namen der philosophischen Fakultät. Er zeichnete in beredten Worten das Charakterbild des Freundes, Kollegen und großen Gelehrten. Ein edler Mensch, ein großer Gelehrter sei mit ihm dahingegangen. Der Sarg verschwand fast unter der Uebersüüe von Blumen und Kränzen, die Liebe und Verehrung gewidmet hatten. Vollzählig waren die studentischen Korporationen mit ihren Chargierten und Fahnen vertreten, die in dem Tranerznge dem Leichenwagen voranfuhren. So bewegte sich der Zug zum Hauptbahnhof. Hier fand noch ein schnelles flüchtiges Abschiednehmen statt, der Sarg wurde in den Eisenbahnwagen gehoben und die sterblichen Ueberreste Jakob Freudenthals traten die letzte Reise in die Heimat an. In Bodenfelde wird er im Krei e seiner Eltern und Vorfahren zur letzten Ruhe gebettet Werder . Er ruhe in Frieden! Dem Gymnasialoberlehrer Dr. Ott o Rüben so hn hier wurde der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehe!. Herr Dr. Rubensohn, der bis jetzt im Aufträge der Generalverwaltun} der Königlichen Museen zu Studienreisen in Aegypten beurlau? t war, ist am 1. April 1906 zum Königlichen Oberlehrer ernenn t worden. Die Ordensverleihung ist um so ehrenvoller, als er, a - gesehen von zwei Herren, die als Erzieher Königlicher Prinzen tat waren, der an Lebensalter jüngste preußische Oberlehrer ist, der diesen Orden besitzt. m. Breslau, 11. Juni. Im Anschluß an unsere Mitteilung iUm die Einrichtung des hier in den Tagen vom 5. bis 19. Juli abz: - haltenden „Ferienkursus in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer" geben wir folgenden festgesetzten Studienplan z: r allgemeinen Kenntnis: Es wird lesen: 1. Mischna, Seminarrabbine Professor Dr. Lewy (acht Vorlesungen); 2. Exegese (Genesis, Kapit.l 5—11) Dozent Dr. Braun (sechs Vorlesungen); 3. Religionsphilosophie Herzenspflichten von Bachja Jbn Pakuda, Dozent Dr. Horovitz (uit : Vorlesungen); 4. Geschichte der deutschen Juden von 1350—150 . Dozent Dr. Braun (vier Vorlesungen); 5. Midrasch (im Ansehlu: homiletische Hebungen), Dozent Dr. Horovitz (vier Vorlesungen,: 6. Methodik und Didaktik des hebräischen Unterrichts: über die Auswahl der biblischen Stoffe für den hebräischen Unterricht, Doze: t Dr. Braun (zwei Vorlesungen); 7. Halacha des Achtzehngebetec. Rabbiner Dr. Zuckermandel (sechs Vorlesungen); 8. Apologetik: Al wehr von Angriffen gegen das Judentum, Rabbiner Dr. Deutft.) (vier Vorlesungen); für Kantoren: Stimmbildung usw. in noch fest' zusetzenden Stunden iChordirigent Elsner). Die Auswahl der Vorlesungen ist so getroffen, daß sie den Wünschen der Lehrerschaft en sprechen wird. Im Beginn des Kursus dürfte eventuell eine klein ' Verschiebung eintreten, da vielfach der Wunsch geäußert worden is, mit den Vorlesungen erst am 8. Juli 311 beginnen. Der endgültig Zeitpunkt wird den Angemeldeten rechtzeitig bekannt gegeben werden. In dankenswerter Weise hat Kollege Karlsberg-Reichenbach [\n bereit gefunden, die Leitung des Kursus mitznübernehmen. Weitere Meldungen von Lehrern und Lehrerinnen nimmt Lehrer Moop . Breslau VII, Sadowastraße 69, entgegen. 0. Schweidnitz, 3. Juni. In der letzten Sitzung der hiesige: Stadtverordnetenversammlung stellte Justizrat Groeger den Antra;. für den Schlachthos ein Schächtverbot zu erlassen. Daz! wird der „Schles. Ztg." berichtet: Der Antrag rief eine lebhaft Debatte hervor. Einzelne bezeichneten das Schächten als eine grau same Behandlung der Tiere; namentlich das Knebeln, Wersen un Hochziehen derselben. Trotzdem Fleischerobermeister Obst den Ver mittlungsvorschlag machte, die israelitische Gemeinde zu ersuchen, durch Beschaffung von Matratzen und vorschriftsmäßigem Schächtzeu; die Qualen der Tiere zu verringern, beschloß die Versammlung, de; Magistrat zu ersuchen, die Ausnahmebestimmungen für den Schächte zu streichen, also das Schächten nach jüdischem Ritus zu untersagen — Ein von der Stadt Bunzlau beschlossenes Schächtverbot i bekanntlich aus Veranlassung des Regierungspräsidenten Anfang diese Jahres wieder aufgehoben worden. Hoffentlich ergeht es diese: Beschluß nicht anders. r. Soridersharrserr, 5. Juni. Eine würdige Gedenkfeier begin am 3. d. M. die hiesige Synagogengemeinde zu Ehren ihre vor Jahresfrist verstorbenen Rabbiners Professor Philipp Heiden heim. In Dankbarkeit und Liebe widmete ihm die Gemeinde ein Ehrentafel, die in der Synagoge ausgestellt und an seinem erstem Jahrzeitstage feierlich geweiht wurde. Erschienen waren die Söhn und Töchter desselben und fast vollzählig die Mitglieder de Gemeinde. Der Kantor und Religionslehrer Herr M. Schönlant sowie der Vorsteher Herr H. Redelmeier gedachten in längerer Red der Verdienste des Verewigten, der über sieben Jahrzehnte in aufopfernder Liebe und Pflichttreue seine Dienste der Gemeinde geweih hatte. Ein Chorgesang beschloß die erhebende Feier, welche Zeugni ablegte von der Dankbarkeit und Liebe seiner Gemeinde. i. Düsseldorf, 10. Juli. Herr Landgerichtsrat Stern, hier, in zum Oberlandesgerichtsral befördert worden. Er kam vor einige: Jahren aus M.-Gladbach hierher, wo er längere Zeit gelebt und