Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1907)
- Date
- 1907-04-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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71. jahrgarig. Nr. 17. Berlin, 26. April 1907. Der Kemeindeüote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". korrehondrn?m und Oschrichten. Deutschland. 3. Berlin, 14. April. In der März-Sitzung der „Wissenschaftichen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen" ielt Dr. Nathan einen Vertrag über das Thema: „Beiträge zur beschichte der Thora-Vorlesung." Er führte folgendes aus: Die -chriftvorlesungen, welche die Bibel erwähnt, haben nach allgemeinem lrteil mit der Institution der Thora-Vorlesung nichts gemein. Auch h Annahme Wellhansens, daß die Institution der Thora-Vorlesung >n Exil entstanden sei. und anderer, welche sie in die Zeit der iestauration verlegen, läßt sich wissenschaftlich nicht halten. Vielnehr fanden die ältesten Thora-Vorlesungen zur Zeit der hasmoräischen Herrschaft statt, und zwar an den drei Wallfahrtsfesten, some inl Monate Adar. Im letzten Jahrhundert des Tempels ist die illsabbatliche Thora-Vorlesung bereits eine ständige Institution der Synagoge, ohne jedoch an einen bestimmten Zyklus gebunden zu sein, nn Zyklus — und zwar der dreijährige — entwickelt sich erst in der >eit nach der Zerstörung des Tempels und ist gegen Ende des zweiten Jahrhunderts in Palästina in Geltung. In Babylonien entsteht in i 'er amoräischen Periode der einjährige Zyklus. Die Thora-Vorlesung 'er ältesten Zeit ist kurz und kein selbständiger Bestandteil des Gottesienstes. vielmehr ist sie nur die Einleitung zur Predigt; deutlich eigt dies die Entstehung der Schekalim-Parascho. Zu selbständiger Bedeutung gelangte die Thora-Vorlesung erst in der Zeit nach der Zerstörung des Tempels, vermutlich unter dem Einfluß der Ausweitung des Thorastudiums. Das Sprechen von Segenssprüchen bei 'er Thora-Vorlesung stammt aus der tannaitischen Zeit, das Aus-und 'nnheben sowie die hierhin gehörigen Gebete sind noch jüngeren Datums. In der Diskussion wurde betont, daß die erörterte Frage roch wenig geklärt und daher eine Stellungnahme dazu von seiten >er Zuhörer sehr schwer sei; einige Ansichten des Vortragenden nutzten einstweilen wohl ebenso als Hypothesen angesehen werden, vie die vom Vortragenden als nicht stichhaltig bezeichneten. Der Vortragende verteidigte in einem Schlußworte seine Darlegungen, oodann teilte der Vorsitzende mit, daß der bei I. Kaufsmann in Frankfurt am Main bereits in neunter Auflage erschienene „Leitfaden ür den Unterricht in der jüdischen Geschichte und Literatur" von Dr. David Cassel durch die Herren Hanfs und Rabbiner Dr. Galliner nner vollständigen Neubearbeitung unterzogen wird. 22 Berlin, 23. April. Bei der jetzt erfolgten Neueinschulung wn Kindern wird in den Osterberichten einiger höheren Lehranstalten darauf hingewiesen, daß über die Teilnahme schulpflichtiger linder an dem Religionsunterricht einer anderen Konfession als der des Vaters das hiesige königliche Provinzialchulkollegium folgendes bestimmt hat: „Wenn ein noch nicht 14 Jahre Utes schulpflichtiges Kind in einer anderen Konfession als der des Üaters unlerrichtet werden soll, so ist es erforderlich, daß beide Elterneile eine dahingehende Erklärung persönlich vor dem Vorsteher der tzolizeiverwaltung (in Berlin der einzelnen Polizeireviere) oder vor >em Landrat, Amtsrichter oder Notar ausdrücklich zu Protokoll ableben. Diese Bestimmung findet nicht nur bei Mischehen, sondern nlch in den Fällen Anwendung, in denen beide Eltern derselben Konfession angehören. Nur nach Vorlegung einer solchen Urkunde ist der Schüler dem betreffenden Religionsunterricht zuzuweisen." 8. Berlin, 21. April. Die Hauptanstalt der Gesellschaft Mag ine Reim (Verein zu gegenseitiger Hilfe) hat im abgelaufenen nähre 12350 Mark, die Witwen- und Waisen-Hilssanstalt 9595 Mark ür Unterstützungen verausgabt. An Gesamt-Einnahmen gingen;,8996 Mark ein, davon Jahresbeiträge 25720, Zinsen 18876, beschenke 14400 Mark. Das Vermögen der Hauptanstalt ist aus 109275, das der Hilfsanstalt auf 146720 Mark gestiegen. Die Zahl der Mitglieder beträgt 1622, darunter 59 lebende und 1267 verstorbene immerwährende Mitglieder. Den Vorstand bilden die Herren Moritz Manheimer, Vorsitzender, Hermann Landsberger, Stellvertreter, Direktor Dr. Georg Minden, Schriftführer und Archivar, Emil Pineus, Schatzmeister, Manuel Schwarz, Pflegevater, Geheimer Kommerzienrat Emil Jacob, Kontrolleur, Kommerzienrat Hermann Bamberg und Geheimer Sanitätsrat Dr. I. Blnmenthal, Beisitzer. t. Berlin, 21. April. Der Verband der Privat-S ynagogenverei n e von Berlin und den Vororten hat sich mit einer Denkschrift an den Vorstand der jüdischen Gemeinde gewendet, in der entweder uni Nebernahme der Privat vereine auf die Gemeinde oder um eine Erhöhung der demselben bewilligten Subventionen gebeten wird. Es wird ferner darin ausgeführt, daß das Verlangen um Erhöhung der Subventionen um so berechtigter ist, als infolge der Not unserer östlichen Brüder die Anforderungen an die Vereine bedeutend gewachsen seien. Der erste Teil der Petition ist unausführbar und auch wohl von den Herren selbst nicht ernst gemeint, lieber den zweiten Teil, der in gewisser Hinsicht sicher berechtigte Wünsche vorträgt, wird unzweifelhaft bei der demnächst stattsindenden Beratung der Subventionen im Repräsentantenkollegium gesprochen werden. 8. Berlin, 15. April. Der Verein zur Bekleidung armer jüdischer Kinder versendet soeben seinen neuen Jahresbericht, aus welchem hervorgeht, daß die Tätigkeit des Vereins eine recht große und segensreiche war. Es sind im ganzen 516 Kinder eingekleidet und dafür zirka 4500 Mark verausgabt worden. Die Mitgliederzahl hat sich auf 445 erhöht. Die Anforderungen, die an den Verein gestellt werden, sind aber derartig große, daß nur die Aermsten der Armen berücksichtigt werden können und noch viele abgewiesen werden müssen. Es ergeht daher die herzlichste Bitte an alle Menschenfreunde, sich dem Verein als Mitglied anznschließen; jährlicher Mindestbeitrag drei Mark. Statuten usw. sind im Vereinsbnreau, Motzftraße 8, Gartenhaus parterre (Amt VI, 12670) zu haben. (Bnreanstunden 2—7) oder werden auf Verlangen zugesandt. Königsberg i.Pr., 18.April. Der Israelitische Verein für Krankenpflege und Beerdigung hielt im Sessionszimmer der Synagogengemeinde unter dem Vorsitz des Herrn Hermann Wolffheim seine Generalversammlung ab. Der gedruckt vorliegende 202. Jahresbericht konstatiert, daß die vom Verein seit Jahren angeregte Ablösung der Kranzspenden bei Beerdigungen seitens der Mitglieder immer mehr Beachtung findet. Der Ertrag, der im letzten Jahre die Suinme von 330-,50 Mark erreichte, wurde mit zur Unterstützung der Armen verwendet. Die Zahl der Begräbnisse war im Berichtsjahre besonders groß, sie stieg von 122 im Jahre 1905 ans 160 in 1906, doch waren über 50 Prozent der letzteren Russen. Auch die Kindersterblichkeit hat sich von 18 auf 20 Prozent gesteigert. Die Einnahmen und Ausgaben balancieren mit 18 872,85 Mark; das Vereinsvermögen hat sich im Berichtsjahre um 1925,90 Mark auf 105 372,37 Mark vermehrt. Die aus dem Vorstande ausscheidenden Herren Max Arendt, Siegfried Jereslaw und M. Kosminsky wurden wieder- und an Stelle des Herrn Landsberger Herr Willy Bennigson neu gewählt. Zn Revisoren bestimmte die Versammlung die Herren I. Kirschner, M. Barschall und D. Beer. Stettin, 12. April. Der Bericht über den Religionsunterricht unserer Syuogogengemeinde enthält zunächst eine sehr wertvolle Abhandlung über die Einrichtung des Jugendgottesdienstes, die wir allen beteiligten Kreisen ganz besonders eindringlich empfehlen und aus der wir gelegentlich einmal Auszüge bringen werden. Aus dem Lehrplan entnehmen wir folgende Einzelheiten. Die Religions schule hat sechs Klassen, nämlich drei Knaben-und zwei Mädchenklassen und eine aus Knaben und Mädchen gebildete Klaffe. Von den 18 Unterrichtsstunden entfallen 11 auf den Sonntag Vormittag und sieben auf den Nachmittag der Wochentage Montag bis Donnerstag. Von den 437 Schülern, die im Sommer die hiesigen