Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1907)
- Date
- 1907-05-03
- Page
- Seite 211 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228744-3228763--63491-3297392- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
211; 037,s. 52760 lnhall mit m 22 yy ie Ver en a: e Au< -stiegc t 600 1 e Am zuriul ht: Z 16( (751 i 25 12c Ver t Mar Cf) jll:! 1905 listuiu ark in : Eia ajhnf. 416,5' ltischei Marl Jahr 19(Ji ag ii 536,4 trage, »fcfjln f Mar e de ckgaio ühreu wert in zu llern. Papa und dem i" z» idetcr clincr rück-! Uuhüttc Zei! dani> i, bis liebt fltert mber weiß, beiin Quartalswechsel mein Geldbrieftrüger das Honorar von Berlin bringt, dann bin ich jedesmal nicht nur stolz, sondern auch zufrieden, weil ich endlich mal für ein Blatt schreiben kann, wo das Honorar dem geistigen Gehalt meiner Briefe entspricht. Also, ich war fleißig und suchte meinen verheirateten Gesichtskreis zrr erweitern, um Ihnen Originelles rmd Interessantes zu bieten. Ich habe mich bemüht, das rheinische jüdische Leben an der Quelle zu studieren. Ich packte den Koffer („Jettchen Gebert" als Reiselektüre) und fuhr an die Quelle des Rheins. Nicht an die, die den St. Gotthard hinunterrieselt, sondern an diejenige, die mehr iil der Richtung von St. Moritz liegt. Ich war noch niemals zuvor in St. Moritz, obschon meine Eltern gute Juden sind. Also ein Abtrünniger! Es war einige Tage vor dem Feste, >vo man die Chanukalichtlein auf grüne Tannenbäumchen steckt. Ich dachte es mir dort sehr nett um Chanuka herum. Ich ging in das „Grand Hotel", wo. wie ich gehört, noch reine Rassentheorie vertreten werden kann. Ich zog mich gleich nach der Ankunft sehr elegant an und fragte, um wieviel Uhr die Chanukalichter angezündet würden. Gleich fiel mir der gewandte Direktor ins Wort: „Das Christmas-Diuner findet erst morgen Abend statt! Darf ich fragen, mit lvem ich die Ehre habe?" „Ich bin Korrespondent der „Allgemeinen Zeitung . ..." „Ah, Pardon!" unterbrach er mich. Daraufhin bekam ich ein Prunkgemach unter dem Dache, 22 Mark pro Tag. Halt, dachte ich, so viel kannst du selbst trotz der Kulanz deiner Zeitung nicht verdienen, und ich suchte nach einer neuen Einnahmequelle. „Wo tagt der Verein für jüdische Geschichte und Literatur?" „Gibt's nicht!" Ich dachte schneeblind zu sein, als ich das hörte. Nun wandte ich mich also uolens volevs 311 den Naturschönheiten und trieb Wintersport. Beim „Christmas-Diuner" hielt ich den offiziellen Toast ans die Bedeutung und die Urdeutschheit des Festes. Als ich St. Moritz für erledigt hielt, fuhr ich wieder in das engere Provinzialgebiet meiner rheinischen Briefe zurück. In welche Gemeinde mein Weg mich auch führen mochte, . überall erblickte ich eine fieberhafte Tätigkeit. Allüberall gründete man Ortsgruppen für den „Zentralverein deutscher > Staatsbürger jüdischen Glaubens". Es wurde ein unheimlicher Eifer dabei entwickelt; ein Eifer, der mir zwar löblich, jedoch auch etwas seltsam dünkte. Und der Grund? Die Berliner Delegiertenversammlung des genannten Vereins. „Wo so und so viele Mitglieder sind, dürfen so und so viele Delegierte „umsonst" (!) nach Berlin kommen!" Ei, wie wurde da geworben, und mancher Delegierte konnte selbst, als er schon in Berlin war, das „Werben" nicht ruehr unterlassen. In Berlin ist es auch zu schön, wenn mari „Umsonst" und für „Und sonst" — da sein kann. Auch ich war Delegierter für „Umsonst". Glücklicherweise gab es nur Tagesspesen. Aber was geht mich Berlin an? Schreibe über deine Rheinprovinz und nähre dich redlich und koscher! Ich will Ihnen nun eine Aufzählung von all dein geben, was sich hier im letzten Vierteljahr ereignet hat. Ich enthalte mich jeder feuilletonistischen Illustration, die ich Ihren geschätzten (bei anderen Organen schreibe ich stets nur gesch.!) Lesern überlasse. 1. „Passiert" ist gar nichts; aber „poussiert" sind wir worden bei den Wahlen. 2. In Köln hat seit einem Jahre wieder eine Repräsentanteusitzung stattgefunden. 3. In Aachen ist das jüdische Lebeir am „Pulsieren". 4. In Duisburg sind einige akademisch gebildete Herren noch ledig. Außerdem ventiliert man dort eifrig die Frage' ob ein tüchtiger Gemeindegenosse Recht hatte, seine beiden Wintergesellschaften in a) jüdische und b) christliche einzuteilen. 5. In Elberfeld ist man stolz auf den neuen christlichsozialen Reichstagsabgeordneten, weil dieser erklärt hat, kein Antisemit zu sein. 6. In Barmen ist man auch stolz darauf. 7. Die Düssel dorfer Gemeinde trägt Trauer, weil ihr hochverdienter Dr. Hochfeld (ein moderner Seelsorger und ein moderner Mensch!) nach der Reichshauptstadt berufen worden ist. 8. In Bonn ist ein neuer Heineforscher aufgetaucht, der Heinrich Heines leider noch immer unbekanntes Geburtsjahr nach einer neuen Methode feststellen will. Er will genau berechnen, wie alt Heine geworden ist lind dann von dieser Endsumme die Zahl der Lebensjahre abziehen und so durch ein einfaches Rechenexempel das große literar-historische Problem lösen. Außerdem hat man sich dort ein wenig „gekabbelt" über die Frage, wer „umsonst" nach Berlin reisen sollte. 9. In Essen ist man sehr rührig in allen jüdischen Dingen. Da ist eben in allem „Dampf" dahinter. (Jndnstriegebiet.) 10. Im Israelitischen Ashl zu Köln wurde neulich ein Herr, der sich auf der Straße eine Verletzung zugezogen, verbunden. Er fragte den Arzt, ob das etwa der „Verband der deutschen Juden" sei? 11. In Koblenz ist ein bekannter Glaubensgenosse verrückt geworden, weil er den Gemeindebund, Zentralverein, Verband usw. nicht mehr auseinanderhalten konnte. 12. In Neuwied ist eine Familie entzweit worden über die Frage, wohin Jettchen Gebert bei ihrer Hochzeit denn eigentlich geeilt ist. Partei A meint: zu Dr. Köstling; Partei B: Anderswohin. Rhenanus. pus Kroatien. Von Professor Dr. G. Schwarz. ^^or einem Jahre habe ich an dieser Stelle (Nr. o, 1900) das neue Gesetz über die Regelung der jüdischen Kultusgemeinden in Kroatien besprochen und daran die Hoffnung geknüpft, daß es einen starken Ansporn zur inneren Festigung und Entwicklung des kroatischen Judentums bilden werde. Diese Hoffnung beginnt sich langsam zu verwirklichen. Langsam — sage ich — denn politische Umstände verhinderten bisher die Durchführung des Gesetzes. Wenn etwas, und zwar Bedeutendes, doch geschehen ist, kann das Verdienst dafür nicht unseren, von der Größe ihrer Aufgabe durchdrungenen Rabbinern abgesprochen werden. Wie es möglich ist, daß ein Gesetz 14 Monate hindurch auf dem Papier bleibt, praktisch nicht durchgeführt wird, darüber wird niemand staunen, der die große Wandlung im politischen Leben Ungarns und des mit ihm verschwesterten Kroatiens im Jahre 1906 beachtet hat. Eingewurzelte regierende Parteien wurden niedergernngeu, bisherige oppositionelle Fraktionen gewannen den Sieg und teilten unter sich die Macht. Die neuen Besitzer der Macht sind zuerst bestrebt, durch „verfassungsmäßige Garantien" dem „nerren Krrrs" eine feste Basis zu schafferr, urrd nachdem sie ihre Festrrng mit einerdauernden Umwallung umgeben haben werderr, kommt die