Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-05-24 · Heft 21 (24.5.1907) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 21 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228744-3228766--63550-3297454
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Schule die vom Gemeindevorstand beantragte Subvention bewilligt wird, die Meinungsverschiedenheiten, die vorherrschen, beziehen sich nur über die Zusammensetzung des Vorstandes. Die heutige Versammlung sei einberufen, um in dieser Angelegenheit aufklärend zu wirken. Die Herren I. Ritter und Alexander Levy verteidigten nur: den Standpunkt des Repräsentanten-Kollegiums, das sich zur beantragten Erhöhung der Subvention bereit erklärte, wenn dem Gemeindevorstand bezw. dem Repräsenlanten-Kollegium mehr Einfluß in der Verwaltung der Schule eingeräumt werde. Herr A. Wittmund trat dem Beschluß des Kollegiums entgegen; es sei nicht angebracht, die Subvention von etwaigen Forderungen abhängig zu machen, auf die der Schulvorstand nicht eingehen könne. Herr Rechtsanwalt Dr. R. Cohen trat gleichfalls in energischer Weise für unbedingte Bewilligung der Subvention ein. Der Beschluß des Repräsentantenkollegiums habe in der Gemeinde unliebsam überrascht. Die Talmud- Thora-Schule sei eine der hervorragendsten Institutionen in der Hamburger Gemeinde. Weit über das Weichbild der Gemeinde hinaus werden ihre Leistungen anerkannt, und jetzt, wo es sich darum handelt, durch Erhöhung der finanziellen Mittel die Leistungen der Schule zu faubern, wollen die Gemeindevertreter die Bewilligung dieser Mittel von gewissen Bedingungen abhängig machen; gegen ein solches Vorgehen müsse entschieden Protest erhoben werden. Die Leistungen der Schule seien so hervorragend, daß eine Abänderung in der Zusammensetzung des Vorstandes nicht eintreten dürfe. Es entspinnt sich noch eine lange, teilweise sehr lebhafte Debatte, doch -gelingt es der geschickten Leitung des Vorsitzenden stets, vermittelnd einzugreifen. Es gelangte schließlich folgende Resolution zur Annahme: „Die in der heute tagenden Versammlung des Vereins zur Förderung , jüdischer Interessen anwesenden Gemeinde-Mitglieder sprechen dem; Vorstand der Talmud-Thora-Schule ihre Anerkennung für die erzielten | Resultate der Schule aus und ersuchen den Vorstand und die! Repräsentanten der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, die notwendige j Erhöhung des Zuschusses zur Schule zu bewilligen, ohne im übrigen! die bestehenden Vertrüge abzuändern." — Köln, 16. Mai. Die Vorstände des hiesigen Jugend-! Vereins „Gabriel Rießer" und des „Montesiore-Vereins" zu > Frankfurt a. M. versenden das folgende Rundschreiben: Die Unter-! zeichneten bitten höflichst die Leser dieser Zeitung und insbesondere l diejenigen Herren, die an der Spitze von jüdischen Ingendvereinen! stehen, im Laufe des Monats Juni an einen der Untengenannten: erstens ein Statutenexemplar, zweitens etwa vorhandene Berichte über die Tätigkeit des ihnen nahestehenden Vereins, sowie drittens kurze Angabe über Mitgliederzahl und Gedeihen desselben einzusenden. Der Zweck dieser Umfrage ist, festzustellen, ob die Bestrebungen, die auf einen engeren Zusammenschluß der jüdischen Jugendvereine hinauslaufen, Aussicht auf Erfolg haben, ob insbesondere die Schaffung I eines ständigen Delegiertentnges, eines Korrespondenzblattes und einer! Unterstützungskaffe für kleinere Vereine von Nutzen sein könnten.! Falls die einlaufenden Antworten ein befriedigendes Material dar-! bieten, behalten wir uns eine Einladung zu einer mündlichen Aus-! spräche für den Hochsommer vor. „Montefiore", Verein zur Pflege der idealen Interessen jüdischer junger Leute, zu Frankfurt a. M. I. A.: Felix Meyer, Thüringerstraße 7. Jugendverein „Gabriel Rießer" zu Köln. I. A.: Dr. Alfred Apfel, Mozartstraße 35. e. Frankfurt a. M., 16. Mai. Ans dem zweiten Jahresbericht des Vereins Indische Bibliothek und Lesehalle entnehmen wir, daß diese Institution sich auch in unserer Gemeinde gut eingebürgert hat. Der von Dr. W. Hanauer verfaßte Bericht konstatiert, daß die Bibliothek jetzt über etwa 1000 Bände verfügt, an Zeitschriften werden 39 gehalten. Die Zahl der Besucher nimmt immer mehr zu und betrug in diesem Jahr über 5500. Die jüdische Gemeinde bewilligte zum erstenmal eine Subvention von 300 Mark, die Frankfurt-Loge erhöhte die ihrige auf 500 Mark, die Einnahmen betrugen 3328 Mark, die Ausgaben 3898 Mark. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. W. Hanauer, Dr. F. Kauffmann, Fritz Sondheimer, Dr. S. Schwarzschild, Direktor Dr. Adler, Dr. R. Geiger, S. H. Goldmann und H. Goitein. — In meiner letzten Korrespondenz ist durch Versehen ein Wörtchen weggeblieben — dieses ist aber das wichtigste. Es war nämlich die Tatsache berichtet worden, daß die süddeutschen orthodoxen — dies Wort fehlte — mit den norddeutschen orthodoxen Rabbinern sich zu einem Verbände zusammettgeschlossen haben. Daran ist bekanntlich schon lange von verschiedenen Seiten und zwar ohne Erfolg gearbeitet worden. Man muß befürchten, daß, wenn jetzt ein Erfolg erreicht wurde, die norddeutschen orthodoxen Rabbiner unter das kaudinische Joch gegangen sind; denn daß die süddeutsche Orthodoxie in irgend einem Punkte, und sei es auch der unwesentlichste, jemals nachgeben sollte, ist svgut wie ausgeschlossen. Nürnberg, 21. Mai. Eine größere Zahl von Nürnberger und Fnrther Firmen hat in einer Versammlung letzthin einstimmig den Beschluß gefaßt, in ihren Betrieben so lange keine Mitglieder des Deutsch-Nationalen Han dl ungsge Hilfen Verbandes anzustellen, so lange dieser Verband nach seinen Satzungen Kaufteute israelitischer Religion von der Mitgliedschaft ansschließt. Der Deutsch- Nationale Handlungsgehilfenverband machte sich nämlich in letzter Zeit durch Einberufung größerer Versammlungen bemerkbar, die sich angeblich mit Mißständen in hiesigen Großbetrieben befassen sollten. Während der Versammlungen stellte es sich heraus, daß ihr Hauptzweck im wesentlichen nur die Propaganda für die antisemitischen, sozial verbrämten Tendenzen des Verbandes war. Durch das erfolgreiche Eingreifen einer anderen hiesigen Handlungsgehilfenorganisation, des Vereins der deutschen Kaufleute (Hirsch-Dunckerj, wurde zwar in dankenswerter Weise jener Propagandaversuch erheblich eingeschränkt. Doch dies allein konnte nicht genügen. Es ist deshalb verständlich, daß die von den sogenannten „deutsch-nationalen" Wühlereien betroffenen Kauflente und Fabrikanten zu dem für sie allein richtigen Mittel der Abwehr und Selbsthilfe gegriffen haben. Tie Mitglieder des „Deutsch-Nationalen Handlungsgehilfenverbandes" scheinen sich des merkwürdigen Widerspruchs gar nicht bewußt zu sein, der darin liegt, daß sie einerseits als Arbeitnehmer in den hier in Betracht kommenden Betrieben Stellungen suchen und gern annehmen, und daß sie anderseits die Chefs derselben Betriebe wegen ihrer Konfession öffentlich anzufeinden sich nicht scheuen. Dieses Treiben zu kennzeichnen, ist der Zweck der Stellungnahme der Nürnberger und Fürther Firmen, die durch ihren Beschluß zugleich darauf Hinweisen daß jene „deutsch-nationalen" Ritter zwar Israeliten nicht als Mitglieder ausnehmen, aber nicht den Mut der Logik besitzen, ihren Angehörigen zu verbieten, bei israelitischen Arbeitgebern in Stellung zu treten. Die Selbsthilfe der Nürnberg-Fürther Kaufleute und Industriellen ist diesen daher geradezu aufgezwungen worden. Gesterretch-Angarn. □ Wien, 21. Mai. Der Alls fall der Wahlen ist Ihren Lesern durch die Tagesblätter bekannt. Es bleibt mir somit nur die Nutzanwendung aus die jüdischen Verhältnisse übrig. Im Kai-Viertel ist Hofrat Kuranda mit 1314 Stinnnen gewählt worden. In der Leopoldstadt kommt Dr. Ofner mit 2360 Stimmen in die sichere Stichwahl mit dem Christlich-Sozialen. Dr. Gustav Kohn hat dort 1285 und der zionistische Kandidat Dr. Sch ali t, trotz einer kolossalen Agitation, in: ganzen nur 529 Stimmen erhalten. Und darum Räuber und Mörder! Die Christlich-Sozialen haben viele Sitze erobert. Ihre Stimmenzahl ist aber hier in Wien bedeutend zurück' gegangen, und selbst der „schwarze Prinz" hat nur 68 Stimmen Majorität über den sozialdemokratischen Gegner. In Czernowitz ist glücklicherweise Dr. Strauch er wiedergewählt worden, der schon im vorigen Reichstag der einzige Verteidiger unserer Rechte im Parlament gewesen ist. In Czernowitz-Ost soll übrigens auch die Wahl des jüdischen Kandidaten, Inspektor Wender, gesichert sein. Irl die Stichwahl kommt ferner der Prager Privatdozeut Dr. A. Mahler im galizischen Landgemeindebezirk Tremblowa - Czortkow. Die Zionisten, die in nicht weniger als sechs Wahlbezirken Galiziens Kandidaten aufgestellt, haben, soviel es sich bis jetzt übersehen läßt, nirgends einen durchgebracht; dagegen kommen sie in mehreren Wahlkreisen in die engere Wahl. In Buczacz hat Dr. Nathan Birnbaum 2194 Stimmen, sein Gegner, ein konservativer Pole 3067. Wenn dort die Sozialisten für Birnbaum eintreten, so wird er gewählt. In Stanislau ist der zionistische Kandidat unterlegen. In Brzezany kommt es gleichfalls zur Stichwahl zwischen deni ruthenischen und dem zionistischen Kandidaten H. Gabel, die aber für letzteren aussichtslos ist. Ebenso in Stanislan, wo der Zionist Dr. Brande

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.