Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1907)
- Date
- 1907-04-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Lehranstalten besuchten, haben 386 <202 Knaben und 184 Mädchen) am Religionsunterricht teilgenommen. Das ist gewiß ein schönes Resultat. Auch der Besuch des Fortbildungskursus ist das ganze Jahr hindurch ein sehr reger gewesen. Der Unterricht wird erteilt von den Herren Rabbiner Dr. Vogelstein, Dr. Worms, Oberkantor Sarasohn, den Lehrern Simon und Deiler und der Lehrerin Fräulein Lewin. Kp. Ans der Provinz Posen, im April. Der stellvertretende Bürgermeister in Kroj anke, Kaufmann Cohn, beging neulich seinen 50. Geburtstag. Zu der Feier waren auch Abordnungen der städtischen Behörden und des Kriegervereins erschienen. Herr Cohn ist seit 34 Jahren Mitglied der städtischen Verwaltung, Vorsitzender des Waisenrats, der Armendeputation und Mitglied der Schuldeputation. Die Angehörigen des Jubilars stifteten aus Anlaß des Festes zum Besten des Kriegervereins eine namhafte Summe. — Fabrikbesitzer Fabian Frankel in Ostrowo ist zum Mitglied des ständigen Ausschusses der Posener Handelskammer gewählt worden. — Rentier Elias Kaphan aus Miloslaw, der seit kurzem in Breslau wohnt, ist dort während des Gottesdienstes im'Alter von 67 Jahren gestorben. Der Verstorbene war eine Reihe von Jahren Mitglied der städtischen Körperschaften und der Verwaltung der Shnagogengemeinde in Miloslaw. — Der israelitische Darlehnhilfsverein in Ostrowo verfügt jetzt über ein Vermögen von nahezu 10 000 Mark. Er zählt jetzt 125 Mitglieder und besteht schon 24 Jahre. In der jüngsten Generalversammlung wurde Oekonomierat Goldstein zum ersten Vorsitzenden wiedergewählt. — Vor einiger Zeit wurden in der Synagoge zu Schwarzenau etwa vierzig Fensterscheiben durch Steinwürfe zertrümmert. Kaum waren die Scheiben wieder eingesetzt, als abermals die gleiche Anzahl eingeschlagen wurde. Die Täter schienen halbwüchsige Burschen zu sein. Die Angelegenheit ist zur gerichtlichen Anzeige gebracht worden. — Der praktische Arzt Dr. Jeremias in Posen ist in den Vorstand der israelitischen Knaben-Waisenanstalt daselbst neugewählt worden. — Zum Kantor der neuen Synagoge in Posen ist Kantor Leibowitz in Berlin gewählt worden. — Die Verwaltung der Ritsche-Flatauschen Waifenanstalt für Mädchen hat den Bau eines neuen Waisenhauses in Posen beschlossen. — Kantor Kowalski in Kempen ist nach kurzer Krankheit im Alter von 44 Jahren gestorben. — Das Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde in Ostrowo, Kaufmann Jacob Stillschweig, beging neulich seinen 70. Geburtstag-. n. Breslau, 18. April. Im ersten Vierteljahr 1907 sind nachstehende hiesige Schenkungen landesherrlich genehmigt worden: An die israelitische Krankenverpflegungsanstalt und Beerdigungs- Gesellschaft in Breslau seitens folgender Personen: Simon Pfeffer 20 000 Mark, Wilhelm Falk 12 000 Mark, verw. Rentnerin Selma L iss er und ihre Kinder in Breslau. Kaufmann Bruno Fuchs in Dresden. Rentnerin Pa ula H i rs che l geb. Rawack in Breslau, Juwelier Ad. Samelson, Salo Cassierer in Berlin, Louis Janower je 6000 Mark, verst. Landgerichtsrat a. D. Viktor Lion-Berlin 12 000 Mark, an die israelitische Waisenverpflegungsanstalt vom verst. Fabrik- und Rittergutsbesitzer Oskar Heymann mit 6000 Mark, vom verst. Kaufmann Louis Guttentag mit 15 000 Mark, an die Synagogengemeinde Breslau vom verst. Landgerichtsrat a. D. Viktor Lion aus Berlin mit 7000 Mark, an die Robert und Hermille Caro-Stistung in Breslau seitens des Geh. Kommerzienrats Dr. jur. Georg von Caro in Berlin mit 100 000 Mark. — Die Witwe des am 11. September v. I. verstorbenen Geh. Medizinalrats Professor Hermann Cohn hat einen Teil seiner sehr wertvollen hinterlassenen Bücherfammlung der hiesigen Königlichen und Universitätsbibliothek als Geschenk überwiesen. x Ratibor, 19. April. Die Verwaltungsbehörden der hiesigen Synagogen-Gemeinde haben dieser Tage ein Werk der sozialen Fürsorge zu Ende geführt. Es lvurde sämtlichen Gemeindebeamten das Recht aus Pensions- und Neliktenversorgung nach Maßgabe der für die Provinzialbeamten der Provinz Schlesien geltenden Bestimmungen zugesprochen. Seitens der Gemeinde lvird ein Pension^ fonds gebildet, in den die Beamten jährlich 3% ihres Gehaltes einzuzahlen haben. m. Hamburg, 12. April. Der Verein zur Unterstützung kurbedürst iger Israeliten lTheresien-Stiftung) hielt seine diesjährige Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn L. Mathiasor ab. Der Verein war auch im vorigen Jahre in der Lage, 61 Per sonen, denen ärztlicherseits ein Kuraufenthalt zur Herstellung ihre Gesundheit verordnet war und deren Vermögensverhältnisse das am eigenen Mitteln nicht gestattete, eine vollständige oder teilweise Bei Hilfe zu den Kurkosten zu gewähren. 37 Meldungen mußten auch in verflossenen Jahre unberücksichtigt bleiben. Der Vorsitzende richtete eine! warmen Appell an die Anwesenden, dem Verein neue Mitglieder zi gewinnen, da auch für dieses Jahr bereits wieder viele Anmeldungei von Kurbedürftigen vorlügen, von deuen jedochnur ein Teil berück sichtigt werden könne. n. Hildesheim, 21. April. Am 15. d. M. wurde unser Land rabbiner Dr. Lewinsky von dem Ministerialdirektor Dr. Schwartz kopff in Berlin in Audienz empfangen. Es ist binnen Jahressris das zweitemal, daß Dr. Lewinsky sich nach Berlin begeben hat, un> zwar jedesmal in Sachen des jüdischen Schulwesens 'der Provin Hannover. Zum erstenmal im Verein mit den beiden anderen Land rabbinern der Provinz Hannover und jetzt allein, da verschiedene die jüdischen Schulen und Lehrer betreffende Angelegenheiten der Provinz und besondere unseres Bezirkes vorzutragen waren. Den tatkräftigen Einschreiten des Dr. Lewinsky ist es zu verdanken wenn in jüngster Zeit eine jüdische Volksschule des hiesigen Bezirken einer geringen Kinderzahl durch Erlaß der Ministerialinstan? erhalten blieb und die Anstellung des Lehrers erfolgte. Wir wünschen dem segensreichen Wirken unseres verehrten Landrabbiners, das er namentlich um Volksschule und Volksschullehrer entfaltet, weiteren Erfolg. Sein Vorgehen aber möge reiche Nachahmung finden. — Köln, 22. April. Wie schon vor einiger Zeit mitgeteilt worden war, sind ganze Provinzen Preußens, auch solche, welche eine beträchtliche jüdische Bevölkerung zählen, ohne jüdische Oberlehrer. Zu diesen Provinzen gehören Westfalen und die Rheinprovinz. Bisher war es in der Nheinprovinz für einen jüdischen Lehramtskandidaten nicht einmal möglich, eine Anstalt zu finden, an der er sein Probejahr absolvieren konnte. Wir hören, daß jetzt am Realgymnasium in Köln dem Seminar auch ein jüdischer Lehramtskandidat über wiesen worden ist. e. Bocholt, 10. April. Der hier seit 17 Jahren gedeihlicl wirkende Hilfsverein Esraß Kfufim erstattet seinen Jahresbericht für 1906. Obwohl gerade während der letzten Jahre an die Opfer Willigkeit der Gemeindemitglieder hohe Anforderungen gestellt wurden hat der Verein keine Einbuße an seinen Einnahmen erlitten. Dn Einnahmen betrugen im Jahre 1906 von 270 Mitgliedern 1350 Marl und von zwei Synagogengemeinden 40 Mark, insgesamt 7567 Mark denen an Ausgaben 7220 Mark gegenüberstehen. Die Hauptaufgabc des Vereins, Israeliten, die in ihren Vermögensverhältnissen zurückgegangen sind, durch zinsfreie Darlehen unter die Arme zu greifen und sie wieder erwerbsfähig zu machen, konnte seit Bestehen des Vereins insgesamt 75 Klienten, meist Handwerkern und kleinere Geschäftsleuten, durch Gewährung eines Gesamtbetrages von 38 679 Mark erfüllt werden. Bereits 30 Darlehnsnehmer haben bic ganze Schuld, 73 andere Teilzahlungen zurückerstattet. Die im Betrage von 26 500 Mark erfolgten Rückerstattungen lassen erkennen daß der Zweck erreicht wurde, notleidende Glaubensgenossen zu neuer Tätigkeit zu ermuntern und in die Lage zu bringen, für sich und die ihrigen den notwendigen Lebensunterhalt zu erwerben. Die vor einigen Jahren getroffene Bestimmung, neben dem eigentlichen Zweck auch unbemittelten Bräuten eine Beihilfe zur Aussteuer und jungen Handwerkern eine Unterstützung zur Beschaffung der ersten Aussteuer zu gewähren, wurde ebenfalls auch im letzten Jahre erfüllt. Mehreren jungen Leuten wurden Beihilfen zu den Kosten der Fortbildung zu gebilligt. Unterstützungen werden jedoch nur Antragstellern, die in Bezirk des Vereins wohnen, gewährt. Das Vereinsvermögen betrüg ungefähr 25 000 Mark. Möge es dem Verein auch ferner beschieden sein, sein schönes Ziel in immer ausgedehnterem-Maße erfüllen zi können! — Frankfurt a. M., 16. April. Am 14. d. M. ist hier in Alter von 81 Jahren Dr. Emil Neubürger an Herzschlag ge storben. Neubürger war am 17. März 1826 in Düsseldorf geboren besuchte die Gymnasien in Frankfurt und Elberfeld und studierte iv