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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-05-10 · Heft 19 (10.5.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 19 (10.5.1907)
Date
1907-05-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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71. Jahrgang. Nr. 19. Berlin, IO. Mai 1907, Der Gemeindevote. Deilsgr zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". korrrlpondmrm und Machrichtrn. Ventschland. 8. Berlin, 5. Mai. Die heutige Reprüsentanten-Versammung halte einen „großen Tag" zu verzeichnen. Das säst vollzählige uiD sehr pünktliche Erscheinen der Mitglieder des Gemeindevorstandes mb des Repräsentanten-Kollegiums und die starke Besetzung der sonst verwaisten Tribüne deuteten bereits vor Beginn der Sitzung darauf iin. Die Erwartung der Erschienenen wurde auch nicht getäuscht, iu Form einer von Geheimrat Senator und Justizrat Veit Simon usgehenden, durch den letzteren vor dem Plenum kurz begründeten niterpellation wurde dem Gemeindevorstand Gelegenheit geboten, ch zur Angelegen heit der AmtsjusPens i on des hiesigen Predigers Dr. Emil Cohn zu äußern. iS. darüber den Sonderericht in dieser Nummer.) An dieser Stelle lassen wir kurz die übrigen Punkte der umfangreichen, 30 Vorlagen umfassenden Tagesrdnung folgen. Geschäftlich teilte der Vorsitzende Louis Sachs ult, daß an Stelle des durch Tod ausgeschiedenen Kommerzienrats rriedländer Herr Moritz Rosenow definitiv einberufen worden ist. Die Resolution der Repräsentanten, den Koscherfleischhändlern auernd die Beiträge zum Penstonsfonds zu erlassen, ist von» lemeindevorstand, da er sich nicht von der Zweckmäßigkeit einer olchen Maßregel hat überzeugen können, abgelehnt worden. Dagegen ,at sich der Vorstand bereit erklärt, die Ausarbeitung eines Normalesoldnngsetats, sobald angängig, in Erwägung zu ziehen, für die lächste Etatsberatung die Spezialetats vervielfältigen und jedem Repräsentanten zugehen zu lassen. An Stelle des verstorbenen Kommerzienrats Friedländer wird Direktor Dr. Minden mit großer Mehrheit zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden der Versammlung lewählt; in die erledigten Kommissionsstellen rückt Herr Moritz Rosenow ein, so im Ausschuß II, in der Subventions- und Armenommission, in der gemischten Deputation betr. Erbauung einer 7rgel in der Synagoge Rykestraße. Die Zuwendung der vvau Sara Peltesohn im Betrage von 3000 Mark zu Drabeserhaltungs- und Wohltätigkeitszwecken, ebenso die iuwendung der Frau Jenny Born in Höhe von 15000 Mk. an die ttterversorgungsanstalt in der Exerzierstraße wurden debattetos ane nommen. Ter bereits bei der Etatsberatung eingebrachte Antrag 5r. Cohn auf Aendernng der Satzungen der Waisenkommission verj :el der Vertagung. In die gemischte Deputation zur Beratung der .vorm künftiger Etats werden die Herren Louis Sachs, Geheimrat 'tumenthal, Benas Levy und Gerson Simon, in die gemischte Deputation zur Beratung der Grundsätze für die Subventionierung er privaten Synagogengemeinden Pros. Blaschke, Prof. Kalischer, -eheimrat Blumenthal und Dr. Ignaz Cohn entsandt. Dem 'rankenhaus wird ein außerordentlicher Betrag von 2000 Mk. zur .Anschaffung von Schlasdecken bewilligt, der Friedhofskommission ge- -ehrnigt, der Paketfahrtgesellschaft im Bedarfsfälle Ouittungen bis um Betrage von 30000 Mk. zum Inkasso zu übergeben. — Aus Du lisch der Friedhofskommission sollen die Preise für die unmittelbar m Eingang des Friedhofs zu errichtenden Erbbegräbnisse pro uadratmeter von bisher 60 Mk. auf 120 Mk. erhöht werden. Herr Weinberg spricht sich gegen die Vorlage aus, um nicht zwei Arten ou Erbbegräbnissen zu schaffen und einen Unterschied zwischen Deichen und ganz Neichen entstehen zu lassen. Kommissar Netter zeichnet die Erhöhung wegen der besonders günstigen Lage der 'Erbbegräbnisse als angemessen und um so mehr erforderlich, >üs das Beerdigungswesen im abgelausenen Jahr ein Minus ''ou 4000 Mark ergeben hat. Herr Netter eröffnet den wenig greulichen Ausblick, daß in allernächster Zeit ein neuer Tarif mit erhöhten Gebühren für alle Beerdigungen vorgelegt werden wird. Mch seiner Angabe existiert keine Gemeinde, welche so niedrige gebühren berechnet, wie die hiesige Gemeinde. Die Vorlage wurde mit großer Mehrheit angenommen. — Für den Religionsunterricht eines Proselyten und einer Proselytin lverden je 30 Mark bewilligt. Der vorberatende Ausschuß hat hierzu die Resolution gefaßt, für die Erteilung von Religionsunterricht an Proselyteir dein Gemeind evorstand alljährlich einen Gesamtbetrag von 300 Mark zur Verfügung zu stellen. Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn sprach dagegen, Herr Benas Levy trat für Annahme der Vorlage ein, da die Versammlung gar nicht in der Lage sei, jeden Fall zu prüfen. Die beiden Bewilligungen wurden genehmigt, die Resolution jedoch abgelehnt. Es wurden ferner unter anderem bewilligt: 2500 Mark, wie bisher, an das Gesamtarchiv der Deutschen Juden pro 1907/1908. Die Versammlung erklärt sich sodann einverstanden mit der Vermehrung der llnterrichtszeiteu für den Religionsunterricht in Weißensee um zwei Wochenstuuden. Auch die Vorlage der Drucklegung der Parallelen zwischen Christentum und Judentum ist nach langen Mühen zum Abschluß gelangt. Die Auslage soll in 50 000 Exemplaren erfolgen, und zwar sollen 20'000 an die Mitglieder der hiesigen Gemeinde gesandt werden, die übrigen 30 OOO Exemplare an Zeitungen, Lehrer höherer Knaben-und Mädchenschulen, Rabbiner, jüdische Religionslehrer, Rektoren, Professoren und Dozenten der Universitäten, an die Abgeordneten der verschiedenen Bundesstaaten, des Reichstages, des Landtages, des Herrenhauses, die Akademien der Wissenschaften, Aerzte, Znstizbeamte und Rechtsanwälte. Die Versendung soll durch den hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur erfolgen, und dieser soll auch die Schrift nach außen vertreten. Zur Drucklegung und Versendung wurde einstimmig der Betrag von 3500 Mark bewilligt. Eine Verbreituug der Schrift in den übrigen Großgemeindeu ist sehr erwünscht. worauf besonders Geheimrat Senator hinweist. Durch Vermittlung der Literaturvereine in den übrigen Großgemeindeu soll diese Verbreitung herbeigesührt werden. — Zum Schluß der öffentlichen Sitzung erklärte sich die Versammlung noch einverstanden mit der Mietung des Saales der Brauerei Friedrichshain, Tiergartenhvf und Beuthstraße 20 zu festgottesdienstlicheu Veranstaltungen. Ans der geheimen Sitzung teilen wir noch mit, daß Herr Dr. I. Renz er zum zweiten Bibliothekar der Gemeindebibliothek gewühlt wurde. Es wurde ferner beschlossen, für das rumänische H itss iv e r k 3000 Mark zu bewilligen. Berlin, 8. Mai. Der Prediger der hiesigen „Jüdischen Reformgemeinde", Herr Tr. Julius Oppenheimer, beging am 7. d. M. seinen 80. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische. In der Bescheidenheit seines Wesens lehnte der Jubilar alle Ovationen ab und verbrachte den Tag in stiller Zurückgezogenheit fern von Berlin. Vorstand und Repräsentantenkollegimu der Reformgemeinde widmeten dein Jubilar eine Ehrengabe zur freien Verwendung für mildtätige Zwecke, die er stets gern geübt. Außerdem überreichten sie eine Adresse, worin seinersast ein halbes Jahrhundert »nährenden trenen Wirksarnkeit im Dienste der Gemeinde rühmend gedacht und dem Wunsche Ausdruck gegeben ward, daher noch lange in gleicher Frische seines Amtes walten möge. 22 Berlin, 5. Mai. Zu der Sitzung des Abgeordneten- Hauses vom 1. d. M. erklärte vor Eilüritt in die Tagesordnung der Zentrumsabgeordnete Dr. Porsch: „In der Sitzung vom 26. April habe ich berichtet, der Rabbiner Tr. Cohn sei von der Charlottenburger jüdischen Gemeinde abgesetzt »vorder», »veil er eine freundliche Stellung zum Antisemitismus gezeigt habe. Herr Tr. Cohn bittet »nich, mitzuteilen, daß er den Antisenlitismus für ganz verwerstich halte, daß er aber die Tatsache feiner Existenz wegen der Verschiedenheit der Rassen us»v. erklärlich halte." >. Berlin, 5. Mai. Am 26. v. M. ist hier auf der Heimreise aus Italien der bekannte nationalökonomische Schriftsteller Dr. Boris Brandt gestorben. Er war in Rußland als Fachmann auch in seinem Gebiete sehr angesehen und bekleidete jahrelang einen hohen Posten in» Finanzministeriuln. Für die Juden in Rußland hat er

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