Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1907)
- Date
- 1907-06-07
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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md Didaktik des Bibelunterrichtes, Apologetik. Die kantorale Fortnldung liegt in den bewährten Händen des Herrn Chordirigenlen rlsner. Eine Spezialisierung einzelner Disziplinen wird in der lächsten Nummer des Blattes an dieser Stelle bekannt gegeben werden. Die Kurse finden in der Zeit vom 5.--19. Juli statt. Die kursusdauer ist diesmal versuchsweise etwas eingeschränkt worden, nn denen, die ihre Ferien der Erholung noch widmen wollen, genügend Zeit dazu übrig zu lassen. Zur Teilnahme sind Lehrer md Lehrerinnen, auch solche außerhalb des Vereins israelitischer ehrer in Schlesien und Posen, berechtigt. Die Kurse sind kostenlos, luswärtigen können nach Maßgabe der vorhandenen Mittel Subventionen zur Bestreitung der Anfenthaltskosten, die sich bei nicht zu when Ansprüchen für eine Zeitdauer von 15 Tagen aus etwa 5—80 Mark belaufen dürften, in Aussicht gestellt werden. Den Teilnehmern steht es frei, welche Vorlesungen sie belegen wollen. Nach en hierher gerichteten Anfragen zu urteilen, ist auch in diesem lahre auf eine rege Beteiligung der Kurse zu hoffen, was im Ineresse ihrer gedeihlichen Entwicklung zu wünschen ist. Für den 'tachweis von Wohnungen mit und ohne Beköstigung werden wir emüht sein. Um eine Uebersicht über die Zahl der Teilnehmer zu rhalten, sind baldige Meldungen an den Schriftführer der lommission, Lehrer Moops, Breslau VII, Sadowastraße 69, zu ichten, der sich auch zu weiteren Auskünften gern bereit erklärt. e. Schwerin i. M., 2. Juni. Der Grobherzoglich Mecklen- »urgische Landesrabbiner Dr. Fabian Feilchenseld feierte Aftern seinen 80. Geburtstag. Er kann auf eine weit mehr als .0jährige Lehrtätigkeit in Berlin, Dresden, Culm und Schwerin i. M. urückbticken. In den beiden letzten Gemeinden wirkte er seit 8 Jahren als Rabbiner. Am Vorabend des Geburtstages veranunelte ein Festmahl alle Mitglieder seiner Gemeinde, arm und eich, jung und alt, konservativ und liberal. Am Geburtstage rschien unter den zahlreichen Gratulanten auch der Großherzogliche tegierungskommissar im Oberrat der mecklenburgischen Juden. Am »tbend fand vor dem Sabbatgebet in der festlich geschmückten Synagoge ein Festgottesdienst statt, bei dem nach feierlichem Chorgesang ins Aufforderung des Vorstandes der Schwiegersohn des Jubilars, Dr. S. Freund, Rabbiner in Hannover, die Festrede hielt. In treffichen Worten kennzeichnete er im Anschluß an den Text: „In meinem ganzen Hause ist er getreu," das Wirken des Jubilars als Prediger n der Gemeinde, als Seelsorger in den Familien, als Lehrer in der -chule. Er zeigte, wie Feilchenseld sich nicht damit begnügte, die linder seiner Gemeinde zu unterrichten, sondern wie er zahlreiche unge Leute aus den östlichen Ländern an sich heranzog, ihnen nodernes Wissen beibrachte und sie einsührte in die Erkenntnis des vahren Judentums. Bei seiner Tätigkeit in seinen Gemeinden wies r darauf hin, wie in den drei Dezennien seiner Amtsführung rühere Spaltungen in den Gemeinden ausgeglichen wurden, wie eder Zwist beigelegt wurde, ohne daß je die Vorgesetzte Behörde veranlaßt wurde, in die inneren Verhältnisse der Gemeinden einzugreifen. Durch dieses friedlich ausgleichende Wirken hat er die Geueinden nach innen gestärkt, nach außen ihr Ansehen gehoben und ms Verhältnis der Regierung in Mecklenburg zu den jüdischen Gemeinden so günstig gestaltet, wie es jetzt besteht. Als nach der Festrede sich der Jubilar an die Gemeinde wandte, bewies er in ührender Weise die Bescheidenheit, die ihn stets auszeichnete. Unter Zugrundelegung des Textes „Aus Befehl Gottes lagerten sie sich und utf Befehl Gottes brachen sie aus" sprach er vom Lehrberuf in Israel und vom Lehrberuf Israels unter den Völkern, ohne auch nur mit ünem einzigen Worte von sich zu sprechen oder auch nur auf seinen Ehrentag sich zu beziehen. Seine Auffassung von der Bedeutung der Kanzel duldet nicht die Rücksicht auf die Person; nur zu höherem Dienste darf sie ihm bestimmt sein. Der innige Wunsch vieler ist es, )aß der Jubilar noch lange in der seltenen Frische des Geistes und Körpers den Gemeinden und seinen Angehörigen als Lehrer und Vorbild erhalten bleibe. Gesterretch-Angam. □ Wien, 3. Juni. Jetzt erst sind die Neichsratswählen in Galizien und damit überhaupt abgeschlossen. Es wurden noch zwei indische Abgeordnete gewählt: in Tarnopol der „gemäßigte Israelit" Rudolf Gall — die Zionisten haben dort gegen ihn für einen ruthenischen Geistlichen gestimmt! — und in Brody der Zionist Adolf Stand. Rechnet man die Herren Dr. Leo Winter (Prag, tschechischer Sozialdemokrat), Dr. Wilhelm Ellenbogen lWien- Brigittenau, deutscher Sozialdemokrat), Leo Freundlich lOlmütz, deutscher Sozialdemokrat, die, wie es heißt, nicht getauft sind, mit dazu, so würde die Zahl der jüdischen Abgeordneten im österreichischen Reichsrat im ganzen 15 betragen. — Der Nitnalmord-Mechaniker Ernst Schneider wird nun doch den Reichstag nicht zieren. Lueger hat zwar das Mandat im Rathaus-Viertel angenommen und für Mariahilf Schneider vorgeschlagen, der aber von dem antisemitischen Wahlkomitee einstimmig abgelehnt wurde. Vmi Sah und fern. Das „Jaffa sche Fürsorge- und Wni senheim der Großloge für Deutschland" wird am 1. Juli d. I. in Wirksamkeit treten, indem es von diesem Zeitpunkte ab vorerst sechs Waisen in seine Obhut nimmt. — Dieser Tage hat wieder eine russische Jüdin, Frau Charlotte Mitch nik - Ephrussi, das Doktordiplom bei der medizinischen Fakultät erworben. Die Dame ist 29 Jahre alt und eine Bankierstochter aus Kischinew. Ihre gynäkologische Arbeit hat sie ihrem Kinde gewidmet. — Der Direktor der Deutschen Bank Paul Mankiewitz hat den türkischen Osmanie-Orden zweiter Klasse erhalten. — Dem Rechtsanwalt und Notar Dr. Paul Tiktin ist vom Kaiser von Rußland der Annenorden dritter Klasse verliehen worden. — Herr Simon Bloch in Spandau beging am 31. v. Mmit seiner Gattin Sara geb. Caminer die Feier seiner Silberhochzeit. Der Jubilar war lange Jahre Vorstand der jüdischen Gemeinde in Spandau. — InMogilno errang der Fuhrhalter Flanier die Würde des Schützenkönigs. — Die Synagogengemeinde Göttingen hat auf Grund der Bestimmungen des neuen Volksschul-Unterhaltungsgesetzes die Errichtung einer eigenen Elementarschule beschlossen. Zurzeit besteht dort nur eine jüdische Religionsschule. — An den Pfingsttagen hielt in Neuwied der Verein jüdischer Lehrer in Rheinland und Westfalen seine Generalversammlung ab. Der Beschluß des preußischen Lehrertages, für die Sonderwünsche der jüdischen Lehrer einzutreten, wurde mit großer Genugtuung ausgenommen. Ferner wurde beschlossen, rechtzeitig Schritte für die in Aussicht stehende Revision des Besoldungsgesetzes vorzubereiten. — Lehrer Kaufmann in Gelsenkirchen wurde von der Königl. Regierung in Arnsberg zum Hauptlehrer ernannt. — Die jüngst verstorbene Frau Charlotte Speyer geb. Stern in Frankfurt a. M. hinterließ dem „Mädchenstist" in der Rückertstraße 80 000 Mark, dem „Israelitischen Frauenverein" in der Theobaldstraße 40 000 Mark und einer größeren Anzahl weiterer jüdischer Vereine kleinere und größere Betrüge. — Professor Dr. S. Ganz aus Frankfurt a. M. ist als Anwalt am Reichsgericht in Leipzig zugelassen worden. — Kurz vor Schluß des Blattes erhalten wir aus Breslau die Trauerkuude, daß der Geh. Regierungsrat Professor Dr. Jacob Freudenthal in Schreiberhau, wohin er sich seiner erschütterten Gesundheit wegen vor einiger Zeit begeben hatte, im 68. Lebensjahre am 4. d. M. gestorben ist. Ein Nekrolog folgt. — Am 1. d. M. feierte Frau Dr. Johanna Cohn, die älteste Tochter Ludwig Philippsons s. A., die Witwe des Rabbiners Dr. Tobias Cohn s.A. in Potsdam, in stiller Zurückgezogenheit in Gremsmühlen ihren 70. Geburtstag. Alle, die die edle und geistvolle Frau kennen, wünschen ihr von Herzen, daß sie noch lange Jahre in Frische und Kraft wie bisher wirken und schaffen möge! — Bei der Einweihung des israelitischen. Landesasyls „Wilhelmsruhe" in Sontheim überbrachte Negierungsrat Dr. Krauß den Erschienenen die Grüße und die Glückwünsche des Königs, der lebhaft bedaure, daß er zu dem Akte nicht selbst habe kommen können. Er könne jedoch sagen, daß das gemeinnützige Bestreben die wärmste Anerkennung gefunden habe und als Ausdruck dieser habe der König dem Vorstand Julius Spiegeltal die Karl-Olga- Medaille in Silber verliehen. Auch sei er weiter beauftragt, Grüße und Glückwünsche des Ministers des Innern zu übermitteln. — Beiden Wahlen für das Appellationsgericht in Basel wurde