Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1907)
- Date
- 1907-05-17
- Page
- Seite 235 (sequence 7)
- Language
- German
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zugeinessen ist, muß ich mich selbstverständlich nur kurz fassen, und ich will daher bloß auf einige wenige Punkte Hinweisen, die besonders interessant sind und die von dem Redner in seinem Vortrage mit einem gewissen Nachdruck berührt worden sind. Während einer Periode im Mittelalter, die etwa 250 Jahre darlerte, sagte Mr. Huine, haben die Jtlden in Spanien in den bedeutendsteir Gebieten des menschlichen Denkens und Schaffens so manches Wertvolle ans Tageslicht gefördert, was von überaus großem Nutzen war und stets bleiben wird. Sie zeichneten sich ans auf dem Gebiete der Philosophie, der Dichtkunst, der Botanik, der Astronomie und Astrologie. Verschiedene spanische Juden waren bedeutende Aerzte und hervorragende Diplomaten; sie förderten den Handel und die Industrie des Landes in markierter Weise, und durch ihre Mitwirkung war der kastilianische Dialekt der Spanier derart ausgebildet und erweitert, daß er schließlich zur Landessprache erhoben wurde, und er existiert noch jetzt als eine der schönsten und klangvollsten europäischen Sprachen. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, daß es spanische Juden waren, die das Epigramm und die Parabel, welche beide Dichtungszweige kurzgefaßte moralische Lehren und Sprichlvörter enthielten und ursprünglich in der alten arabischen, persischen und hebräischen Literatur ihre legitime Heimat hatten, aufs Gebiet der spanischen Literatur verpflanzt haben, welche letztere wiederum die Quelle bildete, woraus verschiedene andere europäische Sprachen nach rmd nach ihre schönsten Nachbildungen schöpften. Ja, denselben Juden ist es zu verdanken, daß mittels deren Uebersetzungen von alten wissenschaftlichen Büchern in die Landessprache die Existenz so mancher Wissenschaft aufrecht gehalten wurde, um welche das übrige Europa zur selben Zeit sich fast gar nicht kümmerte. Statt aber die unendlich großen Dienste auzuerkennen, die die spanischen Juden ihrem Vaterlande in verschiedenen Beziehungen erwiesen, wurden sie in grausamer Weise daraus vertrieben, um in der Fremde ein miserables Dasein zu fristen. Aber selbst dann noch dienten einige von ihnen Spanien in einer höchst merkwürdigen Weise. Denn sie trugen viel dazu bei, daß es Kolumbus möglich wurde, die neue Welt zu entdecken, die schließlich in den Besitz der spanischen Regierung überging. Kolumbus selbst gesteht diese interessante Tatsache in einem öfter veröffentlichten Brief ein, den er seinem Sohne schickte und worin er ihm die Nachricht von seiner endlichen Entdeckung der neuen Welt mitteilte. „Dies", sagte Mr. Hume zum Schluffe seines Vortrages, „sind einige von den Diensten, die die Juden von Spanien Europa geleistet haben. Was hat aber Europa als Gegendienste für sie getan?" — Als Seitenstück zu den bereits genannten Tatsachen hinsichtlich der erfolgreichen Tätigkeit, die die Juden auf verschiedenen Gebieten menschlichen Denkens und Schaffens in der Vergangenheit entfaltet haben, mögen auch folgende hier erwähnt werden. Augenblicklich sind fast alle Premierminister der englischen Kolonien hier versammelt, um unter anderen Angelegenheiten auch die Fortschritte zu besprechen, die in neuester Zeit in ihrer resp. Heimat zum Vorschein getreten sind. Nun ist es interessant zu erfahren, das; einige dieser Minister auf privatem Wege die Mitteilung gemacht haben, daß mehrere von den in den englischen Kolonien ansässigen Inden recht viel zu dem Aufblühen des Handels und der Gewerbetätigkeit beigetragen haben. Eine ähnliche Energie haben Juden auch in dem kolossalen indischen Reich entfaltet. — Eine merkwürdige Erscheinung ist eS auf den; Gebiete der modernen englischen Literatur, daß nämlich, während die Werke aller anderen bedeutenden deutschen Schriftsteller nur äußerst selten hier zulande ins Englische übertragen werden, die poetischen und prosaischen Schriften Heinrich Heines recht häufig entweder ganz oder nur stückweise von Engländern übersetzt und veröffentlicht werden. Dieser Umstand ist um so mehr beachtenswert, als Heine bekanntlich hie und da in seinen Schriften Bemerkungen über das Wesen und den Charakter der englischeil Nation fallen läßt, die keineswegs als schmeichelhaft angesehen werden können. Aber es ist der unbeschreibliche Zauber der Heineschen Lieder und der köstliche Witz und Humor, der in dessen Prosaischen Stücken oft zum Vorschein tritt, die den Engländer anziehen und amüsieren. Der jüngste Uebersetzer der Heineschen „Reisebilder" ins Englische ist Mr. Charles Lowe, und in der Einleitung zu dieser seiner Uebersetznng macht er folgende auffallende Bemerkung. Er sagte darin, daß vor kurzen; von verschiedenen bedeutenden Engländern mehrere Listen aufgestellt wurden, auf die die Namen der hundert besten und gediegensten Werke genannt wurden, die in der Weltliteratur existieren, und das; Heines Schriften ans allen diesen Listen verzeichnet waren, während die von Goethe nur auf einigen wenigen Listen erwähnt wurden. Was wohl unsere deutschen Antisemiten zu dieseui Faktum sagen werden? Sicherlich werden sie den besagten Mr. Charles Lowe als einen parteiischen und unzurechnungsfähigen Juden erklären, was er aber in Wirklichkeit keineswegs ist. — Dr. M. Friedländer, der mehr als vierzig Jahre Direktor des hiesigen .Tewish College war, hat jüngst seinen Posten aufgegebeu, um seine wohlverdiente Ruhe in; Privatleben zu genießen. Dr. Friedlünder war stets eine gersoua gratissima nicht allein bei allen seinen zahlreichen Schülern, sondern auch bei allen deiren, die mit ihm in freundschaftliche Berührung kamen. Sein Nachfolger im Amte ist Professor Dr. Büchler, ein früherer Schüler des Breslauer „Jüdisch- Theologischen Seulinars", der eine Reihe vo>; Jahren an; Rabbinerseminar in Wien mit großem Erfolge tätig war. Alan hofft allgemein, daß das Jewish College unter Professor Büchlers Leitung sich ebenso gedeihlich und vielleicht noch nutzreicher entfalten werde, als es bisher der Fall gewesen ist. — In jüngster Zeit haben sich einige literarische Vereine in; Osten von London gebildet, worin Vortrüge in der hebräischen Sprache gehalten werden. Solche Vereine sind natürlich bei weitem jenen vorzuzieheu, in denen der jüdische Jargoi; in; Gebrauch ist, welch letzterer leider nach und nach eine immer größere Ausdehnung unter den ärmeren Juden Londons gewinnt und entfaltet. In einem in dem besagter; Stadtteile gelegenen Gerichtshöfe wird das Kauderwelsch so häufig in Anwendung gebracht, daß der dortige nichtjüdische Richter und die daselbst anwesenden Dienstmümrer „Jidisch" verstehen und arrch mehr oder weniger geläufig sprechen. Nabe oder Taube? Non S. Wiener. ierzig Tage lairg hatte es auf Erden geregrret, und alles Lebendige war vernichtet worden. Da lies; Noah einen Raben ausftiegeu. Doch dieser konnte nirgerrds eine trockene Stelle finden und kam bald wieder zurück. Ebenso erging es ihm mit einer Taube. Nach sieben Tagen schickte er abermals eine Taube aus, die wieder zurückkam, aber ein Oelblatt im Maule trug. Daraus erkannte er, daß das Wasser abge-