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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-05-31 · Heft 22 (31.5.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 22 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Wagens nach seiner Wohnung in der Lennestraße gebracht. Sein plötzliches Hinscheiden, das alle, die den begabten und gesinnungsvollen Mann kannten, schmerzlich berühren wird, trifft insbesondere seinen greisen, achtundachtzig Jahre alten Vater, Herrn Wilhelm Weisstein, der früher ehrenamtlich in unserer Gemeinde so eifrig gewirkt hat, sehr hart. Mit Gotthilf Weisstein verliert die Berliner Literaturgemeinde ein Mitglied, das durch seine Originalität, durch seine charakteristische Erscheinung und seinen stets bereiten Humor beliebt war. Wohlwollend in seinem Wesen, ein liebenswürdiger Gesellschafter und ein guter Kollege, war er in den Literaturkreisen Berlins allgemein beliebt und sein frühes Ende wird schmerzlichste j Teilnahme Hervorrufen. Ehre seinem Andenken! — Die Bestattung fand heute nachmittag auf dem Friedhofe in Weißensee, in einfacher Weise, wie es der Dahingeschiedene gewünscht, statt. Kein Trauergesang ertönte, keine Kränze schmückten den einfachen Sarg, der in der Halle des Friedhofes aufgebahrt wurde. Auch Kranzspenden hat die Familie im Sinne des Entschlafenen dankend abgeleynt. Dennoch hatten die Genossenschaft der Bibliophilen, der Berliner Bibliophilen-Abend, die Gesellschaft für Theatergeschichte und mehrere persönliche Freunde es sich nicht nehmen lassen, dem dahingeschiedenen Freunde Abschiedsgrüße zu widmen. Nach einer kurzen liturgischen Andacht in der Halle des Friedhofes trug man den Sarg unter großem Geleit zur Beisetzung in: Erbbegräbnis der Familie. Das Andenken des trefflichen Mannes aber wird fortleben. s. Berlin, 27. Mai. Am 25. d. M. ist hier der Stadtverordnete Rentier Julius Wallach nach längerem Leiden gestorben. Der Dahingeschiedene, der ein Alter von 64 Jahren erreicht hat, gehörte seit einer langen Reihe von Jahren der Berliner Stadtverordneten- Versammlung an. Auf dem Gebiete des kommunalen Steuerwesens galt er als Autorität und in der Fraktion der Alten Linken nahm er eine führende Stelle ein. Wallach war die leitende Persönlichkeit der Hansbesitzergruppe und ein erbitterter Gegner des Munizipatsozialismus und insbesondere der geplanten Wertzuwachssteuer, deren Nicht- Zustandekommen ihm sehr am Herzen lag. In der Stadtverordnetenversammlung hatte er oft heftige Kämpfe auszufechten gegen alle die, die seiner Politik widerstrebten. Seine persönliche Uneigennützigkeit und seine reichen Kenntnisse wurden indes allgemein anerkannt. Julius Wallach war auch ein rühriges Mitglied der hiesigen Reformgemeinde, in deren Vorstand er seit Jahren eine eifrige Tätigkeit entwickelte. Ehre seinem Andenken! ff. Posen, 23. Mai. Unter Vorsitz des Herrn Hauptlehrers Herbst aus Lissa fand heute die Generalversammlung des Vereins „Israelitischer Lehrer der Ostprovinzen" im Sitzungssaals der hiesigen Synagogengemeinde statt. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung um 10 Uhr vormittags und begrüßte die Erschienenen. Er schloß die Begrüßungsrede mir einem Hoch auf unser» geliebten Landesvater, worauf die Versammelten die Nationalhymne sangen. Anwesend waren ca. 30 Mitglieder und als Deputierte der Gemeinde die Herren Friedländer, Werner und Bleistein. Im Anschlüsse an dem vorgetragenen Geschäftsberichthielt der Vorsitzende an den emeritierten Lehrer Grünseld-Schwersenz eine herzliche Ansprache, indem er ihn zum Ehrenmitglied unter Ueberreichung eines diesbezüglichen Diploms proklamierte. Das Kunstblatt trägt die Devise: „Cliasnk weemoz". Herr Grünfeld dankte für die ihn» gewordene Ehrung und brachte das Hoch auf den Verein aus. Im abgelaufenen Berichtsjahre wies der Verein 65 Mitglieder auf. Die Einnahme betrug 344,40 Mark, welcher sich eine Ausgabe von 143,04 Mark entgegenstellte. Es verblieb somit ein Kassenbestand von 201,36 Mark, wovon 150 Mark Zinsbar angelegt sind. Aus der ausgestellten Tagesordnung kam zunächst der Vortrag des Herrn Peczkowski-Nakel: „Liturgik in der Schule" an die Reihe. Redner hatte in sachgemäßer Weise seine Gedanken entwickelt und nachstehende Leitsätze aufgestellt, welche die Versammlung debattelos annahm. Der Wortlaut war folgender: 1. Die Kinder aller Unterrichtsschulen erhalten liturgische Belehrungen. 2. Diese bilden kein besonderes Lehrfach, sondern schließen sich auf der Unter- und Mittelstufe an den Lese«, auf der Oberstufe vorzugsweise) an den Uebersetzungsunterricht an. 3. Die liturgischen Belehrungen bewegen sich lden Alters-und Unterrichtsstufen entsprechend) in konzentrischen Kreisen. 4. Die liturgischen Belehrungen erstrecken sich nicht nurauf die Tempelgebete, sondern auch aus die Hausandachten. 5. Durch die bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorgenommene Wiederholung prägt sich der richtigste Stoff als unverlierbares Eigentum den Kindern ein. 6. Die Einübung liturgischer Gesänge geschieht zwar, wo der Einführung dieser Disziplin nichts im Wege steht, am besten in der Religionsschule. In der Mittagspause besuchten die Vereinsmitglieder das Kaiser Friedrich-Museum und die jüdische Lesehalle. Um 3 Uhr wurde die Sitzung wieder ausgenommen, wo der Rest der Tagesordnung erledigt wurde. Die nächstjährige Hauptversammlung findet imJuni in Bromberg statt. Nach einem gemütlichen Beisammensein verabschiedeten sich die Kollegen in der festen Zuversicht, für das Wohl der Schule wertvolle Anregungen erhalten zu haben. 8. Hohensalza, 14. Mai. Heute mittag hat hier die feierliche Grundsteinlegung für die neu zu erbauende Synagoge unter allgemeiner Beteiligung der Gemeindemitglieder stattgefunden. Der Platz des Neubaus war aus Anlaß der Feier festlich geschmückt. Unter den erschienenen Ehrengästen bemerkten wir 'Vertreter des Magistrats und der Stadtverordneten. Herr Gemeinderabbiner Dr. Kohn eröffnete den Festakt mit dem üblichen Gebet und hielt dann die Weihrede, die auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Sodann wurde zur Grundsteinlegung geschritten und die Urkunde zusammen mit je einem Exemplar des bereits im Drucke erschienenen und von Lehrer I. Herzberg-Brbmberg herausgegebenen Werkes: „Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden in Hohensalza", das auch die bezüglich des Synagogenbaues gefaßten Beschlüsse enthält, mit je einer Nummer der „Ostdeutschen Presse", „Kujarischer Bote", „Allgemeine Zeitung des Judentums" ufw. in eine Büchse verlötet und dann nach Vollziehung der üblichen Hammerschläge durch die Anwesenden mit Weihesprüche in die Erde versenkt und eingemauert. Den ersten Hammerschlag gab Rabbiner Dr. Kohn ab, dann folgten die Herren des Synagogenvorstandes Stadtrat Bankier Salomonsohn, erster Vorsitzender der Synagogengemeinde, Stadtverordnetenvorsteher Assessor Dr. Lewy, der stellvertretende Gemeindevorsteher Sanitätsrat Dr. Warschauer, der Repräsentantenvorsteher Justizrat, Stadtrat Latte, Stadtbaurat Baumgarten und der Erbauer der Synagoge Baumeister Wettke. — Magdeburg, 22. Mai. Am 18. d. M. tagte hier der Landesverein preußischer Volksschullehrer. Der Zweck der Tagung war, der preußischen Regierung angesichts des in Aussicht gestellten neuen Lehrerbesoldungsgesetzes die Wünsche der Lehrerschaft klar zu präzisieren. Unter 2e der der Versammlung vorgelegten Anträge hieß es, „daß bei den dauernd mit einem kirchlichen Amte verbundenen Stellen das aus diesem fließende Einkommen nicht auf das Lehrergehalt angerechnet werde". Bei der^Beratung dieses Abschnittes beantragte Herr Lehrer Grebe-Cassel einen Zusatz, der auch den jüdischen Kollegen gerecht werde. Nach kurzer Debatte wurde der Antrag Grebe, hinter die Worte „mit einem kirchlichen Amte" einzufügen „wozu auch der Vorsängerdienst der israelitischen Lehrer gehört", mit großer Mehrheit und der hierdurch erweiterte Antrag in der Schlußabstimmung einstimmig angenommen. Dieser Beschluß gereicht dem kollegialen Sinn der preußischen Lehrerschaft zur Ehre. K. Detmold, 21. Mai. Am 18. d. M. erfolgte hier die feierliche Einweihung der neuen Synagoge unserer Gemeinde, der Heimat von Leopold Zunz. Eine große Zahl von Besuchern füllte schon um V311 Uhr den Tempel. Auch die Spitzen der Behörden hatten sich eingefunden. Als nun Punkt 11 Uhr unser Fürftenpaar, Fürst Leopold zur Lippe mit Gemahlin, und der Staatsminister erschienen, erklangen weihevolle Harmoniumtöne und die Feier nahm ihren Anfang. Der Frauenchor sang zunächst die Weise „Wie schön sind deine Zelte." Es folgte das Weihegebet und das Anzünden der „ewigen Lampe". Mehrere Mitglieder der Gemeinde trugen dann die Thorarollen zur heiligen Lade, begleitet von Gesang. Zum Eröffnen der heiligen Lade erklangen dann wiederum die feierlichen Weisen im Zwiegesang. Unter Herrn Großjohanns trefflicher Leitung sang darauf der Männergesangverein „Frohsinn" den Psalm „Machet die Tore weit". Das Einsetzen der Thora in die heilige Lade bedeutete wohl den Höhepunkt der Feier. In Verbindung mit dem „Frohsinn" sangen die Damen hierauf den Psalm von Bruchmann „Ich hebe meine Augen auf". Nun folgte die Predigt, in der

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