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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-05-03 · Heft 18 (3.5.1907) · p. Seite 208

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 18 (3.5.1907)
Date
1907-05-03
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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Verhandlung zur Ergänzung der Untersuchung für unentbehrlich gehalten hat. Die Tagesblütter bringen die grausamen Einzelheiten. Nun, das Vergangene läßt sich nicht ungeschehen machen. Aber die russische Regierung übernimmt jetzt noch die Mitschuld an jenen Ereignissen, indem sie es für möglich und nötig hält, die wahren Schuldigen an diesen barbarischen Greueln unter ihre Fittiche zu nehmen und sie dem Gerichte vvrzuenthalten. Die Duma hat sich bisher mit der Sache noch nicht beschäftigen können. Der Berichterstatter des Warschauer Jargonblattes „Unser Leben" hatte kürzlich eine Unterredung mit dem jüdischen Reichsduma-Abgevrdneten Schapira, der ihm sagte, daß das Hauptreserat über die jüdischen Angelegenheiten von einem christlichen Duma-Abgeordneten erstattet werden wird, dessen Name aber vorläufig noch nutzt genannt werden könne. Die jüdischen Abgeordneten suchen eine zufällige, nicht Planmäßige Erörterung der Judenfrage in der Reichsduma zu verineiden, um der Rechten keine Gelegenheit zu der Behauptung zu geben, daß sie von den Juden herausgefordert werde. Die Hauptdebatte über die Judenfrage soll aus Anlaß der Erörterung über den die Gewissensfreiheit betreffenden Gesetzentwurf erfolgen. Die jüdischen Abgeordneten hoffen, daß die Mehrheit der Reichsduma sich hierbei für die Gleichberechtigung der Juden aussprechen werde, doch meint Schapira, daß der Reichsrat einem dahin abzielenden Beschluß der Duma die Bestätigung versagen ivird. Der „Verband zur Erringung der Gleichberechtigung der Juden" hat übrigens ein sieben Druckbogen umfassendes Verzeichnis aller die Juden beschrünkeuden Gesetze zusammengestellt und gibt auch ein größeres Werk über diesen Gegenstand Heralts. * In Rumänien geht das „Bernhigungs"-Treiben ohne jede Rücksicht auf das Ausland weiter. Die „liberale" Regierung arbeitet rasch und exakt; „die Toten reiten schnell". Unter dem Vorwände, man müsse deil Willen der Bauern respektieren, hat man die auf dem Lande wohnenden Inden aus den ulvldauischeil Bezirken ausgetriebeu und denjeirigen, die sich während des Aufruhrs geflüchtet haben, die Rückkehr untersagt. Es handelt sich uiu Hunderte von Faurilien, die sich kümmerlich nährten und die jetzt nicht nur brotlos bleiben, sondern noch viele Verluste dadurch erleiden dürften, daß sie Schulden nicht eintreiben und die wenigen Waren, die sie hatten, nicht verwenden können. Was der Zweck dieser Maßregeln sein soll, ist nicht ersichtlich. Wenil man den jüdischen Pächtern das Wählten auf dem Laude verboten hätte, wäre dies auch ringerecht, aber immerhiil begreiflich, da kurzsichtige Politiker diese für das Barlernelend verantwortlich machen. So aber ist die Maßregel eine absolut unerklärliche und kann nur als eine rein antisemitische betrachtet werden. Der Antisemitismus aber macht vor dem Interesse der Großgrundbesitzer Halt, — und dieses Interesse erfordert, daß der jüdische Pächter auch in Zukunft wirke. Was nun ails den hunderten jüdischer Familien werden soll, ist eine äußerst wichtige Frage. Der „Israelitischen Allianz" in Wien ist übrigens jetzt eine vollständige Liste der durch die Exzesse geschädigten Orte unter Angabe der Höhe des Schadens zugegangen. Die Schätzungen wurden von den in Rumänien eingesetzten Komitees vorgenommen und von Vertrauensmännern geprüft. Danach - betrügt mit Ausschluß der mehrere Millionen betragenden Verluste der reichen jüdischen Pächter, welche naturgemäß bei der Hilfsaktion keine Berücksichtigung finden, der Schaden, den 8 040 Familien an 26 Orten durch Verwüstung ihrer Wob?, orte und Geschäfte erlitten haben, insgesamt 3903159 Franken Verwundet wurden 45 Personen. Die meist geschädigten Or.e sind Alexandria, Bacesti, Botoschani, Bucecea, Burdujein, Dorohoi, Jvesti, Negresti, Podul Jloici, Poungesti und Basli i. Die Wiener „Israelitische Allianz" wird auf Grund der genau, Listen, unter Berücksichtigung des Familienstandes und d r Erwerbsverhältnisse der einzelnen Geschädigten, iin Einvernehmen mit den Organisationen nach Maßgabe der verfü baren Mittel über den Umfang und die Art der zu gewährenden Hilfe Beschluß fassen. Aber hoffentlich bald! Dir Lohn-Sppknhejm-SMmig in Dellar er Jahresbericht der Baronin von Cohn-Oppenheim-Stiftnr z der israelitischen Kultusgemeinde zu Dessau für das Ja! 1906 ist jetzt im Druck erschienen. Wir entnehmen demselbc \ folgendes: An Stelle des verstorbenen Herrn Kommissionsrat Probst wurl seitens der Repräsentantenversammlung Herr Rechtsanwalt Dr. Asch e als Kurator gewählt. In die durch den Eintritt des Herrn Dr. Asche in das Kuratorium erledigte Stelle eines Mitgliedes der Kuratorium kommission wurde Herr Kaufmann Friedländer auf die Dam seiner Amtszeit als Repräsentant von der Repräsentantenversamn lnng gewählt. — Zum stellvertretenden Vorsitzenden des Kuratorium für das Jahr 1906 ist Herr Kommerzienrat August Tuchman wiedergewühlt worden. In die durch den Tod des Herrn Kommissionrat Probst erledigte Stelle eines Mitgliedes des Kuratoriums di „Städtischen Handelsrealschule zu Dessau" ist Herr Dr. Ascher g> wählt worden. Nach dem Bericht der Revisionskommission über die Prüfung di Stiftung für das Jahr 1905 wurde festgestellt, daß das Vermögen de Stiftung nach dem Jahresschluß 5 312 038,22 Mark betrug. Tie gc samten jährlichen Einnahmen betrugen 228 736,07 Mark, und d> Ausgaben für den gleichen Zeitraum betrugen 224 712,84 Mark. An Grund dieses Berichtes hat das Repräsentantenkotlegium der Kultus gemeinde am 24. Juni 1906 die Jahresrechnung richtig gesprochei. und der Stiftung Entlastung erteilt. In wesentlicher Weise gefördert worden ist im Berichtsjahre di Errichtung der Pensions- und Witwenkasse für die an haltischen israelitischen Kultusbeamten. Die Kasse, die bei Namen „Baronin von Cohn-Oppenheim-Kasse für die Anhaltischei israelitischen Kultusbeamten" führen wird, soll als selbständig Stiftung mit Rechtssähigkeit errichtet werden. Die bereits ent ivorsenen Satzungen der Kasse befinden sich zurzeit zur Einholung der landesherrlichen Genehmigung beim Herzoglichen Staatsministerium Ten Bestimmungen der Satzungen gemäß sind alle in fester Dienst stellung befindlichen Beamten der anhaltischen israelitischen Gemeinden zur Mitgliedschaft berechtigt. Ter Jahresbeitrag der Stiftung de trägt 6000 Mark, die Beiträge der Mitglieder ein Prozent des ruhegehaltsähigen Diensteinkommens. Vorgesehen ist ein Ruhegehalt für die Mitglieder in Höhe von 33*/3 Prozent bis 75 Prozent Fes ruhe' gehaltsähigen Diensteinkommens, wobei als rechnungsmäßige Mindest grenze dieses Einkommens 1500 Mark und als Höchstgrenze des zu zahlenden Ruhegehalts 3500 Mark festgesetzt sind. Außerdem ist ein Mtwengehalt in die Versicherung mit einbegriffen, während aus Gründen einer gesicherten Leistungsfähigkeit der Kasse von einer Waisenversicherung hat Abstand genommen werden müssen. Nacldem vorgesehenen Geschäftsplane soll die Kasse bereits am 1. Januar 1908 ihre Tätigkeit beginnen. Der bis dahin von der Stiftung an gesammelte Fonds dieser Kasse, welcher den Grundstock für eine zu errichtende Rücklage bilden soll, dürste etwa 24 000 Mark betragen lieber die Stiftungsarbeit nach außen für das Jahr 1906 ist folgendes zu berichten. (Die in Klammern beigefügten Zahlen be ziehen sich auf das vorhergehende Geschäftsjahr 1905.) Gesuche um Leistungen der Stiftung sind im Jahre 1906 insgesamt 1180 (999j eingegangen. Hiervon .waren 1059 (877) von Einzelpersonen und

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