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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-05-17 · Heft 20 (17.5.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 20 (17.5.1907)
Date
1907-05-17
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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s ü G^MWWWWWWWW ■ 1> WWW 8. Hohett^alza, 12. Mai. Vor kurzem wurde hier die diesjährige Generalversammlung des hiesigen Israelitischen Frauenvereins im Kasino des Hotel Weis; abgehalten, zu welcher viele Mitglieder erschienen waren. Die Vorsitzende Frau Assessor Dr. Levy leitete die Versammlung. Nach dem von Herrn Rentier Fouis Sandler erstatteten Jahresbericht zählt der Verein 143 Mitglieder. Der Kassenbericht gibt ein ersreuliches Bild von der guten finanziellen Lage des Vereins, dessen Mittel durch jährliche Beiträge und reiche Spenden herbeigeschafft werden. Derselbe besitzt einen Reservefonds von über 12 000 Mark. Der Rendantin Frau Pliser wurde hieraus die Entlastung erteilt; die Vorsitzende gedachte in ehrenden Worten der mühevollen Tätigkeit und musterhaften Kassensührung der Rendantin. Die Versammlung erhob sich zum Zeichen des Dankes von ihren Plätzen. Bei der hierauf vorgenommenen Vorstandswahl wurde die bisherige Vorsitzende, Frau Assessor Dr. Levy, einstimmig als Vorsitzende wiedergewählt. Hierauf beschloß die Versammlung, den Namen des hier segensreich wirkenden Israelitischen Siechenheims in Altersversorgungsanstalt umzuändern. Schließlich ersuchte die Vorsitzende die Damen, sich für die innere Ausschmückung der neu zu erbauenden Synagoge lebhaft zu interessieren. Es wurde zu diesem Zwecks eiue Mitgliederkommission gewühlt, welche in ihren Bekanntenkreisen Geldspenden sammeln soll. Ferner wurde beschlossen, Ende Januar oder Anfang Februar 1908 das 20jährige Stiftungsfest des Vereins zu feiern. — Der Kultnsbeamte, Lehrer Simon Hierselbst ist zum Kantor und Religionslehrer der Synagogengemeinde in Kolberg i. P. gewählt worden. x Warmbrrrnrr, im April. Der 28. Verwaltungsbericht des hiesigen Jüdischen Knrhospitals für die Badesaison des Jahres 1606 ist ausgegeben worden. Das Institut blickt also auf das 28. Jahr seines Bestehens zurück. 41 armen Glaubensgenossen (7 Männern, 34 Frauen) ist wiederum die große Wohltat gewährt worden, die Warmbrunner Heilquellen aufsuchen und zur Herstellung oder Kräftigung ihrer Gesundheit benützen zu können. Im Kurhospita! fanden sie nicht bloß unentgeltliche Aufnahme, sondern wurden auch verpflegt und aller Kurmittel, der Bäder, des ärztlichen Beistandes vne der nötigen Medikamente teilhaftig. Dafür gebührt der Dank all den Spendern, die die Verwaltung durch ihre Gaben und Beiträge in den Stand gesetzt, einen kleinen Teil sozialen Elends mildern zu helfen und hie und da einer Familie ihren Ernährer oder ihre Ernährerin, einen Arbeitsunfähigen seinem Berufe wiederzugeben. Herr Reichsgraf Friedrich Schaffgotsch hat wiederum 12 armen jüdischen Badegästen Freibäder bewilligt. Die Einnahmen betrugen 3326,27 Mark, die Ausgaben 2821,70 Mark. Jmnrer mehr häufen sich die Bewerbungen um Aufnahme in die Anstalt, und immer größer werden die Aufwendungen, die dieselbe erheischt. Da glaubt denn der Vorstand auch diesmal, nicht vergebens die Mildtätigkeit unserer Glaubensgenossen anzurufen und der Unterstützung und Förderung dieses gemeinnützigen Werkes sicher zu sein, das die Linderung von Not und Schmerzen sich zur Ausgabe gestellt hat. Der Vorstand des jüdischen Kurhospitals besteht aus den Herren: B. Nielas, I. Engel, Rabbiner Dr. Diram, Dr. med. Moses, L. Wall fisch. Das Kuratorium bilden die folgenden Herren: Justizrat Ledermann, Stadtrat Weißstein, Hermann Cohn, I. Frankel, S. Feldmann, I. Guttmann, I. Königsberger, W. Moses, R. Neustadt in Hirschberg. es. Emden, 10. Mai. Den Ausgang des Strafverfahrens in der B orkumer Sache kann ich Ihnen schon heute mitteilen; er endete wie das Hornberger Schießen. Angeklagt waren in dieser Strafsache der Kaufmann Heinrich Kellner aus Berlin, der Kaufmann Ernst Weber aus Hannover, der Schüler Wolff von Lyriker aus Wiesbaden, der Student Andreas Jlenburg aus Leipzig. Das Schöffengericht zu Enrden verurteilte in der Sitzung vom 21. Dezember v. I. nur den Kaufmann Weber wegen Gebrauchs eines falschen Namens (er hatte sich bei dem Radau dem Gendarmen gegenüber den Namen Meier beigelegt) zu 3 Mark Geldstrafe. Die Angeklagten von Lynker und Jhlenburg wurden freigesprochen, weil nicht festzustellen war, ob sie die sogenannte schwarz-weiße Kompagnie am 11. August vor das Hotel „Deutsche Warte", wo sich das Geschäftslokal des Sander besarrd, geführt, hier das Borkumlied haben singen lassen und sich reibst mit Gesänge beteiligt haben. Gegen den Angeklagten Kellner mußte das Verfahren eingestellt werden, weil er nicht aufzustnden war. Das Gericht hatte den Antrag auf Gegenüberstellung der Zeugen und Angeklagten abgelehnt; der Kläger hat nun mit Rücksicht auf die in Borknm herrschende antisemitische Strömung, welche ihm die Zitierung von Zeugen sehr erschwert, von der Einlegung der Berufung Abstand genommen. Im übrigen muß man in diesem Falle einmal der „Deutschen Tageszeitung" leider Recht geben, die fragt: „Warum nur die Herren gerade eine solche Sehnsucht nach Borkum haben? Es gibt doch so viele andere schone Badeorte, wo sie ganz oder fast ganz unter sich sind. Mögen sie doch Borkum mit Verachtung strafen!" Das ist auch unsere Ansicht. Frankfurt n. M., 13. Mai. Am 6. d. M. ist hier nach langen und schwierigen Unterhandlungen das Einignngswerk zwischen den norddeutschen und süddeutschen Rabbinern zustande gekommen. Die endgültigen Kautelen für die Einigung ivurden in jener Sitzung festgestellt. Man darf darauf gespannt sein, ob diese auch der Oeffentlichkeit übergeben werden. Für jeden Fall ist die Sache von Wichtigkeit, und die Orthodoxie hat dadurch eine ja nicht zu unterschützende Stärkung erfahren. — Aus dem Jahresbericht der Verwaltung der Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden a. T. ist zu ersehen, daß das Institut sich auch weiter der Teilnahme edler Gönner erfreut. So hat die Frau Baronin W. C. von Rothschild zum größten Teil die Mittel zu einem Neubau für wirtschaftliche Zwecke bewilligt, der für die Anstalt dringendes Bedürfnis war. Trotzdem kann ein Fortschreiten in den Leistungen nicht verzeichnet werden, da die vorsichtige Verwaltung es für ihre Aufgabe hält, beizeiten materiellen Schwierigkeiten vorzubeugen. Ihr vorjähriger Appell war leider nicht von dem Erfolg begleitet, wie es zu wünschen gewesen wäre. Trotzdem haben 213 Patienten Aufnahme gefunden. Die Anstalt hat durch den Tod der Herren Fürth und Wisloch große Verluste erlitten. Die Verwaltung besteht aus den Herren Dr. E. Rosenbaum, M. M. Mainz, Theodor Fürth, D. A. Worms, Bernhard Frenkel, Manfred S. Goldschmidt, M. A. Wolff in Frankfurt a. M. Karlsruhe, 8. Mai. Der Verein zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Großherzogtums Baden hat seinen Jahresbericht ausgegeben. Die fünf Lehrlinge, die in dem Lehrlingsheini zn Karlsruhe untergebracht sind, berechtigen zu den besten Erwartungen. Zwei von den russischen Pogromwaisen übernahm der Verein auf seine Kosten in Obhut und Pflege. Eine Enquete über das Schicksal der früheren Lehrlinge hatte ein gutes Resultat. 44 arbeiten mit gutem, teilweise ausgezeichnetem Erfolge als Meister oder Gesellen in ihrem erlernten Handwerk; nur zehn mußten den Beruf verlassen, teilweise wegen Krankheit, teilweise wegen Familienverhältnisse, und nur sechs wegen Unfähigkeit. Nahezu 70 Prozent der ehemaligen Pfleglinge sind also dem Handwerk mit gutem Erfolge treu geblieben. Die Einnahmen des Vereins betrugen 5813.90 Mark, die Ausgaben 5782,75 Mark, das Vermögen 16 620,40 Mark. Der Verein hat innerhalb seines Wirkungskreises in 24 Gemeinden 254 Mitglieder. * Gesterretch-Nngsrn. □ Wien, 13. Mai. Wenn diese Zeilen in die Hände Ihrer Leser gelangen, dann sind die Reichsratswählen zu Ende. Es ist auch ein Glück, denn so viel Schmutz, wie in den letzten Wochen hier aus diesem Anlaß aufgewühlt wurde, läßt sich gar nicht fegen. Namentlich gilt dies von den Vorgängen im fünften Reichsratswahlkreise. Noch in Letzter Stunde hatte der Vorstand der österreichisch-israelitischen Union Partei in der Sache ergriffen und die Kandidatur des Advokaten Dr. Julius Osner seinen Mitgliedern in einer Generalversammlung empfohlen. Dieser Beschluß dürste von weittragender Bedeutung sein. Auch in Galizien und in Böhmen haben die Juden sich sehr eifrig an der Wahlagitation beteiligt und der erst seit zirka zwei Monaten bestehende „Svaz pokrokovych Zidu pro Cechy a Morava v Praze“ („Bund der fortschrittlichen Juden für Böhmen und Mähren in Prag") hat auch gegen diejenigen Kandidaten der Jnngtschechen ü e fc ei I h u Y U u ll q V v 11 } ■< l;t! •t V 1 I ■i« tfg ® ('S

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