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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-06-07 · Heft 23 (7.6.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 23 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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stellt. Girre gleiche Anzahl von Vertretern beider Körperschaften, deren Namen größtenteils in der jüdischen Oeffentlichkeit wohl bekannt sind, bilden das vorbereitende Komitee. Es erscheint bereits an der Zeit, vorläufige Anmeldungen für die Anstalt dem Bureau des D. I. G. B., Berlin W., Steglitzerstraße 85, einzureichen. — liehet die Kommission zur Ausarbeitung eines Organisationsgesetzes für die preußischen Juden berichten wir an anderer Stelle. — Der 'Tätigkeit des dem D. I. G. B. nahe stehenden „Verbandes der Vereine zur Förderung des Handwerks und der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" ist ein umfangreicher Artikel gewidmet. Auf die Geschichte dieses Verbandes folgt ein Bericht über das Ergebnis einer bei allen für das jüdische Handwerk in Betracht kommenden Institutionen veranstalteten Rundfrage. Dieser scheint geeignet, Interessenten eingehend über den derzeitigen Stand der mannigfachen Bemühungen auf diesem Gebiete zu orientieren. — In einem ferneren Artikel wird die langjährige und umfangreiche Tätigkeit des Gemeindebundes selbst auf den verschiedensten mit Handwerk und Bodenkultur zusammenhängenden Gebieten dargestellt.— Die Tätigkeit des Gesamtarchivs der deutschen Juden weist wiederum erfreuliche Fortschritte auf. — Als Vorlage für Kommissionen, die, wie in letzter Zeit häufig vorkommt, mit Ausarbeitung einer Friedhossordnung betraut sind, hat der Gemeindebund durch einen Sach» verständigen eine Normal-Friedhofsordnung ausarbeiten lassen. — Der nicht weniger als 12 Seiten umfassende Rechnungsbericht des Deutsch-Jsraelitischen Gemeindebundes, seiner Institute, Stiftungen und der ihm angegliederten Vereine gewährt einen Einblick in die überaus große Vielseitigkeit der Tätigkeitsgebiete des Bundes, dem zurzeit zwei staatliche Behörden, zwei außerpreußische, zehn preußische freiwillige Verbände von Gemeinden und 934 Bundesgemeinden angehören. s. Berlin, 2. Juni. Heute hat im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde unter dem Vorsitz des Herrn Geheimrats Goldberger die sehr zahlreich besuchte Generalversammlung des Lokalkomitees Berlin der Alliance Israelite Universelle stattgefunden. Der Geschäftsführer Herr M. A. Klausner erstattete den Jahresbericht, der ein Bild der ausgedehnten Tätigkeit der Berliner Abteilung sowie des deutschen Bureaus und der deutschen Konferenzgemeinschast bot. Die Alliance hat im Jahre 1906 für die von ihr in drei Erdteilen unterhaltenen und geförderten Knaben- und Mädchenschulen und Lehrlingsanstalten einschließlich von Ackerbauschulen 1 481 027 Franken ausgegeben, außerdem für die Präparandenanstalt, die zu dem Lehrerseminar für die Orientschulen gehört, einen Betrag von 105 274 Franken, endlich für die Errichtung von Bauten 76 490 Franken, insgesamt also 1 662 791 Franken. Diese Ausgaben haben durch die regelmäßigen Einnahmen, aus den Zinsen der Stiftungskapitalien und aus den Beiträgen von Mitgliedern und Freunden volle Deckung gefunden. Die Einnahmen bezifferten sich auf 1 613 789 Franken. Darüber hinaus hat die Alliance Israelite Universelle für die durch die Statuten vorgesehene Unterstützungstätigkert über V/.y Millionen Franken aufgewendet, die in besonderen Spenden eingingen. Der Gesamtaufwand der Alliance Israelite Universelle für ihr Hilfswerk hat somit im vorigen Jahr an 3 200 000 Franken betragen. Die Zahl der Mitglieder der Alliance Israelite Universelle beträgt 30 000, hiervon in Deutschland ungefähr 13 000. Die Generalversammlung nahm den Bericht mit Zustimmung und Anerkennung entgegen und wählte nachstehende Herren zu Mitgliedern des Lokalkomitees: Ludwig Adler, Jlia Ber, Max Beer, Benno Braun, Siegfried Brünn, Alfred Cohn, Direktor Moritz Dorn, Heinrich Fraenkel, Dr. med. Samuel Frankel, Rechtsanwalt Dr. Hantke, Geh. Medizinalrat Professor Dr. Landau, Dr. med. Eugen Lehfeldt, Direktor Oskar Oliven, Louis Rosenbaum. In der nach der Generalversammlung stattgehabten Konstituierung wurden wiedergewählt zum Vorsitzenden Geheimrat Goldberger, zum stellvertretenden Vorsitzenden Rabbiner Dr. Weiße, zu Schriftführern Rechtsanwalt Dr. Hantke und Dr. Lehfeldt, zum Schatzmeister Herr Benno Braun. s. Berlin, 28. Mai. In der heutigen, sehr zahlreich besuchten 20. Delegiertenversammlung des Verbandes für jüdische Wohltätigkeitspflege wurde zunächst durch Akklamation die Wiederwahl der turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder des geschästsführenden Ausschusses, der Herren Justizrat Breslauer, Gustav Sachs, Dr. Albert Levy und FranSenriette May vollzogen. Aus dem durch den Vorsitzenden erstatteten Geschäftsbericht heben wir hervor, daß dank einer hochherzigen Stiftung nunmehr eine Sammelstelle für plötzlich hilflos gewordene Kinder ins Leben getreten ist, deren Benutzung allen angeschlossenen Vereinen freigestellt ist. Alsdann sprach der hiesige bekannte Privatdozent Dr. Hugo Neu mann in einem sehr anregenden und mit großem Beifall aufgenommenen Referate über „Leitende Grundsätze in der Kinderfürsorge", hob anerkennend die vielfachen aus diesem Gebiet geschaffenen Institutionen hervor, betonte jedoch in näherer Ausführung, daß noch vieles zu leisten wäre, um der Einseitigkeit vorzubeugen, die jetzt vielfach, namentlich in der Kinderernährung, Platz gegriffen hätte. Den jüdischen Frauen, die nach seiner Erfahrung häufig unter den nichtstillenden Müttern anzutreffen sind, legte er besonders nahe, sich dieser höchsten Pflicht im Interesse des Gedeihens und der Entwicklung der Kinder mehr als bisher zuzuwenden. Dem Wunsche der Versammlung gemäß sott dieser Vortrag im Druck erscheinen, um die darin gegebenen Anregungen weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Am Schluß der Sitzung gab der stellvertretende Vorsitzende Dr. Wilhelm Feilchenseld der Versammlung Kenntnis von einer demnächst ins Leben tretenden „Zentralstelle für Volkswohlfahrt", die sich auf Grund eines vom Grafen Douglas im Abgeordnetenhaus gestellten Antrags hier konstituieren wird. In der Erkenntnis, daß diese Zentralstelle höchst wahrscheinlich bei allen gesetzlichen Bestimmungen in humanitären Fragen ein entscheidendes Wort mitzusprechen haben dürfte, hat die hiesige jüdische Gemeinde den Anschluß an diese Zentralstelle als wünschenswert erachtet und die Mitgliedschaft für die angeschlossenen Verbandsvereine nachgesucht. s. Berlin, 3. Juni. Am 31. v. M. ist in Liebenstein der bekannte hiesige Arzt Professor Dr. Moritz Litten, dirigierender Arzt des Berliner städtischen Krankenhauses Gitschiner Straße, gestorben. Erst vor wenigen Wochen hat Litten in aller Frische im Verein für innere Medizin einen größeren Vortrag gehalten. Die erste Nachricht von seiner Erkrankung erhielt man, als er in der vorigen Woche bei der Beerdigung seines Schwagers, des Professor Dr. Ludwig Traube, fehlte. Litten war am 10. August 1845 in Elbing geboren. 1873 wurde er Assistenzarzt am Allerheiligenhospital zu Breslau, ein Jahr später wurde er Assistent von Cohn heim an dem pathologischen Institut der Breslauer Universität. In beiden Stellungen widmete er sich mit Eifer wissenschaftlichen Arbeiten, die ihm bald einen solchen Namen machten, daß er gleichzeitig einen Ruf von Frerichs und von Langenbeck erhielt. Er nahm den ersteren an und siedelte 1876 als Oberarzt an die erste medizinische Klinik in Berlin über. In dieser Stellung verblieb er bis 1881. Bald darauf errichtete er eine eigene Poliklinik, 1897 wurde ihm die Leitung des neuen städtischen Krankenhauses in der Gitschiner Straße übertragen, 1900 wurde er zum außerordentlichen Professor an der Berliner Universität ernannt und erhielt gleichzeitig einen Lehrauftrag für innere Unfallkrankheiten. Das wissenschaftliche Arbeitsgebiet Littens erstreckte sich auf alle Gebiete der inneren Medizin, seine Veröffentlichungen sind teils klinischer Natur, teils beziehen sie sich auf die voraussetzungslose experimentelle Forschung. Litten war hervorragend als Forscher, als feiner Diagnostiker und als Lehrer. Sein Hinscheiden wird in der medizinischen Wissenschaft eine merkliche Lücke Hervorrufen. Ehre seinem Andenken! M. Breslau, 2. Juni. Das lebhafte Interesse, welches die in den letzten Jahren Hierselbst abgehaltenen Ferienkurse in Religionswissenschaften in der gesamten jüdischen Lehrerschaft sowohl wie in vielen unserer Glaubensgemeinden gefunden, hat die dazu eingesetzte Kommission unter Vorsitz des Pros. Dr. Badt bestimmt, auch in diesem Jahre die Einrichtung wieder ins Leben treten zu lassen. In dankenswerter Weise haben das verehrte Dozenten-Kollegium des hiesigen jüdischen theologischen Seminars: die Herren Seminarrabbiner Pros. Dr. Lewy, Dr. Braun und Dr. Horovitz, ferner die Herren Rabbiner Dr. Zuckermandel und Dr. Deutsch in voller Uneigennützigkeit ihre freundliche Mitwirkung als Lehrer uns zugesichert. Der Studienplan ist analog dem vorjährigen gehalten. Es werden wieder Vorlesungen gehalten werden über rabbinische Disziplinen, über Bibelexegese, Ritualien, Religionsphilosophie, Jüdische Geschichte, Methodik

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