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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-05-24 · Heft 21 (24.5.1907) · p. Seite 245

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 21 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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245 »aber im ganzen um 20 — so kann ich nur dabei bleiben, daß s nach meiner Meinung ganz richtig ist, wenn auch aus as Verhältnis der Zahl der Kinder zu den Lehrkräften Rücksicht genommen wird bei über 3500 jüdischen Kindern,!ttd wenn nur diesem Verhältnis gemäß die feste Anellung erfolgen würde, dann würde auch bei der Zahl er Vertreterinnen der Prozentsatz durchaus ein gleichmäßiger fein. Wenn die jüdischen Lehrerinnen nicht fest angestellt werden, so wird natürlich dann allmählich der Prozentsatz der Verreterinnen größer als bei den Lehrkräften anderer Konfessionen, die egnlär zur Anstellung kommen. Wenn eine solche Dame erst Ende er dreißiger Jahre womöglich angestellt wird, dann bleibt sie so ange in der Zahl der Vertreterinnen, und der Prozentsatz wird durch iese Umstände ein höherer mls bei anderen Konfessionen. Ziffernmäßig habe ich ja gegen die Angaben des Herrn Ministerialdirektors nichts einzuwenden; sie stimmen mit den reinigen überein. Ich ziehe daraus nur andere Folgerungen. Ich abe aber schon vorher erklärt: ich glaube nicht, mich im Prinzip rit den Herren von der Verwaltung über diese Dinge einigen zu innen. Ich bitte aber, die Humanität, die der Herr Ministerialirektor für wünschenswert erklärte, bei der Regelung der Verhältnisse -l bewahren. * Das deuts che Bureau der Alliance Israelite niverselle stellt uns folgende Mitteilungen aus Rumänien ur Verfügung: Bukarest, 14. Mai Ich habe Ihnen die betrübliche Mitteilung zu machen, daß die lusweisungen sich vervielfältigen und zahllose Familien zur Verveiflung treiben. Dicht an den Toren von Bacau ist die Gemeinde Staueresti. wrt wohnten seit Jahren sechs jüdische Familien, die mit zwei oder rei Ausnahmen regelrechte Niederlassungserlaubnis hatten. Alle iese Familien haben nachstehenden Befehl erhalten: Befehl. Wir, Bürgermeister der Gemeinde Staueresti, Bezirk Bucau. In Anbetracht, daß Avram Bercovici die Bedingungen des Artikels 5 des Gesetzes über die Organisation der Landgemeinden nicht erfüllt, In Anbetracht, daß der Genannte bisher die in diesem Artikel vorgesehenen Akten zur Erlangung der Niederlassungserlaubnis nicht ein gereicht hat, Demgemäß und auf Grund des Gesetzes sowie der einschlägigen Ministerial-Verfügungen, befehlen, daß der genannte Avram Bercovici die Gemeinde binnen fünf Tagen nach Empfang dieses zu verlassen hat, und tun ihm kund, daß er eventuell nach den Bestimmungen des Gesetzes abgeschoben werden wird. Der Bürgermeister: Der Sekretär: V. Anghiel. (unleserlich.) Nr. 1429. 1907, April 25. Unter Bezugnahme auf den Befehl Nr. 1429 vom heutigen . Tage teile ich Ihnen mit, daß Ihnen eine Frist zum Verlassen der Gemeinde von nur 48 Stunden nach Empfang dieses gewährt ist, nicht von fünf Tagen, wie irrtümlich angegeben war. Der Bürgermeister: Der Sekretär: V. Anghiel. (unleserlich.) Nr. 1463. 1907, April 25. Herr Radon Porumbaru, Präfekt von Baeau, einer der wildesten Antisemiten Rumäniens, derselbe, der einmal einen jungen jüdischen utscher mit Vitriol Brandwunden beibringen ließ, will den völligen 'uht der Israeliten von Staueresti. von denen einige nach Bukarest ekommen sind, unsere Hilfe und unseren Beistand zu erbitten, icue Bemühungen bei dem Ministerium, wenigstens einen Aufschub on einigen Tagen zu erlangen, sind vergeblich gewesen. Herr ratianu zeigt sich unbeugsam. Fortgesetzt laufen beunruhigende Nachrichten über die Ernte ein. Die Trockenheit nimmt von Tag zu Tag zu. Man spricht bereits von Hungersnot. Auch die landwirtschastlichen Aussichten sind nichts weniger als beruhigend. * Die „Russkoje Znamja", das Hauptorgan der „schwarzen Hundert" in Rußland, veröffentlicht den Wortlaut des Telegramms, welches der Parteikongreß der Rechten an den Zaren gerichtet hat. Der folgende Auszug ist charakteristisch für den ganzen Inhalt: „Wir bitten Ew. Majestät, den Juden das Wahlrecht für die Dnma zn entziehen und sie aus derselben zu entsernen. Sie haben nicht zum Ausbau Rußlands beigetragen, im Gegenteil, sie haben alle Nationen ruiniert, unter die sie ihr Schicksal verstreut. Warum sollte Rußland ihnen die Möglichkeit geben, unser Reich zu zerstören? Die Schulen und Universitäten, in denen Juden zngelassen wurden, sind das Mistbeet der Revolution geworden. Die Armee fängt an durch die Juden demoralisiert zu werden. Die Kosaken unterscheiden sich allein durch ihre Loyalität, weil sie mit de» Juden nicht in Berührung kommen. Kaufleute, Künstler, Juristen und Aerzte, die unter jüdischen Einfluß kommen, werden demoralisiert. Die Inden haben sich des ganzen Landes bemächtigt, die ganze Presse ist in ihren Händen. Die Aufstände in Rußland wären längst zu Ende, wenn nicht die Juden sie fortwährend erneuerten; ihr Glück baut sich aus dem Ruin des russischen Volkes auf. Sie haben deshalb auch nach einer Duma verlangt, damit sie, wenn die Judenfrage zur Diskussion gestellt werden sollte, als Experten gelten würden — kann es aber Nicht-Christen erlaubt werden, das Schicksal von Christen zu entscheiden?" Man sagt, daß die Telegraphendrahte auf der Strecke von Moskau ltach Petersburg vor Scham über das Mistbeet von Lügen und Verleumdungen errötet seien, die in diesem Telegramm vereinigt sind, das in ganz Rußland verbreitet wurde, und wohl weniger für den Zaren als für das Volk, speziell für die Bauern berechnet ist. Freilich, wenn diese sehen, daß ihrem ehrenwerten Kollegen Maxim Moisejenko, der vom obersten Gerichtshof in Odessa wegen Teilnahme an den Exzessen gegen die Juden im Oktober 1905 zu acht Monaten Gefängnis verurteilt worden, auf ein Bittgesuch an den Zaren im Gnadenwege die ganze Strafe erlassen wurde, so werden auch jene Telegrammlügen ihres Eindruckes nicht verfehlen. Erfreulicher klingt die Nachricht, daß die Kommission der Reichsduma, die mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs betreffend die Gewissensfreiheit beauftragt worden ist, den Beschluß gefaßt hat, daß der Gesetzentwurf einen besonderen Artikel betreffend die Aufhebung der Einschränkungen der Rechte der Israeliten enthalten soll. ft Die eben erschienene Nr. 1 des dritten Jahrganges der Blätter für vergleichende Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre, herausgegeben von dem Berliner Kammergerichtsrat Dr. Felix Meyer, enthält einen Aussatz über „Die jüngste Einwanderung in die Vereinigte Staaten von Nordamerika" von Dr. Charles E. Stangeland, Professor der Nationalökonomie anr State College of Washington. Dieser Abhandlung sei folgende Stelle entnommen: Ein berühmter europäischer Professor sagte mir einmal: „Sie haben jetzt Ihre Negersrage, aber Sie werden auch noch die Judenfrage bekommen." Bisher ist jedoch kein Grund für die Richtigkeit dieser Annahme vorhanden, nicht mehr als in bezug aus irgend eine andere Rasse oder eine andere Religionsgemeinschaft in unserm Lande; im Gegenteil, cs scheint eher, als ob das jüdische Element unserer Bevölkerung vermehrte Kultur und größeren Idealismus brächte. In der Stadt Newyork, wo ungefähr drei Viertel Millionen Juden leben» befinden sich allerdings hunderttausende von ihnen unter den

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