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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-05-24 · Heft 21 (24.5.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 21 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 pflegen und aufrecht zu erhalten. Die Einnahmen betrugen im Berichtsjahr 10 679 Mark, die Ausgaben 9282 Mark, so daß ein Bestand von 1397 Mark verbleibt. Das Gesamtvermögen der Anstalt betrug am 31. Dezember 1906 336 395 Mark. fl. Rastenbnrg, 12. Mai. Am 9. d. M. fand hier der Synagogen-Verbandstag Ostpreußens statt. Vertreten waren Königsberg durch die Herren Stadtrat Magnus, Professor Lassar Cohn, Dr. Vogelstein, Justizrat Holz, Insterburg durch Herrn Stadtrat Eichelbaum, Allenstein durch Herrn Dr. Kamnitzer usw. Die Verhandlungen waren zum Teil interner Natur. Herr Dr. Teubler- Berlin hielt einen Vortrag über das Gesamtarchiv der deutschen Juden. Der nächste Verbandstag soll in Bartenstein stattfinden. Die Pensionskasse jüdischer Religionslehrer hielt darauf ihre Generalversammlung ab. 22 Posen, 15. Mai. Bekanntlich ist vor einem Jahre die israelitische Brüdergemeinde der Stammgemeinde einverleibt worden. Danach hat die geteilte Kassenverwaltung ausgehört, und beide Gemeinden unterstehen nun einer Gemeindebehörde. Der Tempel der Brüdergemeinde hat sich in letzter Zeit zu klein für seine Mitglieder erwiesen und die Erweiterung ist daher notwendig geworden. Die Stammgemeinde hat nun der Brüdergemeinde eine Pauschalsumme von 200600 Mark zur Vergrößerung des Tempels bewilligt. In diesen Tagen ist der Ankauf des anschließenden Gebäudes, welches dem Kaufmann I. Jacobstamm gehört, perfekt geworden. — Zu Kantoren der hiesigen neuen Synagoge sind die Herren Gerendasie und Reinhard gewählt worden. Der erste Kantor, Herr Leibowitz, Berlin, tritt bereits am 1. Juli er. sein Amt hier an, um den gesanglichen Teil zur Einweihung der neuen Synagoge im August vorzubereiten. In diesen Tagen fand auch die Einführung des nengewählten Kantors Herrn Feldmann im Tempel des Vereins der Wohltätigen Freunde statt. Kp. Ans der Provinz Posen, im Mai. Neulich beging das Blaß's che Ehepaar in Samter das Fest der goldenen Hochzeit. Bürgermeister Pfau überreichte ihnen die Ehejubilüumsmedaille. — Das Grundgehalt des jüdischen Lehrers Friedländer in Lobsens ist auf 1100 Mark erhöht und von der Regierung bestätigt worden. — In Ostrowo ist kürzlich Frau Bertha Callomon im Alter von 86 Jahren gestorben, nachdem sie mehrere Jahrzehnte als Borstandsdame des israelitischen Frauenvereins daselbst unsagbar viel für die Linderung von Menschenelend geleistet hatte. — Der Etat der Synagogengemeinde zu Osterode beziffert sich für das Etatsjahr 1907 in Einnahme und Ausgabe auf 6292 Mark. Es werden zur Bestreitung der direkten Steuern 115 Prozent der Einkommenstener erhoben. — Lehrer Barut in Hohensalza ist zum Ehren" Mitglied des Radfahrervereins in seinem früheren Wirknngsorte Noyowo ernannt worden. Er war bis zu seiner Versetzung Vorsitzender des Vereins. — Der Etat der Synagogengemeinde Ostrowo beziffert sich in diesem Jahre auf zirka 17 000 Mark. Es werden 72 Prozent der Einkommensteuer erhoben. — Znm Rabbiner der Gemeinde in Ostrowo ist einstimmig Rabbiner Dr. Freimann- Holleschau gewählt worden. — Die Negierung zu Posen hat die Erhöhung des Grundgehalts der jüdischen Lehrer in Ostrowo um je 150 Mark mit der Begründung abgelehnt, daß die christlichen Lehrer am Orte dadurch unzufrieden werden könnten. Die Erhöhung ist hauptsächlich vom Schulvorstande zur Deckung der Mehrausgaben, die die jüdischen Lehrer für den rituellen Haushalt aufzubringen haben, gewährt worden. Die gleiche Erhöhung für den Hauptlehrer ist indes bestätigt worden, da au§) bei den christlichen Schulen die Leiter weit mehr Gehalt als die Lehrer beziehen. — Das Kaufmann Julius Klein'sche Ehepaar in Krojanke feierte kürzlich das Fest der goldenen Hochzeit. Der Magistrat und der Vorstand der Synagogengemeinde gratulierten durch Abordnungen. Das Jubelpaar stiftete für die Armen 50 Mark und für die Synagoge eine Gesetzesrolle. — Nach dem Abgang des Rabbiners Dr. Freund in Ostrowo haben die Herren Justizrat Voß und Lehrer Koerpel die gemeinsame Verwaltung der Geschäfte des Schntzkomitees für jüdisch-russische Auswanderer übernommen. i. Schwerseiiz, 9. Mai. Der jüdische Beerdigungsverein hielt kürzlich seine Generalversammlung ab, die vom zweiten Vor- 1 enden Herrn Julius Salvmon geleitet wurde. Ein Antrag ans Statulenänderung wurde abgelehnt. Zu Mitgliedern des Kuratoriums wurden die Herren Max Kaatz, Aron Katz und Moritz Scheibe gewählt. Im Anschluß an die Sitzung wurde die Gründung eines jüdischen Literaturvereins innerhalb der jüdischen Gemeinde besprochen. Die Versammlung erklärte sich mit der Gründung einverstanden und etwa 40Herren meldeten ihren Beitritt an. Zum ersten Vorsitzenden wurde Kaufmann Aron Katz, zum zweiten Kaufmann Max Kaatz, zu Beisitzern Casper und Magnus Katz. zum Schriftführer Lehrer Bach, zum Rendanten Heinrich Lachmann, zu Bibliothekaren die Lehrer Grünfeld und Broh gewählt. Zum Ehrenmitglied wurde Rabbiner Dr. Lewin-Wreschen, der die Gründung des Vereins angeregt, ernannt. — Leipzig, 10. Mai. Graf Walter Pückler-Kleintschirne beschäftigte heute wieder einmal das R-ichsgericht. Er ist am 15. März vom Landgericht! in Berlin wegen Anreizung zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Am 5. November v. I. hielt er eine seiner bekannten Reden. Er sprach darin von Natten und Mäusen, von denen die Lokale gereinigt werden müßten, womit er nach der Feststellung des Gerichts zur gewaltsamen Entfernung der Juden anffordern wollte. Auch hat er seine Zuhörer aufgefordert, die Juden „anzupumpen", womit er ausplündern meinte. Zur Reinigung der Lokale von Natten und Mäusen hat er besonders die Offiziere aufgefordert. In der vorliegenden Sache hatte schon vor dem 15. März eine Hauptversammlung stattgesunden. In dieser hatte der Graf behauptet, die inkriminierten Ausdrücke seien nur bildlich gemeint und von seinen Zuhörern auch so verstanden worden. Er erklärte sich bereit, Zeugen für diese seine Auffassung jener Worte herbeizuschaffen. Das Gericht wollte ihm hierzu Gelegenheit geben und vertagte die Sache auf den 15. März. In dieser Verhandlung aufgefordert, die Namen seiner Zeugen zu nennen, erklärte der Graf, er sei dazu außerstande, da er keine Zeit gehabt habe. Sein Beweisantrag wurde nunmehr abgelehnt. In seiner Revision rügte er deshalb unzulässige Beschränkung der Verteidigung. Er sei gar nicht in der Lage gewesen, die Zeugen zu nennen, da er plötzlich verhaftet wurde. (!) Zu Gewalttätigkeiten habe er nicht ausgefordert; seine Worte seien nur bildlich gemeint. — Das Reichsgericht erkannte, wie schon berichtet, auf Verwerfung der Revision. 4$ Hamburg, 21. Mai. Das Krankenhaus der Deutsch- Israelitischen Gemeinde, bekanntlich eine Stiftung, die Salomon Heine 1841 dem Andenken seiner Gattin gewidmet und über die ein schönes Gedicht von Heinrich Heine existiert, versendet wieder einmal einen Bericht und zwar über die letzten drei Jahre. Der Vorstand war in der Zeit in der erfreulichen Lage, das Krankenhaus für seinen Zweck baulich anszugestalten, gleichzeitig fand auf dem Terrain desselben die Errichtung eines stattlichen Wohnhauses für das israelitische Schwesternheim statt. Der Besuch des Krankenhauses war in der Berichtsperiode recht lebhaft. Die traurigen Verhältnisse der russischen Juden brachten es fortgesetzt mit sich, daß kranke russische Auswanderer sich in Hamburg befanden, denen der Vorstand Aufnahme gewährte. Die Einnahmen an Kostgeldern betrugen im Jahre 1906 65 919,50 Mark, die Ausgaben hingegen 113 439,82 Mark. Das Krankenhaus hat eine Poliklinik für innere Krankheiten, eine chirurgische Poliklinik, eine Abteilung sür Augenkrankheiten, eine für Dermatologie und Syphilis, eine für Hals-, Nasen- und äußere Krankheiten und endlich eine für Nervenkrankheiten. Die Verwaltung bilden folgende Herren: N. Beith, Vorsitzender, Dr. Blumenfeld, Schriftsteller, I. Lewandowski, Kassierer, M. M. Heilbut, Hausinspektor, Dr. S. Allen für Krankenaufnahme, Dr. Alsberg, Oberarzt der chirurgischen Abteilung, Dr. Korach, Oberarzt der medizinischen Abteilung; Prosektor ist Dr. I. Michael, Oberin Fräulein Gordon, Inspektor Herr Zuckermann. 8 Hamburg, 16. Mai. Der Verein zur Förderung jüdischer Interessen in Hamburg hatte eine öffentliche Versammlung der Gemeindemitglieder nach dem Logenheim Hartungstraße einöerufen. Die Tagesordnung lautete: „Die Talmud-Thora- Realschule und der letzte Beschluß des Repräsentanten-Kollegiums". Der Vorsitzende Herr Jos. Bachrach jr. begrüßte die zahlreich Erschienenen und bemerkte einleitend, daß wohl alle Gemeindemitglieder darin übereinstiunnen, daß es voll berechtigt ist, wenn der

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