Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-04-26 · Heft 17 (26.4.1907) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 17 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228744-3228762--63482-3297382
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bonn und Tübingen Philologie, Literatur und Geschichte. Gleich seinem vor mehreren Jahren verstorbenen Bruder, dem Dichter Ferdinand Neubürger, veröffentlichte Emil zwei Gedichtsammlungen, außerdem eine Reihe historischer und literar-historischer Schriften, die sich durch hochsinnige Denkungsart und einen reinen Idealismus auszeichneten. Eine größere Verbreitung und Würdigung fand sein Buch „Edle Menschen und gute Taten". Von seinen übrigen Schriften seien noch erwähnt: Aus der alten Reichsstadt Frankfurt (1889), Goethes Jugendfreund F. M. Klinger (1899), Nachklänge aus Geschichte, Literatur, Leben und Dichtung (1906). Als Leiter einer Erziehungsanstalt für Mädchen bewies er hervorragende pädagogische Fähigkeiten und zeigte sich auch als ein wahrer Menschenfreund, denn neben seinem Beruf widmete er sich mit Ansopferung dem Unterricht zurückgebliebener Kinder und unbemittelter Studenten. Sein Scheiden wird aufrichtig betrauert, denn mit ihm ist ein feinsinniger, hochgebildeter und liebenswürdiger Mensch aus dem Leben geschieden. Homburg v. d. H., 15. April. Unsere beiden Wohltätigkeitsvereine, der Israelitische Holzve^rein und der Verein zur Ausstattung israelitischer Mädchen, erstatten ihren Rechenschaftsbericht für 1906. Beide haben ihren Zweck auch im abgelaufenen Jahre reichlich erfüllt. Von Interesse ist in dem Bericht, daß der letztgenannte Verein, dessen Wert man lange Zeit in der Gemeinde unterschätzt und dessen Wohltaten sogar aus übertriebenem Zartgefühl verschmäht wurden, neuerdings erst diejenige Bedeutung erlangt, welche dem menschenfreundlichen Gründer desselben, dem unvergeßlichen Louis Lehmann s. A., vorgeschwebt hat. In den letzten zwei Jahren wurden bei vier Heiratsfällen insgesamt 7500 Mark als Mitgift bewilligt. Vorstand des Holzvereins ist Herr S. Wertheim, des Mädchen-Ausstattungsvereins Herr I. Braunschweig. =■• Fürth, 19. April. Am 6. v. M. fand in Meran die Ueberreichung der Ehrenbürgerurkunde an Herrn Rechtsanwalt Alfred Nathan statt. An diesem Tage begaben sich der stellvertretende Vorstand des Gemeindekolleginms Herr Thomas Volk und der erste Bürgermeister der Stadt Herr Kutzer zu dem Ehrenbürger. Bürgermeister Kutzer hob in seiner Ansprache die ideale Bedeutung des Ehrenbürgerrechts hervor, das nur denjenigen zuteil werde, die durch Handlungen von höchstem Werte und lauterste Gesinnung ein Vorbild geworden seien für alle Bürger und sich tief in die Herzen der Guten eingeschrieben haben; er rühmte die Verdienste Nathans, dem die Stadt Fürth schon manches verdanke, dessen Edelsinn aber allen offenkundig geworden sei durch die Begründung der großartigen Stiftung. Möge das Nathanstift. ein Wahrzeichen edelster Auffassung der Pflichten des Menschen gegen die Mitmenschen, reichsten Segen bringen und das Andenken Alfred Nathans und seiner teueren Eltern durch die Jahrhunderte erhalten! — Herr Vorstand Völk gab noch dem innigen Danke der Stadt Fürth Ausdruck und widmete dem Ehrenbürger herzlichste.Wünsche sür sein Wohlergehen. Tiefbewegt nahm Herr Nathan die Urkunde entgegen. Er wisse die hohe Auszeichnung, die ihm die Stadt Fürth erwiesen habe, wohl zu würdigen und sei voll des Dankes für dieselbe; er werde bis zum letzten Atemzuge ein treuer Sohn seiner Vaterstadt Fürth bleiben. Als ein Zeichen seiner Dankbarkeit bat Rechtsanwalt Nathan die Vertreter der Stadt, einen Originatbrief Friedrichs des Großen an seinen Kammerdiener und Vertrauten Fredersdorf, ein rührendes Zeugnis der Anhänglichkeit des großen Königs für seinen Diener, entgegenzunehmen, ferner einen Originalbrief Goethes an Charlotte v. Kalb aus dem Jahre 1796, endlich in prachtvollem Rahmen eine Handzeichnung Goethes, eine Landschaft darstellend, aus dem Jahre 1807. Die interessanten und wertvollen Dokumente, welche in Fürth ihresgleichen nicht haben werden, wurden von den Vertretern der Stadt für die letztere mit gebührendem innigen Danke entgegengenommen. i. Stuttgart, 18. April. Das Jüdische Schwestern heim Stuttgart hat soeben seinen zweiten Jahresbericht versandt; der Verein verfügt zurzeit über fünf Schwestern, welche er Kranken jeden Glaubens zur Verfügung stellt. Im Jahr 1906 wurden von den Vereinsschwestern nahezu 2000 Besuche und über 1000 Pflegetage geleistet. Die Stadt Stuttgart hat dem Jüdischen Schwesternheim in Anerkennung seiner gemeinnützigen Tätigkeit bereits im Jahr 1906 einen Jahresbeitrag von 200 Mark bewilligt. Die Vorlage des jüngsten Jahresberichts hat der Königin von Württemberg Veranlassung gegeben, dem Verein einen jährlichen Beitrag von 50 Mark gnädigst zu gewähren. Die Mitgliederzahl ist gegenüber dem Vorjahr um beinahe 100 Personen gewachsen; trotzdem haben die Betriebseinnahmen die Ausgaben nicht gedeckt, was aus die große Zahl unentgeltlicher Leistungen Zurückzuführen ist. F. Hechirrgen-Hoherrzollern, 20. April. Die hiesige israelitische Gemeinde hat leider den Tod eines ihrer besten Mitglieder zu beklagen. Am 14. v. M. verstarb Herr Bankier Siegmund Weil sen., Mitinhaber des alten Bankhauses M. I. Weil & Söhne, im Alter von nur 59 Jahren. Volle 25 Jahre hat der Verstorbene dem Vorstande der israelitischen Gemeinde angehört und hat sein ganzes Wissen und Können, wo nur Gelegenheit war, für dieses Amt eingesetzt. Diese treuliche Pflichterfüllung, die auch ein Abbild seines Wollens als Familienvater war, und begleitet von hervorragender Wohltätigkeit, ohne Unterschied des Glaubens, ließen ihn geachtet und geehrt dastehen unter all seinen Mitbürgern. So war auch der Anteil, den man beim Hinscheiden nahm — die überaus große Leichenbegleitung — ein allgemeiner und aufrichtiger. Möge dem braven, selbstlosen Manne die Erde leicht sein! Gesterretch-Angarn. 525 Wien, 22. April. In unserer Wahlbewegung ist ein neues Moment eingetreten. Das deutschfortschrittliche Bezirkswahlkomitee der Leopoldstadt stellte nämlich den Landesschulrat und Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Gustav Kohn als Kandidaten der deutsch fortschrittlichen Partei in der Leopoldstadt und den Hofrat Kur an da im Ouaiviertel auf. Gleichzeitig wurde der von der Kandidatur zurückgetretene Gemeinderat Klebinder zum Obmann des fortschrittlichen Bezirkswahlkomitees gewählt. Der Kandidat aber, der die meisten Aussichten hatte, gewählt zu werden, nämlich Dr. Josef Bloch, trat freiwillig zurück, um das Mandat nicht zu gefährden. Nach dem jetzigen Stande der Dinge ist es zweifellos, daß nicht Dr. Ofner, sondern Dr. Bloch mit dem Kandidaten der christlich-sozialen Partei in die engere Wahl gelangen wird. Der Ausgang der Stichwahl aber wäre dadurch gefährdet, weil die sozialdemokratischen Stimmen sür die Kandidatur Blochs auch im Falle der Stichwahl absolut nicht zu haben seien. Die Wahl des Advokaten Dr. Ofner ist in jedem Falle aussichtslos. — Hier ist am 14. d. M. der Bankier Salo Landau, ein Enkel Rapaports, gestorben, der zu den angesehensten Mitgliedern der jüdischen Gemeinde gehörte. Das Vertrauen seiner Mitbürger berief ihn auch in den Kultusvorstand, wo er die Rechte und Interessen seiner Polnischen Landsleute mit großer Energie vertreten hat. Ehre seinem Andenken! — Dem Prager Advokaten Dr. Ludwig Bendiener wurde für seine langjährige, erfolggekrönte Tätigkeit im böhmischen Landesschulrate das Komturkreuz des Franz Joseph- Ordens verliehen. — Rabbiner Fried mann in Linz hat anläßlich der Feier seines verdienstvollen 25 jährigen Wirkens in dieser Gemeinde das Ritterkreuz des Franz Josephs-Ordens erhalten. Von Sah und fern. ----- Ter Kursmakler Gustav Franck hat den Roten Adlerorden IV.Klasse erhalten. — Kommerzienrat Sieg mund Aschrott ist zum Geheimen Kommerzienrat ernannt worden. — Am 19. d. M. ist hier der frühere Bankier Jacob Bamberg er im 85. Lebensjahre gestorben. Derselbe war der erste Vorsteher der Gemeinde Adaß Jisroel, als diese begründet wurde und hat auch sonst am jüdischen Leben Berlins tätigen Anteil genommen. Ehre seinem Andenken! — Am 7. d. M. ist hier der em. Lehrer Siegfried Bernhard, der in Oberschlesien eine lange und segensreiche Wirksamkeit entfaltet, gestorben. Er war Mitglied des Vorstandes des Verbandes jüdischer Lehrervereine und Ehrenvorsitzender der freien Vereinigung jüdischer Lehrer Oberschlesiens, die er selbst begründet hat. Ehre seinem Andenken! — In Schwetz starb der über 64 Jahre verheiratet gewesene Rentier Moses Segall im 92. Lebensjahre, als ältestes Mitglied der Gemeinde, die er mit einem Legat bedachte. — Auf ein Gesuch der Synagogengemeinde Halle a. S. nur Verlegung des Herbstmarktes, wegen Zusammensatlens desselben mit den hohen jüdischen Festtagen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.