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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-06-07 · Heft 23 (7.6.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 23 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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71. Jahrgang. Nr. 23. Berlin, 7. Juni 1907. Der Gemetndekote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. Sorrrlpondenrrn und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 2. Juni. Die Tagesordnung der heutigen RePräsent antenversammlung umfaßte nicht weniger als 37 Punkte! allerdings betraf die große Mehrzahl der Vorlagen nur Bewilligungen, welche meist debattelos erledigt wurden. Geschäftlich teilte der Vorsitzende mit, daß der Gemeindevorstand in Gemäßheit des Beschlusses der Repräsentanten 3500 Mark für die Versendung der Parallelen „Christentum und Judentum" bewilligt hat. Er brachte ferner der Versammlung die beiden Resolutionen aus den Protestversammlungen betreffend die Amtsentsetzung des Predigers Dr. Cohn zur Kenntnis. Nach Vertagung der Aenderung der Satzungen der Waisenkommission lehnte die Versammlung die Vorlage betreffs Herstellung einer für größere Beerdigungen geeigneten Predigthalle auf dem Friedhöfe in Weißensee ab. Die Vorlage bezieht sich nur üuf die jetzt vorhandene Predigthalle, deren Raumverhältnisse bei fast allen Beerdigungen genügen und die im Bedarfsfälle durch Hinzunahme des durch Fenster und Vorhang völlig abzuschließenden Säulenganges noch bedeutend erweitert werden kann. Die Mehrheit der Ver-! sammlung schloß sich der Resolution des Ausschusses an: „Im Hinblick, daß nach der Regulierung der Terrainverhältnisse in Weißensee eine zweite Predigthalle erbaut werden soll, lehnt die Repräsentantenversammlung den Antrag auf Herstellung einer größeren Predigthalle ab und ersucht den Gemeindevorstand, ihr baldigst eine entsprechende Vorlage zugehen zu lassen." Mehrere Zuwendungen fanden die Zustimmung der Versammlung: 30000 Mark des Fabrikbesitzers Bernhard Josef zu Grabeserhaltungs- und Wohltätigkeitszwecken, 12000 Mark des Herrn Hermann Aron an die Alterversorgungsanstalt und 12000 Mark der Frau Elise Unger, geb. Wiesenthal, an die Alterversorgungsanstalt zur Errichtung einer Zimmerstiftung. Historisch interessant ist eine vierte Zuwendung im Betrage von 4500 Mark aus dem Fürstschen Vermächtnis, welche gleichfalls angenommen wurde. Das Vermächtnis hat sich in dem Nachlaß des Herrn Richard Caspari vorgefunden; dem Nachlaßverwalter Herrn Kommerzienrat Emil Salomon ist hierüber nichts näheres bekannt. Nach seiner Vermutung handelt es sich um ein Vermächtnis des am 18. Januar 1813 verstorbenen Daniel Fürst an die Krankenverpflegungsanstalt und um eine von demselben Erblasser angeordnete Jahrzeitstiftung. In dem am 21. Januar 1813 eröffneten Fürstschen Testament ist nämlich ein Legat von 100 Talern für die Krankenverpflegungsanstalt unserer Gemeinde mit der Auflage ausgesetzt, daß die Vorsteher der Anstalt auf elvi ge Zeiten alljährlich am Sterbetage des Erblassers „ein Licht in unserer großen Synagoge unentgeltlich brennen lassen sollen". Außerdem ist in dem Testamente bestimmt, daß ein Kapital von 500 Talern aus dem Nachlaß des Erblassers ausgejondert werdensoll und dieZinsen alljährlich an dessen Sterbetage an 10 jüdische Gelehrte verteilt werden sollen, welche dafür nach näherer Bestimmung des Testamentes die Jahrzeit des Erblassers zu begehen haben. Weder bei dem Krankeuhause noch bei der Ärmenkommission sind nach den angestellten Ermittlungen Stiftungen vorhanden, welche den letztwilligen Verfügungen des Daniel Fürst entsprechen. Mithin scheint es sich in der Tat um die fraglichen Vermächtnisse zu handeln, die in der Zwischenzeit durch Zinszuwachs die Höhe von 4500 Mark erreicht haben. Herr Kommerzienrat Salomon hat sich bereit erklärt, diesen Betrag der jüdischen Gemeinde mit der Maßgabe auszuhändigen, daß das Krankenhaus 600 Mark gegen die Verpflichtung erhält, an dem Sterbetage des Stifters ein Licht brennen zu lassen, der Rest der Armenkommission überwiesen wird mit der Auflage, an dem Sterbetage des Daniel Fürst durch zehn jüdische Gelehrte die vorgeschriebenen Gebete verrichten zu lassen.— In die Kommission zur Revision der Kassen und des Depositoriums werden die Herren Rosenow, Weinberg, Hirsch und Kommerzienrat Gerson Simon entsandt. — Der Rechnungsabschluß der Armenkommission über die Pessachbeköstigung jüdischer Soldaten ergibt einen Minderverbrauch von 21,75 Mark, der Abschluß der Armenkommission über die Mazzothverteilung pro 1906/07 erfordert eine nachträgliche Bewilligung von 1573 Mark für einen Mehrbedarf von 16 Zentnern, welche auch gewährt wird. — Für die Herausgabe von Schulberichten über sämtliche Anstalten der jüdischen Gemeinde wird die Ausgabe bis zu 2500 Mark bewilligt. Diese Berichte, die nunmehr im Manuskript vorliegen, sollen nicht nur beit Schulbehörden zugestellt werden, sondern auch allen Zöglingen der Lehrerbildungsanstalt und Präparandenanstalt sowie beit Schülern und Schülerinnen der erstell Klasse sämtlicher Schulen. — Zur vollständigen Teilung der 5. Knabenklasse der I. Religionsschule sowie zur Honorierung zweier weiterer Religionsstunden an der Königlichen Elisabethschnle werden die erforderlichen Beträge genehmigt. An Bewilligungen für Jahresbeiträge werden ferner gewährt: 300 Mark für den israelitischen Kindergarten und Hort, 300 Mark für das jüdische Kinderheim in der Keibelstraße, 800 Mark für die israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem, 100 Mark für das Kurhospiz für arme Israeliten in Kissingen, 100 Mark für das israelitische Krankenheim in Neuenahr, 100 Mark für das israelitische Kurhospital in Marienbad, 150 Mark für die israelitische Kinderheilstütte in Königsdorf-Jastrzemb, 100 Mark für das israelitische Badehospital Teplitz-Schönau, 100 Mark an die Kuranstalt für arme Israeliten in Soden, 200 Mark an das Kaiser Franz Joseph Jubiläums-Hospiz in Karlsbad, 150 Mark für das israelitische Armenasyl in Meran, 150 Mark an den Unterstützungsverein „Emser Heilquelle". An den Religionsverein Rixdorf werden als Subvention 3400 Mark und 20O Mark Extrabeitrag, an den Religionsverein Lippmann-Tauß 2800 Mark und eine einmalige Beihilfe von 300 Mark gewährt. — Nach Bewilligung von 516 Mark zur Aufführung eines Drahtzaunes für das Krankenhallsgrundstück in der Exerzierstraße und von 3300 Mark zur Einrichtung des physikalischen Kabinetts in der Mädchenschule gelangt noch ein anonymes Schreiben mehrerer Gemeindemitglieder betr. die Tätigkeit der Leichenträger zur Verhandlung. Rechtsanwalt Dr. Ignaz Cohn, der bei Gewährung der Teuerungszulagen zur Zeit für die Leichenträger eingetreten ist und insofern gewiß als objektiv gelten kann, hat als Referent der Vorlage die Beschwerde genau untersucht und empfiehlt der Versammlung, über das Schreiben zur Tagesordnung überzugehen. Die Transportbegleiter haben höchstens zweimal den Weg bis Weißensee zurückzulegen, der weiteste Weg für sie beträgt llj.2 bis 1:V4 Stunden. Bei längeren Transporten werden sie entweder auf der Hälfte des Weges von einer andern Kolonne abgelöst oder falls dies nicht möglich, werden ihnen Wagen gestellt. Für ihre somit gewiß nicht große Tätigkeit erhalten sie ein Ansangsgehalt von 140 Mark pro Monat, abgesehen von den Trinkgeldern, die allerdings in eine gemeinschaftliche Kasse fließen. Die Versammlung beschließt gemäß dem Anträge des Referenten. — Die Ausschreibung einer Konkurrenz zur Erlangung eines Projekts für den Neubau einer Synagoge auf dem Grundstück Fasanenstraße 79/80 wurde in die geheime Sitzung vertviesen. §£2 Berlin, 3. Juni. An der Spitze der soeben erschienenen Mitteilungen Nr. 68 vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde findet sich ein Artikel erfreulichen Inhalts: Die als dringendes Bedürfnis empfundene Errichtung einer Erziehungsanstalt für schwachsinnige jüdische Minderjährige ist gesichert. Mehr noch, die vorbereitenden Schritte zur Ausführung des Baues, zur Schaffung eines Vereins, dem der Anstaltsbetrieb übergeben werden soll, haben begonnen. Der mächtige Fortschritt, den diese wichtige Angelegenheit gemacht hat, ist dem hochherzigen Entschluß der Großloge für Deutschland U. O. B. B. zu verdanken, gemeinsam mit dem D. I. G. B., als dessen gleichberechtigte Partnerin, das Unternehmen aus, znsühren, für das sie die Summe von 40000 Mark zur Verfügung

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