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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-05-03 · Heft 18 (3.5.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 18 (3.5.1907)
Date
1907-05-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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71. Jahrgang. Nr. 18 Berlin, Z. Mai 1907 Der Gemeindevote. Drilagk zur „Allgemeinen Leirung deK Judentums". Korrrlpondrnrm und Nachrichten. Deutschland. L/D Berlin, 28. April. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat den Prediger Rabbiner Dr. Emil Cohn seines Amtes enthoben. Der Grund für diese ungewöhnliche Maßnahme liegt in verschiedenen Aeußerungen, die Herr Dr. Cohn in einem Gespräch mit dem Direktor des Mommsen-Gymnasiums Dr. Przhgode bei der Bewerbung um die erledigte Religionslehrerstetle daselbst gemacht hat. Der Direktor war über diese Anschauung sehr verwundert und legte einem an seiner Anstalt beschäftigten jüdischen Oberlehrer die Frage vor. ob er auch ans demselben Standpunkt stehe. Dieser sowohl wie zwei andere jüdische Oberlehrer wiesen dies mit Entschiedenheit zurück. Dadurch drang der Inhalt des Gespräches in weitere Kreise. Neber dieses selbst können wir uns leider noch kein Urteil bilden, da bisher nur die einseitige Aussage des Betroffenen in einer Broschüre vorliegt. Wir hoffen, das; eine authentische Darlegung seitens der Gemeindebehörden, die längst hätte erfolgen sollen, nun nicht mehr länger aus sich warteil lassen wird. Derartige Geheimtuerei über Vorgänge, die die Spähen bereits von allen Dächern nicht nur Berlins pfeifen, ist veraltet und schädlich. Die Gemeindeverwaltung steht nicht nur auf dem Standpunkt des Judengesetzes von 1847, sondern auch aus dem der preußischen Bureaukratie desselben Jahrgangs. Sie scheint nicht zu wissen, das; inzwischen auch in der preußischen Bnreaukratie andere Tendenzen maßgebend geworden sind, die die Oeffentlichkeit mehr und besser berücksichtigen. Diese Geheimniskrämerei begünstigt, wie der Fall Fromer ja zur Genüge gelehrt hat, die Mhthenbildnng in außerordentlicher Weise, und das ist für keine der beiden Parteien von Vorteil. In diesem Fall allerdings für den Betroffenen an: wenigsten, der seinen übereifrigen Freunden für die Art und Weise, in der der Fall vor die breite Oeffentlichkeit gebracht wurde, wenig dankbar sein dürfte. Natürlich hat sich vor allen: die antisemitische Presse dieser Sache bemächtigt. In verschiedenen lieblichen Ueberschristen kommentiert sie die Nachricht. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt: „Ein Rabbiner fliegt", die „Deutsche Zeitung": „Glaubt mir. Rabbinen, alles war schon da", die „Tägliche Rundschau": „Werst das Scheusal in die Wolssschlucht", „Ein Rabbiner für der: Antisemitismus" usw. Und der Zentrumsabgeordnete Dr. Porsch hat gar im Abgeordnetenhans am Freitag erklärt, „die jüdische Gemeinde habe einen Rabbiner abgeseht. weil er etwas freundliche Beziehungen zunr Antisemitismus gehabt haben soll". Das alles konuut von der Geheimtuerei auf der einen und von den ungenügenden Informationen auf der anderen Seite. Wahrscheinlich wird die Sache auch bei den nächsten Repräsentantenwahlen weidlich ausgebeutet werden. Wir möchten aber denen, die diesen Fall zu Parteizwecken ausnutzen wollen, etwas Wasser in ihren Wein gießen, indem nur nur die eine Tatsache, die uns zufällig bekannt geworden ist, registrieren, das; bei den geheimen Beratungen der Repräsentantenversammlung zwar in der Beurteilung dieses Vorkommnisses Einstimmigkeit herrschte, daß aber gerade die entschieden liberalen Mitglieder des Kollegiums, diejenigen, die die Zionisten mit Vorliebe zur Zielscheibe ihrer Angriffe machen, für niildernde Umstände eingetreten sind, während konservative Repräsentanten einfach dagegen waren. 8. Berlin, 29. April. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums ist im abgelaufenen Studienjahre von 42 Hörern und 13 Hospitanten besucht worden. Drei ehemalige Hörer wurden in Stellungen berufen. Die Einnahmen beliefen sich auf 101283 Mark (davon Jahresbeiträge 11 l 996, Zinsen 17887, Geschenke 49617 Mark usw.), die Ausgaben auf 138282 Mark (davon für den Anstalts-Neubau 11179 Mark), das Ver:nögen auf 488 043 Mark. Eine wissenschaftliche Arbeit ist dem Bericht nicht beigegeben, da das Dozentenkollegium beabsichtigt, in Zukunft „Schriften der Lehranstalt" in zwanglosen Heften erscheinen zu lassen. Für 1007 wird von der Dr. M. Kirschstein-Stistung folgendes Thema zur Preisbewerbuug gestellt: „Die soziale Lage der Juden in Deutschland vor den Kreuzzügen." Die Arbeiten sind bis zum 1ü. November d. I. einzureichen. Die Moritz Lazarus-Stiftung stellt pro 1907/08 folgendes Thema zur Preisbewerbung: „Die religionsphilosophischen Gedanken in den religiösen Dichtungen Jehuda Ha-Levis." Die Arbeiten sind bis zun: 30. Juli 1908 einzureichen. Von der Moses Mendelssohn-Stiftung werden für das Jahr 1907 folgende zwei Preisaufgaben ausgeschrieben: 1. „Die forinalen Erfordernisse der Bedingung nach talmudischem Rechte." 2. „Die Exegese des Segens Moses." Es wird die tertkritische und literarische Bearbeitung des Stückes unter besonderer Rücksicht aus die altjüdischen Exegeten gefordert. Die Einreichung der Arbeiten hat am 20. Juli 1907 zu erfolgen. Als Zeitpunkt für die Einweihung des neuen Lehranstaltsgebüudes, das bereits in: Rohbau vollendet ist, ist der Oktober 1907 in Aussicht genouuuen. Trotz der Zuwendungen, die die Anstalt im vergangenen Berichtsjahre erhalten hat und unter Berücksichtigung des Eingangs des laufenden J ahres fehlen ihr noch etwa 70000 Mark für die Fertigstellung des Gebäudes. An alle Freunde und Gönner der Lehranstalt ergeht daher von neuen: die Bitte, ihr weitere Mittel zuzuführen, damit der j begonnene Bau würdig beendigt werden kann. Das Kuratoriun: der Lehranstalt besteht aus den Herren: Dr. S. Reumann, Ehrenvorsitzender, Dr. H. Veit Simon, Vorsitzender, Kvminerzieurat M. L. Goldberger, stellvertr. Vorsitzender, Prof. Dr. G. Oppert, Schriftführer, Justizrat Dr. A. Seligsohn, stellvertr. Schriftführer, Georg Meher, Kontrolleur, Mar Weiß, Rendant, Oberregiernngsrat Dr. P. Meyer-Frankfurt a. M., Geheimer Regierungsrat Prof. Dr.H. Cohen- Marburg, Prof. Dr. L. Geiger, Osear Wassermann. s. Berlin, 29. April. Die Saison der Literaturvere:ue ist vorüber. Sie hat auch diesmal mit einem guten Erfolg abgeschlossen. Eine ganze Anzahl neuer Redner ist in den Kreis der Vortragenden eingetreten, und :nehrcre neue Vereine haben ihre Arbeit mit Glück begonnen. Nur wenige größere Gemeinden in Deutschland haben bis jetzt ihren Widerstand oder ihren Jndiffere::tisnu:s in bezug aus die Literaturvereine noch nicht aufgegeben. Von Gros;ge:ueindeu fehlen zwei — und zwar seltsamerweise Posen und Fürth — eine ominöse Zusammenstellung! Außerdem fehlen noch Lieguitz, G l e i w i tz, D a r m st a d t, Halle, C h e m n i tz, C o l n: a r, H e i d e l b e r g, Landau, R e g e n s b u r g, Bielefeld. H a l b e r st a d t, Emden, Fulda, Kreuznach, Göttingen, Görlitz, Münster :u:d Esch:vege. Hoffentlich werden auch diese Ge:::eiudeu bald den: Beispiel der anderen folgen und an die Begründung eines jüdischen Literatnrvereins heran gehen. — Es bleibt uns nur noch übrig, eine Nachlese zu den in den letzten Wochen in den Literaturvereinen gehaltenen Vorträgen zu publizieren. In Grandenz sprach Geheimer Sanitätsrat Tr. Wolfs über „Berthold Auerbach"; in Osterode (Ostpreußen) Prediger Stnrmann über „Das Schächten als Angriff ans die Gewissensfreiheit", Dr. L. Cohn-Berlin über „Der Jude als Ackerbauer und Kolonisator", Dr. A. K ohut-Berlin über „Friedrich der Große und Joseph II. in ihren Beziehungen zu den Juden", Frau H. Fürth-Frankfurt a. M. über „Die jüdische Frau in der sozialen Hilsstätigkeit", Herr A. Bukofzer-Danzig über „Die Kunst zu leben und als Jude zu leben", Prediger Stnrmann über „Eine Gesamtorganisation der jüdischen Gemeinden in Preußen"; in Schwetz Dr. Münz-Berent über „Jüdische Aerzte im Mittelalter"; in Zempelburg, Schlawe, Schlochau, Pr. - Friedland, Lauenburg, Neustadt und Tuchel hielt Dr. Wilensky einen Zyklus von Vorträgen über „Die Lage in Rußland"; in Ostrowo sprach Dr. Kraus-Schildberg über „Optimismus und Pessimisluus im Buche Kohelet"; in Grätz Frau Regina Reißer-Breslau über „Bedeutende jüdische Frauen des 19. Jahrhunderts in Literatur, Kunst und Humanität"; in Bernstadt i. Schl, hielt Oberkantor de Beer-Benthen einen Rezitationsabend ab; in Grünberg sprach Dr. Koh::t»Berlin über „Die namhaftesten jüdischen Hmnoristeu

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