Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 sei und daß infolgedessen die Ausschreitungen verübt werden konnten.! — Eine Blüte des Wahlkampfes ist der Kandidat Mühlenbesttzer Rudolf Galt in Tarnopol, der in aussichtsvolle Stichwahl mit dem Jungrutheuen kommt und der sich selbst als „gemäßigter? Israelit" bezeichnet. Was mag der Mann wohl für ein! Programm haben? Von unfern schlimmsten Gegnern ist der j Ritualmordhetzer Schneider hier durchgefallen, dürfte aber wohl doch - noch ein anderes Mandat erhalten. In Prag ist der tschechisch-radikale! Dr. Baxa, aus dem Polnaer Blutprozeß bekannt, gewählt worden.! Dagegen zieht auch Professor Maszarhk, der damals für die Rechte > der Juden eintrat, in den neuen Reichstag ein. — In der letzten! Sitzung des Kultusvorstandes machte der Schatzminister der Gemeinde, Ritter v. Pollak, die erfreuliche Mitteilung, daß in dem Voranschlag für das Jahr 1906 die Ausgaben mit 2 611 551,88 Kronen, , die Einnahmen mit 2 455 704,47 Kronen angenommen waren, so daß 1 ein Betrag von 155 847,41 Kronen als unbedecktes Erfordernis, be- ( ziehungsweise als Defizit, veranschlagt wurde. Nach dem vorliegenden j Rechnungsabschlüsse betragen jedoch die Ausgaben 2 447 324,32 Kronen,! die Einnahmen 2 608 816,87 Kronen, so daß sich ein scheinbarer Ueberschuß von 161 492,55 Kronen ergibt. Er fügte aber hinzu, daß dieses günstige Ergebnis sich zum Teile daraus erkläre, daß man in der ' Festsetzung der Ausgaben und der Reserven etwas karger vorgegangen, dagegen in der Präliminierung der Einnahmen sich streng an das Ergebnis der Vorjahre gehalten habe. Andererseits wurde eine größere Anzahl Bauten, Rekonstruktionsarbeiten usw. nicht ausgeführt, demnach die hierfür eingesetzten Posten nicht in Anspruch genommen; hierdurch ist jedoch keine wirkliche Ersparnis, sondern ein bloßer Ausschub erzielt worden. — Dem Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn in Budapest ist „in Anerkennung seiner langen, verdienstlichen Wirksamkeit" der Charakter als „Königlicher Rat" verliehen worden. — Im Jahre 1905 gab es in Ungarn 2371 jüdische Kultusgemeinden '(581 Haupt- und 1790 Fitialgemeinden), von denen 159J orthodoxe, 539 sogenannte Kongrestixnb 225 sogenannte! status guo-Gemeinden waren. Von den insgesamt 4!2 Rabbinern j waren 238, von allen 1309 Rabbinatsverwesern und Religionslehrern i 889 in orthodoxen Gemeinden angestellt. Auf Kroatien-Slawonien entfallen 26 Kultusgemeinden mit 21 Rabbinern und 35 Rabbinatsverwesern. Vun Sah und jfern. — Ter Fabrikbesitzer Herma nn Auerbach ist zum Kommerzienrat, der Kommijsionsrat Theodor Potsdamer zum Geheimen Kommissionsrat ernannt worden. — Am 25. d. M. ist hier der emeritierte Lehrer Dr. Eduard Liebrecht im 78. Lebensjahre gestorben. Derselbe hat fast 30 Jahre an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde und auch an der Präparandenanstalt unterrichtet. Sein Eifer und Fleiß wie seine pädagogische Begabung und sein lauterer Charakter wurden allgemein geschäht. Ehre seinem Andenken.! — In Königsberg <Nm.) sand aru 14. d. M. in erhebender Feier, zu welcher die Spitzen des Kreises und der Stadt, die evangelischen Geistlichen, Magistrat und Stadtverordnete mit anderen Ehrengästen erschienen waren, die Einweihung der neuen Synagoge statt. — Ter Landgerichtsrat Ernst Grünebaum in Essen wurde zum Oberlandesgerichtsrat in Hamm er-; Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern der j Hamburg-Amerika-Linie finden statt: Nach New Uorkr 1./6.! Postdampfer „PräsidentLincoln", 6./6. „Amerika", 8./6. „Gras Waldersee", 13./6. Schnellpostdampser „Deutschland", 15./6. Postdampfrr „Pennsylvania", 22./6. „Batavia", 27./6. „Kaiserin Auguste Victoria". . Geschäftliche Mti?en. Bäderalmanach. Mitteilungen der Bäder, Luftkurorte und Heilanstalten. (Vertag Rudolf Müsse, Berlin.) Einen stattlichen Baud haben wir in dieser zehnten Ausgabe, die gleichzeitig Jubiläumsausgabe ist. vor uns. In dem Eierteljahrhundert feines Bestehens hat dieser Almanach eine staunenswerte Entwicklung durchgemacht. Er enthält absolut zuverlässige Angaben über die klimatischen Verhältnisse sowie über die physikalisch-therapeutischen Anordnungen und Einrichtungen in den erwähnten Badei urorten und Heilanstalten, und zwar find diese Stätten sowohl nach rein physikalischen als auch nach rein medizinischen Gesichtspunkten geordnet. Diese Stoffeiuteilung hat sich als eine sehr zweckmäßige erwiesen, denn sie erleichtert sowohl dem Arzt wie auch dem Laien das Zurechtfinden in dem unermeßlichen Gebiete. Außer dem praktischen Teile, der als Ratgeber bei der Wahl eines Kurortes in vielen Fällen sehr gute Dienste zu leisten vermag, enthält der Bäderalmanach auch eine wissenschaftliche Einleitung, die auf 124 Seiten die Hauptgrundsätze der Bäderheilkunde und ihre Anwendung aus bestimmte Organerkrankungen erörtert. Gerade: : nannt. — Der am 25. d. M. in Frei bürg i. B. verstorbene früher badische Minister Freiherr v. Roggenbach war es, der die bürger liche und staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden in Baden durch gesetzt hat. Ehre seinem Andenken! — Justizrat Wassermann» i: München hat das Ritterkreuz des Zähringer Löwenordens 1. Klast erhalten. — In Darmstadt ist Dr. Italiener vom Seminar v; Breslau zum Rabbiner gewählt worden. — In Elsaß-Lothringe > hat seit 35 Jahren die israelitische Bevölkerung um etwa 10 000 Seele.i abgenommen. 1871 betrug sie: 40812, 1875: 39 302, 1880: 39 27^. 1885: 36876, 1890: 34645, 1895: 32859, 1900: 32 264, 1905: 31 708 Auf 10 000 Einwohner kamen in den oben bezeichnten Jahren von 1871 bis 1905: 269, 256, 250, 236, 211, 200, 188, 175 Israeliten — In Meran feierte der allgemein bekannte .Sanitätsro Dr. Raphael Hausmann seinen 70. Geburtstag. Aus diesen Anlaß fand eine Feier in der Synagoge statt. Auch sonst zeigte sin lebhafte Teilnahme. Der Jubilar hat sich als Vorsitzender de Königswarter-Stiftung große Verdienste um das jüdische Hospitci daselbst erworben. — Im Pariser „Salon" erregt eine Statue von Naoum-Aronson „Aux innocents", die den durch denOdessaerPogron verwaisten Jndenkindern gewidmet ist, großes Aussehen. — In Pis sind der Bürgermeister der Stadt (Sign. d'Aneona) und der Rekto der Universität (Prof. Sagrino) Juden. Ebenso in Padua, wo Sign. Levi Crista erster Bürgermeister und Prosessor Polacc- Universitütsrektor ist. — Der 15. Orientalistenkongreß findet in de zweiten Hälfte August in Kopenhagen statt. — Aus Rußland fim dem „Hilfsverein der deutschen Juden" wiederum Gaben für di notleidenden rumänischen Glaubensgenossen, die den Exzessen zun Opfer gefallen sind, zugeflossen, und zwar sind überwiesen wordel aus drei russischen Städten in Summa 6544,85 Mark. — In eine geschlossenen Sitzung der russischen Duma während der Debatten übe die Rekrutensrage fand ein Deputierter von der „Rechten", Professo Rein, es für angebracht, die berühmte Beschuldigung der Verweigerung des Militärdienstes seitens der Juden aufzufrischen. Aus diese Be schuldigung antwortete der Deputierte Aöramson, welcher au dev Hand von statistischen Angaben die ganze Grundlosigkeit und Hu gerechtigkeit dieser Behauptung zeigte. Es ist sehr zu bedauern, das diese Rede nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. — In de- Oktobristenpartei wird wegen der Judensrage eine Spaltung befürchtet. Die Parteiführer Gutschkow und Miljutin sind fiiv Gleichberechtigung der Juden. Leider hat jedoch auf dem Partei kongreß in Moskau der reaktionäre Flügel die Oberhand behalten — Die Emigration russischer Juden nach Palästina ist gegen das Vorjahr um fast das Dreifache, nämlich von 1229 i. I. 1905 an 3427 i. I. 1906 gestiegen. Am stärksten sind dabei Handwerker und Arbeiter, am geringsten die Landwirte vertreten, ein Beweis, daß du gegenwärtige Besiedlung Palästinas, im Unterschied zur früheren, fas' ausschließlich agrikulturellen, vorwiegend einen industriell-kommerzieller Charakter trägt. Das gesamte Vermögen der Emigranten betrug 2 584123 Rubel 750 Rubel pro Kops, sicher eine sehr ansehnliche Summe. Der Herkllnft nach waren aus Litauen 175, aus Polen 688, Südrußland 7801, außerhalb des Ansiedlungsrahons 223. — In Kairo soll von Oktober eine neue jüdische Zeitschrift in französischer Sprache „L’Israelite d’Orient" von Abr. Galante erscheinen, der im jüdisch-spanischen Dialekt bereits die Zeitschrift „La Vara" herausgibt. Nach Philadelphia r 5./6. Postdampfer „Andalusia". Nach West indienr 1./6. Postdampfer „Bavaria" Nach Mexiko: 1./6. Postdampser „Allemania". Nach Ostasterrr 10./6. Postdampfer „Brasilia". Nack: Wladiwostok und Nikolajewsk a. Amur: 20./6. Postdampfer „Chrus". Arabisch-Persischer Dienst: 30./6. ein Dampfer. dieser Teil hat in der vorliegenden Jubilaumsausga.be eine sehr dankenswerte Erlveiterung durch Einfügung zweier Abhandlungen über die „Jonenlehre" und ihre Bedeutung für die Lehre von den Heilquellen sowie über „Radioaktivität' erfahren. Bad Reinerz. Trotz des ungünstigen Wetters im April, das für die Bvl bereitungen zur Kurzeit sehr hinderlich war, ist doch am 1. Mai das Bad prornpr eröffnet worden und werden die Kurmittel von den bereits anwesenden Fremdei - entsprechend benützt. Das seit einigen Tagen eingetretene warme Wetter hat die Vegetation ungemein gefördert und das Versäumte nachgeholt. Die alljährlich steigende Frequenz macht auch hier die Vornahme von Neubauten erforderlich und der Beschluß der Stadtbehörden, eine neue Villenstraße im Bade anzulegen, wird freudig begrüßt. Die Vorarbeiten hierzu find nahezu beendet und wird eine Ausbietung der Baustellen wohl noch in diesem Sommer und der Bau der neuen Straße im Herbst erfolgen können.