Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1907)
- Date
- 1907-05-03
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228744-3228763--63498-3297399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Deutschlands in der Gegenwart". In den vier ÄereineL des Verbandes der oberschlesischen Literaturvereine Kattowitz, Myslowitz, Gr. Strehlip und Nceiße sprach Frl. Tr. Samter-Verlin über „Küche und Keller in biblischer Zeit" und über „Nahet Varnhagen nnb ihren Kreis"; ferner in Kattowitz Rabbiner Dr. Cohn über „Die Geschichte der Juden in Hamburg und Altona"; in Frankfurt a. M. Professor Tr. Kracauer über „Die dortige jüdische Gemeinde zur Zeit des 30jährigen Krieges", Tr. Faitlowitsch-Paris über „Die Falaschas"; in Nordhansen Frl. Meyerhoj-Hildeck über „Heimatkunde und Stammesbewußtsein"; in Dresden Dr. A. Biram- Berlin über „Die Bedeutung der spanisch-arabischen Epoche in der jüdischen Geschichte", Dr. Stein über „Die Anfänge der Zerstreuung unter den Juden"; in Hamburg Tr. Leimd vrfer über „Judentum und Christentum"; in Hattingen hielt Oberregisseur Krause- Essen einen Nezitationsabeud ab, Lehrer M. Andorn sprach über „Bibel und Humanität"; in Mannheim Dr. Apfel über „Die Renaissance des jüdischen Bewußtseins". Außerdem hielt Rabbiner Dr. Wilensky in Karlsruhe, Frankfurt a. M., Würzburg, Stuttgart, Mannheim und Straßbnrg seinen Vortrag „Unter dem Drucke eines hundertjährigen Ausnahmezustandes". s. Berlin, 29. April. Die vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde zur Ausbildung von jüdischen Religionslehrern an höheren Schulen veranstalteten kostenlosen Vorlesungskurse haben jür dieses Sommersemester am 29. d. M. begonnen. Ueber die Bedeutung dieser Kurse haben wir uns erst vor kurzem eingehend ausgesprochen. a. Osterode sOstPr.), 26. April. Seit dem Jahre 1879, der Einführung der Schöffengerichte, ist zum erstenmal ein Jude im Bezirk des Amtsgerichts Osterode (Ostpr.) zum wirklichen Schöffen ernannt worden. Zu Hilfsschöffen sind in den 28 Jahren nur zwei Juden ausgeloft worden; ob sie gesessen haben, weiß man nicht. Ter zum wirklichen Schöffen Ernannte ist der Besitzer und Gemeindevorsteher. Vertreter der Gutssrau Kramer im Kreistage unter den Großgrundbesitzern, Herr Leopold Schm uh l im Dorf Leip hiesigen Kreises, Regierungsbezirk und Landgerichtsbezirk Allenstein. Herr Schmuhl erfreut sich weit und breit eines außerordentlichen Rufes. Aus kleinen Anfängen haben er und seine Gattin sich emporgearbeitet, und mit einem gewissen Behagen sieht man nun auf ihre musterhafte Landwirtschaft, die selbst die Antisemiten staunen macht. Uebrigens gibt es in unserer Provinz mehrere solcher jüdischen Landwirte. — Die Herren Joses und Adolf Krause-Berlin, früher in Pernambuco, Kinder der hiesigen Gemeinde, lassen mit einem Kosteuauswande von zirka 20000 Mark um den hiesigen Friedhof, die Ruhestätte ihrer Eltern und Geschwister, eine Mauer aufführen und eine massive, heizbare Leichenhalle mit Gebet-, Wach- und Reinignngsräumen in künstlerischem Stil erbauen. §2 Danzig, 26. April. Ter Verband der westpreußischen Synagogengemeinden kann jetzt auf eine zehnjährige Wirksamkeit zurückblicken. Diesen Anlaß benutzt der Vorstand, um mit dem üblichen Geschäftsbericht eine zusammenfassende Uebersicht über die Arbeiten und Erfolge des Verbandes innerhalb dieser Zeit zu geben. Der Schwerpunkt der Verbandsarbeit lag in dem ersten Dezennium des Bestehens ans dem Gebiete des Religionsunterrichts. Das Bestreben, diesen in sämtlichen 51 Provinzialgemeinden zu organisieren, zu heben und zu inspizieren, war von gutem Erfolg begleitet. Die Subvention zu den Kosten des Religionsunterrichts nahm auch I den größten Teil des Budgets in Anspruch. Der achte Gemeindetag fand am 20. Mai v. I. hier statt und war sehr zahlreich besucht. Wir haben damals über die Verhandlungen einen ausführlichen Bericht gebracht. Die Bemühungen, ein jüdisches Provinzial- Krankenhaus zu errichten, scheinen bisher ohne Erfolg geblieben zu sein, dagegen hat sich die Wanderbibliothek weiter gut entwickelt. Da es dem Verbände nicht gelungen, den Widerstand zu überwinden, den einzelne westpreußische Gemeinden noch immer der Inspektion ihrer Religionsschulen entgegensetzten, war derselbe genötigt, sich an die Regierungsbehörde in Danzig und Marienwerder zu wenden. Beide Behörden haben in erfreulicher Weise der Bitte stattgegeben und an die Synagogenvorstände Verfügungen gerichtet, in denen sie diesen empfehlen, von den Inspektionen des Verbandes Gebrauch zu machen. Der Versuch, die von vielen Seiten angestrebten Bezirksrabbinate einzurichten, muß nach dem Bericht jetzt leider endgültig als gescheitert angesehen werden. Dem Verbände gehören 40 Gemcinbcit und 244 Privatpersonen an. Seine Einnahmen betragen 6463,69 Mark, seine Allsgaben 2793,60 Mark. Der Ausschuß setzt sich in folgender Weise zusammen: Justizrat Behrendt, Vorsitzender, Rabbiner Dr. Freudenthal, stellv. Vorsitzender, M. Kadisch, Schatzmeister, A. Eisen-Danzig, Stadtrat Löwenstein-Elbing, Stadtrat Belgard-Graudenz, D. Wolff, Rabbiner Dr. Rofenberg-Thorn, Kommerzienrat Goldfarb-Pr.-Stargard, M. Cohn-Neumark, M. Neumann-Lautenburg, I. Springer-Clllmsee. — Posen, 30. April. Der Verein Israelitischer Lehrer der Ostprovinzen wird am 21. Mai d. I. unter Vorsitz destzauptlehrers Herbst-Lissa im Gemeindehause in Posen, Teichstraße 10, seine diesjährige Jahresversammlung abhalten. Die Sitzung beginnt nachmittags 2^ Uhr mit folgender Tagesordnung: 1. Jahres- und Kassenbericht. 2. Vorträge über die Lesebuchfrage (Referenten: Kadisch-Gollub und Cohn-Lissa). 3. Die Liturgie in der Schule (Peczkowski-Nakel). 4. Vortrag des Lehrers Schweizer-Glogau (Thema Vorbehalten). 5. Antrag Cohn-Lissa: „8 2 der Satzungen ist dahin zu ändern, daß auch nicht staatlich geprüfte Lehrer als Mitglieder des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen ausgenommen werden dürfen." 6. Etwaige andere Anträge. m. Filchrre, 23. April. Am 21. d. M. fand auf denr hiesigen Friedhof die Einweihung des Grabsteins für unseru langjährigen Rabbiner Dr. Solomon Richter statt. Nach Rezitierung eines Trauerpsalnrs durch Herrn Kantor Rehfeld bestieg Rabbiner Nobel die Kanzel der Friedhofshalle, um in vortrefflicher Ausführung seines großen Arntsvorgängers zu gedenken. Er schilderte den Lebenslauf des Verstorbenen und hob sein reiches Wirken in der Gemeinde rühmend hervor. Nach ihm ergriff Rabbiner Dr. Vogelstein-Stetkin, der sich zur Gedächtnisfeier hier eingefunden hatte, das Work: „Dem Weisen gebühret Ehre und Dank!" Dies war der Gedanke, den er seiner tiefergreifenden Rede zugrunde legte. Auch er gedachte seines verklärten Freundes als des großen Gelehrten, als des scharfsinnigen Talmudisten und rühmte seinen geraden edlen Charakter, seine Bescheidenheit und Toleranz, gepaart mit strenger, inniger Frömmigkeit, und gab seinem tiefen Schmerze darüber Ausdruck, daß dieser vortreffliche Mann so früh dem Judentum, seiner Gemeinde und seiner Familie entrissen wurde. Herr Rabbiner Nobel nahm darauf am Grabe in einer kurzen ergreifenden Ansprache die eigentliche Grabsteinweihe vor. Zum Schluß dankte der Sohn unseres verstorbenen Rabbiners der Gemeinde für all die Liebe und Ehre, die man seinem unvergeßlichen Vater erwiesen hatte. X Hannover, 28. April. Die von dem verstorbenen Konsul Moritz Simon errichtete „Alexander und Fanny Simon- Stiftung" hat vor einigen Wochen die landesherrliche Genehmigung erhalten. Der engere Ausschuß des Verwaltungsrates besteht aus den Herren: Justizrat Dr. Berend, erster Vorsitzender, Satorius Rheinhold, zweiter Vorsitzender, M. Berliner, erster Schriftführer, M. Zuckermann, zweiter Schriftführer, den Revisoren Bankdirektor D. Jsenstein und I. Seckel und den Beisitzern Jnstizrat Dr. Steinfeld, I. de Beer und Siegmund Federlein. — Auf Anregung des Präsidenten der Zionloge Dr. L. Catzenstein hat sich hier ein Komitee zur Sammlung jüdischer Altertümer der Provinz Hannover gebildet; dasselbe besteht aus den Herren Landrabbiner Dr. S. Gronemann, Dr. L. Catzenstein, M. Zuckermann, Jul. Frensdorff, Paul Kauffmann und aus den Vertretern des Gemeindevorstandes Dr. S. Hirsch, Jacob Berliner und Louis Oppenheimer. — Am Freitag, bei Beginn des Sabbats, wurde in der hiesigen Synagoge, die ans diesem Anlaß festlich geschmückt war, der neugewählte zweite Rabbiner Dr. Freund feierlich in sein Amt eingeführt. Unter dem Gesänge des Synagogenchors: „Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn", wurde Dr. Freund von den Synagogenvorstehern zu der Estrade geleitet, wo er von dem Landrabbiner Dr. Gronemann als neuer Amtsbruder begrüßt und an seiner neuen Wirkungsstätte willkommen geheißen wurde. Dann bestieg Dr. Freund die Kanzel, um seine Antrittspredigt zu halten, in der er das seelsorgerische Wirken des Geistlichen mit der Tätigkeit eines Gärtners verglich, der das Samenkorn zum ersprießlichen Gedeihen in die Erde lege. Mit dem Chorgesange: „Danket dem Herrn, denn er ist gütig", wurde der feierliche Einführungsakt beschlossen.