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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-05-31 · Heft 22 (31.5.1907) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 22 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Herr Lehrer A. Plaut in würdiger und geistvoller Werse die Bedeutung des jüdischen Gotteshauses unter Zugrundelegung des fisalmtextes: „Der Herr ist mein Licht", treffend auseinandersetzte. Die Festrede machte auf alle Zuhörer sichtlichen Eindruck. Nach dem Zegen ertönte Kleins schöner Psalm „Der Herr ist mein Hirt", sodann das Gebet für den Landesherrn. Beim Verlassen des Gotteshauses überreichte Grete Meyer der Frau Fürstin ein Blumenbukett int> sprach dabei einen hübschen Vers. Der Fürst war von der Feier wchbesriedigt und drückte dem Vorstande der Gemeinde seinen ttnigsten Dank ans. Des zum Zeichen, hat derselbe auch Herrn Lehrer Plaut und dem Vorsteher der Synagogengemeinde, Herrn lllex Meyer, das goldene Verdienstkreuz verliehen. Aus dem Festbankett am Abend hielt der Hofmarschall Graf Rittberg eine längere Ansprache, in welcher er der Gemeinde die Grüße des Fürsten entbot und erklärte, daß der Fürst mit Dankbarkeit und Anerkennung der Verdienste der jüdischen Bewohner um die Entwicklung und das Aufblühen der Residenz gedenke, die Ordensauszeichnungen als in Ansehung dieser gewertet wissen wolle und auf ein weiteres harmonisches Beieinanderleben zwischen Israeliten und Evangelischen hoffe. In gleichem Sinne sprachen Oberbürgermeister Wittje und der Reichstagsabgeordnete Neumann-Hofer, der in längerer Rede die im Lipperlande geübte Tugend der Toleranz und das herzliche Beieinanderleben aller Konfessionen feierte.!. Essen a. d. R., 24. Mai. Der Jahresbericht des Vereins israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens und der Pensionskasse desselben wird sicher auch diesmal weite Kreise interessieren. Das Jahr 1906 war als Jubeljahr ein Merkstein in der Geschichte des Vereins. Am 7. Januar fand hier eine außerordentliche Versammlung desselben statt, um zu dem Volksschulunterhaltungsgeseh Stellung zu nehmen. Leider haben sich, wie es in dem Bericht heißt, die Wünsche, die die jüdische Lehrerschaft hegte, nicht erfüllt. So wurde die jüdische Schule der Shnagogengemeinde, die jetzt als eigener Schulverband austritt, überlassen, anstatt unter den künftigen kommunalen Schulverband gestellt zu werden. Von der Besorgnis erfüllt, daß sogar die bisherigen jüdischen Kommnnalschulen in Gefahr seien, wandte sich der Vorstand an die Abgeordneten Schiffer und Becker, deren beruhigende Zusicherungen im Bericht mitgeteilt werden. Dieser lenkt nunmehr die Aufmerksamkeit der jüdischen Lehrer auf die angekündigte Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes, vornehmlich aus die §§ 11 (Lehrer an öffentlichen Schulen, die vorher an Privatschnlen angestellt waren) und 4 (Einkommen aus den vereinigten Schulen- und Kirchendienft). Der Verein zählt neun Ehren- und 165 ordentliche Mitglieder, die Pensionskasse zählt 96 Mitglieder mit 392 Versicherten. Die Einnahmen belaufen sich auf 15 531,86 Mark, die Ausgaben auf 9308,26 Mark. Das Gesamtvermögen beträgt 144717,42 Mk. Der Vorstand von beiden Instituten besteht aus den Herren Lehrern Graf-Essen, Liepmannssohn-Minden, Baum-Rheine, Kaufmann-Gelsenkirchen, Fröhlich-München-Gladbach, nur für den Verein Eppstein- Hoppstädten, Spier-Wesel. Die ordentliche Jahresversammlung des Vereins wurde am 21. und 22. d. M. in Neuwied abgehalten; ein Bericht darüber folgt. Z. Borden (Aller), 26. Mai. Am 21. d. M. feierte Herr Lehrer Braunsberg sein 25jähriges Tienstjubiläum. Welcher Hochachtung der Jubilar sich nicht nur in seiner Gemeinde, sondern auch weit darüber hinaus erfreut, zeigte sich so recht an diesem Tage. Mittags erschienen die Schüler, welche unter Vortrag passender Festgedichte dem Jubilar eine prachtvolle Schreibmappe mit entsprechender Widmung überreichten. Den Kindern schloß sich eine Abordnung der Shnagogengemeinde an, deren Vorsteher es sich trotz seines hohen Alters nicht versagen konnte, selbst zu erscheinen, um „dem treuen Lehrer" die Wünsche der Gemeinde wie des Herrn Landrabbiners Dr. Gronemann auszusprechen. Den ehrenvollen Worten folgte die Ueberreichung eines kostbaren Ehrengeschenkes. Im Namen der Gemeinde Hoya, woselbst der Jubilar den Religionsunterricht erteilt, überreichte Herr Vorsteher Elias eine geschmackvolle Blumenschale. Im Aufträge des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Hannover war Herr Lehrer Katz-Nienburg erschienen, um die Glückwünsche des Vorstandes wie des Vereins zu überbringen, während Herr Lehrer Rothschild-Achim die Gratulation der Fortbildungsvereinigung Hannover-Brernen aussprach. Abends fand ein Festkommers statt, zu dein sich die ganze Gemeinde mit ihren Damen, faiuic viele auswärtige Kollegen eingefunden hatten. Der Vorsitzende des Festkomitees, Herr Hermann Tannenbaum, begrüßte die Erschienenen und führte in kernigen Worten aus, daß eine Gemeinde sich selbst ehre, wenn sie diejenigen ehre, denen das wertvollste Kleinod, die Jugend, anvertraut sei. Nicht eine Pflicht der Dankbarkeit, sondern ein Zeichen der Verehrung sollte die Feier sein, da der Jubilar in verhältnismäßig kurzer Zeit sich die Liebe seiner Gemeinde, wie auch die Hochachtung aller erworben habe, die ihm nahezutreten Gelegenheit hatten. Sein Hoch galt dem Jubilar. Die Glückwünsche der Verdener Kollegen überbrachte Herr Hauptlehrer Slüven, der in humorvollen Worten das innige Verhältnis zwischen dem Jubilar und den übrigen Kollegen Verdens feierte. Tief ergriffen dankte der Gefeierte sür die Ehrungen, denen sein bescheidenes Wirken in der Gemeinde gar nicht entspräche. Sein Hoch galt dem ehrwürdigen Vorsteher wie der Synagogengemeinde Verden. Kollege Rothschild-Achim feierte die Familie des Jubilars, Katz-Nienburg das Komitee, das durch unermüdliches Wirken die Feier geschaffen. Vorträge und Lieder wechselten mit der Verlesung der zahlreichen Telegramme ab. W. Straß bitrg i. C., 26. Mai. Es wird Ihre Leser sicher interessieren zu hören, das; in der vorigen Woche der Oberlandesgerichtsrat Levi in Kolmar zum Landgerichtsdirektor in Straßburg ernannt worden ist. In Preußen ist ein solcher .Fall bisher noch nicht vorgekommen; in Hamburg wurde vor einiger Zeit der Amtsrichter Dr. Hinrichsen gleichfalls zum Landgerichtsdirektor ernannt. Im übrigen waren in Kolmar bisher zwei jüdische Oberlandesgerichtsräte. Der zweite ist Dr. M. Freudenthal, ein streng religiöser Jude. (Allerdings ist in Preußen noch kein ungetanster Jude Landgerichtsdirektor geworden. Gleichwohl ist auch hier ein gewisser Fortschritt nicht in Abrede zu stellen, wie die in dieser Woche erfolgte Ernennung des Oberlandesgerichtsrnts Grünebaum iu Essen zur Genüge beweisen mag. Die Red.) Gesterveich-Nngsrn. D Wien, 27. Mai. Erst jetzt kann man das Resultat der Wahlen einigermaßen übersehen. Danach werden wir im neuen Reichsrat 10 jüdische Abgeordnete haben und zwar: Dr. Ofner-Wien, Dr. Straucher-Czernowitz, Dr. Mahler-Trembowka, Dr. Gold-Zloczow, Dr. Kolischer-Tarnow, Dr. Löwenstein-Drohobycz, Dr. Gabel-Buczacz Dr. A. Groß-Krakau, Dr. Liebermann-Przemysl, Dr. Diamand- Lemberg. Dieselben gehören verschiedenen Parteien an; die drei letztgenannten sind Sozialisten. Die Zionisten, die 16 oder mehr Kandidaten in Galizien aufgefteltt, haben bis jetzt nur zwei durchgebracht, den Prager Privatdozenten Dr. Mahler und den Dr. Gabel im Landbezirk Buczacz. Durch ein Bündnis mit Ruthenen und Sozialisten siud sie in verschiedenen Wahlkreisen in die engere Wahl gelangt, aber auch da sind sie fast sämtlich unterlegen. Auf der Wahlstatt sind geblieben: Dr. N. Wender-Czernowitz, Dr. Braude- Stanislau, Dr. Matz-Rozdol, A. Stand-Tarnopol, Dr. Thon-Kolomea, Dr. Mevz-Tarnow, Dr. Schmelkes-Mielec, Dr. Salz-Stryj, Dr. Rapaport-Brzezany, Dr. Birnbaum-Buczacz. Nur in Brody kommt ihr Kandidat A. Stand noch in aussichtsvolle Stichwahl. Aber auch diese zwei Mandate verdanken sie nur der Unterstützung durch die Ruthenen und Polen. Es sind nur Minoritätskandidaturen. Im übrigen hatte die Wahl des Dr. Gabel noch ein trauriges Nachspiel. Infolge derselben fanden im Wahlbezirk Exzesse gegen die Juden statt. Jndenhänser wurden demoliert und die Bewohner mißhandelt. Dr. Gabel erhielt eine Meldung aus Monasterzyszka, daß von dem Gerichtsbemnten Klapik und dem Schullehrer Skowronski eine Bauernbande organisiert worden sei, um an den Juden Rache sür die Wahl des Zionisten zu nehmen. Betrunkene Bauern überfielen und mißhandelten die jüdischen Einwohner auf den Straßen und schlugen die Fenster der Häuser des Judenviertels ein. Dr. Gabel begab sich zum Statthalter Grafen Potocki, der sofort an die Bezirksbehörde die telegraphische Weisung ergehen ließ, energische Maßregeln zur Unterdrückung der Exzesse zu treffen. Dr. Gabel bat zugleich telegraphisch den Minister des Inneren, daß das Militär, welches für die Wahltage nach Bnczacz-Monasterzyszka entsendet worden war, nicht abberufen werde. Gleichzeitig erhielt aber Dr. Gabel aus Monasterzyszka ein Telegramm, daß das Militär bereits abmarschiert

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